Castelvecchio

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Castelvecchio

Castelvecchio war die Kastellburg der Scaliger in Verona. Seit 1923 beherbergt das Gebäude ein Museum.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cangrande II. della Scala ließ das Castelvecchio von 1354 bis 1356 errichten[1]. Eine 1355 über die Etsch errichtete Brücke (Ponte Scaligero) sicherte den Burgbewohnern den Fluchtweg in die benachbarten Besitzungen der Scaliger. 1375 wurde der Turm über dem Torbogen errichtet und gleichzeitig eine Verbindung zur Brücke geschaffen.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gebäude mehrfach verändert. Die Venezianer nutzten das Castel als Festung und als Lagerhaus; den französischen und österreichischen Besatzern diente es als Kaserne. 1923 trat der Staat das Nutzungsrecht an die Stadt Verona ab. Von 1924 bis 26 fanden Umbauarbeiten statt, um das Gebäude als Museum[2] zu nutzen. [3] Bei diesen Arbeiten wurde massiv in die Bausubstanz und -struktur eingegriffen. Im Sinne des Historismus orientierte man sich an Bauformen der Renaissance; dabei verwendete man Material von Überresten der im Krieg in Verona zerstörten Paläste. Ponte Scaligero und Ponte Pietra wurden am 24. April 1945 von Soldaten der Wehrmacht gesprengt. Erstere wurde 1949 bis 1951 wiederhergestellt, letztere 1957.

Von 1958 bis 1964 wurde das Museum vom italienischen Architekten Carlo Scarpa umgebaut.

Das Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gezeigt werden Werke der Veroneser Malerei von der Gotik bis ins 17. Jahrhundert, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Kunst der Renaissance. Darunter sind Werke von Stefano da Verona, Pisanello, Giovanni und Francesco Caroto oder Liberale da Verona. Außerdem besitzt das Museum mehrere bedeutende Werke der venezianischen Malerei, darunter Werke von Andrea Mantegna, Jacopo, Giovanni und Gentile Bellini, Carlo Crivelli, Jacopo Tintoretto, Tizian, Paolo Veronese sowie Giambattista und Giandomenico Tiepolo.

Das Reiterstandbild des Cangrande della Scala[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cangrande della Scala

Das Museum beherbergt außerdem einige hervorragende lebensgroße Standbilder. Das berühmteste ist der sogenannte „Lächelnde Ritter zu Pferde“ aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, Francesco della Scala, mit Kriegsnamen Cangrande della Scala. Diese zwei Meter hohe Reiterstatue stand ursprünglich auf dem Areal der Skaligergräber und sie ist zum Schutz später hierhin verlegt worden, nachdem ein Blitz sie zu Boden geschleudert hatte.

Die Statue zeigt einen originellen Zuschnitt: das Pferd steht still, aber eine lange, wie vom Wind zurück geblähte Satteldecke erweckt den Eindruck von lebhafter Bewegung. Dasselbe gilt vom Kopf des Tieres und von der Seitenansicht des Ritters, dessen großer heraldischer Helm schräg über der Schulter hängt. Das Tier ist völlig bedeckt mit einer fein ornamentierten Decke, die die ganze Kunst der Veroneser Steinmetzen um 1330 beweist.

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Berühmt wurde diese Statue wegen des ungewöhnlichen spöttischen Lächelns des Ritters, einer Geste, die bei Grabmälern sonst nicht üblich ist. Kurz gesagt ist es eine ritterliche Selbstbehauptung gegen die daseinsfeindliche Sichtweise der Kirche. Hier zeigt sich eine Tendenz, deutlich und mit Nachdruck gegen eine damalige Lehrmeinung der Kirche vorzugehen, die im 14. Jahrhundert den Tod und den verwesenden Leichnam als abschreckendes Bild gegen die Versuchungen und Genüsse des Lebens eingesetzt hatte, als ständiges „Memento mori“, – und die ihre Toten unter liegenden Grabplatten beerdigte.

Die Ritter der damaligen Zeit propagierten dagegen ein anderes Bild, das eher zum Ruhm des Helden und zur höfischen Kultur passte, indem der Sieg über den Tod gefeiert wurde. Man orientierte sich dabei besonders an den Heldenliedern, die aus Frankreich und Deutschland durch das Etschtal gekommen waren, an Gestalten wie Roland und Parsifal. In der Tradition solcher Helden sahen sich die della Scala, die ihre Toten nicht unter einer liegenden Platte beerdigten, sondern – wie hier – lächelnd und hoch zu Ross.

Kunstraub[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. November 2015 wurden aus dem Museum 17 Gemälde im Wert von ca. 15 Millionen Euro gestohlen. Die Räuber kannten offenbar das Museum bestens und gingen äußerst professionell vor und es wird vermutet, dass sie auf Bestellung gehandelt haben. Die gestohlenen Werke, darunter „Die Wachtel-Madonna“ von Antonio Pisanello (1420), „Die Heilige Familie mit der Heiligen“ von Andrea Mantegna (um 1500) und „Die Dame von Licnidi“ von Peter Paul Rubens, gelten als unverkäuflich. [4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Duby, Georges: Die Zeit der Kathedralen. Kunst und Gesellschaft 980-1420 [1976]. Frankfurt am Main [1992] 2. Auflage 1994, S. 432–435. ISBN 3-518-28611-0
  • Reclams Kunstführer. Italien Bd 2. Oberitalien Ost. Bearb. von Erich Egg, Erich Hubala u.a. Stuttgart: Reclam 1965. S. 1083–1084.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Offizielle Museumsseite (englisch)
  2. italienisch Museo di Castelvecchio; offizielle Website
  3. https://museodicastelvecchio.comune.verona.it/
  4. Professioneller Raubzug in Verona – 17 Gemälde aus dem Museum gestohlen, n-tv.de vom 22. November 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Castelvecchio (Verona) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 45° 26′ 23″ N, 10° 59′ 16″ O