Caroline Sommerfeld-Lethen

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Caroline Sommerfeld-Lethen (geb. Sommerfeld; * 1975 in Mölln)[1] ist eine deutsche Philosophin, Autorin und Aktivistin der Neuen Rechten und der Identitären Bewegung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommerfeld studierte ab 1994 an der Universität Rostock Germanistik und Philosophie und war Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes. 2005 veröffentlichte sie ihre Dissertation über Immanuel Kant unter dem Titel Wie moralisch werden?. Sie hatte Lehraufträge an den Universitäten Rostock und Wien und erwarb ein ECHA-Zertifikat Specialist in Gifted Education (Pädagogik für hochbegabte Kinder der Grund- und Sekundarstufe).[2][3] Bis Februar 2017 war sie Köchin einer Wiener Waldorfschule. Dort wurde sie mit der Begründung suspendiert, sie schreibe auf rechtsradikalen Internetseiten.[4] Inspiriert von Renaud Camus' Revolte gegen den großen Austausch publiziert Sommerfeld seit 2015 auf ihrem Blog Fauxelle. Blicke unter den Verblendungszusammenhang.[5] Seit August 2016 schreibt sie für die rechtsintellektuelle Sezession, eine Zeitschrift des Instituts für Staatspolitik in Schnellroda von Götz Kubitschek. Es erscheinen regelmäßig Kommentare von Sommerfeld-Lethen auf der FPÖ-nahen Plattform unzensuriert.at.[6][7]

Sommerfeld ist mit dem Germanisten und Kulturwissenschaftler Helmut Lethen verheiratet, mit dem sie drei Kinder hat. In der Sezession und ihrem Blog hat sie über die neurechten Auseinandersetzungen mit der 1968er-Generation mehrere „Dialoge mit H.“ veröffentlicht.[8][9] Helmut Lethen antwortet ihr in seiner Monographie Die Staatsräte, Elite im Dritten Reich: Gründgens, Furtwängler, Sauerbruch, Schmitt, die er als »indirekte Auseinandersetzung mit der neuen Rechten« bezeichnet. In dem "Ursprungsdenken der neuen Rechten" sieht Lethen Parallelen zur "Idee der Volksgemeinschaft". Sie müsse die nationale Identität durch die "Ritual der Exklusionsmechanismen" erst künstlich herstellen, um sich auf sie berufen zu können.[10][11][12]

Sommerfeld veröffentlichte 2017 zusammen mit Martin Semlitsch alias Martin Lichtmesz, einem der Wiener Köpfe der neuen Rechten und Ideologen der Identitären, ein Buch mit dem Titel Mit Linken leben. Das Buch wurde als Gegenstück zu Mit Rechten reden von Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn konzipiert,[13] erschien in Götz Kubitscheks Verlag Antaios und wurde auf der Frankfurter Buchmesse unter Tumulten vorgestellt, die eine Diskussion über den Umgang mit den Neuen Rechten auslösten.[13][14][15][16][17][18]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Pawlik beschrieb 2005 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Sommerfelds Dissertation über Kants moralische Ethik als eindrucksvoll und überzeugend.[19]

Der Literaturkritiker Ijoma Mangold schrieb in der Zeit, dass das Buch Mit Linken leben viele blinde Flecken habe, es habe aber auch einen scharfen Blick für die blinden Flecken der linksliberalen Öffentlichkeit. Dass Sommerfeld und Lichtmesz allerdings allen, die ihre Positionen zurückweisen und bekämpfen, das Etikett "links" anhängen, sei der Punkt, an dem sie es sich am entschiedensten zu einfach machen würden. Man müsse durchaus manchmal lachen, wenn man Mit Linken leben liest. Der homerische Witz von Mit Rechten reden aber springe dann doch weiter und höher. Und unterscheidet sich auch in puncto intellektueller Redlichkeit, denn während Mit Linken leben seinen ätzenden Witz ausschließlich mit Blick auf den nicht-rechten Gegner zum Einsatz bringe, würde Mit Rechten reden die rhetorischen und medialen Rituale von Rechten und Nichtrechten gleichermaßen unter die Lupe nehmen. Die immer wiederkehrende Rede von "Schuldkult" und vom "Nationalmasochismus" sei der größte blinde Fleck im Denken der Rechten. Sie würden nicht sehen, dass der Umgang der Deutschen mit ihrer historischen Schuld ein souveräner, reflektierter und deshalb selbstbewusster sei. Die Auseinandersetzung damit wäre nicht Masochismus, sondern Geschichtsbewusstsein.[20]

Die Süddeutsche Zeitung schrieb über die Wandlung von Sommerfeld von Positionen der 68er-Bewegung hin zu neurechten Ideologien, dass sie eine viel gelobte philosophische Dissertation über Immanuel Kant unter dem Titel "Wie moralisch werden?" geschrieben habe und früher „ein gern gesehener Gast auf geisteswissenschaftlichen Tagungen“ gewesen sei. Nun marschiere sie „bei Fackelzügen der Wiener Identitären zum Gedenken an die Schlacht gegen die Türken von 1683 mit“. Sommerfeld erklärte hierzu, dass jeder Kritiker dieser Entwicklung ein „Individuum auf Gemeinschaftszerstörungsdroge“ sein müsse und somit „asozial im Wortsinne“.[21]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Gespräch mit Hasnaim Kazim verneinte sie die Frage, ob auch Nichtweiße Deutsche sein könnten. Zwar sei dies für sie nicht allein unter dem Gesichtspunkt der „Rasse“ zu bewerten, „aber es hat auf jeden Fall ganz elementar eine ethnische Komponente. Mit der Staatsbürgerschaft allein ist es nicht getan.“ Was „deutsch“ sei, sei „augenscheinlich“ und bedürfe keiner komplexen Definition. Es reiche, in eine typische deutsche Kleinstadt zu fahren und zu registrieren, „wie die Leute dort denken, wie sie sprechen, wie sie aussehen“. Sie sei aber nicht „gegen Fremde ganz pauschal, das ist Quatsch“.[22]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verlag Karl Alber: Autoreninfo: Caroline Sommerfeld-Lethen. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  2. Specialist in Gifted Education | KARG Fachportal Hochbegabung. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  3. Caroline Sommerfeld-Lethen: Hochbegabte und Waldorfschule. In: Österreichisches Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung (Hrsg.): News & Science. Nr. 24, 2010, S. 29–35 (oezbf.at [PDF]).
  4. Claudius Weise: Identitäre Anthroposophie. Was in der Anthroposophischen Bewegung leider vorgeht. In: Die Drei. Zeitschrift für Anthroposophie in Wissenschaft, Kunst und sozialem Leben 10 (Oktober 2017), S. 55–59. 1. Oktober 2017, abgerufen am 10. Februar 2018.
  5. Über fauxelle. In: fauxelle. 7. Juli 2016 (wordpress.com [abgerufen am 5. Februar 2018]).
  6. Die Linke als globalistische Gestaltwandlerin – Das Beispiel Frankreich. In: Unzensuriert.at. 10. Mai 2017 (unzensuriert.at [abgerufen am 5. Februar 2018]).
  7. Sezession im Netz - Den wahren, guten und schönen Rechten ein Tagebuch. Abgerufen am 5. Februar 2018 (deutsch).
  8. Er predigt den Austausch, sie marschiert auf Fackelzügen. In: sueddeutsche.de. 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 17. April 2018]).
  9. Ijoma Mangold: Neue Rechte: Besuch von anderen Planeten. In: Die Zeit. 18. Oktober 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 17. April 2018]).
  10. Helmut Lethen: Die Staatsräte, Elite im Dritten Reich: Gründgens, Furtwängler, Sauerbruch, Schmitt. 1. Auflage. Rowohlt Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-87134-797-9, S. Kap. V.
  11. Helmut Lethen über sein Buch "Die Staatsräte" - Fiktive Gespräche mit Gründgens. In: Deutschlandfunk Kultur. (deutschlandfunkkultur.de [abgerufen am 25. Februar 2018]).
  12. Konstantin Sakkos: Radio-Rezension zu Helmut Lethen, Die Staatsräte, Elite im Dritten Reich: Gründgens, Furtwängler, Sauerbruch, Schmitt, Rowohlt 2018. In: https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/lesenswert/swr2-lesenswert-kritik-helmuth-lethen-die-staatsraete/-/id=659892/did=20941278/nid=659892/8zfu9s/index.html. SWR 2 Lesenswert Kritik, 6. Februar 2018, abgerufen am 25. Februar 2018.
  13. a b Richard Kämmerlings: Buchmessen-Tumulte: „Der Plan der Rechten ist perfekt aufgegangen“. In: Die Welt. 17. Oktober 2017.
  14. Alex Rühle: Buchmesse-Abschluss: Die Rechten stilisieren sich nach dem Buchmesse-Eklat zu Opfern. In: Süddeutsche Zeitung. 15. Oktober 2017.
  15. Dirk Knipphals: Plädoyer für Raison mit Rechten: Goebbels-Vergleiche gewinnen nicht. In: die tageszeitung. 16. Oktober 2017.
  16. Lothar Müller: Frankfurter Buchmesse: Bücher, Fäuste, Illusionen. In: Süddeutsche Zeitung. 16. Oktober 2017.
  17. Gerrit Bartels: Frankfurt: Wie die Buchmesse mit rechtsextremen Verlagen umgeht. In: Der Tagesspiegel. 12. Oktober 2017.
  18. Thorsten Jantschek & Matthias Dell: Mit Rechten reden - Pro und Contra: Streiten als Selbstzweck? In: Deutschlandfunk Kultur. 27. Oktober 2017.
  19. Caroline Sommerfeld-Lethen: Wie moralisch werden?. Kants moralistische Ethik. (perlentaucher.de [abgerufen am 17. April 2018]).
  20. Neue Rechte: Der Nimbus des Nonkonformismus. In: Die Zeit. 18. Oktober 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 17. April 2018]).
  21. Johan Schloemann: Er predigt den Austausch, sie marschiert auf Fackelzügen. In: sueddeutsche.de. 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 17. April 2018]).
  22. Hasnain Kazim: Identitäre Aktivistin Caroline Sommerfeld: Auf rechts gedreht. In: Spiegel Online. 10. April 2018 (spiegel.de [abgerufen am 10. April 2018]).