Carolin Kebekus

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Carolin Kebekus, 2016

Carolin Kebekus (* 9. Mai 1980 in Bergisch Gladbach) ist eine deutsche Komikerin, Sängerin, Synchronsprecherin und Schauspielerin.

Leben

Carolin Kebekus wuchs als Tochter einer Sozialpädagogin und eines Bankkaufmanns in Köln-Ostheim auf. 1999 kam sie als Praktikantin zu den Freitag Nacht News, wo deren Mitproduzent Hugo Egon Balder sie dazu brachte, Schauspielunterricht zu nehmen.[1] 2002 absolvierte Kebekus ein Praktikum bei 1 Live.[2]

Ihre Parodien des Tokio-Hotel-Sängers Bill Kaulitz in den Freitag Nacht News brachten Kebekus den Durchbruch im Fernsehen und führten im April 2006 zu Beschimpfungen und Drohungen durch Fans der Gruppe.[3] Von September 2006 bis zur Absetzung der Sendung im Dezember 2006 gehörte Kebekus zum Moderatoren-Team der Freitag Nacht News um Ingo Appelt.

2007 spielte Kebekus in der RTL-Sitcom Kinder, Kinder mit. Sie beteiligte sich an Diskussionen in der Comedy-Talkshow u. A. w. g. – um Antwort wird gebeten bei Comedy Central und hatte mehrere Gastauftritte (beispielsweise als Jennifer-Lopez-Parodistin) in den Sendungen Freitag Nacht News, RTL Comedy Nacht, Was guckst du?!, Quatsch Comedy Club und Fritz & Hermann. Bei der Improcomedysendung Frei Schnauze gehörte sie zur wiederkehrenden Besetzung. 2008 wirkte sie in der RTL-Sketchcomedyserie WunderBar mit. 2009 lief auf ProSieben die Comedyshow Die Hochzeitscrasher, in der Kebekus neben Max Giermann und Hanno Friedrich Hochzeitsgästen Streiche spielte. Seit 2009 ist sie regelmäßig in Sketchen des Formats Broken Comedy zu sehen und steht seit der zweiten Staffel außerdem als Moderatorin der Sendung auf der Bühne.

2007 spielte Kebekus in dem Film Vollidiot eine Nebenrolle. Sie singt in der Band „De Imis“ sowie zusammen mit Rüdiger Brans beim Comedy-Duo „2ZimmerKücheDieleBad“. 2010 trat sie beim 19. Arosa Humor-Festival zusammen mit dem Schweizer Kabarettisten Rolf Schmid auf. 2011 veröffentlichte sie ihr Debütalbum Ghetto Kabarett. Im selben Jahr war sie Mitglied der Neuauflage der Wochenshow. Seitdem ist sie mit ihrem ersten Bühnenprogramm Pussy Terror auf Tour. Es wurde Anfang 2014 bei RTL ausgestrahlt. 2012 spielte sie in dem Kinofilm Hanni & Nanni 2 die Rolle der Lehrerin Frau Goethe.

Seit 2013 ist Kebekus Ensemblemitglied der wöchentlichen Nachrichtensatire heute-show. Am 2. Juni 2013 trat sie in der WDR-Sendung Zimmer frei! auf.[4] Am 5. Juni 2013 wurde bei Einsfestival ihre erste vom WDR produzierte Sendung Kebekus! gezeigt, die wegen einer vom Sender nicht ausgestrahlten Kirchensatire im Vorfeld zu Kontroversen geführt hatte, weshalb Kebekus die Zusammenarbeit mit dem WDR zunächst beendete.[5]

2014 und 2015 führte Kebekus als Nachfolgerin von Dieter Nuhr durch die Preisverleihung des Deutschen Comedypreises.[6] Seit dem 21. März 2015 ist sie im WDR mit Pussy Terror TV zu sehen.[7]

Am 12. Februar 2017 war sie Mitglied der 16. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten als eine der Vertreterinnen des Landtags von Nordrhein-Westfalen für die Partei Bündnis 90/Die Grünen.

Im Februar 2017 spielte Kebekus ihre erste Hauptrolle im Kinofilm Schatz, nimm du sie!, einem Remake der französischen Filmkomödie Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt.[8]

Kontroversen

Im Februar 2013 sendete die heute show einen satirischen Filmbeitrag, mit dem sich Kebekus bei Kardinal Joachim Meisner als Päpstin bewarb. Nach Angaben des Spiegel[9] soll ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz vergeblich versucht haben, die Ausstrahlung der Episode zu verhindern.[10] Im Juni 2013 entschied sich der WDR gegen die Ausstrahlung des von Kebekus produzierten satirischen Musikvideos Dunk den Herrn in Kebekus! auf Einsfestival. In dem Video, in dem sie in einem Nonnenkostüm auftritt und ein Kruzifix ableckt, textete Kebekus in Form eines Rap unter anderem: Er ist meine Bank, nur für ihn zieh ich blank[10] und Bei Gott geht der Punk ab, weil nur er den Funk hat; Jesus ist der Shit und wer das nicht glaubt, der kackt ab. Anspielungen gab es auch auf sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Stefan Raab empfahl Kebekus, sich beim zukünftigen WDR-Intendanten Tom Buhrow zu beschweren und auf der Kunstfreiheit zu bestehen, nachdem sie ihre Sendung als „verstümmelt“ bezeichnet hatte: „Es war natürlich seit drei Wochen ungefähr abgenommen, und jetzt ist aber dem WDR aufgefallen: ‚So jung wollen wir auch nicht werden‘“. Es werde wohl auch die letzte Sendung bleiben.[11]

Zum Vorwurf der Zensur, den Kebekus in TV total erhoben hat, und dem Vorwurf der Selbstzensur, der laut Tagesspiegel von Mitarbeitern der Sendung erhoben wurde,[12] erklärte der WDR, er könne dies „so nicht akzeptieren“. Der Sender stehe für Liberalität und Toleranz, was bedeute, dass religiöse Überzeugungen der Bevölkerung zu achten seien. Nach redaktioneller Diskussion und rechtlicher Prüfung hätten die Programmverantwortlichen daher entschieden, das Video nicht auszustrahlen: „Es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen Kritik an der Institution Kirche und der Verunglimpfung religiöser Symbole“, unabhängig davon, ob sich eine Sendung an ein jüngeres oder älteres Publikum richte. Eine zukünftige Zusammenarbeit mit Kebekus werde sich zeigen – „unsere Türen bleiben jedenfalls geöffnet.“ Im Zusammenhang mit dem Video gingen aufgrund eines Aufrufs der Pius-Bruderschaft etwa 100 Anzeigen gegen Kebekus ein. Die Staatsanwaltschaft Köln prüfte, ob der Beitrag den Tatbestand Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen (§ 166 StGB) erfülle, stellte kein strafrechtlich relevantes Handeln fest und stellte die Ermittlungen ein. Die satirisch überspitzte Darstellung habe keinen beschimpfenden Charakter, sondern einen kirchenkritischen Inhalt.[13]

Kebekus ging Anfang 2017 gerichtlich gegen Kölnreporter vor, der über ein angebliches Verhältnis mit Serdar Somuncu berichtet hatte. Das Oberlandesgericht Köln entschied am 6. April 2017[14], dass sich Kebekus als Ehefrau Somuncus behandeln lassen müsse.[15][16]

Werk

Film

Fernsehen

Literatur

DVD

  • Pussy Terror – Live. Sony Music, 2013 (DVD; Gold, Comedy-Award.[17]).
  • Broken Comedy – Die komplette Kultshow. Turbine Medien, 2015 (DVD).
  • Best of Pussy Terror TV Staffel 1 – Live. Sony Music, 2016 (DVD).

Audio

  • 2009: Der witzigste Vorleseabend der Welt: Live-Lesung mit Jürgen von der Lippe, Jochen Malmsheimer und Carolin Kebekus
  • 2010: Verkehrte Welt: Inszenierte Lesung mit Jürgen von der Lippe, Jochen Malmsheimer und Carolin Kebekus
  • 2011: Pussy Terror
  • 2011: Ghetto Kabarett (Improversum/Groove Attack)
  • 2011: Favorite vs. Caroline Kebekus Favorite und Carolin Kebekus
  • 2013: Funkemarieche (Brings, Carolin Kebekus)
  • 2014: Arschbacken zusammenkneifen, Prinzessin! Lesung mit Carolin Kebekus
  • 2015: Beim Dehnen singe ich Balladen: Geschichten und Glossen mit Jürgen von der Lippe, Jochen Malmsheimer und Carolin Kebekus
  • 2016: Pirate (Kasalla, Carolin Kebekus)

Hörbücher

Nominierungen und Preise

Kebekus mit der 1 Live Krone (2015)
  • 2007: Publikumspreis des Wettbewerbs Tegtmeiers Erben
  • 2008: Prix Pantheon
  • 2011: nominiert für den Deutschen Comedypreis als beste Komikerin
  • 2013: Deutscher Comedypreis als beste Komikerin
  • 2014: Deutscher Comedypreis als beste Komikerin
  • 2014: nominiert für den Deutschen Comedypreis als bestes TV-Soloprogramm für Pussy Terror
  • 2015: nominiert für den Deutschen Animationssprecherpreis Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart für ihre Rolle in Der kleine Drache Kokosnuss
  • 2015: Deutscher Comedypreis als beste Komikerin und für die beste Personality-Show für ihr Programm PussyTerror TV
  • 2015: 1 Live Krone in der Kategorie Comedy
  • 2015: nominiert für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Comedy/Kabarett mit PussyTerror TV
  • 2016: Deutscher Comedypreis als beste Komikerin
  • 2016: nominiert für Goldene Henne (Publikumspreis Entertainment)

Weblinks

 Commons: Carolin Kebekus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. So Kebekus’ eigene Darstellung im Interview, vgl. Antje Hildebrandt: „Ich kann meine Penisse an einer Hand abzählen“. Panorama Carolin Kebekus. In: Welt Online. 21. Oktober 2014, abgerufen am 13. August 2016.
  2. Carolin Kebekus bekommt die 1LIVE Comedy-Krone 2015. WDR, 20. November 2015, abgerufen am 13. August 2016 (Pressemitteilung).
  3. Tokio-Hotel-Fans bedrohen RTL-Moderatorin. In: B.Z. 29. April 2006, archiviert vom Original am 23. Mai 2006, abgerufen am 13. August 2016.
  4. Michael Kerkmann: Sendung vom 2. Juni 2013. Zimmer frei! wdr.de, 11. Mai 2013, archiviert vom Original am 8. Juli 2013, abgerufen am 13. August 2016.
  5. Ärger um Kirchensatire von Carolin Kebekus. Deutschlandradio Kultur, 5. Juni 2013, archiviert vom Original am 5. Oktober 2013, abgerufen am 13. August 2016.
  6. Jenny Filon: Carolin Kebekus hält Laudatio bei der Emmy-Verleihung in New York. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 25. November 2014, abgerufen am 13. August 2016.
  7. Uwe Mantel: Kebekus und der WDR geben sich eine 2. Chance. In: DWDL.de. 9. Februar 2015, abgerufen am 13. August 2016.
  8. "Schatz, nimm du sie!": Kann Comedy-Star Carolin Kebekus auch Kino?
  9. „heute-show“ erzürnt katholische Kirche. In: Der Spiegel. Nr. 9, 2013, S. 139 (online).
  10. a b Umstrittene Kirchensatire: Komikerin Carolin Kebekus wettert gegen WDR-"Zensur", Spiegel Online vom 5. Juni 2013
  11. WDR streicht Kirchensatire von Carolin Kebekus, handelsblatt.com vom 6. Juni 2013
  12. TV-Moderatorin Carolin Kebekus beschwert sich über WDR, Tagesspiegel vom 5. Juni 2013
  13. Keine Ermittlungen gegen Kebekus, ksta.de vom 9. Juli 2013
  14. OLG Köln; Urteil vom 06.04.2017, Az.: 28 O 417/15.
  15. Redaktion beck-aktuell: „OLG Köln: "Köln Reporter" durfte über "Verhältnis" zwischen Carolin Kebekus und Serdar Somuncu berichten“, Verlag C.H.Beck, 10. April 2017, becklink 2006339.
  16. OLG Köln zu Bericht über Kebekus und Somuncu: Richter mussten von einer Ehe aus­gehen“, In: Legal Tribune Online vom 6. April 2017, Abruf 13. April 2017.
  17. Gold-/Platindatenbank, Abruf 26. April 2016
  18. Voll streng, Frau Freitag. Neues aus dem Schulalltag auf: NDR Kultur Juli 2012