Centovallibahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Locarno–Camedo
Triebwagen der Centovallibahn in Ponte Brolla
Triebwagen der Centovallibahn in Ponte Brolla
Fahrplanfeld: 620
Streckenlänge: 51,25 km
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem: 1200 V =
Maximale Neigung: 60 
Minimaler Radius: 50 m
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
   
Anschluss SBB von Bellinzona
   
–1,7 Locarno 198 m ü. M.
   
–0,3 Galleria Kreuzungsstelle
   
0,2 Locarno S. Antonio
   
0,8 Solduno
Tunnel – Ende
2590 m
Bahnhof, Station
1,4 S. Martino 222 m ü. M.
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Sass Gott (20 m)
Bahnhof, Station
3,5 Ponte Brolla 254 m ü. M.
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
3,6
0,0
ex Maggiatalbahn, heute Depot
Haltepunkt, Haltestelle
0,9 Tegna 255 m ü. M.
Bahnhof, Station
1,9 Verscio 274 m ü. M.
Bahnhof, Station
2,6 Cavigliano 296 m ü. M.
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Güra (33 m)
Brücke (groß)
Isorno
Bahnhof, Station
4,7 Intragna 339 m ü. M.
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Dirinei (311 m)
Bahnhof, Station
7,1 Corcapolo 463 m ü. M.
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Frana di Corcapolo (343 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Valascia (15 m)
Brücke (mittel)
Valle d'Ingustria
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Valle d'Ingustria (53 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Monda di fuori (17 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Monda di dentro (70 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Sassalto di fuori (35 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Sassalto di dentro (45 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Val Chiara (35 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Vergugno (112 m)
Bahnhof, Station
9,5 Verdasio 531 m ü. M.
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Riale della Segna (46 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Gaggetto di fuori (36 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Gaggetto di dentro (307 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Riale di Verdasio (206 m)
Haltepunkt, Haltestelle
11,1 Palagnedra 533 m ü. M.
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Vignascia (185 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Cadanza (200 m)
Haltepunkt, Haltestelle
12,0 Borgnone-Cadanza 546 m ü. M.
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Mött da Varda (57 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Tries (33 m)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
Ruinacci (35 m)
Brücke (mittel)
Ruinacci
Bahnhof, Station
13,1 Camedo 549 m ü. M.
Grenze auf Brücke
13,7
32,3
Schweiz/Italien
Strecke – geradeaus
SSIF nach Domodossola

Die Centovallibahn führt von Locarno im schweizerischen Kanton Tessin durchs Centovalli bis an die italienische Grenze. Weiter führt sie durchs Valle Vigezzo als Vigezzina bis nach Domodossola in der italienischen Provinz Verbano-Cusio-Ossola. Sie verbindet die Strecke der Gotthardbahn mit der Bahnlinie durch den Simplon.

Geschichte[Bearbeiten]

Triebwagen an der Endhaltestelle vor dem SBB-Bahnhof Locarno, 1986

Wie die ehemalige Maggiatalbahn und die Standseilbahn Locarno–Madonna del Sasso ist auch die Centovallibahn auf die Initiative des Stadtpräsidenten von Locarno, Francesco Balli, gegen Ende des 19. Jahrhunderts zurückzuführen. Nachdem der Erste Weltkrieg die 1912 aufgenommenen Bauarbeiten verzögert hatte, konnte am 25. November 1923 die Strecke offiziell eröffnet werden.

Die internationale Bahn wird auf Schweizer Seite von der Bahngesellschaft Ferrovie autolinee regionali ticinesi (FART), auf italienischer Seite, wo die Bahn Vigezzina genannt wird, von der Società subalpina di imprese ferroviarie (SSIF) betrieben. Dem Betrieb liegt ein Staatsvertrag zwischen dem Schweizer Bundesrat und dem König von Italien, Vittorio Emanuele III., vom 12. November 1918 zugrunde.[1]

Am 7. und 8. August 1978 erlitt die Bahn schwere Schäden durch Hochwasser, insbesondere auf dem italienischen Abschnitt, wo zwei Brücken zerstört und mehrere hundert Meter Gleis weggeschwemmt wurden. Erst im Sommer 1980 konnte der internationale Verkehr wieder aufgenommen werden.

1990 wurden in der Innenstadt von Locarno die oberirdische Strecke und der Endbahnhof durch eine Anlage im Tunnel ersetzt.

Linienführung[Bearbeiten]

Ruinacci-Viadukt bei Camedo

Ausgehend von Bahnhof Locarno führt die Bahnlinie unterirdisch bis zum Haltepunkt S. Martino, wo die Tunnelstrecke endet. In Ponte Brolla verlässt die Trasse das Maggiatal und durchquert in westlicher Richtung das Pedemonte bis nach Intragna. Hier beginnt das eigentliche Centovalli, das bis zur Grenze nach Italien bei Camedo so genannt wird, gleichzeitig beginnt hier der stärkere Anstieg der Strecke. Nach der Grenze durchfährt die Bahn das Valle Vigezzo mit den grösseren Orten Re, Malesco und Santa Maria Maggiore, wo mit 836 m der höchste Punkt erreicht wird.

Es folgt ein zunächst sanfter, dann immer steilerer Abstieg entlang der südlichen Talflanke bis zur Station Trontano. Zwischen Trontano und Masera im Tal des Toce erreicht die Strecke das maximale Gefälle von 60 Promille und die kleinsten Kurvenradien mit 50 m. Nach kurzer Querung des Tocetals wird die unterirdische Endstation unter dem Bahnhof Domodossola erreicht.

Bahnhof Verdasio

Im Schweizer Abschnitt hat die Linie 14 Stationen und Haltestellen, auf der italienischen Seite insgesamt 19, wobei die Halte zwischen Re und der Landesgrenze allerdings nur noch sporadisch bedient werden. Es besteht kein über den ganzen Tag durchgängiger Taktfahrplan. Die Fahrt über die ganze Strecke dauert etwa eine Stunde und 45 Minuten.

Die ersten vier Jahre wurden zwischen dem Bahnhof Locarno und S. Antonio die bestehenden Gleise des Locarneser Trams über die Piazza Grande mitbenutzt. 1927 wurde für Centovalli- und Maggiatalbahn eine eigene Strecke eröffnet, die die Innenstadt umfuhr[2]. 1990 wurde der Tunnel zwischen Bahnhof Locarno und S. Martino eröffnet. Von beiden früheren Linienführungen sind im Strassenbelag noch eingelassene Schienen zu sehen.

Technik[Bearbeiten]

Die Schmalspurbahn hat eine Spurweite von 1000 mm und wird seit ihrer Eröffnung mit 1200 Volt Gleichstrom betrieben. Die Fahrleitungsgrenzsspannung beträgt heute zwischen 840 und 1620 Volt,[3] was einer Nennspannung von 1350 Volt entsprechen würde, wobei offiziell die Spannung nie erhöht wurde. Die Gleichrichterstationen befinden sich in Ponte Brolla, Intragna, Verdasio, Re und Trontano. Während die Schweizer Teilstrecke bereits 1963 mit Lichtsignalen und Streckenblock ausgerüstet wurde, konnte die notorisch finanzschwache SSIF ihren Abschnitt erst Ende der 1990er diesem technischen Stand anpassen.

Rollmaterial[Bearbeiten]

Der Verkehr auf der Centovallibahn wird ausschliesslich mit Triebwagen und Triebzügen geführt.

Siehe auch: Liste von Fahrzeugen auf der Centovallibahn.

Die Hauptlast übernahmen bis 2007 (Inbetriebnahme der 3 vierteiligen SSIF-Panoramatriebzüge 81-89/810-812) die 12 Doppeltriebwagen ABe 4/6 von Vevey Technologies aus dem Jahre 1992. 8 dieser Fahrzeuge sind bei der FART (ABe 4/6 51–58, 57–58 ursprünglich Ae 4/6, 51 ausgebrannt am 15. Januar 2009, 55-58 Umbau zu ABe 4/8 2011) und 4 bei der SSIF eingestellt (ABe 4/6 61–64). Daneben werden die ABDe 6/6 31–32 der FART und die ABe 8/8 21–24 der SSIF teilweise auch im grenzüberschreitenden Verkehr eingesetzt. Der Lokalverkehr der SSIF wird durch die ABe 6/6 33–35 (ex Ferrovia Lugano-Ponte Tresa) bewältigt. Der Fahrzeugpark wird durch 4 Personenwagen der FART (B 120–123) und einige der SSIF (AB 105, B 106–107, A 130 & A 201) sowie durch historische Fahrzeuge ergänzt (AB 110–111). Bei der FART wird ein Tm 2/2 9 für den Bahndienst eingesetzt; bei der SSIF die ABFe 4/4 16 und Be 4/4 18 (Squadra Manutenzione). Der ABFe 4/4 17 dient den historischen Zügen.

Tarifliche Besonderheiten[Bearbeiten]

Weil die Bahnstrecke Locarno-Domodossola zusammen mit der Simplonlinie die schnellste Verbindung zwischen dem Tessin und dem Wallis sowie zwischen der Region Locarno und der Romandie sowie (seit Eröffnung des Lötschbergbasistunnels) dem Berner Oberland darstellt, sind die meisten Schweizer Tarife des direkten Verkehrs durchgehend auch auf der SSIF von der schweizerisch-italienischen Grenze nach Domodossola sowie der FS-Strecke Domodossola–Iselle gültig, insbesondere Halbtaxabonnement und Generalabonnement.

Für Touristen gibt es spezielle Tageskarten, die eine Fahrtunterbrechung erlauben (Biglietto TURISTICO). Auf der Schweizer Seite gibt es diese für die Gesamtstrecke zu CHF 35,- sowie Locarno - Santa Maria Maggiore zu CHF 27,-. Auf der italienischen erhält man die Gesamtstrecke inclusive der Standseilbahn in Locarno zur Madonna del Sasso für € 27, ohne Standseilbahn für € 23,-. Von den Orten des Valle Vigezzo kostet diese Karte € 21,50 bzw. € 18,- (Stand 2011).

Für die Fahrt mit den von der SSIF neu angeschafften Panoramazügen wird auf dem italienischen Abschnitt[4] ein Zuschlag in Höhe von derzeit (2013) CHF 2,- bzw. € 1,50 erhoben.

Die Fahrradmitnahme ist in der Regel zulässig[5]. Es besteht zudem die Möglichkeit, Fahrräder in Camedo zu mieten und in Ponte Brolla wieder abzugeben. Dafür werden Kombitickets Bahnfahrt/Fahrradmiete angeboten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alessandro Albé: Die Bahn von Locarno nach Domodossola. Viganello 1988.
  • Carlo Weder, Peter Pfeiffer: Centovalli und Valle Vigezzo – Bahn, Land und Leute. Zürich 1997, ISBN 3-905111-23-3.
  • Peter Hürzeler / Philippe Blaser: Bahn-Jahrbuch Schweiz 2008. Bäretswil 2008, ISBN 978-3-906691-36-7: Artikel Vier neue Panoramatriebzüge im Centovalli

Medien (Video/DVD)[Bearbeiten]

  • Führerstandsfahrt Locarno–Domodossola. Rincovision, 1991.
  • Die Centovallibahn. Eisenbahn-Kurier.
  • Die Centovallibahn. SWR/Eisenbahn-Romantik. (Folge 309)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.admin.ch - Übereinkommen zwischen der Schweiz und Italien betreffend eine elektrische Schmalspurbahn von Locarno nach Domodossola (PDF-Datei; 15 kB)
  2. Hans G. Wägli, Schienennetz Schweiz. AS-Verlag, Zürich 1998, ISBN 3-905111-21-7. Seite 35
  3. Schweizerische Eisenbahn-Revue 11/1992, Seite 495
  4. www.fahrplanfelder.ch - Offizielles Kursbuch Schweiz 2014 - Feld 620 (PDF-Datei; 219.17 kB)
  5. www.fahrplanfelder.ch - Offizielles Kursbuch Schweiz 2014 - Feld 620 (PDF-Datei; 219.17 kB)