Châteauneuf-du-Pape
| Châteauneuf-du-Pape | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Provence-Alpes-Côte d’Azur | |
| Département (Nr.) | Vaucluse (84) | |
| Arrondissement | Carpentras | |
| Kanton | Sorgues | |
| Gemeindeverband | Pays d’Orange en Provence | |
| Koordinaten | 44° 3′ N, 4° 50′ O | |
| Höhe | 20–130 m | |
| Fläche | 25,85 km² | |
| Einwohner | 2.050 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 79 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 84230 | |
| INSEE-Code | 84037 | |
| Website | www.chateauneufdupape.org | |
Blick von der Schlossruine auf Châteauneuf-du-Pape | ||
Châteauneuf-du-Pape ist eine französische Gemeinde mit 2050 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Vaucluse in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Sie gehört zum Arrondissement Carpentras und ist Mitglied im Gemeindeverband Communauté de communes Pays d’Orange en Provence. Die Bewohner werden Châteauneuvois und Châteauneuvoises oder Castel-Papaux und Castel-Papales genannt. Châteauneuf-du-Pape ist weltweit für seine Weine aus dreizehn Rebsorten bekannt.
Geografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Châteauneuf-du-Pape liegt im Rhonetal, etwa neun Kilometer südlich des Zentrums von Orange und etwa 12 Kilometer nordnordöstlich von Avignon an der Grenze zum benachbarten Département Gard. Die Gemeinde ist im südlichen Teil ihres Gebiets relativ flach, im nördlichen Teil gibt es leichte Erhebungen. Das Dorf ist ebenfalls auf und um eine dieser Erhebungen auf etwa 120 Metern Höhe herum gebaut.
Umgeben wird Châteauneuf-du-Pape von den fünf Nachbargemeinden:
| Orange | Courthézon | |
| Roquemaure (Gard) | ||
| Sorgues | Bédarrides |
Klima
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Klima ist heiß und trocken. Im Jahresdurchschnitt gibt es 2800 Sonnenscheinstunden, und im Mittel fällt 620 mm Niederschlag. An 130 Tagen im Jahr weht der Mistral.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ort wurde 1094 erstmals urkundlich als castro novo erwähnt. Im Jahre 1157 bestätigte Friedrich Barbarossa die 908 erfolgte Schenkung des benachbarten Ortes Bedarrides und seiner Umgebung an den Bischof von Avignon. Im Jahre 1213 wurde der Ort als Châteauneuf Calcernier bezeichnet. Dieser Name bezieht sich auf die bedeutende Kalkproduktion und blieb bis 1893 die offizielle Bezeichnung.
Einen großen Aufschwung erfuhr Châteauneuf durch die Päpste von Avignon. Johannes XXII., zuvor Bischof von Avignon, begann spätestens 1318 mit dem Ausbau des − schon 1094 erstmals erwähnten − Château neuf (Neues Schloss) zum päpstlichen Landsitz. Die Bauarbeiten wurden erst 1333 abgeschlossen. Das päpstliche Schloss, ein für das Spätmittelalter typischerweise stark befestigter Wehrbau, wurde in den Religionskriegen des 16. Jahrhunderts zerstört. Die Bischöfe von Avignon, die nach der Rückkehr der Päpste nach Rom 1417 die Burg wieder in Besitz nahmen, ließen sie wiederholt restaurieren, verloren im 18. Jahrhundert aber das Interesse an ihr und verpachteten ihren Besitz mit seinen bedeutenden Weinbergen an den irischen Baron Jean de Power. Der Ort Châteauneuf kam erst 1791 zu Frankreich; bis dahin gehörte er zum unabhängigen Territorium der Päpste.
Bevölkerungsentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Jahr | 1962 | 1968 | 1975 | 1982 | 1990 | 1999 | 2008 | 2017 |
| Einwohner | 1948 | 2159 | 2113 | 2060 | 2062 | 2078 | 2116 | 2116 |
| Quellen: Cassini und INSEE | ||||||||
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Wahrzeichen von Châteauneuf-du-Pape ist die Ruine des Schlosses der Päpste aus Avignon (siehe: Papstpalast Avignon), das ihnen während des Avignonesischen Papsttums als Landsitz diente.
Altes Schloss
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Auf einem kleinen Hügelsporn direkt am linken (östlichen) Ufer der Rhone, in einer Flusskurve, liegt das Vieux château (Alte Schloss), die heutige Burg Hers (Château de l'Hers), etwa 12 km nördlich der Stadt Avignon, die flussabwärts ebenfalls am östlichen Rhoneufer liegt. An dieser Stelle lag ursprünglich ein kleines römisches Castrum der um 120 v. Chr. nach Avignon gelangten römischen Legionen. Die im Jahre 913 erstmals in einer Urkunde Ludwigs des Blinden als castellum de Leri erwähnte Burg war eine Zollburg zur Überwachung des Schiffsverkehrs auf der Rhone.[1] 1077 erbaute der Lehnsnehmer Pierre d'Albaron (Albaron ist heute ein Stadtteil von Arles) einen Donjon. Dieser Turm wurde im 12. Jahrhundert erweitert und im 13. Jahrhundert renoviert. Die Burg Hers war eine Enklave des Languedoc (regiert von den Grafen von Toulouse) im Comtat Venaissin (ebenfalls von den Grafen regiert von ca. 1040 bis 1229). Als der Schwiegersohn und Erbe des letzten Grafen von Toulouse, Alfons von Poitiers, 1271 kinderlos starb, fiel das Venaissin an den Papst, der zu diesem Zeitpunkt noch in Rom residierte.
Die Burg wurde unter dem 1316 zum Papst gewählten Bischof von Avignon, Johannes XXII., renoviert, der gleichzeitig den Bischofspalast in Avignon zum Papstpalast umwandelte. Die Familie Albaron behielt ihr Lehen bis 1360, als es als Mitgift an die Familie Roquefeuil fiel. Um 1400 gelangte es zurück an die Familie Albaron de Laudin des Baux, die es bis in die 1420er Jahre besaß. Die letzte Erbin dieser Familie brachte es als Mitgift an einen Alleman (adlige Familie aus dem Dauphiné). Diese Familie nahm daraufhin den Namen Alleman(d) de Laudun Albaron an. Im 16. Jahrhundert gingen die Burg und ihre Zollrechte nacheinander an die Arpajon Cardaillac, Monteynard, Montmorency und schließlich an die Lévis, Herzöge von Ventadour, über. Hercule Mériadec de Rohan-Soubise, Fürst von Soubise, erbte die Herrschaft im 17. Jahrhundert durch seine Frau Anne Geneviève de Lévis. Ihre Nachfahren, die Rohan-Soubise, besaßen sie noch bis zum Ausbruch der Französischen Revolution. Nach der Abschaffung des Zollprivilegs zerfiel die Burg endgültig zur Ruine. Die Burgruine Hers in ihrem gegenwärtigen Bauzustand aus dem 12. bis 14. Jahrhundert ist seit 1973 als Monument historique eingeschrieben. Heute gehört das Château de l'Hers der Familie Quiot, die auf ihrem gleichnamigen Weingut von 14 ha Fläche Rotwein-Cuvées aus den Traubensorten Syrah, Mourvèdre, Muscardin, Counoise, Cinsault, Grenache, Vaccarese und Terret herstellt sowie Weißwein aus Picardan, Roussanne, Clairette, Picpoul und Grenache.
Neues Schloss
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Die Neue Burg (Château neuf) liegt vom Alten Schloss etwa zwei Kilometer entfernt landeinwärts östlich der Rhone und wurde erstmals 1094 genannt. 1146 wurde der Wohn- und Wehrturm durch die Grafen von Toulouse erneuert. 1157 belehnte Kaiser Friedrich Barbarossa den Bischof von Avignon, Godefredus I. (Geoffroy) Lauger, sowie seine Nachfolger mit der Burg und dem Umland; in seiner Urkunde ist das Vorhandensein von Weinbergen (im heutigen Weinbaugebiet Châteauneuf-du-Pape) erwähnt.[2] Die Gegend um Avignon gehörte damals zum Königreich Arelat, das seit 1032 an das Heilige Römische Reich angegliedert war. Obwohl die Burg im Gebiet des Comtat Venaissin lag, wurde die Hohe Gerichtsbarkeit nicht vom Rektor des Comtat ausgeübt, sondern vom Bischof von Avignon. Während das Venaissin schon seit 1271 dem Heiligen Stuhl gehörte, erwarb Papst Clemens VI. erst 1348 für 80.000 Florin die Grafschaft Avignon mit der Stadt Avignon von Johanna I. von Neapel.
Papst Johannes XXII. ließ − neben dem vieux château − auch das château neuf von 1317 bis 1333 erneuern und zugleich die Stadt ummauern. In Avignon erweiterte er den Bischofspalast, den er bewohnte. Seine Nachfolger nutzten den befestigten Landsitz nur selten. Villeneuve-lès-Avignon, gegenüber von Avignon auf dem französischen Rhoneufer gelegen, war als Sommerfrische wesentlich beliebter, hier entstanden zahlreiche Klöster und Kardinalspalais. Nur der Gegenpapst Clemens VII., als gebürtiger Graf von Genf von klein auf gewohnt, von Schloss zu Schloss zu ziehen, weilte öfter auf der Burg Châteauneuf, ließ sie renovieren und die Weinberge wieder bepflanzen; während der Pest von 1383 bewohnte er sie für längere Zeit. Auch sein Nachfolger Benedikt XIII. ließ sie für seinen Aufenthalt 1396 erneut instand setzen.
Nach der Beendigung des Abendländischen Schismas 1417 und der endgültigen Rückkehr der Päpste nach Rom kam die Burg wieder in den Besitz der Bischöfe, während das Venaissin und die Grafschaft Avignon weiterhin päpstliche Territorien blieben. Über Jahrhunderte wurde die Burg vernachlässigt. In den Hugenottenkriegen war sie 1562/1563 umkämpft und wurde zur Ruine. Nach dem Ende der Kriege wurden die Überreste 1578 wieder ausgebaut und mit einem päpstlichen Schlosshauptmann besetzt. Erzbischof Georges d’Armagnac erließ 1584 eine Richtlinie zum Schutz der Weinberge. Sein Nachfolger Hyacinthe Libelli ließ die Burg 1681 als seinen Landsitz erneuern. 1728 pachtete der irische Adlige John, Baron de Powers, die Weinberge und die Burg vom Bistum Avignon, hatte aber Schwierigkeiten mit dem Export seiner Weinfässer über den Rhone-Hafen von Roquemaure, da die dortigen Weinhändler die Lage Châteauneuf-du-Pape aufgrund des dort damals verbreiteten Anbaus von Vin Doux Naturel aus der Muskateller-Traube für minderwertig hielten.[3]
Nach der Französischen Revolution, die auch die Herrschaft der Päpste im Venaissin und in Avignon beendete, wurde den Winzern von Châteauneuf-du-Pape allerdings 1793 gestattet, ihren Wein um ein Drittel über den Höchstpreisen des Departements zu verkaufen, da er in jeder Saison von überragender Qualität sei. 1798 wurde die enteignete Burg mitsamt den Weinbergen vom örtlichen Winzer J.B. Establet zusammen mit 30 seiner Kollegen in einer Auktion erworben und aufgeteilt. Die Burg wurde − bis auf den Hauptturm − großenteils abgetragen und die Steine als Baumaterial wiederverwendet oder verkauft. 1858 richtete man im Erdgeschoss des Turms eine Weinstube für Touristen ein und 1892 erwarb der französische Staat die Ruine und klassifizierte sie als Monument historique. Der am Fuß des Burgbergs gelegene Ort Châteauneuf Calcernier, dessen vom Kalk abgeleiteter Beiname der Unterscheidung von zahlreichen anderen Orten namens Châteauneuf diente, wurde im Lauf der Zeit auch Châteauneuf-du-Pape genannt, doch erst 1893 erfolgte die offizielle Umbenennung. Der Hauptturm der Burg war bis 1944 intakt, wurde aber von deutschen Soldaten zerstört, als sie das dort eingerichtete Waffen- und Munitionslager vor ihrem Abzug sprengten. Heute steht nur noch eine äußere Schale des Turms. Der päpstliche Weinkeller unter der Ruine ist jedoch erhalten und wird für Feierlichkeiten wie die Jahresversammlung der Weingilde Échansonnerie des Papes genutzt.
Die Kapelle Saint-Théodoric aus dem 12./13. Jahrhundert ist seit 1984 als Monument historique Klassifiziert.
Die ursprüngliche Kirche der Gemeinde wurde im 11. Jahrhundert gleichzeitig mit der ersten Stadtmauer erbaut. Der romanische Bau war klein (18 Meter lang und 5,40 Meter breit), bestand aus einem einzigen Kirchenschiff und befand sich innerhalb der Ringmauer. Über dem Eingang auf der Westseite befand sich eine Tribüne. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie komplett umgebaut, nur ein Teil des heutigen Chors bewahrt die Überreste dieser ursprünglichen Kirche. Im 14. und im 16. Jahrhundert wurden jeweils Seitenkapellen an die Kirche und an die Stadtmauer angebaut. An der südöstlichen Ecke der Kirche wurde ein Wehrturm errichtet, dessen Schießscharten noch heute sichtbar sind. Dieser Turm, der heute den heutigen Glockenturm stützt, gehörte der Gemeinde, die dort jahrhundertelang ihre Archive aufbewahrte und im 16. Jahrhundert dort eine Uhr aufstellte. Die heute Mariä Aufnahme in den Himmel geweihte Pfarrkirche erfuhr im 18. und im 19. Jahrhundert umfassende Umbauten.
- Hauptturm der päpstlichen Neuen Burg vor seiner Zerstörung 1944
- Gotische Gewölbeansätze in der Turmschale
- Kapelle Saint-Théodoric
- Pfarrkirche Notre Dame de l’Assomption
- Typischer Weinberg bei Châteauneuf-du-Pape. Im Hintergrund das historistische Château des Fines Roches.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Anselme Mathieu (1828–1895), Dichter
Gemeindepartnerschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Castel Gandolfo, Italien (aktueller Landsitz der Päpste), seit September 1995
- Auggen, Deutschland, seit Juni 1977
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Jules Courtet, Dictionnaire géographique, géologique, historique, archéologique et biographique du département de Vaucluse, Nîmes, Christian Lacour, 1997 (Neuauflage), 385 S., hier S. 149
- ↑ Jules Courtet, Dictionnaire, S. 147
- ↑ Robert Bailly, Histoire du vin en Vaucluse : Domaines vinicoles historiques, Avignon, 1972, S. 62
