Center for Consumer Freedom

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Das Center for Consumer Freedom (CCF) ist eine 1995 gegründete amerikanische Non-Profit-Organisation mit Sitz in Washington, D.C.,[1] die als solche nicht zur Auskunft über ihre Mitglieder und Geldgeber verpflichtet ist. Durch Mitteilungen an die Finanzbehörden sowie Veröffentlichungen von Geldgebern sind einige Mitgliedsunternehmen wie Philip Morris und Coca-Cola bekannt geworden.

Das Wortkonstrukt Consumer Freedom soll das Recht der Verbraucher bezeichnen, „selbst zu entscheiden, wie sie leben, was sie essen und trinken, wie sie ihre Finanzen regeln und wie sie sich amüsieren“.[1]

Die Organisation kritisiert unter anderem die Arbeit von Gesundheitsbehörden, der Tierschutzorganisation PETA, von Humane Society of the United States, Mothers Against Drunk Driving und anderen Organisationen.

Mitglieder und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung der vormals als Guest Choice Network bekannten Organisation ging von dem Tabakunternehmen Philip Morris International aus, die ein Anfangskapital von 600.000 US-Dollar zur Verfügung stellte, das im darauf folgenden Jahr um weitere 300.000 Dollar erhöht wurde. Nach einer internen Mitteilung des Unternehmens Philip Morris im Jahr 1996 war das Unternehmen zu jenem Zeitpunkt der einzige Geldgeber.[2] Betrieben wird das Center for Consumer Freedom von dem PR-Unternehmen Berman & Company.[3] Im Dezember 1996 gehörte auch die Firmen Alliance Gaming (Geldspielautomaten), Anheuser-Busch (Bier), Bruss Company (Fleischprodukte), Cargill Processed Meat Products, Davidoff (Zigarren), Harrah's (Casinos), Overhill Farms (Tiefkühlprodukte), Philip Morris und Standard Meat Company (Fleischprodukte) zu den Unterstützern der Organisation. Die leitenden Gremien der Organisation bestanden bzw. bestehen aus Repräsentanten vieler Unternehmen und Vertretern des Nahrungsmittelgewerbes, sowie Carl Vogt als Vertreter der Rechtsanwaltskanzlei Fulbright & Jaworski, James Spector von Philip Morris und John Doyle vom American Beverage Institute.[4] Nach Angabe von 2005 ist der vorsitzende Direktor Richard Berman, David Martosko ist der offizielle Sprecher der Organisation.

In den Folgejahren gewann die Organisation weitere Geldgeber, war aber im Wesentlichen noch auf die finanzielle Unterstützung der großen Unternehmen angewiesen. Nach der Steuermitteilung für das zweite Halbjahr 1999 wurden Einnahmen von USD 111.642 aus, von denen USD 105.000 sechs nicht genannten Geldgebern zuzuordnen waren. Steuermitteilungen der Jahre 2002 bis 2005 können im Internet eingesehen werden.[5][6][7][8] In der letzten verfügbaren Veröffentlichung für das Jahr 2005 werden Einnahmen von 3,7 Millionen USD und Ausgaben von 3,8 Millionen USD ausgewiesen (steuerbefreite Organisationen müssen nach IRS tax form 990 gewisse finanzielle Grunddaten angeben).[8]

Für das Jahr 2005 gibt die Organisation mehr als 1.000 Mitglieder an[1][9] und weist - nach Berman - weitere 100 Mitgliedsunternehmen aus.[10] Zu den Unternehmen, die ihre Unterstützung für CCF bestätigt haben, gehören Coca-Cola, Wendy’s, Tyson Foods und Pilgrim's Pride.[9][10][11] Neben den aufgeführten Unternehmen gehören laut veröffentlichten Dokumenten unter anderem Outback Steakhouse und Cargill zu den weiteren Finanzierern.[10] Pepsi und Kraft Foods haben sich von den Methoden des CCF distanziert und gehören nach eigenen Angaben nicht zu den Mitwirkenden.[10]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte Teil der Ausgaben des CCF erfolgt für größere Werbekampagnen (Ausgaben 2005 laut IRS Form 990: 2,2 Millionen USD) wie etwa Plakaten auf zentralen Plätzen und Werbeanzeigen in großen Medien wie der New York Times. Rund 850.000 USD wurden nach den Angaben 2005 für den Betrieb der Websites ausgegeben.[8]

Ein wesentlicher Teil der Veröffentlichungen des CCF behandelt Themen rund um Nahrungsmittel; so wird etwa die Auffassung vertreten, dass viele Lebensmittel großer Nahrungshersteller sehr gesund seien und dass auch bei der Verwendung von Pestiziden keine Gesundheitsgefahr bestehe. Die Aktivitäten von einigen Organisationen das zunehmende Übergewicht in der Gesellschaft und das damit verbundene Gesundheitsrisiko durch bessere Ernährung zu senken seien unpatriotisch und gegen die Freiheit gerichtet.[12] Ein weiterer Teil der Aktivitäten konzentriert sich auf die Kritik an Verbraucherschutzorganisationen und Gesundheitsbehörden (z.B. eine Kampagne gegen die Centers for Disease Control and Prevention[13]), die nach Darstellung des CCF Gesundheitsgefahren zu sehr regulieren und demnach laut dem CCF mit den gesetzlichen Vorgaben zu erlaubten Höchstwerten von gesundheitsgefährdenden Stoffen die Freiheit verletzen würden. Richard Berman, der Leiter der hinter dem CCF stehenden PR-Agentur Berman and Company, machte darauf aufmerksam, dass Verbraucherschützer das Konsumentenverhalten in Bezug auf z. B. Fett, Zucker und Tabak beeinflussen. Daher sei es wichtig, die Glaubwürdigkeit entsprechender Organisation zu diskreditieren.[14] Daneben wirkt CCF auch gegen Tierrechtsorganisationen, insbesondere gegen PETA. Laut der vom CCF betriebenen Website „PETA kills Animals“ würde PETA unnötigerweise Tiere in ihrer Obhut einschläfern.[15] Die Tierrechtsorganisation selbst bezeichnet diesen Vorwurf als gezielte Falschdarstellung.[16]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c About Us. Center for Consumer Freedom. Abgerufen am 29. November 2007.(englisch)
  2. PR Watch: Letter from Philip Morris attorney Marty Barrington citing initial funding for the CCF (Memento vom 17. März 2009 im Internet Archive) PR Watch, (englisch) abgerufen 30. Januar 2007.
  3. SWR2-Feature/Tom Schimmeck: Spin - Oder: Die Industrialisierung der Meinungsproduktion (PDF; 269 kB), Januar 2011
  4. The Guest Choice Network Supporters; The Guest Choice Network Advisory Panel, 1. Dezember 1996 (englisch)
  5. 2002 IRS Form 990 for the Center for Consumer Freedom. (PDF; 792 kB), abgerufen am 30. Januar 2007 (englisch).
  6. 2003 IRS Form 990 for the Center for Consumer Freedom. (PDF; 1,1 MB), abgerufen am 30. Januar 2007 (englisch).
  7. 2004 IRS Form 990 for the Center for Consumer Freedom. (PDF; 1,2 MB) abgerufen am 30. Januar 2007 (englisch).
  8. a b c 2005 IRS Form 990 for the Center for Consumer Freedom. (PDF; 1,7 MB)
  9. a b Caroline E. Mayer and Amy Joyce: The Escalating Obesity Wars Nonprofit's Tactics, Funding Sources Spark Controversy, Washington Post. 27. April 2005.  (englisch)
  10. a b c d Warner, Melanie. "Striking Back at the Food Police". New York Times. 12. Juni 2005, abgerufen am 11. Februar 2007 (englisch).
  11. Barton, Paul. "Poultry firms side with lobbyist in PR battle with animal-welfare group." (Memento vom 31. Januar 2009 im Internet Archive) Arkansas Democrat-Gazette. 22. September 2003, abgerufen am 12. Februar 2007 (englisch).
  12. Paul Krugman: Girth of a Nation, New York Times, 4. Juli 2005
  13. vgl. Auflistung auf Sourcewatch: CCF selected campaigns
  14. Charles Bernstein The Zealot: Freedom of choice advocate Rick Berman preaches about DUI limits, the minimum wage and health care in the name of food service. (Memento vom 4. Mai 2001 im Internet Archive), Chain Leader, December 1999
  15. „PETA kills Animals“
  16. PetaTötetTiere.de (Gegendarstellung von PETA)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]