Chacokrieg

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Chacokrieg
Karte der Kriegsparteien Bolivien und Paraguay mit dem Gebiet, welches nach dem Krieg von Bolivien in paraguayische Kontrolle überging.
Karte der Kriegsparteien Bolivien und Paraguay mit dem Gebiet, welches nach dem Krieg von Bolivien in paraguayische Kontrolle überging.
Datum 15. Juni 1932 bis 12. Juni 1935
Ort Gran Chaco, Südamerika
Casus Belli Kontrolle des nördlichen Chaco Boreal
Ausgang Paraguayischer Sieg
Territoriale Änderungen Paraguay annektiert etwa 52.000 km² des umstrittenen Gebietes
Folgen Militärische Stärkung Paraguays, umstrittene Grenzziehung bis zu einem Vertragsabschluss am 28. April 2009
Friedensschluss Friedensvertrag am 21. Juli 1938
Konfliktparteien
BolivienBolivien Bolivien Paraguay 1842Paraguay Paraguay
Befehlshaber
Daniel Salamanca Urey
Hans Kundt
Enrique Peñaranda del Castillo
Eusebio Ayala
José Félix Estigarribia
Truppenstärke
etwa 250.000 etwa 150.000
Verluste
50.000–80.000 35.000–50.000

Der Chacokrieg (spanisch Guerra del Chaco, im bolivianischen Sprachgebrauch La guerra estupida „Der dumme Krieg“[1]) war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Bolivien und Paraguay um den nördlichen Teil des Gran Chaco zwischen 1932 und 1935.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Bolivien erhob seit 1852 unter Berufung auf alte spanische Kabinettsbeschlüsse von 1741 und 1777 Ansprüche auf das weitgehend unbewohnte Gebiet. Beide Seiten hatten bereits in den Jahrzehnten vor dem Krieg damit begonnen, die Steppen- und Sumpflandschaft zu durchdringen und dafür Posten und Stellungen zu bauen.

In dem Gebiet wurden erhebliche Bodenschätze vermutet, darunter Erdölvorkommen. Bolivien veranlasste in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Standard Oil Probebohrungen, während Paraguay seinerseits seine Ölkonzessionen an die British Petroleum vergeben hatte. So kam es nach einer Vielzahl von Grenzzwischenfällen und Scharmützeln 1932 zum erklärten Krieg, der von beiden Seiten verbissen und unter großen Opfern geführt wurde.

Verlauf[Bearbeiten]

Oberbefehlshaber auf paraguayischer Seite unter Präsident Eusebio Ayala war der spätere Marschall und Präsident General José Félix Estigarribia. Als Leutnant kämpfte auch der spätere langjährige Präsident Alfredo Stroessner für Paraguay.

Auf bolivianischer Seite versuchte sich Präsident Daniel Salamanca Urey in der Führung der widerspenstigen Armee, die Ende 1934, mitten im Krieg, erfolgreich gegen ihn putschte. Die größten Verluste hatte die bolivianische Armee im Jahr 1934 unter ihrem zeitweiligen deutschen Kommandeur General Hans Kundt. Auch Ernst Röhm, der vorübergehend von seinem Posten als Chef der SA zurückgetretene Weggefährte Hitlers, arbeitete bis 1930 als Militärberater für Bolivien.

Auf beiden Seiten wurde im Grabenkampf in der Steppe noch einmal das Arsenal des Ersten Weltkriegs eingesetzt: Maschinengewehre, Handgranaten und Flammenwerfer sowie Panzer und Doppeldecker-Flugzeuge. Die Waffen wurden aus Europa, vor allem aus Frankreich, England, Italien und der Tschechoslowakei, sowie Nordamerika geliefert. Argentinien unterstützte mehr oder weniger offen Paraguay, hatte es doch selbst bereits früher den südlichen Chaco erobert. Brasilien hingegen sympathisierte mit Bolivien, um wiederum seinen südlichen Konkurrenten Argentinien nicht zu stark werden zu lassen.

In den Kämpfen konnten sich die organisatorisch und taktisch überlegenen Paraguayer gegen die zahlenmäßig stärkeren Bolivianer durchsetzen. Allerdings kam es im Krieg auf beiden Seiten zu erschreckenden Brutalitäten, die der paraguayische Schriftsteller Augusto Roa Bastos beschrieb. Am 12. Juni 1935 kam es zu einem Waffenstillstand. Die anschließende Friedenskonferenz mündete in einen am 21. Juli 1938 geschlossenen Friedensvertrag, der Paraguay den größten Teil des umstrittenen Gebietes zusprach. Bolivien verlor rund 200.000 km² seines Territoriums. Paraguay verdoppelte damit sein Staatsgebiet, hatte die bolivianischen Ölfelder am Fuß der Anden bei Camiri allerdings nicht mehr erobern können.

Die Angaben zu menschlichen Verlusten variieren stark. Für Paraguay wird angenommen, dass etwa 35–50.000 Soldaten ums Leben kamen, die Opferzahl seitens der Bolivianer wird auf über 50.000, eventuell sogar bis zu 80.000 Tote geschätzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • H. R. Barragan: Los Siete Ejércitos de Salamanca. Santa Cruz, 1984.
  • A. J. English: The Green Hell - A Concise History of the Chaco War between Bolivia and Paraguay 1932-35, Spellmount Limited, 2007
  • Bruce W. Farcau: The Chaco War. Praeger, Westport, 1996.
  • T. Fischer: Die Souveränität der Schwachen. Lateinamerika und der Völkerbund, 1920–1936. = Beiträge zur Europäischen Überseegeschichte, Band 98, Wiesbaden: Steiner Verlag 2012. ISBN 978-3-515-10077-9.
  • M. B. Gumucho: Historia Gráfica de la Guerra del Chaco. La Paz, 1986.
  • Dan Hagedorn & Antonio L. Sapienza: Aircraft of the Chaco War 1928-1935. Schiffer, Atglen, 1997.
  • Michael Herzig: Der Chaco-Krieg zwischen Bolivien und Paraguay 1932 - 1935. Eine historisch-strukturelle Analyse der Kriegsgründe und der Friedensverhandlungen. Frankfurt/Main u.a. 1996.
  • David H. Zook: The Conduct of the Chaco War. Bookman Associates, 1960.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chacokrieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Lessmann: Zum Beispiel: Bolivien Lamuv, Göttingen 2004, ISBN 978-3-88977-645-7, S. 62.