Carolinensieler Kirche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Carolinensieler Kirche von Nordwesten
Kirche von Südwesten

Die evangelisch-lutherische Carolinensieler Kirche in Wittmund-Carolinensiel ist die einzige Kirche weltweit, die auf einem Deich gebaut wurde.[1] Sie wurde 1776 errichtet, ist Teil des Carolinensieler Museumswegs und steht unter Denkmalschutz.

Geschichte und Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als sich im Jahr 1730, ein Jahr nach der Eindeichung und Ortsgründung, die ersten Bewohner am Deich ansiedelten, besuchten sie in Funnix oder Werdum den Gottesdienst. Erst 1770 erhielten sie die Erlaubnis zum Kirchbau. Die schlichte Saalkirche aus Backstein mit einem Walmdach wurde am 20. Oktober 1776 eingeweiht.[1] In die beiden Langseiten des rechteckigen Gebäudes sind je vier große rundbogige Fenster eingefügt. Das westliche Eingangsportal weist einen Korbbogen auf.

Turm und Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Westturm, der keine Schallläden, sondern Schalllöcher besitzt, wurde 1793 getrennt von der Kirche errichtet. Er ist wegen der heftigen Stürme bewusst niedrig gehalten. Die Turmspitze ziert ein Schwan, ein lutherisches Symbol. Er beherbergt ein zweistimmiges Glockengeläut mit der Tonfolge fis-a, die kleine Glocke ist neu (2001), die große gilt als historisch.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innenraum ist schlicht gestaltet und wird von einem blauen hölzernen Tonnengewölbe abgeschlossen. Er verfügt noch über sämtliche ursprünglichen Einrichtungsgegenstände im Stil des ausgehenden Barock,[2] wie die barocke Altarkanzel mit seitlichem und über dem sechseckigen Schalldeckel bekrönendem Schnitzwerk, den Kommunionsbänken auf beiden Seiten, im Westen die Westempore mit Orgel und Prieche sowie das rote Kastengestühl, das einen farblichen Kontrast zur übrigen weißen Innenausstattung bildet.

In der Nähe der Orgel befinden sich besondere Sitzmöbel in Form eines offenen dreisitzigen Beichtstuhls für ausgesuchte Gemeindemitglieder, Priefchen genannt.[3] Um den Altar kann man drei gestiftete Votivgaben in Form von Schiffsmodellen sehen. Es handelt sich dabei um die Brigg Venus (1776), die Fregatte Alje Mehrings (1921) und die Bark Marie Emilie (1985).[4]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Müller-Orgel auf der Westempore von 1781

Hinrich Just Müller aus Wittmund baute 1780/81 die Orgel, die zusammen mit der Empore 1782 eingeweiht wurde. Ebenso wie die Altarkanzel wird sie von seitlichem und bekrönendem Rankenwerk verziert. Das Instrument verfügt über elf Register auf zwei Manualen mit angehängtem Pedal. Instandsetzungsarbeiten mit zeittypischen Umbauten wurden 1897/98 durch Johann Diepenbrock und 1950 durch Alfred Führer vorgenommen. Hermann Hillebrand führte 1975/76 eine teilweise Restaurierung durch, die 2004/05 von Heiko Lorenz mit Rückführung auf den Urzustand vollendet wurde.[5]

I Hauptwerk C–c3
1. Principal 8′ M, L
2. Bordun 16′ M, L
3. Octava 4′ L, M
4. Quinta 3′ M
5. Mixtur IV H
6. Trompete B/D 8′ L
II Oberwerk C–c3
7. Principal 4′ M
8. Gedact 8′ L, M
9. Nassat 3′ M, L
10. Waltflöte 2′ M
11. Dulcian B/D 8′ L
Tremulant M
Pedal C–d1
angehängt

Anmerkungen

M = Hinrich Just Müller (1780/1781)
H = Hermann Hillebrand (1976)
L = Heiko Lorenz Orgelbau (2005)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Carolinensieler Kirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Genealogie-Forum: Carolinensiel, gesehen 19. Juni 2011.
  2. Gottfried Kiesow: Architekturführer Ostfriesland. Verlag Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2010, ISBN 978-3-86795-021-3, S. 335.
  3. Foto eines Priefchens mit Schiffsmodell.
  4. Darstellung bei museumsweg.de, gesehen 19. Juni 2011.
  5. Reinhard Ruge (NOMINE e.V.): Carolinensiel, Ev.-luth. Deichkirche - Orgel von Hinrich Just Müller (1780/1781), gesehen 6. Februar 2011.

Koordinaten: 53° 41′ 30″ N, 7° 48′ 2″ O