Central European University

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Central European University
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Gründung 1991
Trägerschaft privat
Ort Budapest, Ungarn, Wien, Österreich[1]
Chairman of the Board Leon Botstein
Studierende 1.448 (2018/19)[2]
Mitarbeiter 392[3]
Jahresetat 61,3 Mio. EUR[4]
Stiftungsvermögen 880 Millionen US-Dollar[5]
Netzwerke IAU[6]
Website www.ceu.edu

Die Central European University (CEU; ungarisch: Közép-európai Egyetem) oder deutsch Zentraleuropäische Universität ist eine im Jahr 1991 gegründete Privatuniversität mit Sitz in New York (USA)[7], einem Campus in Budapest (Ungarn) und seit Juli 2019 mit einer Akkreditierung in Wien. Die Universität war bisher in den USA und in Ungarn akkreditiert und lizenziert, der Lehrbetrieb fand jedoch ausschließlich in Budapest statt. Englisch ist die offizielle Sprache an der Universität.

Die CEU wurde 1991 von dem Hedgefonds-Manager, politischen Aktivisten und Philanthrop George Soros gegründet. Mit einem Stiftungsvermögen von 880 Millionen US-Dollar (2010) zählt die Universität zu den vermögendsten in Europa.[5]

Am 3. Dezember 2018 gab die CEU ihren Abzug aus Budapest bekannt. Michael Ignatieff, seit 2016 Rektor und Präsident der CEU, beklagte, die CEU sei aus einem Land herausgezwungen worden, das ein Verbündeter der USA ist.[8] Zugleich gab die Universität bekannt, nach Wien zu übersiedeln. Die CEU rechnet damit, dass im Studienjahr 2018/19 rund 700 Studierende in der österreichischen Bundeshauptstadt inskribiert sein werden.[9]

Provost der CEU ist Liviu Matei (Stand Oktober 2019).

Ab 30. September 2019 begann der Studienbetrieb im Gebäude in Wien-Favoriten. Im Studienjahr 2019/2020 werden alle 600 Studierenden der USA-akkreditierten Programme zumindest ein Trimester in Wien studieren, den Rest noch in Budapest – 2019/2020 wird als Übergangsjahr bezeichnet. Die Lehrenden pendeln. Ab dem Studienjahr 2020/21 sollen dann alle Studienprogramme nur noch in Wien angeboten werden.

Der Umzug nach Wien soll bis 2025 abgeschlossen sein und rund 250 Mio. Euro kosten, was nur mit Unterstützung durch den Gründer Soros gestemmt werden kann.

Man experimentiert mit neuen Master- und PhD-Programmen. Ab dem Studienjahr 2019/2020 werden zum ersten Mal auch Bachelor-Studiengänge angeboten, eine der Voraussetzung dafür, dass die CEU im Juli 2019 als 16. österreichische Privatuni akkreditiert werden konnte und damit hierzulande anerkannte Abschlüsse vergeben darf. Verschiedene Abschlüsse sind in den USA akkreditiert.[10]

Selbstverständnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptziel der Universität war es ursprünglich, offene Gesellschaften in postkommunistischen Ländern zu fördern und den Wandel der Länder konstruktiv und aktiv zu begleiten und mitzugestalten. In den letzten zehn Jahren hat sich das Selbstverständnis der Universität zunehmend internationalisiert und auf globale Zusammenhänge erweitert. An der CEU Budapest studieren junge Menschen aus vielen Ländern.

Im Sommer 2011 wurde die CEU School of Public Policy gegründet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde die CEU 1991 von einer Gruppe amerikanischer und zentraleuropäischer Intellektueller um den Investor George Soros. Soros hat der Universität als Förderer und Vorsitzender des Open Society Institute 420 Mio. Euro gespendet.

Begonnen mit zwei Standorten in Budapest (Ungarn) und Prag (Tschechien) musste die Universität auf Druck der damaligen tschechischen Regierung 1996 komplett nach Ungarn umziehen.[11] Leiter der Wirtschaftsabteilung der Universität ist seit 1995 der Pole Jacek Rostowski, der von 2007 bis 2013 Finanzminister Polens war. Rektor von 2009 bis 2016 war der amerikanische Diplomat, Menschenrechtler und ehemalige Vizepräsident der Harvard-Universität John Shattuck.

Die CEU bietet Postgraduate-Programme (Master, PhD) in den Bereichen Geistes- und Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaften, Umweltwissenschaften, Wirtschaft und Mathematik an.

Die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der CEU, die CEU Business School, wurde ebenfalls von Intellektuellen und Politikern um Soros 1988, zunächst unabhängig von der CEU, als International Management Center (IMC) in Prag gegründet. 2001 wurde sie Teil der CEU in Ungarn. 2017 wurde die Business School mit dem Volkswirtschafts-Department zum Department of Economics and Business fusioniert.[12]

Entwicklung seit 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die rechtskonservative ungarische Regierung veränderte 2017 das Hochschulunterrichtsgesetz so, dass die CEU ab September die Lehre nur unter Bedingungen fortsetzen konnte. CEU-Rektor Michael Ignatieff bemühte sich, diese Änderung abzuwenden, und suchte den Dialog.[13][14]

Am 9. April 2017 forderten 60.000 Demonstranten, darunter Studenten und Lehrkräfte, die „Wahrung der akademischen Freiheiten in Ungarn“. 900 Akademiker weltweit unterzeichneten den Protestbrief gegen den Versuch, die Universität des Orbán-Kritikers Soros aus Budapest zu vertreiben.[15]

Im März 2018 wurde bekannt, dass das Areal des Wiener Otto-Wagner-Spitals neuer Standort der Central European University werden soll, da diese von Budapest nach Wien übersiedelt.[16] Der künftige Campus der CEU wird ein Drittel des Areals belegen. Der Betrieb in Wien soll im Herbst 2019 zunächst in der Quellenstraße im Wiener Gemeindebezirk Favoriten aufgenommen werden.[17] Die CEU rechnet damit, dass bereits im Studienjahr 2019/20 rund 700 Studierende in Wien immatrikuliert werden. Der Vollbetrieb der CEU in Wien soll mit dem Wintersemester 2022/23 starten.[18][19]

Die von der ungarischen Regierung vorgeschriebenen Auflagen wurden von der CEU erfüllt. Dies war zum einen die Auflage des Betriebs einer Universität im Herkunftsland, falls die Trägerschaft nicht in der EU ansässig sei, was durch die Partnerinstitution Bard College in New York erfüllt war. Zum anderen war ein zwischenstaatliches Abkommen vonnöten, welches für die Gültigkeit der Abschlüsse in den USA sorgte. Der Staat New York handelte ein solches Abkommen mit Ungarn aus. Die ungarische Regierung verweigerte aber dessen Ratifikation.[20]

Am 7. Mai 2019 vereinbarten die Technische Universität München (TUM) und die Central European University eine Kooperation, die eine Zusammenarbeit beider Universitäten vorsieht.[21][22]

Kuratorium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder des Kuratoriums sind[23]:

Austausch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Deutschland hat die CEU unter anderem Kontakte durch die Universität der Bundeswehr München, Technische Universität Bergakademie Freiberg (Austausch und Doppeldiplom MBA und Diplom-Kaufmann), die WHU – Otto Beisheim School of Management (Austausch), die Humboldt-Universität zu Berlin und die Ludwig-Maximilians-Universität München (Austausch im Rahmen des Erasmus-Programms).[24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meldung vom 12. Juli 2019
  2. Facts & Figures – Students, auf ceu.edu. Abgerufen am 17. Oktober 2018
  3. Facts & Figures – Staff, auf ceu.edu. Abgerufen am 23. August 2017
  4. Facts & Figures – Revenues and Expenses, auf ceu.edu. Abgerufen am 17. Oktober 2018
  5. a b Aisha Labi: For President of Central European U., All Roads Have Led to Budapest. In: The Chronicle of Higher Education. 2. Mai 2010, abgerufen am 3. Dezember 2018.
  6. List of IAU Members. In: iau-aiu.net. International Association of Universities, abgerufen am 28. Juli 2019 (englisch).
  7. ceu.edu
  8. derstandard.at: Top-Uni zum Abzug aus Orbáns Budapest gezwungen
  9. CEU - Rund 700 Studierende im Studienjahr 2018/19 in Wien erwartet. 3. Dezember 2018, abgerufen am 9. Dezember 2018.
  10. Bildung : CEU sieht Umzug nach Wien als „Neuanfang“ orf.at, 7. Oktober 2019, abgerufen 7. Oktober 2019.
  11. S.G.: Die Langzeitstudentin. Die Central European University in Budapest (CEU). In: Pester Lloyd. Pester Lloyd, 2008, abgerufen am 5. April 2017.
  12. New Name New Place | Department of Economics and Business. Abgerufen am 17. Oktober 2018 (englisch).
  13. CEU fürchtet um Existenz : „Budapest ist unsere Heimat“. In: news.orf.at. ORF Online und Teletext GmbH & Co KG, 30. März 2017, abgerufen am 5. April 2017: „Die CEU ersucht die Regierung, auf den Vorschlag zur Gesetzesänderung zu verzichten und um Dialog.“
  14. Eine Universität als Opfer von Orbans «Krieg» gegen Soros: Das sagt ihr Prorektor, watson.ch, 2. September 2018
  15. Budapest: Zehntausende demonstrieren für Eliteuni CEU orf.at, 10. April 2017, abgerufen am 10. April 2017.
  16. derstandard.at: Central European University übersiedelt von Budapest nach Wien - derstandard.at/2000093002537/Central-European-University-uebersiedelt-von-Budapest-nach-Wien. Artikel vom 3. Dezember 2018, abgerufen am 3. Dezember 2018
  17. orf.at: CEU zieht zunächst nach Favoriten. Artikel vom 22. März 2019, abgerufen am 22. März 2019.
  18. orf.at: Soros-Uni kommt ins Otto-Wagner-Spital. Artikel vom 12. März 2018, abgerufen am 12. März 2018.
  19. orf.at: Soros-Uni: Mietvertrag für 99 Jahre. Artikel vom 9. April 2018, abgerufen am 9. April 2018.
  20. Soros-Uni steht vor dem Abzug aus Budapest, NZZ, 26. Oktober 2018, Seite 3, Titel der Printausgabe
  21. CEU und TUM unterzeichnen Kooperationsvereinbarung. Abgerufen am 19. Juni 2019.
  22. CEU and TUM Sign Cooperation Agreement | Central European University. Abgerufen am 19. Juni 2019.
  23. Board of Trustees | Central European University. Abgerufen am 5. Juli 2019 (englisch).
  24. Liste der bilateralen Verträge. (PDF) Abgerufen am 5. April 2017. im Rahmen des Erasmus-Programms auf der Seite Erasmus/Lifelong Learning Program (LLP). Eligibility. In: ceu.hu. Archiviert vom Original am 22. Juli 2009; abgerufen am 5. April 2017 (englisch).