Cenepa-Krieg

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Der Cenepa-Krieg war ein militärischer Konflikt zwischen Ecuador und Peru. Der Krieg fand im Jahr 1995 statt und dauerte circa drei Wochen. Streitpunkt war der Grenzverlauf zwischen Peru und Ecuador in einem Gebiet nahe dem Río Cenepa. In diesem Krieg gab es etwa 500 Tote.[1]

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide Länder hatten 1941/42 bereits einen militärischen Konflikt (Peruanisch-Ecuadorianischer Krieg) geführt, der durch das Protokoll von Rio de Janeiro beendet worden war. Beide Länder betonten vor Ausbruch des Cenepa-Krieges die „Freundschaft zwischen den Brüdervölkern“, wie Perus Präsident Alberto Fujimori es ausdrückte. Außerdem waren beide Länder Mitglieder im Andenpakt und dadurch diplomatisch eng miteinander verbunden.[2]

Lage in Peru[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alberto Fujimori, Präsident Perus

Peru wurde 1995 von Alberto Fujimori regiert. Der Präsident war in der Bevölkerung angesehen, da er im Ruf stand, die jahrelangen Guerilla-Kriege beendet zu haben. Die negativen Seiten von Fujimoris Amtszeit wurden erst nach seinem Ausscheiden aus dem Amt im Jahre 2000 deutlich.[3] Fujimori war in seiner Amtszeit vor 1995 dreimal in Ecuadors Hauptstadt Quito zu Gast. Dort wurde er von der Bevölkerung gefeiert und betonte die freundschaftliche Beziehung seines Landes zum kleineren Nachbarstaat Ecuador. In Peru gab es keine Diskussionen bezüglich des Grenzverlaufes zu Ecuador, da man dort das Protokoll von Rio de Janeiro bedingungslos akzeptierte. 1995 standen in Peru Wahlen an. Diese Tatsache führte zu Spekulationen, Fujimori habe den Krieg als Wahlkampfmaßnahme angezettelt, doch dies gilt als unwahrscheinlich.

Lage in Ecuador[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ecuador regierte Sixto Durán Ballén. Seine Regierung war durch eine schlechte Wirtschaftslage und einen Korruptionsskandal in einer schwierigen Situation und sehr unbeliebt beim Volk. Auch Duráns damaliges Alter von 80 Jahren machte die Regierungsarbeit nicht leichter. Somit brauchte die Regierung ein politisches Erfolgserlebnis, das man in der Konfrontation mit dem Nachbarstaat Peru suchte. Ecuador hatte sich schon 1960 vom Protokoll von Rio de Janeiro losgesagt.[4] Der Krieg gegen Peru wurde mit einer patriotischen Propagandakampagne untermalt, um die Gunst des Volkes für Sixto Durán Ballén zurückzugewinnen.

Streitpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das umstrittene Gebiet

Strittig war der Grenzverlauf zwischen den Flüssen Río Zamaro, Río Santiago und Río Cenepa. Der Grenzverlauf zwischen Río Zamora und Santiago konnte durch einen Schiedsspruch des Brasilianers Braz Dias de Aguia einvernehmlich gelöst werden, aber der Streitpunkt Rio Cenepa blieb. Ecuador beanspruchte den Río Cenepa, der schließlich in den Amazonas mündet, für sich, um die Schifffahrt zu erleichtern. Peru war von der Rechtmäßigkeit des eigenen Anspruchs auf Grund des Protokolls von Rio de Janeiro fest überzeugt. Dieses wurde von Ecuador allerdings seit 1960 schon nicht mehr respektiert. Infolgedessen beanspruchten beide Länder die Region unumstößlich für sich. Dies führte zu diplomatischen Konflikten, da beide Nationen bewaffnete Patrouillen in das Gebiet schickten. Bereits Anfang der 90er Jahre kam es dadurch zu Schusswechseln. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte der Konflikt 1991 durch den Streit um den peruanischen Militärposten Pachacutec in der umstrittenen Zone. Ein militärischer Konflikt konnte durch ein Abkommen zu diesem Zeitpunkt noch verhindert werden. In der Folge kam es zu vielen Scharmützeln und kleineren Krisen, aber auf moderatem Niveau. Im Dezember 1994 verstärkten beide Seiten ihre Militärpräsenz im Cenepa-Tal deutlich. Diese Aufrüstung wurde wahrscheinlich auch von der politischen Not Sixto Durán Balléns getrieben. Nach mehreren Schießereien und Gefangennahmen kam es am 24. Januar 1995 offiziell zum Krieg zwischen Peru und Ecuador. [5][6]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. und 25. Januar mobilisierte Peru seine Truppen. Ecuador beschäftigte sich mit der Mobilisierung seiner Kampfjets. Am 26. Januar griffen ecuadorianische Truppen peruanische Wehrdienstler bei der Errichtung eines Hubschrauberlandeplatzes an. Die Peruaner wurden von dem Ort, der von den Ecuadorianern Basis Norte genannt wird, vertrieben. Die Mobilisierung wurde auf beiden Seiten vorangetrieben und die gesamte Grenze wurde besetzt. Insgesamt wurden 140.000 Soldaten mobilisiert. Am 28. Januar starteten die peruanischen Streitkräfte eine große Offensive auf das Quellgebiet des Río Cenepas, wurden aber von ecuadorianischen FAE Jägern zurückgeschlagen. Am 29. Januar setzte Peru die Angriffe gegen die ecuadorianischen Städte Tiwinza, Cueva de los Tayos, Base-Sur und Coangos fort, erlitt aber Verluste. Nach einem 24-stündigen Waffenstillstand und der Ablehnung eines weiteren Waffenstillstandes, der von der UN vorgeschlagen wurde, setzte das peruanische Militär mit Artillerieunterstützung die Angriffe fort. Die ecuadorianische Luftwaffe setzte den peruanischen Streitkräften zu und versuchte mit Angriffen aus der Luft die peruanischen Stellungen zu schwächen. Vom 9.–12. Februar intensivierte die peruanische Luftwaffe (FAP) das Bombardement ecuadorianischer Stellungen. Am 13. Februar begannen die peruanischen Streitkräfte mit enormer Unterstützung der FAP eine konzentrierte Offensive auf Tiwinza. Am Abend trat Präsident Fujimori vor die Kameras und verkündete den Sieg Perus und die Einnahme Tiwinzas, was von Ecuador abgestritten wurde. Am 17. Februar trafen die Außenminister Perus und Ecuadors sowie Vertreter der Schlichter Argentinien, Chile, Brasilien und den USA zusammen und formulierten eine Friedenserklärung und die Schaffung der Friedenstruppe MOMEP, die am 21. Februar im noch immer heftig umkämpften Kriegsgebiet eintraf. Am 22. Februar, den die Ecuadorianer „Schwarzer Mittwoch“ nennen, begannen die gesamten peruanischen Streitkräfte einen Großangriff auf das Cenepa-Tal. An diesem Tag starben die meisten Soldaten Ecuadors im ganzen Krieg, aber auf Grund von ebenfalls großen Verlusten blieb die peruanische Offensive erfolglos. Am 28. Februar trat nach vielen verwirrenden Scharmützeln am Cenepa die Erklärung von Montevideo in Kraft, die den Krieg offiziell beendete.[7]

Ergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Friedensvertrag gab es weiterhin Konflikte im Kampfgebiet. Beide Seiten erklärten sich zum Sieger, aber ein klarer Sieger ist nicht festzustellen.[8] Die ecuadorianische Regierung konnte sich durch den Krieg nicht wie gehofft stabilisieren. Am 10. August 1996 endete die Regierung Sixto Durán Balléns. Der dreiwöchige Krieg hatte insgesamt 500 Menschen das Leben gekostet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stimmt's: Frei gewählter Krieg. In: Die Zeit. 22. Juni 2006, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 4. April 2017]).
  2. 2005: ein strategisches Datum für den südamerikanischen Kontinent, Länderberichte, Publikationen, Konrad-Adenauer-Stiftung. In: Konrad-Adenauer-Stiftung. (kas.de [abgerufen am 4. April 2017]).
  3. SPIEGEL ONLINE, Hamburg, Germany: URTEIL: Alberto Fujimori - DER SPIEGEL 16/2009. Abgerufen am 4. April 2017.
  4. The Associated Press: Sixto Durán Ballén, Ecuador President in Border Clash With Peru, Dies at 95. In: The New York Times. 18. November 2016, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 4. April 2017]).
  5. Cenepa Krieg; Hintergrund; Überblick; Neue Krise; Mobilisierung für den Krieg; Erste Begegnungen. Abgerufen am 4. April 2017.
  6. Río Cenepa, Peru - Geographical Names, map, geographic coordinates. Abgerufen am 4. April 2017.
  7. Cenepa Krieg; Hintergrund; Überblick; Neue Krise; Mobilisierung für den Krieg; Erste Begegnungen. Abgerufen am 4. April 2017.
  8. Thomas Roithner: Krieg im Abseits: "Vergessene Kriege" zwischen Schatten und Licht, oder, das Duell im Morgengrauen um Ökonomie, Medien und Politik. LIT Verlag Münster, 2011, ISBN 978-3-643-50199-8 (google.de [abgerufen am 4. April 2017]).