Chalukya

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Die Chalukya waren eine indische Dynastie, die ca. 550-757 und ca. 973-1190 im nordwestlichen Dekkan regierte. Sie hatte auch einen selbständigen Ableger, die Östlichen Chalukya.

Geschichte[Bearbeiten]

Badami - Malegitti-Shivalaya-Tempel (ca. 700). Die frühen Chalukya-Tempel von Aihole, Badami und Pattadakal gehören zu den Höhepunkten indischer Tempelbaukunst.

Das frühe Chalukya-Reich in Vatapi (6.–8. Jh.)[Bearbeiten]

Die Chalukya waren ursprünglich Vasallen der Kadambas gewesen. Ihr Reich wurde von Pulakeshin I. (reg. 543–566) um 550 auf Kosten der Kadambas und Kalachuris gegründet. Die erste Hauptstadt war Aihole mit zahlreichen Tempeln, aber unter Pulakeshin I. wurde das fast uneinnehmbare Vatapi (Badami) zur Hauptstadt gemacht. Seine Nachfolger Kirtivarman I. und Mangalesha dehnten das Reich im späten 6. Jahrhundert über große Teile Karnatakas aus.

Pulakeshin II. (reg. 609-642) stoppte 630 die Eroberungen des Harshavardhana von Kannauj (reg. 606–647) und schloss einen Vertrag mit ihm. Der Pallava-König Mahendravarman wurde auf seine Hauptstadt zurückgedrängt, anschließend setzte Pulakeshin seinen Bruder Vishnuvardhana (reg. 624–41/42) als ersten Vizekönig der Östlichen Chalukya in Vengi bei Bezwada ein. Das war zu viel: ein General des nachfolgenden Pallava-Königs Narasimhavarman (reg. 630–660) belagerte ihn 642 in Vatapi (Badami) und Pulakeshin II. wurde getötet.

Pulakeshin II. tauschte auch Gesandtschaften mit dem Perserschah Khusrau II. (reg. 590–628), die in Ajanta bildlich dargestellt sind. Der chinesische Pilgermönch Xuanzang (reiste 629–645 nach Indien) berichtet von maßlosem Prunk, von dem Trunk ergebenen Berufssoldaten und von Elefanten, die mittels Alkohol toll gemacht wurden.

Vikramaditya I. (reg. 654–680), der Sohn Pulakeshins II. stellte das Reich nach einem schwierigen Jahrzehnt wieder her und eroberte angeblich 674 sogar die Pallava-Hauptstadt Kanchipuram, während die Pallava drei Siege erwähnen. Er und sein Nachfolger Vinayaditya (reg. 681–696) dehnten ihr Gebiet im Norden über Gujarat und im Süden bis Mysore aus.

Auch Vikramaditya II. (reg. 733–46) eroberte 740 Kanchipuram und ließ gleich zwei Tempel errichten. Er wurde jedoch, beschäftigt mit Pallavas und Rashtrakuta, 736 von dem Eroberer Lalitaditya aus Kaschmir überrannt. Sein Sohn Kirtivarman II. (reg. 742–56) erlebte zwar den Abzug Lalitadityas, wurde jedoch von dem Rashtrakuta Dantidurga (reg. ca. 735/54–757) überrumpelt, besiegt und 757 endgültig von diesen gestürzt.

  • Tempelbauten

Die westlichen Chalukya hinterließen Höhlentempel (Ellora, Ajanta, Badami, Aihole) sowie freistehende Tempelbauten (Badami, Aihole, Mahakuta, Pattadakal). Es gab Wechselwirkungen mit der Kunst der Pallava, nicht zuletzt weil die Künstler bei Eroberungen übernommen wurden. Die spätere Architektur der Rashtrakuta beruht dagegen lediglich auf der Kunst der Chalukyazeit.

Gadag - Sarasvati-Tempel (ca. 1100)
Gadag - Sarasvati-Tempel. Die späten Chalukya-Tempel mit ihren gedrechselten Steinsäulen in der Vorhalle brauchen keinen Vergleich mit den Hoysala-Tempeln im Süden Karnatakas zu scheuen.

Das späte Chalukya-Reich in Kalyani (10.–12. Jh.)[Bearbeiten]

973 wurde der Neffe des letzten großen Rashtrakuta-Königs Krishna III. (reg. 939–968) durch dessen bevorzugten Gouverneur, einen Nachkommen der Chalukya gestürzt, der als König Tailapa Ahavamalla (reg. 973–997) das Chalukyareich wiederherstellte. Tailapa drängte auch die Paramara zurück und tötete 995 deren König Vakpatiraja II. Munja.

Die Hauptstadt wurde zu einem unklaren Zeitpunkt von Manyakheta nach Kalyani verlegt (1. Hälfte 11. Jh.?) und von Someshvara I. (reg. 1042–1068) ausgebaut.

Trotzdem blieb es zunächst ein Hin und Her von Kriegen gegen die aufstrebenden Paramara und Chola; der Paramara Bhoja (der „Dichterkönig“, reg. ca. 1018–60) konnte nur mit Hilfe der Chandella und der Solanki (in Gujarat) geschlagen und seine Hauptstadt Dhara in Malwa erobert werden. Gegen die Chola hatten die Chalukya einen schwereren Stand, diese drangen mehrfach bis zu den West-Ghats vor und zerstörten unter Rajendra I. (reg. 1012/14–44) sogar die Hauptstadt. Dann drehte sich bei Koppam 1052 das Blatt um, die Chola Rajadhirajas erlitten eine Niederlage gegen die Chalukya des Königs Someshvara I. Ahavamalla (reg. 1042–1068). Eigentlich war die Schlacht für die Chalukya verloren gewesen, aber der Tod des Chola-Königs wandelte sie nachträglich in einen Sieg um.

Das späte Chalukyareich erlebte seinen Höhepunkt unter Vikramaditya II./VI. (reg. 1076–1127, verdrängte zuvor seinen Bruder), der sich eine Vielzahl politischer, wirtschaftlicher und kultureller Pluspunkte auf die Fahnen schreiben konnte. Hervorgehoben wird u. a. die Rolle der Frauen zu seiner Zeit, die Disziplin seiner Armee, seine Siege gegen die Chola (gliederte nach 1120 Vengi an) und die rebellischen Hoysala (um 1122), seine Sorgfalt in der Verwaltung, allgemeiner Wohlstand und Schutz der Künste (u. a. Dichter Bilhana aus Kaschmir).

Bald nach dem Tod Vikramaditya II./VI. zerfiel das Reich. Unter Jagadekamalla (reg. 1138-1151) und Taila III. (reg. 1151-57) begannen sich die Vasallen selbständig zu machen – konkret die Hoysalas, die Yadavas von Devagiri und die Kakatiyas von Warangal – und ein General namens Bijjala Kalachuri ursupierte den Thron. Tailas Sohn Someshvara IV. wurde nur noch durch den General Brahma gehalten und versuchte das Reich ab 1183 wiederherzustellen, aber nach dem Tod der beiden erlosch es.

  • Tempelbauten

In einigen Ortschaften in der Umgebung von Hubli-Dharwad (Karnataka) sind mehrere − in Europa weitgehend unbekannte − Tempel aus der späten Chalukya-Zeit erhalten (siehe Weblinks): Gadag, Lakkundi, Dambala, Annigeri, Itgi, Kuknur, Lakshmeswar, Bankapura, Hirekerur u. a.

Die östlichen Chalukya in Vengi (Nebenlinie)[Bearbeiten]

Der Chalukya Pulakeshin II. (reg. 609-642) setzte nach seinen Erfolgen gegen die Pallava seinen Bruder Vishnuvardhana (reg. 624-41/42) als ersten Vizekönig der Östlichen Chalukya in Vengi bei Bezwada ein.

Diese Nebenlinie verselbständigte sich bald. Nach der Übernahme des frühen Chalukyareiches durch die Rashtrakuta 757 repräsentierten sie in Vengi diese Dynastie.

Als die Nachkommenschaft des Chola-Königs Rajendra ausstarb, kam 1070 mit Kulottunga I. (reg. 1070-1120) ein Prinz der Östlichen Chalukya im Cholareich an die Macht, da seine Mutter eine Chola war. Er regierte erfolgreich, seine Erben hielten sich dort bis zum Untergang des Cholareiches, während Vengi selbst bald an Rivalen fiel.

  • Tempelbauten

Auch die östlichen Chalukyas schufen freistehende Tempelbauten in Alampur (Andhra Pradesh) und Umgebung (Bandatandrapadu, Kudaveli, Kadamarakalava, Panyam, Mahanandi, Satyavolu).

Liste der Chalukya-Könige[Bearbeiten]

Chalukyas von Vatapi/Badami[Bearbeiten]

  • Jayasimha (500-525, in Pattadakal)
  • Ranaraga (525-543)
  • Pulakesi I. (543-566)
  • Kirtivarman I. (566-597)
  • Mangalesa (597-609)
  • Pulakesi II. (609-642)
  • Vikramaditya I. (655-680)
  • Vinayaditya (680-696)
  • Vijayaditya (696-733)
  • Vikramaditya II. (733-746)
  • Kirtivarman II. (746-757)

Chalukyas von Kalyani[Bearbeiten]

  • Tailapa Ahavamalla (973-997)
  • Satyasraya Irivabedanga (997-1008)
  • Vikramaditya I. (1008-1014)
  • Ayyana (1014-1015)
  • Jayasimha (1015-1042)
  • Someshvara I. (1042-1068)
  • Someshvara II. (1068-1076)
  • Vikramaditya II. (1076-1127)
  • Someshvara III. (1127-1138)
  • Jagadekamalla (1138-1151)
  • Tailapa (1151-1156/62)
  • Someshvara IV. (ca. 1181-1189)

Östliche Chalukyas von Vengi[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]