Carta Caritatis

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Die Carta Caritatis ist das im 12. Jh. entstandene Verfassungsdokument des Zisterzienserordens. Das Dokument regelt die Beziehungen der Zisterzienserklöster untereinander.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name "Carta Caritatis" wird im Dokument selbst erklärt: Diesem Dekret wollten sie den Namen Carta Caritatis geben, denn es schließt jede Belastung durch Abgaben aus und hat so allein die Liebe und das Wohl der Seelen in göttlichen und menschlichen Dingen zum Ziel.[1]

In dem Dokument wird der Grundsatz der Filiation entwickelt. So werden die Rechte eines Gründerabtes gegenüber seiner Tochtergründung festgelegt, der Vaterabt soll jedes Jahr seine Tochterklöster visitieren.[2] Ein weiteres wichtiges Element ist das Generalkapitel, das jedes Jahr unter dem Vorsitz des Abtes von Cîteaux abgehalten wird. Dennoch sind die einzelnen Klöster autonom und die Carta Caritatis verbietet, dass ein Kloster von einem anderen Abgaben verlangt. Wenn ein Kloster aber verarmt ist, sollte die Lage des Klosters dem Generalkapitel vorgestellt werden und dem Kloster geholfen werden. Sollte ein Kloster aber von der Beobachtung der Regel abweichen, kann es zur Beobachtung der Regel zurückgeführt werden. Unter der Regel versteht die Carta Caritatis die Benediktsregel, so wie sie im Neukloster, das heißt in Cîteaux, befolgt wird. Wenn ein Abt die Regel und die Ordenssatzungen trotz mehrmaliger Ermahnungen missachtet, kann er abgesetzt werden. Bezüglich der Liturgie bestimmt die Carta Caritatis, dass die liturgischen Bücher der Tochterklöster mit den Büchern des Mutterklosters übereinstimmen sollen.

Fassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Carta Caritatis liegt in drei Fassungen vor.

Carta Caritatis prior[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste Fassung ist die Carta Caritatis prior, die bald nach den ersten Tochtergründungen von Citeaux verfasst wurde, die in den Jahren 1113 bis 1115 stattfanden. In diesem Dokument geht es um das Verhältnis der Tochterklöster zu ihrer Mutterabtei Cîteaux. Jede Tochterabtei wird einmal pro Jahr visitiert. Nicht visitiert wird aber das Mutterkloster Cîteaux. Außerdem schreibt das Dokument dem Abt von Cîteaux große Vollmacht beim Generalkapitel zu. Diese Fassung der Carta Caritatis war lange unbekannt. Die Handschrift der von ihm so genannten Carta Caritatis prior hat Josef Turk 1939 im Codex 31 der Universitätsbibliothek von Ljubljana gefunden[3], ediert wurde sie 1947 von C. Noschitzka.[4] Heute sind acht Handschriften der Carta Caritatis prior bekannt, die Handschrift des Codex 31, der aus dem Jahr 1152 stammt, ist aber weiterhin die Älteste.

Summa Cartae Caritatis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1927 entdeckte der Père Auguste Trilhe aus Toulouse in einer Handschrift der Pariser Nationalbibliothek[5] einen Vorläufer der bis dahin einzig bekannten Überlieferung der Carta Caritatis. Im von Tiburtius Hümpfner 1932 edierten Text bekam Trilhes Entdeckung den Titel Summa Cartae Caritatis (SCC)[6] Die Bedeutung dieser Entdeckung wurde erst in späteren Jahren erkannt. Die SCC ist eine Zusammenfassung der Carta Caritas prior. Eine Handschrift der SCC befindet sich im von Jean Leclercq entdeckten Kodex[7] von Trient[8]. Die Handschrift dürfte aus den Jahren 1130 bis 34 stammen. Heute sind fünf Handschriften der Summa Cartae Caritatis bekannt, entstanden dürfte die Summa etwa 1124 sein. Inhaltlich geht die Summa genauer auf das Verhältnis von Vater- und Tochterabt ein, auch die Vollmacht eines Visitators wird genauer beschrieben.[9]

Carta Caritatis posterior[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Carta Caritatis prior und der Summa Cartae Caritatis gibt es noch eine dritte Fassung, die heute als Carta Caritatis posterior bezeichnet wird. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war sie die einzig bekannte Fassung der berühmten Zisterzienserverfassung. Diese Version dürfte um 1165 in ihrer letzten Fassung festgelegt worden sein, sie ist in 26 Handschriften bezeugt.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Monika R. Dihsmaier: Carta Caritatis. Verfassung der Zisterzienser. Rechtsgeschichtliche Analyse einer Manifestation monastischer Reformideale im 12. Jahrhundert, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-13404-5.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carta Caritatis Prior (Memento vom 17. Juni 2010 im Internet Archive)
  2. Hildegard Brem und Alberich Martin Altermatt (Hg.), Einmütig in der Liebe: die frühesten Quellentexte von Cîteaux lateinisch-deutsch (Quellen und Studien zur Zisterzienserliteratur 1, Langwaden 1998). ISBN 978-3-910082-58-8, S. 21f..
  3. J. Turk, Prvotna Charta charitatis. Ljubljana 1942.
  4. C. Noschitzka, Codex manuscriptus 31 Bibliothecae Universitatis Labacensis. In: ACi 6 (1950) 1–124.
  5. Paris, Bibliothèque Nationale, ms lat. 4346
  6. T. Hümpfner, Exordium Cistercii cum Summa Cartae Caritatis et fundatione primarum quattuor filiarum Cistercii. Vác 1932.
  7. J. Leclercq, Une ancienne rédaction des coutumes cisterciennes, in: RHE 47 (1952) 172–176.
  8. Trento, Biblioteca Comunale, ms 1711
  9. Hildegard Brem und Alberich Martin Altermatt (Hg.), Einmütig in der Liebe: die frühesten Quellentexte von Cîteaux lateinisch-deutsch (Quellen und Studien zur Zisterzienserliteratur 1, Langwaden 1998). ISBN 978-3-910082-58-8, S. 23.
  10. Hildegard Brem und Alberich Martin Altermatt (Hg.), Einmütig in der Liebe: die frühesten Quellentexte von Cîteaux lateinisch-deutsch (Quellen und Studien zur Zisterzienserliteratur 1, Langwaden 1998). ISBN 978-3-910082-58-8,S. 23f..