Center for Public Integrity

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Logo des CPI

Das Center for Public Integrity (CPI) ist eine Non-Profit-Organisation, die der US-amerikanische Journalist Charles Lewis im März 1989 in Washington, D.C. gründete. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist investigativer Journalismus. Finanziell wird das CPI durch eine Reihe von Stiftungen gefördert, darunter die Ford Foundation und die John S. and James L. Knight Foundation (Florida).[1]

Zielsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das CPI nennt als ihr Ziel (mission), „Machtmissbrauch, Korruption und Pflichtversäumnis einflussreicher öffentlicher und privater Institutionen offenzulegen“,[2] um sie zu verantwortlichem Handeln zu veranlassen. Mit über 50 Mitarbeitern ist das CPI eines der größten unparteiischen investigativen Zentren in den USA.[3] Seine Berichte veröffentlicht das CPI im Internet oder übergibt sie an „media outlets“ in den USA und in anderen Ländern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem er das CPI im März 1989 gegründet hatte, blieb Charles Lewis bis Januar 2005 Direktor. Bis dahin hatte das CPI 14 Bücher und mehr als 250 investigative Berichte veröffentlicht, das 2004 veröffentlichte Buch The Buying of the President hielt sich drei Monate lang auf der Bestseller-Liste der New York Times.[4] Im Jahr 2005 hatte das CPI in Washington über 40 Vollzeitmitarbeiter. Diese arbeiteten mit einem Netzwerk von Autoren und Herausgebern in über 25 Ländern zusammen.[4]

Lewis’ Nachfolgerin als Direktor wurde Roberta Baskin, die im Mai 2006 jedoch wieder aus der Organisation ausschied. Im Januar 2007 wurde Bill Buzenberg zum Direktor des CPI.

ICIJ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des ICIJ

1997 startete das CPI das Projekt International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). Das ICIJ ist heute (2013) ein Netzwerk von 160 Journalisten in etwa 60 Ländern.[5]

Offshore-Leaks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2013 erregte das ICIJ mit seinem Projekt Offshore-Leaks international viel Aufsehen. Dabei handelte es sich um ein umfangreiches Rechercheprojekt, an dem 86 Journalisten und Medien aus 46 Ländern mitarbeiten.[6] In einer projektweit konzertierten Aktion berichten seit dem 4. April 2013 renommierte Medien wie die Washington Post über die große Steueroasen-Maschinerie, die es bisher leicht macht(e), Schwarzgeld zu besitzen bzw. es vor Dritten zu verstecken. In Deutschland sind die Süddeutsche Zeitung,[7] das Team Recherche des NDR Fernsehens und der Reporterpool von NDR Info Kooperationspartner des Projekts.[8]

Luxemburg-Leaks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2014 erregte das ICIJ mit seinem Projekt Luxemburg-Leaks international ebenfalls viel Aufsehen. Über 500[9] globale Unternehmen haben mittels komplizierter Konstruktionen und unter Beteiligung der dortigen Steuerbehörden ihre Gewinne nach Luxemburg verlagert und so ihren Steuersatz auf bis zu 0,1 %[10] gedrückt.

Swiss-Leaks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2015 berichtete das ICIJ, dass die Schweizer HSBC Private Bank Kunden systematisch bei der Steuerhinterziehung unterstützt habe. Die als Swiss-Leaks bekannt gewordenen Daten hatte ICIJ von der französischen Zeitung Le Monde erhalten.

Panama Papers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. April 2016 veröffentlichte das Konsortium gleichzeitig und international seine ersten Rechercheergebnisse zu den Panama Papers.

Weitere Berichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste von CPI erarbeitete Bericht America’s Frontline Trade Officials (Amerikas Front-Handelsbeamte) belegte, dass während einer Zeitspanne von 15 Jahren fast die Hälfte der beobachteten White House trade officials nach der Pensionierung Lobbyisten für andere Länder oder ausländische Organisationen wurde. Lewis beschrieb den Erfolg des Berichts wie folgt:

“[It] prompted a Justice Department ruling, a General Accounting Office report, a Congressional hearing, was cited by four presidential candidates in 1992 and was partly responsible for an executive order in January 1993 by President Clinton, placing a lifetime ban on foreign lobbying by White House trade officials.
([Er] veranlasste eine Weisung des Justizministeriums, einen Bericht des General Accounting Office, ein Kongress-Hearing, wurde 1992 von vier Präsidentschaftskandidaten zitiert und war teilweise verantwortlich für eine Anweisung Präsident Clintons im Januar 1993 mit einem lebenslangen Verbot ausländischer Lobbyarbeit für Weißes-Haus-Handelsbeamte.)”[4][11]

1996 veröffentlichte das CPI den Bericht Fat Cat Hotel von Margaret Ebrahim. Er beschrieb Zusammenhänge zwischen Übernachtungen im Lincoln Bedroom im Weißen Haus unter US-Präsident Bill Clinton und Spenden an die Demokratische Partei und/oder für Clintons Wiederwahlkampagne. Die Autorin erhielt dafür einen Preis von der Society of Professional Journalists.[12]

Ein 2003 veröffentlichter Bericht mit dem Titel Windfalls of War (gemeint sind windfall profits) untersuchte Zusammenhänge zwischen Wahlkampfspenden für George W. Bush und der Erteilung von Aufträgen für Wiederaufbauprojekte in Afghanistan und im Irak.[13] Der Bericht wurde in den Medien der USA kontrovers diskutiert.[14]

Auch der CPI-Bericht Who’s Behind the Financial Meltdown? fand viel Aufmerksamkeit.

2010 veröffentlichte das CPI zusammen mit dem National Public Radio den Bericht Sexual Assault on Campus,[15] der Versäumnisse von Colleges und staatlichen Stellen beim Vermeiden und Aufklären von sexuellen Übergriffen, z. B. Vergewaltigungen, aufzeigte.[16]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Journalist Alex Beam vom Boston Globe forderte vom CPI mehr „Empathie für die Teufel“. Die Kritik an den Milliardären Charles G. Koch und David H. Koch nehme sehr viel Raum ein. Beim CPI sei „scheinbar jeder Tag der Fürchte-die-schrecklichen-Koch-Brüder-Tag“. Dabei seien die Koch-Brüder, so Alex Beam, „so schlecht, dass sie schon wieder gut sind“. Wenn es sie nicht gäbe, hätte die Linke sie erfinden müssen. Allein die Nennung des Namens Koch werde in der nächsten Dekade genügen, um für „jede schrullige Weltrettungs-Wohltätigkeitsveranstaltung“ Spendengelder fließen zu lassen.[17]

Die konservative Washington Post-Kolumnistin Jennifer Rubin kritisierte in diesem Zusammenhang, dass das CPI auch Spenden des als progressiv geltenden Milliardärs George Soros annehme. Dadurch werde das CPI Teil einer ihrer Ansicht nach von Soros gesteuerten „Anti-Koch-Kampagne“. Das CPI betreibe, so Rubin, linksliberalen Meinungsjournalismus.[18]

Der ehemalige Diplomat und Menschenrechtsaktivist Craig Murray kritisierte in Zusammenhang mit den jüngst veröffentlichten Panama Papers die Art der Finanzierung und zweifelt an der Unabhängigkeit des ICIJ, weil man unter den Unterstützern und Finanziers dieses Instituts Namen wie die Ford Foundation, Carnegie Endowment, Rockefeller Family Fund, W K Kellogg Foundation und die Open Society Foundation (Soros) findet. Er rechne daher nicht mit der "[…] schonungslosen Offenlegung des westlichen Kapitalismus. Die dreckigen Geheimnisse der westlichen Unternehmen werden auch weiterhin verschlossen bleiben. […]"[19][20]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Under the Influence: Presidential Candidates and Their Campaign Advisers. University Press of America, 1991, ISBN 0962901253
  • Steve Weinberg: For their eyes only: How presidential appointees treat public documents as personal property. 1992, ISBN 096290127X
  • Rebecca Borders, C.C. Dockery: Beyond the Hill: A Directory of Congress from 1984 to 1993. 1995
  • Encarnacion Pyle: Silence of the laws: How America’s leading defense companies employ women and minority executives. 1995, ISBN 0962901261
  • Toxic Deception: How the Chemical Industry Manipulates Science, Bends the Law, and Endangers Your Health. 1996
  • Charles Lewis: The Buying of the Congress: How Special Interests Have Stolen Your Right to Life, Liberty, and the Pursuit of Happiness. 1998
  • Alan Green: Animal Underworld: Inside America’s Black Market For Rare And Exotic Species. 1999
  • Citizen muckraking: How to investigate and right wrongs in your community. Common Courage Media, 2000
  • Charles Lewis: The Cheating of America: How Tax Avoidance and Evasion by the Super Rich Are Costing the Country Billions — and What You Can Do About It. Harper Collins, 2001, ISBN 038097682X
  • Diane Renzulli: Capitol Offenders: How Private Interests Govern Our States. 2002, ISBN 1882583140
  • Harmful Error: Investigating America’s Local Prosecutors. 2003, ISBN 1882583183
  • The Water Barons: How a Few Powerful Companies are Privatizing Your Water. 2003, ISBN 1882583167
  • Making a Killing: The Business of War. 2003, ISBN 1882583159
  • Charles Lewis: The Buying of the President 2004: Who’s Really Bankrolling Bush and His Democratic Challengers--and What They Expect in Return. HarperCollins, 2004, ISBN 0060548533
  • The Corruption Notebooks: 25 Investigative Journalists Report on Abuses of Power in Their Home Country. 2004, ISBN 1882583191
  • John Dunbar: Networks of influence: The political power of the communications industry. 2005, ISBN 1882583205
  • City Adrift: New Orleans Before and After Katrina. LSU Press, 2007, ISBN 0807147761

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charles Lewis: 935 Lies: The Future of Truth and the Decline of America’s Moral Integrity. PublicAffairs, 2014. ISBN 978-1-61039-117-7
  • Amy Handlin (Hrsg.): Dirty Deals? An Encyclopedia of Lobbying, Political Influence, and Corruption. ABC-Clio, 2014, S. 392

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. How the CPI is funded publicintegrity.org
  2. Center for Public Integrity
  3. PI reduces staff to compensate for $2 million budget hole
  4. a b c The Growing Importance of Non-Profit Journalism. (PDF) The Joan Shorenstein Center on the Press, Politics and Public Policy
  5. icij.org
  6. www.icij.org/offshore
  7. OffshoreLeaks. sueddeutsche.de.
  8. „Offshore-Leaks“: Steueroasen und Strohmänner. (Memento vom 7. April 2013 im Internet Archive) ndr.de.
  9. Bastian Brinkmann: So wurde Luxemburg-Leaks recherchiert. In: Süddeutsche Zeitung. 6. November 2014, abgerufen am 6. November 2014.
  10. "Luxleaks"-Enthüllungen (Memento vom 23. Januar 2015 im Internet Archive) 11. Dezember 2014 auf heute.de
  11. An “i” Toward Tough Journalism. In: Johns Hopkins Magazine.
  12. Margaret Ebrahim: Fat Cat Hotel (Publici: Newsletter of the Center for Public Integrity, Band 2, Nr. 5, August 1996)
  13. Center for Public Integrity, 30. Oktober 2003: Winning contractors
  14. Rezeption in US-Printmedien; Beispiel: Daniel Drezner (Slate, 3. November 2003): Fables of the Reconstruction: Bush isn’t really favoring Halliburton and Bechtel
  15. Sexual Assault on Campus. publicintegrity.org
  16. Campus Rape Victims: A Struggle For Justice. npr.org
  17. Alex Beam: Empathy for the Devils Boston Globe, 2. September 2011
  18. Jennifer Rubin: Is the Center for Public Integrity’s work advocacy or journalism? Washington Post, 2. September 2011
  19. Corporate Media Gatekeepers Protect Western 1% From Panama Leak - Craig Murray. In: www.craigmurray.org.uk. Abgerufen am 4. April 2016.
  20. How the Center for Public Integrity is Funded | Center for Public Integrity. In: Center for Public Integrity. Abgerufen am 4. April 2016.