Chabarowsk

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Stadt
Chabarowsk
Хабаровск
Chabarowsk
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Ferner Osten
Region Chabarowsk
Stadtkreis Chabarowsk
Bürgermeister Alexander Sokolow
Gegründet 1858
Frühere Namen Chabarowka
Stadt seit 1880
Fläche 372 km²
Bevölkerung 577.441 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 1552 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 72 m
Zeitzone UTC+10
Telefonvorwahl (+7)4212
Postleitzahl 6800xx
Kfz-Kennzeichen 27
OKATO 08 401
Website http://www.khabarovskadm.ru
Geographische Lage
Koordinaten 48° 29′ N, 135° 4′ OKoordinaten: 48° 29′ 0″ N, 135° 4′ 0″ O
Chabarowsk (Russland)
Red pog.svg
Lage in Russland
Chabarowsk (Region Chabarowsk)
Red pog.svg
Lage in der Region Chabarowsk‎
Liste der Städte in Russland
Uliza Murawjowa-Amurskogo, eine der Hauptstraßen

Chabarowsk (russisch Хабаровск; Audio-Datei / Hörbeispiel Aussprache?/i; chinesisch 伯力) ist eine Stadt in Russland am Amur, nahe der Grenze zu China. Sie hat 577.441 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010)[1] und ist die Hauptstadt der Region Chabarowsk im russischen Föderationskreis Fernost.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chabarowsk liegt im Fernen Osten Russlands am Fluss Amur auf 25 m ü. NN, in derselben Zeitzone wie die russische Pazifik-Metropole Wladiwostok. Das Klima ist kontinental mit Temperaturen von −26 °C im Januar und +26 °C im Juli. Es ist im Winter (es wird selten kälter als −30 Grad mittags) deutlich milder als nördlich oder westlich der Region Chabarowsk. Dafür weht häufig ein eisiger Wind über den Amur und durch die riesige Ebene, in der die Stadt liegt.

Der Amur führt bei Chabarowsk 1000 m³/s Wasser (Januar 1985) bzw. 17.300 m³/s Wasser (Mai 1985) und ändert immer wieder sein Flussbett, was besonders für den Grenzverlauf mit China Folgen hat, der immer wieder auf der politischen Tagesordnung ist. Er fließt direkt an der Stadt entlang, nachdem etwas flussaufwärts der ebenfalls mächtige Ussuri in den Amur mündet. Der Amur verzweigt sich neben seinem Hauptarm in unzählige Nebenarme. Er ist im Stadtgebiet ca. zwei Kilometer breit und fließt weiter in den Tatarensund zwischen dem russischen Festland und der Insel Sachalin. Im Winter ist der Fluss stets zugefroren (November bis März) und wird zum Teil auch mit Radfahrzeugen befahren (seltener seit Fertigstellung der Straßenebene auf der Eisenbahnbrücke über den Fluss). Im Sommer wird er als Verkehrsweg genutzt, da er von Chabarowsk bis zur Mündung schiffbar ist.

Seit dem Unfall in einem Chemiewerk in China im Herbst 2005, wodurch auch der Amur vergiftet wurde, ist das Baden, das auch vorher zumindest am Strand der Chabarowsker Innenstadt wegen der schlechten Wasserqualität schon problematisch war, generell bedenklich geworden.

Chabarowsk
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Roshydromet
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Chabarowsk
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −16,9 −12,4 −2,3 9,7 17,9 23,5 26,4 24,2 18,4 9,3 −3,5 −14,1 Ø 6,8
Min. Temperatur (°C) −24,3 −21,2 −11,7 −0,2 6,7 12,9 16,9 15,7 9,0 0,4 −11,1 −21,1 Ø −2,2
Niederschlag (mm) 15 11 17 43 58 82 144 154 89 51 23 18 Σ 705
Regentage (d) 3 3 4 7 9 9 10 11 10 7 5 5 Σ 83
T
e
m
p
e
r
a
t
u
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−16,9
−24,3
−12,4
−21,2
−2,3
−11,7
9,7
−0,2
17,9
6,7
23,5
12,9
26,4
16,9
24,2
15,7
18,4
9,0
9,3
0,4
−3,5
−11,1
−14,1
−21,1
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Roshydromet

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verklärungskirche
Altes Stadtduma-Gebäude

Chabarowsk wurde 1858 als Militärposten an der Mündung des Ussuri in den Amur gegründet und nach dem Kosaken Jerofei Pawlowitsch Chabarow, der im 17. Jahrhundert die Gegend erkundete, Chabarowka genannt. 1895 erhielt es seinen heutigen Namen. Im Russischen Bürgerkrieg wurde die Stadt erst 1922 von den Bolschewiki erobert. Während des Sowjetisch-chinesischen Grenzkriegs 1929 befand sich das Hauptquartier der Roten Armee in Chabarowsk.[2] Bis heute ist der Ort Hauptstützpunkt des Militärbezirks Ferner Osten. Weitere Bekanntheit erlangte die Stadt 1949 durch die sogenannten Kriegsverbrecherprozesse von Chabarowsk.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1897 14.971
1939 199.172
1959 322.744
1970 435.962
1979 527.848
1989 600.623
2002 583.072
2010 577.441

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisskulpturen in Chabarowsk 2008

Zu den bekanntesten Sportvereinen der Stadt gehört der Eishockey-Club HK Amur Chabarowsk, der am Spielbetrieb der Kontinentalen Hockey-Liga (KHL) teilnimmt. Seine Heimspielstätte ist die 2003 fertiggestellte Mehrzweckhalle Platinum Arena, die knapp 7.100 Zuschauerplätze zu bieten hat und außer für Eishockeyspiele auch für Volleyballpartien sowie für Konzerte mit eine Kapazität bis zu 8.500 Plätzen genutzt wird.

In Chabarowsk ist der Fußballverein SKA-Energija Chabarowsk beheimatet, der die Stadt in der höchsten russischen Spielklasse vertritt. Die Spiele werden im Lenin-Stadion ausgetragen.

Der Bandyverein HK SKA-Neftjanik Chabarowsk nimmt am Spielbetrieb der Superliga teil.[3] Die Bandy-Weltmeisterschaft 1981 wurde in Chabarowsk im Lenin-Stadion ausgetragen. Die Bandy-Weltmeisterschaft 2015 fand ebenfalls in der Stadt statt, dieses Mal unter dem Dach der Jerofej Arena.

Im Winter werden regelmäßig Eisskulpturen auf den öffentlichen Plätzen gefertigt und ausgestellt. Sogar Eisbildhauer aus Harbin kommen, um an den Wettbewerben teilzunehmen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahezu 75 % der Stadtbevölkerung sind im industriellen Sektor (Maschinenindustrie) beschäftigt. Wie die gesamte Region Fernost profitiert Chabarowsk vom Engagement japanischer und koreanischer Investoren.

Die Investitionen gehen hauptsächlich in den Bergbau, die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen, die Umwandlung ehemaliger Rüstungsbetriebe, die Entwicklung eines Transportsystems und auch in die Produktion von Konsumgütern. Die ausländischen Investitionen werden auf über 120 Millionen US-Dollar geschätzt.

Am 31. Dezember 2009 hat die russische Regierung beschlossen, in der Region Chabarowsk auf dem Territorium des Gebiets Sowjetskaja Gawan, einschließlich des Territoriums des gleichnamigen Hafens, eine Sonderwirtschaftszone zu errichten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Chabarowsk, 700 Kilometer vor Wladiwostok, überquert die Transsibirische Eisenbahn auf einer drei Kilometer langen Brücke den Amur. Die Stadt ist Verwaltungssitz der Fernöstlichen Regionaldirektion der Russischen Staatsbahn. Die Direktion betreibt nicht nur alle Eisenbahnlinien samt zugehöriger Infrastruktur im Großraum Chabarowsk, sondern auch ein über 5991 Kilometer langes Schienennetz vorwiegend im Föderationskreis Ferner Osten.

Den ÖPNV der Stadt übernimmt unter anderem die Straßenbahn Chabarowsk. Das meistgenutzte Verkehrsmittel sind allerdings Busse und private Kleinbusse (Marschrutkas). Man bezahlt pro Fahrt, muss also beim Umsteigen eine neue Fahrkarte kaufen. Bislang (Stand 2008) gibt es keine Zeitkarten oder Tageskarten. Veteranen und Rentner fahren aber in staatlichen und manchen privaten Verkehrsmitteln kostenlos.

Chabarowsk besitzt einen Flughafen, der 1993 umgebaut (neues Terminal) und 2007 generalrenoviert wurde. Von Moskau fliegen z.B. Aeroflot, S7 Airlines und Domodedovo Airlines direkt nach Chabarowsk. Ferner gibt es internationale Verbindungen nach Japan, Korea und China sowie etliche regionale Verbindungen, z.B. nach Magadan, Juschno-Sachalinsk, Wladiwostok, Blagoweschtschensk und andere.

Das Straßennetz wird in jüngster Zeit vielfach erweitert und ist meist von recht guter Qualität. Nur Straßen zu entlegeneren Ortschaften sind nicht asphaltiert. Die Zunahme des Rohstoff- und Mineralienabbaus in großen Minen der teils entlegenen Regionen dürfte weitere Investitionen nach sich ziehen.

Die Fernost-Kindereisenbahn ist eine schmalspurige Pioniereisenbahn in Chabarowsk.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Chabarowsk befinden sich folgende Hochschulen:

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chabarowsk listet folgende Partnerstädte auf:

  • JapanJapan Niigata, Japan, seit 1965
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Portland, Vereinigte Staaten, seit 1988
  • KanadaKanada Victoria, Kanada, seit 1990
  • China VolksrepublikVolksrepublik China Harbin, Volksrepublik China, seit 1993
  • Korea SudSüdkorea Bucheon, Südkorea, seit 2002
  • China VolksrepublikVolksrepublik China Sanya, Volksrepublik China, seit 2011
  • Korea NordNordkorea Ch’ŏngjin, Nordkorea, seit 2011

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Raymond L. Garthoff: Sino-Soviet Military Relations. Frederick A. Praeger, New York, 1966, S. 22.
  3. Vereinswebsite (russisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chabarowsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien