Caterpillar

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Film siehe Caterpillar (Film).
Caterpillar Inc.
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Rechtsform Incorporated
ISIN US1491231015
Gründung 1925
Sitz Peoria Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
Leitung Douglas R. Oberhelman (Chairman & CEO)[1]
Mitarbeiter 152.983 (31. Dezember 2011)[2]
Umsatz 60,138 Mrd. US-Dollar (2011)[2]
Branche Maschinenbau
Website www.cat.com

Caterpillar Inc. ist der weltgrößte Hersteller von Baumaschinen mit Hauptsitz in Peoria, Illinois (USA). Neben Baumaschinen stellt Caterpillar auch schnell- und mittelschnelllaufende Diesel- und Gasmotoren und (über die Tochterfirma Solar) Industriegasturbinen her. Durch den Zukauf von Bucyrus International ist Caterpillar auch einer der größten Hersteller für über- und untertägige Bergbaumaschinen.[3]

Mit Lizenz nutzt auch ein Hersteller von Mobiltelefonen und einer von Schuhen die Marken von Caterpillar.[4][5]

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CAT-Logo
Caterpillar-Planierraupe
CAT-Muldenkipper
CAT-Kettenbagger 345
Caterpillar D6R mit U-Schild bei der Arbeit
Muldenkipper Caterpillar 777 im Kalkstein-Tagebau Lhoist in Menden
Caterpillar D9 beim israelischen Sperrzaun
Die Gießerei Kiel gießt für Caterpillar

Caterpillar (urspr. für zoologisch: Raupe, dann – wie im Deutschen – auch für die technischen Bedeutungen des Wortes) entstand 1925 aus einem Zusammenschluss der Holt Manufacturing Company (Benjamin Holt) und der C. L. Best Tractor Company (Daniel Best) und erhielt den Namen Caterpillar Tractor Company. Benjamin Holt war 1904 der zweite, der einen Schlepper mit einer Laufwerkskette ausrüstete und gilt somit als einer der Wegbereiter des Kettenlaufwerks, das heute bei Kettenräumern (umgangssprachlich: Planierraupen), Kettenbaggern, Panzern und anderen Kettenfahrzeugen angewandt wird.

Im Jahr 1981 kaufte Caterpillar den US-amerikanischen Gasturbinenhersteller Solar Turbines.

1997 erwarb Caterpillar von LucasVarity den Motorenhersteller Perkins Engines für 1,3 Mrd. US-Dollar, was der bis dahin teuerste Zukauf in der Firmengeschichte war.[6]

Im Jahr 1998 übernahm Caterpillar den in Kiel ansässigen Traditionshersteller MaK für mittelschnellläufige Motoren vom Konzern Krupp. Die bis dahin bekannte Krupp MaK wurde in den Caterpillar-Firmenzweig eingegliedert und in Caterpillar Motoren GmbH & Co KG umbenannt. Die bis dahin unter einem Dach ansässigen Arbeitsbereiche wurden vom Montagebetrieb losgelöst, so dass es heute drei einzelne Teile gibt, die an unterschiedliche Geschäftszentren berichten. Der Motorenhersteller ist als KEC (Kiel Engine Center) bekannt.

2003 erwarb Caterpillar die Markennamen Payhauler und Unit Rig von der Firma Terex sowie die entsprechende Baureihe dieselelektrischer Muldenkipper.[7] 2004 wurde von Babcock Borsig das Schweizer Unternehmen Turbomach übernommen und der Sparte Solar Turbines zugeordnet.

Seit 2005 werden von JLG Industries Teleskoplader geliefert, die Caterpillar unter eigenem Markennamen über sein Händlernetz vertreibt.[8]

Im November 2010 stimmte Bucyrus International dem Kauf durch Caterpillar für 8,6 Mrd. US-Dollar zu.[9] Die Transaktion wurde am 8. Juli 2011 abgeschlossen.[3]

Im Jahr 2013 übernahm Caterpillar die Firma BERG Propulsion und gliederte sie in ihren Unternehmensbereich CAT Propulsion ein.[10][11][12]

Wirtschaftliche Eckdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produktion der Maschinen ist weltweit angesiedelt, zumeist dort wo die Hauptabsatzmärkte für die Produkte sind. Caterpillar beschäftigt rund 95.000 Mitarbeiter weltweit und hatte 2006 einen Jahresumsatz von 41,5 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen produziert unter anderem Muldenkipper, Bagger, Radlader, Planierraupen, Motorgrader und Baggerlader. Zum Einsatz kommen die Geräte im Erdbau, der Bauwirtschaft, vor allem aber in Bergwerken und Tagebauen.

1999 ging man mit dem deutschen Unternehmen Claas ein Joint Venture zur gegenseitigen Vermarktung landwirtschaftlicher Maschinen ein. So wurden CAT-Challenger-Traktoren und - Raupenschlepper in Europa als Claas-Maschinen verkauft, während Claas-Lexion-Mähdrescher in Nordamerika unter der Marke CAT verkauft wurden. Gemeinsam wurde in Omaha, Nebraska auch ein Mähdrescherwerk errichtet. Die fünfzigprozentigen Caterpillar-Anteile hieran wie auch am Joint Venture wurden im Jahr 2002 jedoch von Claas aufgekauft, als Caterpillar beschloss, die Produktion von Raupenschleppern für die Landwirtschaft aufzugeben und mit dem Markennamen Challenger an den AGCO-Konzern zu verkaufen. Die in Omaha von Claas für den nordamerikanischen Markt produzierten Lexion-Mähdrescher wurden weiterhin als CAT Lexion über die Caterpillar-Vertriebsgesellschaften vermarktet und betreut. Mittlerweile werden diese in Caterpillar-Farben – aber unter dem Namen Claas – über das Caterpillar-Händlernetzwerk vertrieben.

Caterpillar unterhält kein eigenes Vertriebssystem. Der Vertrieb der Caterpillar-Produkte erfolgt durch autorisierte unabhängige Vertriebsgesellschaften. In Deutschland ist dies beispielsweise die Zeppelin Baumaschinen GmbH.

Caterpillar in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2015 waren an den deutschen Standorten von Caterpillar ca. 4800 Mitarbeiter beschäftigt. Ein wesentlicher Schwerpunkt bildet dabei die Entwicklung und Produktion von Untertage-Strebbausystemen und Bergbaugeräten für den Hartgestein-Bergbau am Standort Lünen mit ca. 1000 Mitarbeitern. Die dort ansässige Caterpillar Mining Europe GmbH bildet den Kern der Caterpillar Mining Sparte. In Dortmund werden mit der Caterpillar Mining HMS GmbH außerdem große Hydraulikbagger für den Bergbau entwickelt und gefertigt. Die Aktivitäten von Caterpillar im Energiesektor, dem Bau von Diesel- und Zweistoffmotoren für Seefahrt, Erdöl- und Stromerzeugung, konzentrieren sich auf die Standorte Kiel (Caterpillar Motoren GmbH & Co. KG) und Rostock (Caterpillar Motoren Rostock GmbH). In Mannheim werden als Caterpillar Energy Solutions GmbH mit einer Belegschaft von ca. 1300 Mitarbeitern Gasmotoren und Stromgeneratoren produziert.[13]

Besitzverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

5,9 % Capital Research & Management Co.
94,1 % Streubesitz

Umweltverträglichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Caterpillar hat seit 2005 mehr als 500 Millionen US-Dollar in Forschung und Entwicklung der ACERT-Technologie[14] investiert, um eine Reduzierung der Abgasemissionen durch den Einsatz von Simulationstools und verbesserter Motorentechnik (z. B. elektronisch geregelter Einspritzung, verbessertem Verbrennungsprozess, variable Ventilsteuerung) zu erreichen. Caterpillar ist das erste größere Unternehmen, das einen Sustainability Report[15] veröffentlichte, der die Bemühungen um die Verbesserung der Umweltverträglichkeit transparent machen soll. Damit versucht Caterpillar, der ständigen Kritik um Umweltverschmutzung und Zerstörung von Naturraum durch seine Maschinen entgegenzuwirken.

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkauf von D9-Bulldozern an die israelische Armee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gepanzerte Caterpillar D9R Planierraupe, wie sie von den Israelischen Verteidigungsstreitkräften verwendet wird, um palästinensische Behausungen zu zerstören

Caterpillar verkauft D9-Bulldozer an die israelische Armee (IDF), die sie unter anderem zu Zerstörungen von Häusern von Zivilpersonen, Farmland und zum Bau israelischer Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten verwendet. Humanitäre Organisationen wie Amnesty International,[16] Human Rights Watch,[17] das UN Hochkommissariat für Menschenrechte,[18] sowie der Weltkirchenrat haben Caterpillar für seine Lieferungen an die israelische Armee kritisiert.[19]

Im Februar 2012 hat die Ratingagentur MSCI Caterpillar von ihrem World Socially Responsible Index gestrichen. Als Begründung gab sie neben einem Arbeitskonflikt und einer Betriebsschließung in Kanada im Januar 2012, Arbeitsplatzsicherheit und Umweltfragen auch die Kontroverse um die Verwendung von Caterpillar-Maschinen in den besetzten palästinensischen Gebieten an.[20] Die Firma Caterpillar verteidigt ihre Verkäufe an die israelische Armee damit, dass sie nicht in der Lage sei, die Verwendung aller von ihr verkauften Maschinen zu überwachen.[18]

Steuerflucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Caterpillar wickelte sein Ersatzteilgeschäft von 2000 bis 2012 über eine Schweizer Tochtergesellschaft ab, für die ein besonders niedriger Steuersatz ausgehandelt wurde. Obwohl in der Schweiz weder Ersatzteile produziert noch gelagert werden, wurden die Gewinne dort verbucht, womit dem US-Staat 2,1 Milliarden Franken Steuern entgingen.[21]

Im Rahmen der Luxemburg Leaks wurde im November 2014 bekannt, dass das Unternehmen unter Mithilfe von PricewaterhouseCoopers über ein komplexes Firmengeflecht ein Modell zur Steuerflucht etabliert hat. Die Originaldaten wurden im Internet veröffentlicht und belegen, dass 8 Milliarden US-Dollar Gewinn auf dem Papier aus den USA in die Schweiz gebucht werden. Diese Transaktionen reduzieren die Steuerlast um 2,4 Milliarden US-Dollar in den USA.[22] Aus internen E-Mails zweier Mitarbeiter geht hervor, dass diese Modelle verschleiert werden sollten. Ein Mitarbeiter schrieb für den Fall, dass das Steuervermeidungsmodell publik würde: „Wir werden alle pensioniert sein, wenn das hochkommt.“[23]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eric C. Orlemann: Das Caterpillar-Jahrhundert. Heel, Königswinter 2004, ISBN 3-89880-389-9.
  • Thomas Wilk: Caterpillar. 75 Jahre. Podszun, Brilon 2000, ISBN 3-86133-247-7.
  • Eric C. Orlemann: Caterpillar-Chronik. Heel, Königswinter 2002, ISBN 3-89365-917-X.
  • Robert N. Pripps: Das große Buch der Caterpillar. Nebel, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-068-X.
  • Peter A. Letourneau: Caterpillar Militär-Kettenfahrzeuge. Nebel, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-066-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Caterpillar-Fahrzeuge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: caterpillar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikibooks: Traktorenlexikon: Caterpillar – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Caterpillar ernennt Oberhelman zum neuen CEO
  2. a b 4Q 2011 Earnings Release (PDF; 202 kB), 26. Januar 2012
  3. a b Caterpillar completes acquisition of Bucyrus, caterpillar.com (PDF; 52 kB), 8. Juli 2011
  4. Mobile company Bullitt to fire in China. telegraph.co.uk. 17. Dezember 2013. Abgerufen am 23. April 2014.
  5. Wolverine World Wide Inc. Thomson Reuters. Abgerufen am 23. April 2014.
  6. Sallie L. Gaines: $1.3 Billion Caterpillar Engine Firm Purchase. The Biggest Deal Ever For Peoria Company. Chicago Tribune, 12. Dezember 1997, abgerufen am 18. April 2013 (englisch).
  7. Form 8-K. Current Report, Pursuant to Section 13 or 15(d) of the Securities Exchange Act of 1934. In: sec.gov. United States Securities and Exchange Commission, 1. Juli 2003, abgerufen am 11. Oktober 2015 (englisch).
  8. David Drickhamer: JLG to Supply Caterpillar-Branded Telehandlers. In: mhlnews.com. 1. Oktober 2005, abgerufen am 11. Oktober 2015.
  9. Caterpillar legt 8,6 Mrd für Bucyrus auf den Tisch, de.finance.yahoo.com, 15. November 2010
  10. Caterpillar Unveils Cat® Marine Propulsion Systems, Successfully Completes Acquisition of Johan Walter Berg AB. Caterpillar, abgerufen am 12. Oktober 2015.
  11. Caterpillar Finalizes Acquisition of Berg Propulsion. GCaptain, abgerufen am 12. Oktober 2015.
  12. Berg Propulsion to become part of Caterpillar. Motorship.com, abgerufen am 12. Oktober 2015.
  13. Caterpillar in Deutschland auf caterpillar.com, abgerufen am 7. November 2015
  14. Caterpillar Brings Engines with ACERT™ Technology to Off-Road Machines. cat.com (Caterpillar), abgerufen am 21. Dezember 2009.
  15. cat.com
  16. Israel and the Occupied Territories. Under the rubble: House demolition and destruction of land and property (PDF; 1,4 MB) Amnesty International. Mai 2004. Abgerufen am 29. Juni 2012.
  17. Razing Rafah: Mass Home Demolitions in the Gaza Strip (PDF; 58,7 MB) Human Rights Watch. S. 113–115. Oktober 2004. Abgerufen am 29. Juni 2012.
  18. a b Guttman, Nathan: The UN vs. Caterpillar. In: Haaretz. 16. Juni 2004. Abgerufen am 29. Juni 2012.
  19. Theologe unterstützt Boykott-Aufruf des Kirchenrates. palaestina.org (Die Generaldelegation Palästinas in der BRD), 22. Juni 2007, abgerufen am 21. Dezember 2009.
  20. Zeveloff, Naomi: Israel Was 'Key' Issue in Caterpillar Dump. In: The Jewish Daily Forward. 25. Juni 2012. Abgerufen am 29. Juni 2012: „The key factors determining the rating include a January 2012 labor dispute and subsequent plant closing in Canada, an on-going controversy associated with use of the company’s equipment in the occupied Palestinian territories, management of environmental issues, and employee safety.“
  21. Caterpillar spart in der Schweiz Milliarden-Steuern, Handelszeitung vom 1. April 2014, abgerufen am 1. April 2014.
  22. Big 4 Audit Firms Play Big Role in Offshore Murk, ICIJ
  23. Milliardenschwere Steuersparmodelle, Manager Magazin