Cassino (Latium)

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Cassino
Wappen
Cassino (Italien)
Cassino
Staat Italien
Region Latium
Provinz Frosinone (FR)
Koordinaten 41° 30′ N, 13° 50′ OKoordinaten: 41° 29′ 34″ N, 13° 49′ 48″ O
Höhe 40 m s.l.m.
Fläche 82 km²
Einwohner 36.142 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte 441 Einw./km²
Postleitzahl 03043
Vorwahl 0776
ISTAT-Nummer 060019
Volksbezeichnung Cassinati
Schutzpatron Sankt Benedikt
Website Cassino
Cassino

Cassino ist eine Stadt in der italienischen Provinz Frosinone in der Region Latium mit 36.142 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015). Sie ist vor allem für die Benediktinerabtei Montecassino bekannt, die Benedikt von Nursia auf dem gleichnamigen Hügel oberhalb der Stadt erbaute. Sie ist die zweitgrößte Stadt der Provinz und das wirtschaftliche Zentrum der Osthälfte der Provinz Frosinone. Cassino ist Sitz einer Universität.

Bis 1863 hieß die Stadt San Germano.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ebene von Cassino

Cassino liegt 131 km südöstlich von Rom, 98 km nördlich von Neapel und 53 km südöstlich von Frosinone. Zur Küste bei Minturno beträgt die Entfernung 37 km.

Cassino liegt im Tal des Liri, am Fluss Rapido, der 8 km südlich der Stadt in den Liri mündet, und am Fuße des Berges Montecassino, Ausläufer des Massivs des Monte Cairo. Seine Stadtteile sind Caira und Montecassino im Massiv des Monte Cairo sowie San Cesareo, Sant’Angelo in Theodice, Sant’Antonio, San Pasquale und San Michele, die in der Ebene liegen. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von 18 bis 841 m s.l.m.

Die Gemeinde befindet sich in der Erdbebenzone 2 (mittel gefährdet).[3]

Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn: Villa Santa Lucia, Terelle, Sant’Elia Fiumerapido, Cervaro, San Vittore del Lazio, Rocca d’Evandro (CE), Sant’Apollinare und Pignataro Interamna.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cassino liegt an der Autobahn A1 Autostrada del Sole von Rom nach Neapel, Ausfahrt Cassino. Die historische Straßenverbindung ist die Via Casilina, in der Antike Via Latina, die heute als Staatsstraße SS6 klassifiziert ist.

Cassino besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Rom–Neapel.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit der Zugehörigkeit zum Römischen Reich trug der Ort den Namen Casinum. Nach der Klostergründung auf dem Montecassino 529 hatte das Kloster zuerst die Bezeichnung Castellum Sancti Petri, die auch auf die Siedlung am Fuß des Hügels überging. Später taucht dann der Name Eulogimenopoli in Dokumenten auf. Mit der Übertragung der Reliquien des Heiligen Germanus 866 in den Ort setzte sich der Name San Germano durch. Am 23. Mai 1863 beschloss der Gemeinderat von San Germano, wieder den italienisierten antiken Namen Cassino anzunehmen.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cassino nach der Zerstörung 1944
Deutscher Soldatenfriedhof

Casinum war eine volskische, dann samnitische Stadt im Süden Latiums.[5] In der römischen Geschichtsschreibung wird sie selten erwähnt, zuerst im 2. Punischen Krieg.[6] Das antike Casinum besaß ein Amphitheater und ein Theater, mehrere Tempel und war von einer Stadtmauer umgeben.[7]

529 n. Chr. gründete Benedikt von Nursia die Abtei Montecassino an der Stelle der antiken Akropolis. 577 wurden Kloster und Stadt durch die Langobarden unter Zotto zerstört, der Casinum dem Herzogtum Benevent einverleibte, wenn auch faktisch die Äbte des Klosters die Macht ausübten. 744 gewährte Herzog Gisulf II. dem Klosterterritorium offiziell die Unabhängigkeit. 883 wurden Stadt und Kloster ein zweites Mal, nunmehr von den Sarazenen, zerstört.

1230 traf sich Friedrich II. in der Stadt, die nun San Germano hieß, mit Papst Gregor IX., um Frieden zu schließen. 1503 endete die territoriale Unabhängigkeit des Klosters und San Germano wurde Teil des Königreichs Neapel.

1806 kam der Ort zur Provinz Terra del Lavoro und wechselte 1927 zur Provinz Frosinone und damit wieder zu Latium.[8]

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt am 15. Februar 1944 bei einem alliierten Bombenangriff zerstört und war anschließend nach der Besetzung des Berges durch deutsche Truppen Zentrum der Schlacht um Monte Cassino, wobei die Stadt völlig zerstört wurde. Am 15. März 2014 fand zum 70. Jahrestag dieses Ereignisses eine Gedenkfeier statt, an der Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano teilnahm.[9]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Drei allgemeinbildende staatliche Schulen mit Grundschule (Scuola primaria) und Sekundarstufe bzw. als Gesamtschule konzipiert. Eine davon ist mit einer Vorschule ausgestattet, die auch Kurse in der Erwachsenenbildung anbietet. Außerdem gibt es eine private 6-jährige Grundschule mit Vorschule, einen privaten Kindergarten für Kinder von 3 Monaten bis 3 Jahren.
  • Zwei Lyzeen: Eines davon mit dem Schwerpunkt „Klassische Bildung“ und einem breiten Spektrum an zusätzlichen Angeboten. Die Abschlussprüfung ermöglicht den Zugang zu allen universitären Ausbildungsgängen. Das zweite bietet den Schwerpunkt „Wissenschaft und humanistische Tradition“. Es ermöglicht den Zugang zu einer Ausbildung bzw. Berufstätigkeit in Industrie- und Handel, sowie zur Zulassung zur Universität.
  • Vier Handels- bzw. Gewerbeschulen mit Elementen wissenschaftlicher Ausbildung und einer Abschlussqualifikation für ein Studium. Die Ausbildungen gibt es im kaufmännisch- informatikwissenschaftlichen Bereich wie Verwaltung, Finanzen und Marketing, Wirtschaftsinformatik und Tourismus. Es gibt Ausbildungsgänge in Naturwissenschaft und Technik, wie Chemie, Materialien und Biotechnologie, Elektronik und Elektrotechnik und Informationstechnik, Maschinenbau, Mechatronik und Energie; ferner Ausbildungen im sozial- und sprachlich-kommunikativen Bereich, in der Wartung und technischen Unterstützung. Außerdem Ausbildungen für medizinisch-soziale Berufe, für die Produktion in Industrie und Handwerk, speziell auch für die Bekleidungsindustrie, sowie die Ausbildung an einer Kunstschule.[10]
  • Die Universität Cassino wurde 1979 als staatliche Universität gegründet. 2015 waren ca. 8000 Studenten immatrikuliert. Die Einrichtungen der Universität befinden sich zentral in Cassino als auch an anderen Orten der Umgebung.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soldatenfriedhöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Schlacht um Monte Cassino starben auf beiden Seiten insgesamt über 70.000 Soldaten. Daher gibt es heute im Gebiet der Stadt Friedhöfe für die Gefallenen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und dem Commonwealth. Auf der Deutschen Kriegsgräberstätte Cassino im Norden der Stadt ruhen 20.076 Tote.[11]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1861 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001
Einwohner 7.929 11.770 13.397 19.001 20.064 19.256 24.696 32.787 32.762

Quelle: ISTAT

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giuseppe Golini Petrarcone (IdV) wurde im Mai 2011 zum Bürgermeister gewählt. Sein Mitte-links-Bündnis stellt auch mit 17 von 24 Sitzen die Mehrheit im Gemeinderat.[12] Er löste Bruno Scittarelli (UDC) ab, der von 2001 bis 2011 amtierte. Petrarcone war bereits einmal von 1993 bis 1997 Bürgermeister von Cassino.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft ist fixiert auf den Dienstleistungssektor. Es folgen in weitem Abstand das produzierende Gewerbe, Betriebe der verarbeitenden Industrie sowie Reparatur- und Transportbetriebe. Daneben sind die chemische und pharmazeutische Industrie, die Modebranche und der Tourismussektor von Bedeutung. In Cassino entstand dank der Ansiedlung des Fiatwerkes im nahen Piedimonte San Germano Zulieferungsindustrie.

Handwerksbetriebe stellen die häufigste Unternehmensform dar. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt über dem italienischen Durchschnitt.[13]

Eine wichtige Rolle spielt die 1979 gegründete Universität Cassino.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christof Henning: Latium. Das Land um Rom. Mit Spaziergängen in der Ewigen Stadt (= Dumont-Kunst-Reiseführer). 3. Auflage, DuMont, Köln 2006, ISBN 3-7701-6031-2.
  • Anton Henze, Kunibert Bering, Gerhard Wiedmann: Kunstführer Rom. 5. Auflage, Philipp Reclam, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-010402-5.
  • Wolfgang Kuhoff: Cassino (Italien). Cassino und Kloster Montecassino. In: Antike Welt, Band 34, 2003, S. 648 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cassino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Gaetano de Angelis-Curtis: 23 maggio 1863: da San Germano a Cassino. studicassinati.it, abgerufen am 6. Januar 2016.
  3. Italienischer Zivilschutz
  4. Maria Vittoria Albossi: Itinerari Ciociari. Arti Grafiche Tofani, Frosinone 1998, S. 289.
  5. Gerhard Radke: Casinum. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 1, Stuttgart 1964, Sp. 1066.
  6. Titus Livius, Ab urbe condita XXII 13, 5f. und XXIII 17, 7.
  7. Wilhelm Tomaschek: Casinum. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band III,2, Stuttgart 1899, Sp. 1651 f.
  8. Maria Vittoria Albossi: Itinerari Ciociari. Arti Grafiche Tofani, Frosinone 1998, S. 290.
  9. Napolitano a Cassino: "L'unità europea è la via maestra per progredire e per rafforzare e diffondere la pace". Abgerufen am 15. März 2014 (italienisch).
  10. Infos der Gemeinde Cassino: Schede sintetiche degli istituti scolastici
  11. Internetseite des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Arbeit des Volksbundes und Beschreibung der Kriegsgräberstätte in Cassino. Zugriff am 15. September 2014.
  12. Information des Innenministeriums
  13. Vgl. Bericht der deutsch-italienischen Handelskammer (AHK) von 2010 zu Mittelitalien und Emilie-Romagna unter PDF-download