Carole Dieschbourg

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Carole Dieschbourg (2016).

Carole Dieschbourg (* 3. Oktober 1977[1] in Ettelbrück) ist eine luxemburgische Politikerin (déi gréng) und Unternehmerin. Seit 4. Dezember 2013 ist sie Ministerin für Umwelt.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carole Dieschbourg wuchs auf der elterlichen Specksmühle in Lauterborn, einem Ortsteil Echternachs, auf. Sie absolvierte das Abitur in Echternach im Jahr 1997 und studierte anschließend an der Universität Trier Geschichtswissenschaften und Germanistik. Ihr Studium schloss sie als Magister (M.A.) – in ihrer Magisterarbeit befasste sie sich mit der Sklaverei im alten Rom – und mit dem ersten Lehramtsexamen für Gymnasien ab.[3]

Von 2005 bis 2006 arbeitete Dieschbourg als Projektkoordinatorin der europäischen LEADER-Initiative Müllerthal, wo sie sich insbesondere dem kulturellen Erbe der Region und der Erstellung eines Mühleninventars widmete. Von Ende 2006 bis Ende 2013 war sie im Familienbetrieb Moulin J.P. Dieschbourg in leitender Position tätig, zunächst als Assistentin der Geschäftsführung, schließlich seit 2011 als geschäftsführende Gesellschafterin. Die Mühle befindet sich seit 1897 in Familienbesitz.[4]

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrem Studium engagierte sich Dieschbourg im „Mouvement écologique“, bevor sie 2008 im Alter von 31 Jahren in die grüne Partei Luxemburgs („déi gréng“) eintrat. 2009 und 2013 kandidierte sie für die Chambre des Députés. Im Jahre 2010 gründete Dieschbourg einen örtlichen Verband ihrer Partei in Echternach. Bei den Kommunalwahlen 2011 zogen déi gréng erstmals in den Gemeinderat ein, Dieschbourg wurde Fraktionsvorsitzende. Das Gemeinderatsmandat gab Dieschbourg nach Ernennung zur Ministerin auf.[5]

Am 4. Dezember 2013 wurde Carole Dieschbourg von Großherzog Henri als Ministerin für Umwelt im Kabinett von Premierminister Xavier Bettel vereidigt.[6] Dieschbourg ist das jüngste Mitglied des Kabinetts Bettel und die einzige grüne Umweltministerin in Europa. Ihre Berufung galt als Überraschung.[7]

Politische Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gläubige Katholikin vertritt die Idee eines umfassenden Schutzes der Schöpfung, der auch den Schutz von Kunst- und Kulturgütern und die Denkmalpflege umfasst.[8] Zu ihren politischen Zielen gehört es, „den Menschen den Wert der Natur bewusster zu machen“ und für Transparenz einzutreten.[7]

Ihre politische Agenda erläuterte Dieschbourg im März 2014 in einem Interview mit der Zeitschrift Revue:[9] Dieschbourg setzt generell auf eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Ministerien im Bereich der Umweltpolitik. Ihr Motto lautet: bessere Aufklärung der Bevölkerung über den Umweltzustand Luxemburgs, intensiver Dialog und neue Allianzen zur Verbesserung der Situation. Die Ministerin setzt auf nachhaltiges Wachstum. Wichtig sei im Bereich der Erneuerbaren Energien eine Zusammenarbeit mit angrenzenden Regionen, etwa dem deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz. Ihr Ziel sei, dass Luxemburg 30 % seines Energiebedarfs aus nachwachsenden Ressourcen decke. Im Hinblick auf die Reduzierung der Treibhausgase im Rahmen der europäischen und internationalen Klimaschutzpolitik setzt sich Dieschbourg für einen einheitlichen europäischen Standpunkt ein. Im Bereich des Gewässerschutzes strebt sie eine rasche Umsetzung der europäischen Nitratrichtlinie an. Der Zustand luxemburgischer Bäche und Flüsse sei besorgniserregend. Nur die Verbesserung der heimischen Wasserqualität – durch reduzierten Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und die Ausweisung von Schutzzonen – vermeide langfristig eine kostenintensive Aufbereitung oder den Import von Trinkwasser. Sie plädiert dabei für eine enge Zusammenarbeit mit den Bauern. Schließlich spricht sich Dieschbourg für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes, den Ausbau des Schienennetzes und für die Verwendung umweltschonender Bautechniken aus.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2016 ist Dieschbourg mit Claude Hansen verheiratet.[10]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Mühlen des Müllerthals. Editions Guy Binsfeld, Luxemburg 2007, ISBN 978-2-87954-172-3 (Fotografien von Christof Weber; französische Ausgabe unter dem Titel Les moulins du Müllerthal).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heike Bucher: Keine halben Sachen. In: Revue 38/2016, S. 15–20.
  • Christoph Seidler: Carole Dieschbourg: Europas Stimme auf dem Klimagipfel. In: Spiegel Online vom 9. Dezember 2015 (abgerufen am 9. Dezember 2015).
  • Jochen Zenthöfer: Von der Mühle des Getreides zu den Mühlen der Demokratie – Porträt der neuen Ministerin Carole Dieschbourg. In: Télécran – Das Luxemburger Magazin, Nr. 51/2013, S. 16–19.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Carole Dieschbourg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Lebenslauf auf der Homepage der luxemburgischen Regierung

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angaben bei Politikercheck.lu (abgerufen am 4. Dezember 2013).
  2. Viele Änderungen, wenig Frauen: So sieht die neue Regierung aus. In: Luxemburger Wort vom 3. Dezember 2013 (abgerufen am 4. Dezember 2013).
  3. Angaben bei Editions Guy Binsfeld (abgerufen am 4. Dezember 2013).
  4. Ines Kurschat: Traditionsbewusst in die Zukunft. In: D'Lëtzebuerger Land vom 21. Dezember 2012 (abgerufen am 4. Dezember 2013).
  5. Roger Infalt u.a.: Manche Stühle wackeln noch. In: Tageblatt vom 4. Dezember 2013 (abgerufen am 4. Dezember 2013).
  6. Regierung in Amt und Würden. In: Luxemburger Wort vom 4. Dezember 2013 (abgerufen am 4. Dezember 2013).
  7. a b Claude Molinaro: Luxemburgs neue Umweltministerin kennt Trier. In: Trierischer Volksfreund vom 18./19. Januar 2014, S. 6.
  8. Jochen Zenthöfer: Von der Mühle des Getreides zu den Mühlen der Demokratie – Porträt der neuen Ministerin Carole Dieschbourg. In: Télécran – Das Luxemburger Magazin, Nr. 51/2013, S. 16–19.
  9. Stefan Kunzmann: Im Interview – Umweltministerin Carole Dieschbourg. In: Revue 13/2014 (abgerufen am 16. April 2014).
  10. D'Carole Dieschbourg an de Claude Hansen hu "Jo" gesot. RTL.lu, 3. Oktober 2016 (abgerufen am 5. Oktober 2016).