Cavergno

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Cavergno
Wappen von Cavergno
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Vallemaggiaw
Kreis: Kreis Rovana
Gemeinde: Cevioi2
Postleitzahl: 6690
Koordinaten: 689950 / 133267Koordinaten: 46° 20′ 41″ N, 8° 36′ 26″ O; CH1903: 689950 / 133267
Höhe: 457 m ü. M.
Fläche: 54,79 km²
Einwohner: 492 (31. Dezember 2005)
Einwohnerdichte: 9 Einw. pro km²
Website: www.cevio.ch
Cavergno

Cavergno

Karte
Cavergno (Schweiz)
Cavergno
ww
Gemeindestand vor der Fusion am 22. Oktober 2006

Cavergno war bis zum 22. Oktober 2006 eine politische Gemeinde im Kreis Rovana, im Bezirk Vallemaggia des Kantons Tessin in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cavergno liegt 29 km nordwestlich von Locarno im Maggiatal. Der Ort liegt am Zusammenschluss des Val Bavona und des Val Lavizzara. Vom ehemaligen Gemeindegebiet von beinahe 55 km² besteht der Grossteil aus Gebirge und Gewässern (60,5 %). Weitere 31,3 % des Areals bedecken Wald und Gehölz. Bloss 7,5 % (im Talgrund des Val Bavona) können landwirtschaftlich genutzt werden. Ein Bruchteil von 0,7 % sind Siedlungsfläche.

Zur ehemaligen Gemeinde gehörten elf der zwölf Weiler (Terre) des Bavonatal (von Süden nach Norden): Mondada, Fontana, Alnedo, Sabbione, Ritort (Ritorto), Foroglio,[1] Rosed (Roseto), Fontanelada (Fontanellata), Faed (Faedo), Bolla, Sonlèrt (Sonlerto).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Oktober 2006 hat Cavergno mit Bignasco und Cevio zur Gemeinde Cevio fusioniert. Die schon per 23. Januar 2005 geplante Fusion musste zurückgestellt werden, da noch eine Klage vor Bundesgericht hängig war.[2] Im April 2006 wurde die Beschwerde der Gemeinde Bignasco gegen die Zwangsfusion durch das Bundesgericht abgewiesen.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen der eingeschränkten wirtschaftlichen Möglichkeiten setzte bereits im 17. Jahrhundert eine erste Auswanderungswelle, nach Italien, ein. Die grosse Abwanderung folgte im 18. und vor allem im 19. Jahrhundert. Vorerst nach Europa (Holland und Ungarn), später nach Australien. Von 1801 bis 1850 stieg die Einwohnerzahl noch an (1801–1850: +8,9 %). Bis 1920 sank sie dann durch Abwanderung nach Übersee und in die Industriegebiete des Kantons Tessin stark (1850–1920: -21,1 %). Doch war die Zahl der Emigranten im Vergleich zu anderen Gemeinden des Maggiatals vergleichsweise gering. Hauptgrund war der frühzeitige Aufbau von Arbeitsmöglichkeiten in Steinbrüchen. Bis 1970 wuchs die Bevölkerung auf einen neuen Höchststand an (1920–1970: +42,3 %), bedingt durch den Bau von Wasserkraftwerken. Seither ist ein leichter Bevölkerungsrückgang eingetreten (1970–2004: -4,9 %), der bereits wieder aufgehört hat.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1801 418
1850 455
1900 388
1920 359
1970 511
2000 468
2004 486
2005 492

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einheimischen sprechen eine sehr eigene italienische Mundart. Die grosse Mehrheit der Bewohner spricht Italienisch als Hauptsprache. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 waren es 92,74 % der Einwohner. Daneben gaben 2,99 % Deutsch und 1,92 % Serbokroatisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In früheren Zeiten gehörte die gesamte Einwohnerschaft der Römisch-Katholischen Kirche an. Durch Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und dem Ausland sowie Kirchenaustritten hat sich dies geändert. Heute (Stand 2000) sind 86,75 % römisch-katholische und 2,35 % evangelisch-reformierte Christen. Daneben findet man 5,34 % Konfessionslose und 2,14 % Muslime. Die Muslime sind fast alle Zuwanderer aus Bosnien-Herzegowina. 3,42 % der Einwohner verweigerten die Angabe ihres Glaubensbekenntnisses.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Ende 2004 486 Bewohnern waren 460 (=94,65 %) Schweizer Staatsbürger. Bei der letzten Volkszählung waren 93,16 % Schweizer Bürger (unter ihnen sieben Doppelbürger). Die grössten Einwanderergruppen kommen aus Italien, Bosnien-Herzegowina und aus Serbien-Montenegro.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher lebten die Bauern von der Viehzucht (vor allem Ziegen und Schafe) und vom Ackerbau. Durch die begrenzte Ackerfläche wanderten bereits in früheren Jahrhunderten junge Leute als Saisonarbeiter nach Holland aus. Im 19. Jahrhundert folgte eine Massenauswanderung nach Kalifornien. Noch 1970 arbeitete eine knappe Mehrheit der Erwerbstätigen in der eigenen Gemeinde. Heute arbeiten die Wenigsten noch in der Gemeinde. Die Landwirtschaft ist kaum mehr von Bedeutung. Über 90 % der Erwerbstätigen sind mittlerweile in Industrie, Gewerbe und Dienstleistungsberufen tätig.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cavergno ist durch die Postautolinien Bignasco-San Carlo, Bignasco-Peccia-Fusio und die Linie 10 der FART Locarno-Bignasco-Cavergno - ans Netz des Öffentlichen Verkehrs angeschlossen. Der Grossteil der Bevölkerung benutzt private Verkehrsmittel, da die Strasse nach Locarno wintersicher ist.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche Sant'Antonio da Padova[3][4][5]
  • Beinhaus[6]
  • Doppelter Steinbrunnen genannt Bron d’la Müfa[7]
  • Steinbrücke über die Calneggia[8]

Der regionale Weitwanderweg Sentiero Cristallina (als Wanderroute Nr. 59 ausgeschildert) führt über 41 km in drei Etappen von Airolo (Bedrettotal) nach Bignasco oder umgekehrt. Der Weg verläuft auf der Teilstrecke von Foroglio nach Mondada auf dem gut beschilderten Transhumanz-Themenweg (Percorso della Transumanza).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Familie Balli[9][10]
    • Valentino Balli (* 1764 in Cavergno; † 1825 in Groningen ?), Kaufmann, Gründer des Handelshauses Balli in Groningen.[11]
    • Giacomo Maria Balli (* um 1770 in Cavergno; † nach 1801 ebenda), Politiker.[12]
    • Giacomo Antonio Balli (* um 1873 in CAvergno; † nach 1815 ebenda), Politiker[13]
    • Valentino Alessandro Balli (* 9. Oktober 1796 in Cavergno (heute Gemeinde Cevio); † 8. September 1863 in Locarno), Politiker, Grossrat, Nationalrat[14][15][16]
    • Francesco Balli (* 20. September 1852 in Locarno † 21. Dezember 1924 ebenda), Politiker[17][18]
    • Attilio Balli (* 1852 in Locarno; † 27. Januar 1896 ebenda), von Locarno, Ingenieur, Politiker[19]
    • Federico Balli (* 18. März 1854 in Locarno; † 21. August 1889 in Cavergno), Schriftsteller, Politiker[20][21]
    • Emilio Balli (* 27. April 1855 in Locarno; † 29. November 1934 ebenda), von Cavergno, Politiker[22][23]
    • Giacomo Balli (* 1882 in Locarno; † in Brüssel ?), Jurist[24]
  • Familie Martini
  • Giuseppe Martini (* 18. Februar 1922 in Cavergno; † 28. Februar 2007 in Locarno), Maler, Zeichner, Sekundarlehrer[25]
  • Plinio Martini (* 4. August 1923 in Cavergno; † 6. August 1979 ebenda), von Cavergno, Lehrer und Schriftsteller
  • Alessandro Martini (* 1947 in Cavergno), Sohn von Plinio, Dozent der italienische Literatur in der Universität Freiburg (Schweiz)[26]
  • Luigi Alessandro Zanini (* um Dezember 1807 in Holland; † 21. Dezember 1855 in Cavergno), Priester, Pfarrer von Cavergno, Literat, Politiker[27]
  • Emilio Zanini (* 10. Dezember 1866 in Cavergno; † 28. Mai 1922 in Locarno), Schriftsteller[28].
  • Felicissimo Selva (* l9. Januar 1878 in Cavergno; † 8. November 1936 in Locarno), Kapuziner, Organist und Komponist[29]
  • Alfio Inselmini (* 8. Januar 1946 in Cavergno), Chordirigent und Komponist [30]

Ortsteile, talaufwärts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giovanni Bianconi: Vallemaggia. Edizioni L.E.M.A., Agno 1969.
  • Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972
  • Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007
  • Daniela Pauli Falconi: Cavergno. In: Historisches Lexikon der Schweiz.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cavergno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Foroglio in portal.dnb.de (abgerufen am: 18. Juni 2016.)
  2. Bundesamt für Statistik: Angekündigte Änderungen seit der Mutationsmeldung Nr. 81 zum Amtlichen Gemeindeverzeichnis der Schweiz, Ausgabe 20. Januar 2006
  3. Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 247–252.
  4. Pfarrkirche Sant'Antonio da Padova (Foto)
  5. Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972, S. 325.
  6. Beinhaus (Foto)
  7. Doppel Steinbrunnen genannt Bron d’la Müfa (Foto)
  8. Steinbrücke über Calneggia (Foto)
  9. Daniela Pauli Falconi: Balli. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  10. Familie Balli in portal.dnb.de (abgerufen am: 18. Juni 2016.)
  11. Valentino Balli auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 31. Mai 2017).
  12. Giacomo Maria Balli auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 31. Mai 2017).
  13. Giacomo Antonio Balli auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 31. Mai 2017).
  14. Alessandro Valentino Balli auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 31. Mai 2017).
  15. Pablo Crivelli: Balli, Valentino Alessandro. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  16. Valentino Alessandro Balli auf parlament.ch
  17. Francesco Balli auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 31. Mai 2017).
  18. Fabrizio Panzera: Balli, Francesco. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  19. Attilio Balli auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 31. Mai 2017).
  20. Federico Balli auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 31. Mai 2017).
  21. Chiara Orelli: Balli, Federico. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  22. Emilio Balli auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 31. Mai 2017).
  23. Carlo Agliati: Balli, Emilio. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  24. Giacomo Balli auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 31. Mai 2017).
  25. Giuseppe Martini. In: Sikart, abgerufen 20. Januar 2016.
  26. Alessandro Martini auf unifr.ch (abgerufen am 30. September 2016).
  27. Flavio Zappa: Luigi Alessandro Zanino, parroco, erudito e uomo politico. In: Bollettino della Società Storica Locarnese, Nummer 19, Jahrgang 2015, Tipografia Pedrazzini, Locarno, S. 105–112.
  28. Stefano Barelli: Zanini, Emilio. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  29. Felicissimo da Cavergno (italienisch) auf ricercamusica.ch/dizionario/ (abgerufen am: 15. November 2017.)
  30. Alfio Inselmini (italienisch) auf ricercamusica.ch/dizionario/ (abgerufen am: 27. November 2017.)