Carsten Szczepanski

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Carsten Szczepanski (* 1970 in Berlin-Neukölln) ist ein ehemaliger deutscher Neonazi, der später als V-Mann des Verfassungsschutzes agierte. Er war unter anderem NPD-Funktionär und versuchte in den 1990er Jahren den Ku-Klux-Klan in Deutschland zu etablieren. Anfang der 1990er galt er als „einer der gefährlichsten Neonazis in Brandenburg“.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carsten Szczepanski wuchs in Berlin auf und zog nach der Wende nach Königs Wusterhausen in Brandenburg. Schon in jungen Jahren gehörte er der rechtsextremen Szene an. In den frühen 1990ern stellte er Kontakte zum US-amerikanischen Ku-Klux-Klan her. Unter anderem korrespondierte er mit Dennis Mahon aus Oklahoma. Er selbst war Mitglied eines Klan-Ablegers in Kansas City und erhielt den Rang eines „Grand Dragon“. Mit Mahon führte er Ende Dezember 1991 eine Kreuzverbrennung in Halbe durch, bei der auch ein Team von RTL Plus anwesend war. Außerdem gab er Merchandise vom Ku-Klux-Klan heraus. Anfang 1991 brachte er das KKK-Fanzine „Das Feuerkreuz“ auf den Markt. Das Heft enthielt im Wesentlichen übersetzte oder im englischsprachigen Original belassenes Propagandamaterial des Ku-Klux-Klan, das aus dem englischsprachigen Magazin „White Beret“ stammte. Das Heft erschien mit dem Untertitel „White Survival Now“ und brachte es auf zwei Ausgaben, die noch heute in der rechtsextremen Szene, unter anderem als PDF-Dokument Verbreitung haben. Geplant war außerdem eine dritte Ausgabe, die zum bewaffneten Kampf aufrufen und Anleitungen zu militanten Aktionen und zum Bombenbau enthalten. Dazu kam es jedoch nicht mehr, da Ende 1991 eine Razzia in Szczepanskis Wohnung stattfand. In einer von ihm angemieteten Wohnung wurden außerdem vier Rohrbomben gefunden. Dennoch blieb der Neonazi auf freiem Fuß.[2]

Im Oktober 1993 wurde er wegen Sachbeschädigung verurteilt, als er einen VW-Bus der linken Jugendorganisation Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken angezündet hatte. Ein Vorfall vom 8. Mai 1992 brachte ihn jedoch für längere Zeit ins Gefängnis. Am 8. Mai 1992 hatte er zusammen mit einer 10-köpfigen Gruppe bestehend aus Neonazis und Skinheads einen Lehrer aus Nigeria zusammengeschlagen, der den Mordversuch nur knapp überlebte und anschließend tagelang im Koma lag.[3] Dafür wurde er im Februar 1995 wegen versuchten Mordes zu acht Jahren Haft verurteilt. Noch während der Untersuchungshaft wurde er vom brandenburgischen Verfassungsschutz angeworben und seit Juli 1994 als V-Mann „Piatto“ geführt. Bereits im April 1998 war er Freigänger.[4]

Neben seinen Spitzeldiensten für die Behörde war er allerdings weiterhin ranghoher Neonazi. So betrieb er einen Laden für rechte Musik, war federführend am Aufbau des rechten internationalen Netzwerkes Blood & Honour beteiligt und gehörte den National-Revolutionären Zellen an. Zwischen 1992 und 1999 veröffentlichte er mehrere Ausgaben eines Fanzines unter dem Titel „United Skins“, das die rechte Skinhead-Szene ansprechen sollte und als deutscher Arm der rechten Terrororganisation Combat 18 galt.[5] Einige Ausgaben erschienen sogar während seiner Haftzeit.[6][7] Er trat außerdem auf Behördenwunsch in die NPD ein. Dort wurde er Ortsvorsitzender, Beisitzer im Landesvorstand von Brandenburg sowie Leiter des Ordnungsdienstes. Im Sommer 2000 wurde er als V-Mann enttarnt und lebte seitdem unter neuem Namen versteckt in Deutschland.[4][1]

Im Rahmen der Ermittlungen gegen das NSU-Trio tauchte auch der Name von Carsten Szczepanski wieder auf. Er hatte in den späten 1990er Jahren mehrere Details zu den Angeklagten Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe vor ihrem Gang in den Untergrund geliefert. Er sagte am 3. Dezember 2014 im Münchner NSU-Prozess aus, wobei er den Gerichtssaal vermummt betrat.[8][9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Braune Spitzel, die wir kennen. die Tageszeitung, 22. November 2011; abgerufen am 25. April 2016.
  2. Nina Juliane Rink: Anleitung zum "Rassenhass". In: Der Rechte Rand. Nr. 159, 2016, S. 18/19.
  3. Ku-Klux-Klan: Ableger in Deutschland. In: Antifaschistisches Infoblatt. Nr. 97, 2012 (antifainfoblatt.de).
  4. a b René Heilig: V-Mann-Porträt: Carsten Szczepanski. In: Der Rechte Rand. Nr. 150 (nsu-watch.info).
  5. Michael Weis: Begleitmusik zu Mord- und Totschlag. In: Searchlight, Antifaschistisches Infoblatt, Enough is Enough, rat (Hrsg.): White Noise. Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour - Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene. reihe antifaschistischer texte (rat) / Unrast Verlag, Hamburg/Münster 2000, ISBN 3-89771-807-3, S. 76 f.
  6. Michael Weiss: Deutschland im September. In: Christian Dornbusch, Jan Raabe (Hrsg.): Rechtsrock – Bestandsaufnahme und Gegenstrategien. reihe antifaschistischer texte (rat)/Unrast-Verlag, Hamburg/Münster 2002, ISBN 3-89771-808-1, S. 480.
  7. apabiz.e.V.: Verzeichnis deutschsprachiger RechtsRock-Fanzines. In: Christian Dornbusch, Jan Raabe (Hrsg.): RechtsRock. Bestandsaufnahmen und Gegenstrategien. Unrast Verlag, Münster 2002, ISBN 3-89771-808-1, S. 477.
  8. Es handelt sich dabei nicht um den Mitangeklagten, der dem Trio die Tatwaffe besorgt hatte und der als Carsten S. abgekürzt wird.
  9. Vom Verfassungsschutz gesteuert: V-Mann "Piatto" plaudert im NSU-Prozess. n-tv, 3. Dezember 2014; abgerufen am 25. April 2016.