Castrillo Matajudíos

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Gemeinde Castrillo Matajudíos
Wappen Karte von Spanien
Wappen von Castrillo Matajudíos
Castrillo Matajudíos (Spanien)
Finland road sign 311.svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: KastilienleonKastilien und León Kastilien und León
Provinz: Burgos
Comarca: Odra-Pisuerga
Koordinaten 42° 19′ N, 4° 10′ W42.310277777778-4.1736111111111791Koordinaten: 42° 19′ N, 4° 10′ W
Höhe: 791 msnm
Fläche: 22,05 km²
Einwohner: 60 (1. Jan. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 2,72 Einw./km²
Postleitzahl: 09107
Gemeindenummer (INE): 09090 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine
Verwaltung
Adresse der Gemeindeverwaltung: Lorenzo Rodríguez Pérez (AECMJ)
Ayuntamiento de Matajudíos Webpräsenz der Gemeinde
Castrillo Matajudios von Süden kommend.

Castrillo Matajudíos („Judentöter“) ist ein Dorf im Osten der Provinz Burgos innerhalb der autonomen Gemeinschaft von Kastilien-León in Spanien.

Lage[Bearbeiten]

Burgos ist etwa 30 Kilometer Luftlinie östlich entfernt. Es liegt am orographisch rechten Ufer des nach Süden hin orientierten Flusses Odra, der zum Flusssystem des Ebro gehört. Der Ort wird von der Regionalstraße BU-400 bedient, die Castrojeriz mit Melgar de Fernamental verbindet. In Matajudíos zweigt nach Westen hin die Regionalstraße BU-403 ab, die Teil des Camino de Santiago ist und eine Verbindung mit Itero del Castillo und der noch weiter westlich liegenden P-4311 herstellt. Der Ort gruppiert sich um eine kleine gotische Kirche, die dem heiligen Stephanus geweiht ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Ein Ort mit Namen Virovesca wurde als Hauptstadt des Volkes der Autrigonier bereits von Plinius dem Älteren im Jahre 77 n. Chr. erwähnt; hier kreuzten sich zwei wichtige Römerstraßen. Nach dem Einfall germanischer Völker und dem Vordringen des Islam verliert sich die Bedeutung des Ortes, der erst im ausgehenden Mittelalter zu einer neuen Blüte erwachte.

Über die Herkunft des Namens Castrilla Matajudíos herrscht Uneinigkeit. Während die Gründung des Weilers auf das Jahr 1035 fixiert wird, stammt der heute als unrühmlich empfundene Name wahrscheinlich aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, dem Höhepunkt der Inquisition.[2] Laut „alter Quellen“ habe es im 11. Jahrhundert in der Nähe ein Massaker gegeben, das mit dem Ort in Verbindung gebracht worden sei. Überlebende Juden seien auf die nahe Anhöhe verbannt worden, die darauf den Namen Motajudíos, also Judenhügel bekommen habe. Eine sprachliche Verschleifung habe aus Mota Mata gemacht. Ob diese Änderung aufgrund eines Schreibfehlers oder absichtlich geschah, ist umstritten. Die ältesten Belege für die heutige Schreibweise finden sich für das Jahr 1623, also viele Generationen nach der Judenvertreibung im Jahre 1492.[3][4]

Am 25. Mai 2014 fand unter den 56 stimmberechtigten Bewohnern eine Volksbefragung statt, die die Umbenennung des Ortes propagierte. Über eine Änderung des Gemeindewappens, das einen Davidstern enthält, wurde nicht abgestimmt.[5] Hierbei sprachen sich 29 Einwohner für eine Umbenennung aus, 19 dagegen.[6] Im Juni 2014 soll entschieden werden, wie der zukünftige Dorfname lauten soll.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Traditionell lebt der Ort von der Landwirtschaft. An den Hängen des südlich gelegenen Höhenzuges Prado Camicero wird auch Weinbau betrieben.

An der Grenze zur Nachbargemeinde Castrojeriz steht heute der Windpark Valdehierro mit 30 Windrädern und einer Leistung von 50 MW, der von der gleichnamigen Gesellschaft Valdehierro S.L. errichtet wurde. Wegen des hier vorbeiführenden Jakobsweges wurde auf eine weitere Aufstellung von Windrädern verzichtet, weil dies nicht dem Gesetzbuch Bien de Interés Cultural für Immaterielles Kulturerbe entsprochen hätte.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero de 2013. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).
  2. Le Monde: Espagne: le village « Tuez les juifs » veut changer de nom. 18. April 2014
  3. Cornelia Derichsweiler: Unrühmlicher Ortsname: Ein spanisches Dorf will nicht länger «Judentöter» heissen, NZZ, Zürich 24. April 2014, S. 24
  4. The Guardian: Spanish village of Castrillo Kill the Jews votes on name change, 14. April 2014
  5. Martin Dahms: Ein Dorf namens Judentöter in Sächsische Zeitung vom 16. April 2014
  6. Spanisches Dorf stimmt für Namensänderung, T-Online, abgerufen am 26. Mai 2014