Cartagena (Kolumbien)

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Cartagena de Indias
Koordinaten: 10° 25′ N, 75° 32′ W
Karte: Bolívar
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Cartagena de Indias

Cartagena de Indias auf der Karte von Bolívar

Basisdaten
Staat Kolumbien
Departamento Bolívar
Stadtgründung 1533
Einwohner 1.001.755 (2015)
   – im Ballungsraum 1.311.279
Stadtinsignien
Flag of Cartagena.svg
Escudo de Cartagena de Indias.svg
Detaildaten
Fläche 630 km²
Bevölkerungsdichte 1.590 Ew./km²
Höhe m
Zeitzone UTC-5
Stadtvorsitz Manuel Vicente de Jesús Duque Vásquez (2016–2019)
Website www.cartagena.gov.co
Die Lage der gesamten Fläche der Gemeinde Cartagena auf der Karte von Bolívar
Die Lage der gesamten Fläche der Gemeinde Cartagena auf der Karte von Bolívar
Cartagena, Bolívar, Colombia.jpg

Cartagena de Indias ist eine Stadt an der Karibikküste Kolumbiens und mit seinen 1.001.755 Einwohnern (Stand 2015)[1] Hauptstadt des Departamentos Bolívar. Der Name der Stadt stammt von der spanischen Stadt Cartagena, zur Unterscheidung dient der Zusatz Indias.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cartagena liegt an der Karibikküste im Norden des Landes mit Zugang sowohl zum offenen Meer als auch zur Bahía de Cartagena de Indias. Zum Landesinneren wird sie von einer Bergkette geschützt.

Cartagena
Klimadiagramm
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Cartagena
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Max. Temperatur (°C) 31,2 31,2 31,3 31,5 31,7 31,8 31,9 31,9 31,9 31,6 31,2 31,3 Ø 31,5
Min. Temperatur (°C) 23,2 23,4 23,9 24,8 25,3 25,3 25,0 25,0 24,9 24,6 24,7 23,8 Ø 24,5
Niederschlag (mm) 8 1 1 31 92 115 94 124 144 244 132 37 Σ 1.023
Sonnenstunden (h/d) 9,2 8,7 8,0 7,2 6,6 6,5 7,0 6,7 6,0 5,6 7,0 8,1 Ø 7,2
Regentage (d) 0 0 0 2 6 9 7 8 10 14 8 3 Σ 67
Wassertemperatur (°C) 27 27 26 27 27 27 27 28 28 29 27 27 Ø 27,3
Luftfeuchtigkeit (%) 78 78 77 79 80 81 80 81 82 83 82 80 Ø 80,1
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Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Satellitenbild von Cartagena

Die Stadt wurde im Zuge der Kolonialisierung Südamerikas am 1. Juni 1533 von Pedro de Heredia gegründet. Bei der Eroberung und Stadtgründung erhielt der spanische Konquistador Unterstützung von der India Catalina. Cartagena gilt in der Geschichte als eine der ersten spanischen Stadtgründungen im Norden Südamerikas und erlebte ein schnelles Wachstum als wichtiger Hafen für die Schifffahrt des Kontinents. Die spanische Flotte kam zweimal jährlich von Sevilla oder Cádiz nach Cartagena, um hier spanische Waren wie Waffen, Rüstungen, Werkzeug, Textilien und Pferde zu vermarkten und Gold, Silber, Perlen und Edelsteine zu laden, bevor sie nach Puerto Bello und Santo Domingo weitersegelte.

Auch die niederländischen und englischen Sklavenschiffe, soweit sie überhaupt in spanische Häfen in Amerika einlaufen durften, mussten nach Cartagena. Aus diesem Grund wurde Cartagena häufig von Piraten attackiert und geplündert, beispielsweise 1585 durch Sir Francis Drake, 1697 von den Franzosen unter Jean-Bernard Louis de Saint-Jean, Baron de Pointis, genannt Bernard Desjean, und Jean Baptiste du Casse. Nach dem Einfall Drakes befestigten die Bewohner die Stadt durch einen elf Kilometer langen Schutzwall und die riesige Wehranlage San Felipe. Die Einfahrt in die Bucht säumten fortan zwei Forts, San José und San Fernando, die nur schwer zu überwinden waren.

Festung San Felipe
Festung San Felipe

Auch die Kirchen in der Stadt gleichen Wehrbauten. 1575 bis 1585 wurde die Kathedrale erbaut, 1570 bis 1612 wurde das Kloster Santo Domingo errichtet; im 17. Jahrhundert kam das Jesuitenkloster La Compania hinzu. Schon 1610 wurde die spanische Inquisition auch in Cartagena eingeführt, die 1770 einen eigenen Palast bezog und hier eine mächtige Rolle spielte. Cartagena wurde als die Perle von Las Indias bezeichnet. Die gelagerten Schätze, die nach Spanien transportiert werden sollten, und die stetig ankommenden und abfahrenden Schiffe machten die Hafenstadt aber auch sehr schnell zu einem bevorzugten Ziel von Freibeutern und Piraten. Es wurde – mit Hilfe von Sklaven aus Afrika – ein mächtiger Schutzwall und insgesamt 29 Forts errichtet. Nach der Kriegserklärung Englands an Spanien im War of Jenkins’ Ear wurde Admiral Edward Vernon mit einer Streitmacht von 186 Schiffen und 18.000 Mann geschickt um Cartagena unter Don Blas de Lezo einzunehmen. Der am 13. März 1740 begonnene größte Angriff der Geschichte Cartagenas musste drei Monate später abgebrochen werden, da keine Aussichten mehr auf Sieg bestanden und die Flotte Vernons von Gelbfieber und Malaria zermürbt war. Nach einem Überfall englischer Piraten 1741, gegen den sich Cartagena ebenfalls behaupten konnte, galt die Stadt zeitweilig als uneinnehmbar und als das Beispiel spanischer Militärarchitektur.

Der Jesuit Pedro Claver beschränkte im 17. Jahrhundert seine Hilfe für die zahllosen schwarzen Sklaven, die hier versteigert wurden, nicht auf Massentaufen, sondern bemühte sich in tätiger Nächstenliebe als Arzt um die Verbesserung der menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen sie zu leiden hatten, und wurde dafür von der Katholischen Kirche heiliggesprochen.

Sonnenuntergang in Cartagena

Im November 1811 erklärte der Befreier Südamerikas Simón Bolívar unter dem Eindruck der französischen Revolution und der napoleonischen Besatzung des Mutterlandes die Unabhängigkeit auch für Cartagena und das Ende der Inquisition. Doch die Spanier wollten ihre Kolonien nicht so widerspruchslos ziehen lassen: Im Dezember 1815, nach dem Abzug der napoleonischen Truppen aus Spanien und der Wiederherstellung der spanischen Monarchie, eroberten spanische Verbände unter Pablo Morillo die Kolonie zurück. Erst nach der Schlacht von Boyacá 1821 und weiteren Zusammenstößen im Frühjahr 1822 erlangte Cartagena gemeinsam mit der Kolonie die international anerkannte Unabhängigkeit vom spanischen Mutterland.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt hat sich als eine der schönsten Kolonialstädte Südamerikas behauptet. Cartagena ist die Stadt mit den meisten Touristen und nicht zuletzt wegen der geografischen Lage die sicherste und bestbewachte Stadt in Kolumbien. Wie in allen Großstädten ist wegen der Kleinkriminalität trotzdem Vorsicht geboten. Vom bewaffneten Konflikt zwischen Militär, Paramilitärs (AUC) und Guerilla (FARC, ELN) ist Cartagena kaum betroffen. Die kolumbianische Marine hat in Cartagena ihren Hauptstützpunkt.

Das komplett ummauerte alte Stadtzentrum mit Festungsring und den Stadtteilen Centro mit der Kathedrale und zahllosen Palästen im andalusischen Stil, San Diego, dem Viertel der Händler und der zahlenmäßig kleinen Bourgeoisie sowie Getsemaní, dem Viertel der kleinen Leute und Handwerker, das aus dieser Zeit stammt, wurde 1959 zum nationalen Kulturerbe erklärt und ist seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe. Auf einer Landzunge neben der ummauerten Altstadt liegt die riesige Hotelzone, Bocagrande.

Das karibische Nachtleben in Cartagena de Indias ist legendär, eine touristische Spezialität ist rumba en chiva, eine Party im Bus. Die meisten Diskotheken befinden sich in der Calle Arsenal, Getsemaní. Kleinere Clubs und Restaurants befinden sich im Historischen Zentrum der Stadt. In Cartagena entstand die afrokaribische Musikrichtung Champeta, die vor allem in den Armenvierteln der Stadt gehört und gefeiert wird.

Jedes Jahr findet hier das internationale Cartagena Film Festival statt, das FICCI (Festival Internacional de Cine de Cartagena de Indias).[2]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner sind zu großem Teil afrikanischer Abstammung. Zu den wichtigsten Einkommensquellen zählen Fischerei, Tourismus, Schiff-Fracht und Öl-Industrie. Exportiert wird hauptsächlich Öl, Kaffee und Platin.

Erdölraffinerien, chemische und petrochemische Industrie sind hier angesiedelt.

Der internationale Flughafen Aeropuerto Internacional Rafael Núñez (IATA: CTG, ICAO: SKCG) befindet sich im Nordosten der Stadt.

Hafenanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Südwesten befinden sich über 40 Seehäfen für die Handels- und Sportschifffahrt. Der Hafen ist der wichtigste Erdöl- und Containerhafen Kolumbiens. Die Betreiber der drei größten Containerhafenanlagen sind Sociedad Portuaria de Cartagena de Indias, Muelles El Bosque und Terminal de Contenedores de Cartagena de Indias. Daneben gibt es u. a. folgende Betriebshäfen: REFICAR S.A. (Raffinerie), SABMiller, Argos cement, Dow Chemical, BASF Colombia, DuPont, Cemex, Dole Food Company und Colombian Navy Steelworks.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez setzte Cartagena im Roman Die Liebe in den Zeiten der Cholera aus dem Jahre 1985 ein Denkmal. In Cartagena fand 1990 der Drogengipfel mit den Präsidenten Kolumbiens, Perus, Boliviens und der USA statt, auf dem Maßnahmen gegen den Anbau von Cocasträuchern und die Gewinnung von Kokain besprochen wurden.

Ebenfalls in Cartagena fand 2003 eine Konferenz über den grenzüberschreitenden Transport, die Handhabung und den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen statt, deren Ergebnis ein völkerrechtlich bindendes Abkommen über die biologische Sicherheit war, kurz Cartagena-Protokoll genannt, das am 11. September 2003 verabschiedet wurde.

Alljährlich findet hier der nationale Schönheitswettbewerb Miss Colombia statt.

Cartagena hat eine Universität, die Universidad de Cartagena, und ist Sitz eines Erzbischofs.

In dieser Stadt und dem Umland wurden zu großen Teilen der Bud-Spencer-Film Banana Joe gedreht.[3]

Der Roman Cartagena von Claudia Amengual (2015) wird hauptsächlich in Cartagena de Indias inszeniert.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cartagena (Kolumbien) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hochrechnung der Einwohnerzahlen von Kolumbien auf der offiziellen Seite vom DANE
  2. http://www.ficcifestival.com/
  3. IMDb (Online Datenbank)