Carrefour (Unternehmen)

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Carrefour S.A.
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Rechtsform Société Anonyme
ISIN FR0000120172
Gründung 1959
Sitz Boulogne-Billancourt, Frankreich
Leitung Georges Plassat[1]
Mitarbeiter 380.000 (31. Dezember 2015)[2]
Umsatz 76,95 Mrd. EUR (2015)[2]
Branche Einzelhandel
Website www.carrefour.com

Die Carrefour S.A. ist ein international tätiges französisches Unternehmen im Einzelhandel. Es ist nach der Schwarz-Gruppe das zweitgrößte Einzelhandelsunternehmen Europas und das drittgrößte weltweit. Weitere bedeutende Wettbewerber von Carrefour sind Wal-Mart und Tesco.

Ende 2015 betrieb das Unternehmen 12.296 Filialen in mehr als 35 Ländern und beschäftigte 380.000 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug im Jahr 2015 76,95 Milliarden Euro.[2] Frankreich und Spanien sind die wichtigsten Länder Carrefours, zusammen sind sie für über 50 % des Umsatzes verantwortlich.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carrefour wurde im Jahr 1959 von Marcel Fournier gemeinsam mit Denis Defforey und Jacques Defforey gegründet. Im Jahr 1963 entwickelte Carrefour das Konzept der Hypermarchés (Hypermärkte). Das Unternehmen expandierte 1969 nach Belgien, 1973 nach Spanien und 1975 nach Brasilien.

1976 nutzte Carrefour die Eröffnung der Shopping City Süd zur Expansion nach Österreich und errichtete dort den mit 17.000 m² Verkaufsfläche und über 400 Mitarbeitern damals größten Einzelhandelsmarkt Österreichs. 1978 erwarb Kastner & Öhler 51 % an dem Standort und beließ die Marke Carrefour. Carrefour blieb, nach anfänglichen Erfolgen, bei den Umsatzzahlen hinter seinen Erwartungen zurück, und beendete sein Engagement in Österreich.[4] Ein Expansionsversuch nach Deutschland (Mainz) im Jahr 1977 scheiterte ebenfalls.

Seit 1970 ist Carrefour an der Pariser Börse notiert. 1997 waren allein in Frankreich 123.400 Mitarbeiter beschäftigt. Der Umsatz betrug im gleichen Jahr 169.269 Millionen Francs. Im Jahr 1999 fusionierten Carrefour und Promodès.

2008 zog sich das Unternehmen vom Schweizer Markt zurück, auf Grund der nicht erreichten internen Vorgabe „Carrefour bleibt nur dort präsent, wo [sie] die Nummer eins oder zwei sind.“[5] Die Schweizer Filialen wurden gegen Zahlung von 470 Millionen Franken an Coop verkauft.[6]

In der Volksrepublik China wurde im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking 2008 kurzfristig zu einem Boykott der Kette aufgerufen. Im Zusammenhang mit Protesten für die tibetische Unabhängigkeit waren Gerüchte im Internet aufgekommen, Carrefour würde diese unterstützen.[7] Obwohl eine Pressemitteilung des Unternehmens das verneinte, konnte Carrefour in vielen großen Suchmaschinen in China eine Zeit lang nicht mehr gefunden werden.[8]

Umsatz der Carrefour-Gruppe
1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Umsatz (inkl. MwSt, in Milliarden €) 25,8 27,4 37,6 64,8 69,5 68,7 70,5 72,7 74,5 87,4 92,3 97,6 96,2 101,0 91,5 86,6 84,3 100,5 [9]

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Logo von Carrefour

Das Logo von Carrefour trägt ein weißes C in einer rot-blauen Raute, deren Ecken abgerundet sind. Das Bild enthält eine optische Täuschung: 95 % aller Franzosen geben an, das verborgene C nicht zu sehen. Nach Vorstellung von Carrefour symbolisieren die beiden gegenläufigen Pfeile in dem Logo einerseits den Blick in die Vergangenheit nach links (verboten, darum rot) und andererseits nach rechts in die Zukunft (blau). Gleichzeitig bildet der blaue Teil des Logos eine Hellebarde, was die kämpferische Preis- und Verkaufspolitik und das Expansionsstreben des Unternehmen versinnbildlichen soll. Die drei Farben der Trikolore erinnern an die französische Herkunft des Unternehmens. Zwischen 2009 und 2013 waren auch andersfarbige Varianten des Logos in Gebrauch.[10]

Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Marken gehören zur Carrefour-Gruppe:

8-à-Huit-Filiale in Étretat
Carrefour-Filiale in Scheibenhard
  • 8 à Huit: 800 kleinere Frischmarkt-Filialen in Frankreich mit 70 bis 400 Quadratmetern Größe mit zahlreichen Fertigprodukten.
  • Carrefour: 730 sehr große Hypermärkte (Hypermarché) mit einer Fläche von bis zu 20.000 Quadratmetern und bis zu 70.000 Artikeln im Sortiment.
  • Carrefour Express: Supermärkte und Hypermärkte in Polen, Spanien (z. B. Benidorm) und der Türkei (Zusammenschluss aus Champion, Gima und Endi).
  • Champion: über 1.000 Supermärkte mit etwa 1.500 Quadratmetern in Frankreich, Belgien, Spanien, Rumänien, Polen, Tunesien, Argentinien und Brasilien.
  • Dia: 3.700 Harddiscount-Filialen mit etwa 500 bis 770 Quadratmetern Verkaufsfläche in Spanien, Portugal (unter dem Namen Minipreço), Argentinien, in der Türkei und in Brasilien. Angeboten werden bis zu 2.000 Artikel. Einige Filialen werden von Franchisenehmern betrieben.
  • diperdi: Supermärkte in Italien
  • Ed: 459 Harddiscounting-Filialen mit 300 bis 1.000 Quadratmetern in Frankreich.
  • GB: 271 Supermärkte in Belgien
  • GS: 371 Supermärkte in Italien.
  • Norte: 141 Supermärkte in Argentinien.
  • Prodirect: Lieferservice für die Gastronomie.
  • Promocash: 130 Abholgroßmärkte für Händler und Gastronomie in Frankreich.
  • Proxi: 1.310 kleine Supermärkte mit 80 bis 200 Quadratmetern.
  • Shopi: 600 kleinere Supermärkte in Frankreich mit einer Fläche von 400 bis 900 Quadratmetern. Angeboten werden bis zu 6.500 Artikel, davon 3.500 Frischprodukte und 1.000 Eigenmarken-Produkte.

Im Wesentlichen gibt es folgende Ladentypen:

  • Hypermarché (Hypermarkt): sehr große Warenhäuser mit 5.000 bis 23.000 Quadratmetern Ladenfläche und mit bis zu 70.000 Artikeln.
  • Supermarché (Supermarkt): Supermärkte mit 1.000 bis 2.000 Quadratmetern Ladenfläche.
  • Harddiscounter: kleinere Geschäfte mit 200 bis 800 Quadratmetern Ladenfläche, die Grundgüter für den täglichen Bedarf zu günstigen Preisen anbieten.

Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen betreibt in folgenden Ländern eigene Filialen:

Ägypten, Albanien, Argentinien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, China, Dominikanische Republik, Frankreich, Griechenland, Indonesien, Irak, Italien, Japan, Jordanien, Katar, Kolumbien, Libanon, Malaysia, Marokko, Mazedonien, Oman, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Saudi-Arabien, Spanien, Südkorea, Syrien, Taiwan, Tunesien, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, Zypern.

Aus Tschechien und der Slowakei hat sich Carrefour wieder zurückgezogen und den Markt Tesco im Austausch für Taiwan überlassen.

Aus der Schweiz ist Carrefour am 21. August 2007 ausgestiegen. Coop hat die Standorte übernommen.

Carrefour verkaufte 2005 alle mexikanischen Filialen und zog sich somit aus Mexiko zurück. Die Supermärkte in Thailand wurden im November 2010 an BIG C verkauft und im April 2011 in BIG C umbenannt. Beide Supermärkte in Singapur wurden 2012 geschlossen.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Carrefour (Unternehmen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. focus.de:Führungswechsel
  2. a b c Carrefour group: 2015 annual activity report. Abgerufen am 17. Oktober 2016 (PDF).
  3. Jahresreport 2010 auf Französisch: PDF.
  4. http://www.linguee.fr/allemand-francais/traduction/mit+dem+damals.html Die Geschichte Carrefours in Österreich …, Übersetzungsbeispiel, www.linguee.fr, abgerufen am 5. Jänner 2015.
  5. Tages-Anzeiger: Coop kauft sich 12 Megastores aufs Mal (PDF), 21. August 2007.
  6. NZZ vom 27. August 2007.
  7. Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 23. März 2008.
  8. Chinatechnews
  9. Carrefour Overview (PDF)
  10. Quellen siehe Carrefour in fr.wikipedia, Abschnitt Identité visuelle (logo).
  11. http://in.reuters.com/article/2012/08/28/carrefour-singapore-idINL6E8JS5GM20120828