Clearstream

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Clearstream International S.A.
Clearstream logo.svg
Rechtsform Société anonyme
Gründung 2000
Sitz Luxemburg
Mitarbeiter 2350 (31. Dezember 2013)[1]
Bilanzsumme 746,4 Millionen Euro[2]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Bilanzsumme
Branche Finanzdienstleistungen
Website www.clearstream.com
Stand: 31. Dezember 2015 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2015

Clearstream International S.A. ist eine im Jahre 2000 aus der Fusion der Deutsche Börse Clearing AG (vormals Deutscher Kassenverein AG) und Cedel International hervorgegangene Abwicklungs- und Verwahrgesellschaft mit Sitz in Luxemburg. Clearstream fungiert auch als Zentralverwahrer für die internationalen Kapitalmärkte und für deutsche und luxemburgische inländische Wertpapiere. Das Unternehmen ist vollständig im Eigentum der Deutschen Börse AG.[3]

Unternehmensprofil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kerngeschäft ist die Dienstleistung als Zentralverwahrer, also die Abwicklung und Verwahrung von Wertpapieren. Der Wert der von Clearstream verwahrten Wertpapiere belief sich 2015 im Jahresdurchschnitt auf etwa 13,274 Billionen Euro.[4] Damit zählt Clearstream zu den größten weltweit tätigen Anbietern von Wertpapierdiensten. In Deutschland werden die meisten Wertpapiere technisch von Clearstream verwaltet. Außerdem bietet Clearstream Mehrwertdienste an, etwa die globale Wertpapierfinanzierung und Investmentfonds-Services. Eine besondere Rolle kommt der elektronischen Speicherung von Wertpapierinformationen zu.

Das Abwicklungsvolumen von Clearstream belief sich im Jahr 2015 auf 138 Millionen Transaktionen.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wurzeln der Girosammelverwahrung in Deutschland reichen bis in das Jahr 1882 zurück, als die Bank des Berliner Kassenvereins AG[5] in Berlin begann, die Funktion einer zentralen Wertpapiersammelbank auszuüben[6]. Es folgte im Jahr 1887 die Liquidationskasse in Hamburg, die Kassenverein AG in Köln (1923) und die Rheinisch-Westfälische Kassenverein AG im Jahr 1924 in Essen.

Im Jahr 1942 übernahm die Reichsbank alle bis dahin bestehenden 11 deutschen Kassenvereine samt deren Wertpapiersammel- und Abwicklungsgeschäft.

Im Jahr 1949 wurden mit Ausnahme von der Bremer Börse an jedem deutschen Börsenplatz neue Wertpapiersammelbanken (Kassenvereine) in Form von Aktiengesellschaften (wieder-)gegründet:

  • 29. Juni 1949: Norddeutsche Kassenverein A.G. in Hamburg[7]

1970 wurde der Deutsche Auslandskassenverein gegründet, deren Aktionäre die regionalen deutschen Kassenvereine waren. Am 29. Dezember 1989 fusionieren die sieben deutschen Kassenvereine zur Deutschen Kassenverein AG. Im Oktober 1997 wurde die Deutscher Kassenverein AG in Deutsche Börse Clearing AG umbenannt.

Durch die Fusion der Deutsche Börse Clearing AG mit der Abwicklungsorganisation Cedel International entstand dann Anfang des Jahres 2000 die Clearstream International S.A. mit Hauptsitz in Luxemburg, deren Anteile sämtlich von der Deutsche Börse AG gehalten werden.

Affären[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2001 mit der Veröffentlichung des Buches „Révélation$“, von Denis Robert und einem Ex-Clearstream-Mitarbeiter Ernest Backes, wurde Clearstream beschuldigt, eine internationale Plattform für Geldwäsche und Steuerflucht über ein illegales System von Geheimkonten zu sein. Die Luxemburger Justiz hat eine Untersuchung durchgeführt und festgehalten, dass es keine Substanz zu derartigen Anklagen gab. Die Autoren wurden nach zehn Jahren Prozesse, die Clearstream und andere Banken gegen sie führten, vom französischen Berufungsgericht (Cour de Cassation) in letzter Instanz freigesprochen.

2004[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Clearstream-Affäre

Im Frühjahr 2004 kam es zur „zweiten Clearstream Affäre“, die mehr Aufmerksamkeit erregte. Der Richter Renaud van Ruymbeke erhielt anonym Listen zugespielt, die sich mit dem Frankreich-Taiwan-Fregatten-Skandal auseinandersetzten und aus denen hervorgegangen sein sollte, dass mehrere französische Politiker Geheimkonten bei Clearstream hätten, darunter auch Nicolas Sarkozy, über die illegale Zahlungen abgewickelt worden seien. Der Richter hat in der Untersuchung festgestellt, dass die Listen gefälscht waren. Im Jahr 2006 haben die betroffenen Politiker Klage erhoben, woraufhin eine Untersuchung eröffnet wurde, die große Aufregung in der französischen Politik verursacht hat.[8][9] Drei Personen sind im Januar 2010 verurteilt worden, Jean-Louis Gergorin, Imad Lahoud, Florian Bourges. Der Journalist Denis Robert wurde unter Berufung auf das Recht auf freie Meinungsäußerung freigesprochen.

Rechtsstreit um iranische Gelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clearstream ist derzeit in den USA in einen Rechtsstreit verwickelt um 2 Milliarden Dollar auf einem Konto bei Citigroup, die nach Angabe des US-Schatzamtes (US Treasury) aus dem Iran stammen sollen. Das U.S. District Court for the Southern District of New York hatte im Juni 2008 entschieden, dass dieses Guthaben eingefroren werden soll. Grund dafür ist eine Klage von US-Marinesoldaten, die 1983 bei einem Terrorangriff auf Kasernen in Beirut getötet oder verletzt worden sind.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Denis Robert, Ernest Backes: Das Schweigen des Geldes. Der Clearstream-Skandal. Pendo-Verlag, Zürich 2003, ISBN 3-85842-546-X.
  • David Loader: Clearing, Settlement, and Custody. Butterworth-Heinemann, Oxford 2002, ISBN 0-7506-5484-8, (Operations Management Series).
  • Jean-Pierre Thiollet, Beau linge et argent sale. Fraude fiscale internationale et blanchiment des capitaux. Anagramme édition, Croissy-sur-Seine 2002, ISBN 2-914571-17-8.
  • David M. Weiss: Global Securities Processing. The Markets, the Products. New York Institute of Finance, Paramus, NJ u. a. 1998, ISBN 0-13-323965-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Annual 2015. Deutsche Börse, S. 70, abgerufen am 19. Februar 2017 (PDF 3.3MB).
  2. Annual 2015. Deutsche Börse, S. 39, abgerufen am 19. Februar 2017 (PDF 3.3MB).
  3. Who we are. Clearstream, abgerufen am 19. Februar 2017.
  4. a b Annual 2015. Deutsche Börse, S. 51, abgerufen am 19. Februar 2017 (PDF 3.3MB).
  5. Aktie und Geschichte der Bank des Berliner Kassenvereins (PDF; 406 kB).
  6. Reinhold Adrian, Karl Friedrich Hagenmüller, Gerhard Diepen, Thomas Heidorn: Der Bankbetrieb, Seiten 312 ff.
  7. Historisches Archiv · Nr. 76 vom 29. Juni 1949 · Seite 11
  8. Bernhard Schmid: Die Clearstream-Affäre. In: telepolis. 9. Mai 2006, abgerufen am 19. Februar 2017.
  9. Clearstream-Affäre: EADS-Manager in U-Haft. In: ORF. Abgerufen am 19. Februar 2017.
  10. Jay Solomon: U.S. Freezes $2 Billion in Iran Case. In: The Wall Street Journal. 12. Dezember 2009, abgerufen am 19. Februar 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]