Cerkwica

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Cerkwica
Cerkwica führt kein Wappen
Cerkwica (Polen)
Cerkwica
Cerkwica
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Gryfice
Gmina: Karnice
Geographische Lage: 54° 1′ N, 15° 7′ OKoordinaten: 54° 0′ 33″ N, 15° 6′ 35″ O
Einwohner:
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGY
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów



Cerkwica (hist. Cerekwica,[1] deutsch Zirkwitz) ist ein Dorf in der Landgemeinde Karnice (Karnitz) im Landkreis Gryficki (siehe auch Stadt Gryfice, Greifenberg) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Im Jahr 2004 hatte Zirkwitz 1261 Einwohner.[2]

Kirche in Cerkwica

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Cerkwica bzw. Zirkwitz (1264: Cyrkevitze,[3] 1314: Cirkevitz[4]) geht auf die Bedeutung Kirchort zurück (pomoranisch: cerkwa = Kirche). 1124 wurde in Cerkwica eine feierliche Taufe der pommerschen Bevölkerung durch den Missionar Otto von Bamberg durchgeführt. Er wird auch der Apostel der Pommern genannt. Bereits 1270 wird für Cerkwica eine Kirche bezeugt, in der der Pleban (Leutpriester) Albertus den Verkauf des Flusses Rega an das Kloster Belbuck bezeugt. In 1287 wurde das Dorf dem Kloster der Prämonstratenser in Treptow übertragen. Ab 1321 werden ein Teslaw und Ganskin von Zirkwitz (Ganzekino de Cyrkevitze) genannt, letzterer als Knappe und Klostervasall. 1337 wird ein Wlphardo von Bevenhausen in Cerkwica urkundlich angeführt.[5]

Bereits vor der Säkularisierung der religiösen Güter im 16. Jahrhundert war Cerkwica in den Händen adliger Familien. So ist 1430 bereits Henning von Woedtke auf Zirkwitz, verehelicht mit Maria von Manteuffel a.d.H. Brotiz, als Besitzer angeführt. Albrecht von Woedtke auf Zirkwitz musste im 16. Jahrhundert drei Lehnpferde zu Kriegsdiensten stellen. 1506 wurde er im Zusammenhang mit der Zahlung einer Summe von 25 Gulden als Rente an Claus von Brockhausen urkundlich.[6] 1628 war vermutlich eine weitere Familie mit Anteilen von Cerkwica belehnt; darauf lässt zumindest die geringe Anzahl an Hufen zugunsten der Familie von Woedtke schließen. Vermutlich handelte es sich dabei um die Familie von Knessen.

Im 18. Jahrhundert besaß Peter Ernst von Woedtke das Gut. 1743 verkaufte er es zusammen mit zwei zugehörigen Bauernhöfen an den Major Georg Laurenz von Kameke. Dieser musste jedoch zugunsten Eggert von Woedtkes wegen eines Vorkaufsrechts zurücktreten. Ende des 18. Jahrhunderts geriet das Gut in Konkurs. Oberstleutnant Richard von Münchow erwarb es für 19.900 Taler und verkaufte es bald darauf an George Julius Felix von der Osten, Landrat des Ostenschen Kreises. Sein Sohn Friedrich Christoph August, königlich preußischer Leutnant im Dragoner Regiment von Brüsewitz und verheiratet mit Johanne Charlotte Dorothea von Zitzewitz, bewohnte 1801 das Gut. Anschließend wechselten die Besitzverhältnisse durch Tausch, Kauf oder Einheirat mehrfach, bevor das Gut 1891 an den preußischen Offizier Wilhelm Heinrich von Sydow kam, der Sophie Philippine von der Osten, Tochter des August von der Osten auf Zirkwitz, heiratete. Im 19. Jahrhundert lebten in Cerkwica 241 Einwohner; das Herrenhaus und das Gut Cerkwica umfasste zu dieser Zeit eine Fläche von 559 ha.

Auch während des Ersten Weltkriegs, der Weimarer Republik und des Zweiten Weltkriegs blieb das Gut in den Händen der Familie von Sydow, die zwischenzeitlich zwei weitere Vorwerke, Bauske und Libau, anlegte und das nahegelegene Gut Peterfitz erwarb und von Zirkwitz aus bewirtschaftete. Die letzten Besitzer 1947 waren Heinrich, Albrecht und Friedrich von Sydow; damals lebten im Guts- und Bauerndorf 511 Einwohner. Die Söhne erbten das Gut, nachdem ihr Vater, Fritz von Sydow, Ende des Zweiten Weltkriegs in Berlin gefallen war. Nach Flucht und Rückkehr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Familie von Sydow enteignet und 1947 mit anderen deutschen Ortsangehörigen aus Polen vertrieben.

Nach der Eroberung wurde im Anwesen die polnische Armee stationiert. Anschließend befand sich ab 1949 auf dem Gut das Hauptquartier des PGR. 1969 wurde der Betrieb Mitglied eines Nationalen Zuchtzentrums. Heute gehört das ehemalige Herrenhaus einem privaten landwirtschaftlichen Unternehmen.

Wichtige Gebäude und Orte in Cerkwica[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barockalter 1678
Wappendarstellung an der Kanzel
Kanzelstuhl mit Darstellungen des Steffen Woedtke und der Lucia Manteuffel
Barocke Kanzel (1681)
  • Kirche des Heiligsten Herzens Jesu, erbaut im Stil der Gotik zu Beginn des 15. Jahrhunderts, der Holzturm später.[7] Die Kirche liegt auf einem Hügel über dem Dorf.
  • Ottobrunnen mit Otto-Denkmal, erbaut 1920. Hier wird St. Ottos von Bamberg und der Taufe der Pommern 1124 gedacht.
  • Gemeindefriedhof bei der Kirche mit Denkmal. (Ehemalige Denkmäler und Gräber der ehemaligen deutschen Bevölkerung waren 2014 nicht mehr anzutreffen. An der Kirchenaußenwand existiert eine Gedenktafel aus dem Jahr 2001, die an die Toten des Ortes bis 1945 erinnern soll.)
  • Zweistöckiges neo-klassizistisches Herrenhaus aus dem späten 19. Jahrhundert (mit Park). Es wurde 1906 von der Familie von Sydow wieder aufgebaut. Das Gebäude hat einen rechteckigen Grundplan mit einem Portikus mit dorischen Säulen. Der historische Innenraum hat einen Ballsaal und einen Kamin. In der Nähe des Gebäudes sind einige landwirtschaftliche Gebäude und der Schlosspark mit einer Fläche von 19 Hektar erhalten. Er hat einen umfangreichen alten Baumbestand, unter anderem mit Linden, Buchen, Eichen, Maulbeerbäumen, Kirschen, Pflaumen und Rotkastanien.
  • Im Dorf gibt es Reste von historischen Wirtschaftsgebäuden aus dem 19. Jahrhundert.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dorfkirche von Cerkwica wurde als hochgelegener stattlicher Backsteinbau im Spätmittelalter (nach 1400) auf rechteckigen Grundriss errichtet. Der Turmunterbau, der erheblich jünger ist als das Langhaus, trägt einen geviertförmigen Holzturm mit zwölfeckigem Steilhelm. Sie ist bereits das dritte Kirchengebäude, das an derselben Stelle errichtet wurde. Im Laufe seiner Geschichte wurde das Gotteshaus mehrfach umgebaut und renoviert. So wurde der Turm 1778 stabilisiert, indem er untermauert, der Holzverband verstärkt und die Glocken tiefer gehängt wurden. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Wände mittels Stützpfeilern und Eisenankern gefestigt. 1927 geriet der Turm durch einen Blitzeinschlag in Brand. Unter dem Kirchenraum befanden sich in einem später zugeschütteten Grabraum Gräber von Einwohnern, Pastoren sowie der Familie von Woedtke. Die Kirche war ursprünglich reich ausgestattet. Erhalten sind u. a. ein Altar und die Kanzel. Der zweigeschossige Altar besteht aus einem säulengetragenen Barockaufbau mit Schnitzereien von Martin Edleber und Malereien von Christian Basche, die 1678 bis 1681 den Altar verzierten. In der Predella ist das Abendmahl dargestellt, im Mittelteil der Gekreuzigte mit Maria und Johannes, flankiert von zwei schwebenden Engeln, die das Blut Jesu auffangen. Im Hintergrund Jerusalem in Öl auf Holz. Das Gebälk trägt Moses und Aaron stehend.

Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1681. Am Dachrand der Kanzel befinden sich polychrome Wappen der Stifterfamilien von Woedtke und von Manteuffel. Die Treppenwand und der Kanzelstuhl sind mit allegorischen Motiven aus dem Kirchenleben der Stifter Steffen von Woedtke auf Woedtke und Zirkwitz und seiner Frau Dorothea Lucia von Manteuffel bzw. mit dem Namen Daniel Wendland (Pastor in Cerkwica, † 1685) verziert. In den Füllungen befinden sich geschnitzte Figuren des Matthäus, Markus, Lukas und David. Eine weitere Figur scheint abhandengekommen zu sein. Darüber hinaus existiert eine Holztaufe, offensichtlich nicht mehr in originaler historischer Ausführung. Ursprünglich ist die barocke Ausführung als Sechseck mit geschnitztem Sockel. Das ehemalige geschnitzte Blattwerk ist entfernt, der bekrönte Deckel mit Weltkugel tragendem Christkind wurde offensichtlich durch einen geviertförmigen Deckel, bekrönt von zwei Heiligenfiguren, ersetzt. Teile der Empore stammen aus dem Jahr 1712. Wappenbemalungen der Stifterfamilien – u. a. der Sydow, Strombeck und Heydebreck – wurden übermalt.

1945 bildete Cerkwica mit den Ortschaften Gościmierz (deutsch Gedde), Mojszewo, (Groß- und Klein-Moitzow), Kussin (Küssin), Modlimowo (Muddelmow), Czaplice (Neu-Zapplin), Paprotno (Parpart), Trzeszyn (Tressin) und Ciećmierz (Zitzmar) ein Kirchspiel. 1909 zählte das gesamte Kirchspiel 1909 Gemeindemitglieder. Letzter deutscher Geistlicher war Pastor Erwin Rutzen.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto-Denkmal und Gedenktafel an der Kirche in Cerkwica

Persönlichkeiten: Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1818 bis zum Ende der Zeit der deutschen Verwaltung (1945) war Zirkwitz Teil des historischen Landkreises Greifenberg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Straubel: Biographisches Handbuch Der Preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806. 2009.
  • Der Geschichtsverein: Beiträge zur Greifenberg-Treptower Geschichte. Band 29, 2006.
  • Albert Ulrich: Chronik des Kreises Greifenberg in Hinterpommern. Im Eigenverlag 1990.
  • Manfred Vollack: Hinterpommern in Farbe: von der Ostsee zur Grenzmark. 1986.
  • Friedrich Lorentz: Pomorze zachodnie. 1964.
  • Hugo Lemcke: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Stettin, Heft XI Kreis Greifenberg. Stettin, 1914.
  • Leopold von Zedlitz-Neukirch: Die Staatskräfte der Preußischen Monarchie unter Friedrich Wilhelm III. Band 2, Berlin 1828.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stanisław Kozierowski: Atlas nazw geograficznych Słowiańszczyzny Zachodniej. Poznań, 1934. mapywig.org (PDF).
  2. Plan rozwoju lokalnego gminy Karnice na lata 2005-2013.
  3. Reinhold Trautmann: Die slavischen Ortsnamen Mecklenburgs und Holsteins. 1950.
  4. Abhandlungen der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften. Verlag der Königlichen Akademie der Wissenschaften, 1950.
  5. Pommersches Urkundenbuch: 1336–1340. Böhlau, 1958.
  6. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern: Quellen zur Pommerschen Geschichte. Böhlau, 1961.
  7. Albrecht Ulrich: Chronik des Kreises Greifenberg in Hinterpommern. Im Eigenverlag 1990.
  8. Rolf Straubel: Adlige und bürgerliche Beamte in der friderizianischen Justiz- und Finanzverwaltung. S. 255.