Chamäleon (Varieté)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eingangsbereich zum Chamäleon sowie zu einem Kino, 2004

Das Chamäleon Theater (Eigenschreibweise in Versalien: CHAMÄLEON) ist ein Theater in den Hackeschen Höfen im Berliner Ortsteil Mitte. In der privat geführten Veranstaltungsstätte werden seit der Wiedereröffnung im Jahr 2004 zeitgenössische Zirkusproduktionen präsentiert.

Das Programmkonzept gilt der Berliner Morgenpost als „einzigartig in der deutschen Theater- und Varietészene“,[1] so Christoph Stölzl.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orientierungsplan

Das Chamäleon gehört zu den kulturellen Einrichtungen in den Hackeschen Höfen in Berlin-Mitte.

Der Eingang zum Chamäleon befindet sich im „Hof I“ an der Rosenthaler Straße. Das Theater nutzt den ehemaligen, eingeschossigen Festsaal im ersten Obergeschoss des Quergebäudes.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Bau der Hackeschen Höfe ab 1906 wurden in den Gebäuden an dem ersten Hof mehrere Kultureinrichtungen untergebracht; ein damals ungewöhnliches Konzept. Dabei wurde unter anderem das Quergebäude zwischen dem ersten und zweiten Hof als Festsaaltrakt angelegt. Die Gestaltung der bunt glasierten Fassaden des ersten Hofes sowie die Ausgestaltung der in dem Quergebäude zwischen erstem und zweitem Hof gelegenen Neumann’schen Festsäle mit ihrer gesamten Einrichtung erfolgte nach den Plänen des Berliner Architekten und Designers August Endell.[2]

Die Festsäle wurden von dem Weinhändler und Gastwirt Wilhelm Neumann bewirtschaftet und gehörten zu seinem Weinlokal und -restaurant. In den Neumann’schen Festsälen wurden anfangs oft Familien- und Vereinsfeiern sowie Firmenjubiläen ausgerichtet. In den 1920er Jahren veränderte sich die Nutzung der Gesamtanlage, viele Firmen verließen die Höfe und die kulturellen und öffentlichen Aktivitäten ließen bald völlig nach. So wurde unter anderem die aufwendige Gestaltung des großen, zweigeschossigen Festsaals um 1930 zerstört, und der Saal wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs von dem Kaufhauskonzern DeFaKa (Deutsches-Familien-Kaufhaus) als Betriebskantine genutzt.[2]

Bis auf einen Bombentreffer im Dach des ersten Hofes überstanden die Hackeschen Höfe den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet. 1952 wurden sie, im damaligen Ost-Berlin liegend und damit zur DDR gehörig, zu Volkseigentum erklärt. In den Folgejahren wurde die Bausubstanz stark vernachlässigt, sodass 1961 die brüchig gewordene Stuckfassade entfernt werden musste. Während der DDR-Zeit spielten die Hackeschen Höfe keine Rolle mehr als Ort für Feiern und Veranstaltungen. Die einstigen Festsäle wurden stattdessen als Lagerflächen und Werkstätte genutzt. 1977 wurde der gesamte Gebäudekomplex unter Denkmalschutz gestellt. Zu dieser Zeit wurde der Saal des heutigen Chamäleon als Probenraum des Tanzensembles der DDR genutzt.[2]

Die von August Endell gestaltete Fassade des Quergebäudes im 1. Hof (Westseite), mit dem Chamäleon im 1. OG (2005)

Im Jahr 1991 wurde in dem historischen, eingeschossigen Festsaal im Quergebäude das Varietétheater Chamäleon erstmals eröffnet, nach aufwendigen Umbau- und Sanierungsarbeiten, die bei dem Gesamtkomplex der Hackeschen Höfe noch bis 1997 andauerten.[3] Zu den Mitgründern des Chamäleon gehörte unter anderem der Clown Harald „Hacki“ Ginda, der auch selbst auftrat sowie als Mitgesellschafter der Chamäleon Varieté GmbH die künstlerische Leitung übernahm. Das Varieté- und Kleinkunst-Programm fand Anklang beim Publikum.[4] In dieser Zeit galt das Chamäleon als die innovativste Kleinkunstbühne Berlins[5].

Die Chamäleon Varieté GmbH setzte auf Expansion und eröffnete Anfang 2000 eine zweite Spielstätte in dem Berliner Ortsteil Gesundbrunnen, in einem Hinterhof an der Prinzenallee in einem ehemaligen Ballsaal der 1900er Jahre, der unter dem Namen „Glaskasten“ bekannt wurde. Der frühere „Glaskasten“-Saal, der nach Ende der Tanz- und Vergnügungsveranstaltungen und verschiedenen Zwischennutzungen, zuletzt als Diskothek, seit 1980 leergestanden hatte, war zuvor aufwendig saniert und umgebaut worden. Das Chamäleon verfügte in dieser zweiten Spielstätte über einen 160 Quadratmeter großen Saal mit Platz für 100 Zuschauer, der zudem mit einem Restaurant im Vorderhaus direkt verbunden war.[6]

Durch Schwankungen bei den Besucherzahlen sowie durch die Mietbelastungen für die zweite Spielstätte in Wedding, die vom Publikum nicht angenommen wurde, geriet das Chamäleon 2003 in finanzielle Schwierigkeiten. Ein erster Insolvenzantrag konnte jedoch nach Finanzhilfen durch Unterstützer und Förderer wieder zurückgenommen werden.[7] Im Frühjahr 2004 ging das Chamäleon dann endgültig in ein Insolvenzverfahren und musste – nach 13-jährigem Betrieb – Ende Juni 2004 schließen.[4]

Es folgte rasch ein Betreiberwechsel und das Chamäleon wurde von der Chamäleon Theater GmbH unter der Leitung von Volker Brümmer übernommen, die 2004/2005 eine umfangreiche Sanierung des historischen Saals, den Einbau einer Lüftungsanlage sowie die Erneuerung der kompletten Technik und des Barbereichs vornahm. Unter anderem wurden in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt fehlende Elemente im Saal ergänzt und die Farbfassung nach Originalbefunden wiederhergestellt.

Im September 2004 wurde das Varietétheater von dem Nachfolgebetreiber, der Chamäleon Theater GmbH wiedereröffnet. Volker Brümmer gründete 2007 die Tochterfirma Circle of Eleven, um neue Shows für das Theater zu produzieren und die Eigenkreationen wie SOAP – The Show! oder LEO weltweit zu vermarkten. Seit 2012 verantwortet Geschäftsführer Hendrik Frobel die Führung des Hauses, während Anke Politz als Geschäftsführerin der Chamäleon Productions GmbH die künstlerische Leitung innehat.

Das Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Chamäleon verfügt über einen 360 Quadratmeter großen Saal im historischen Jugendstil-Ambiente, der bei Einrichtung mit Bistrotischen mit je 4–5 Stühlen pro Tisch etwa 320 Sitzplätze bietet.

Zum Chamäleon gehört eine eigene gastronomische Versorgung. Des Weiteren kooperiert das Chamäleon mit dem Restaurant „Hackescher Hof“.

Die Veranstaltungstechnik des Theaters, wie Licht- und Tonanlagen, sowie die Bühnentechnik wurden 2004/05 vollständig erneuert, wobei die Bühne mit einem variablen Bühnensystem mit Hub- und Drehvorrichtung ausgestattet wurde.

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Chamäleon präsentiert laut Eigenaussage „innovative Entertainmentformate“ mit Artisten aus aller Welt und international bekannten Regisseuren. Es erhebt den Anspruch „die Grenzen des klassischen Varietés [zu] überschreiten und sich neuer, genreübergreifender Ausdrucksformen [zu] bedienen“.

Neben internationalen Fremdproduktionen, wie zum Beispiel von der kanadischen Artistenkompanie Les 7 doigts de la main („The 7 fingers“), der australischen Kompanie Circa[8] oder der Kompanie Flip FabriQue aus Kanada wurden auch Shows der Berliner Produktionsfirma Circle of Eleven gezeigt. Dabei werden Stücke produziert, „die auf Tournee gehen und von wechselnden Künstlern, sprachunabhängig, überall auf der Welt ‚gespielt‘ werden können“.[1]

Die Laufzeit der Programme ist unterschiedlich, beläuft sich aber durchschnittlich auf eine Spielzeit von ca. 6 bis 8 Monaten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tiziana Romelli: Ein Spaziergang durch die Hackeschen Höfe. Ethnographische Erkundungen eines urbanen Ortes. Lit Verlag, Hamburg 2002 (= Berliner ethnographische Studien; Bd. 1), ISBN 3-8258-5266-0, S. 23, 35, 64.
  • Klaus Siebenhaar (Hrsg.): Kulturhandbuch Berlin. Geschichte & Gegenwart von A–Z. 3., erw. und aktualisierte Aufl., Institut für Kultur- und Medienmanagement der FU Berlin, Verlag Bostelmann & Siebenhaar, Berlin 2005, ISBN 3-936962-12-X, S. 55, 102–103.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Christoph Stölzl: Zu Besuch im Varieté „Chamäleon“: Eine Show für die Generation Mausklick. In: Berliner Morgenpost, 20. Juni 2009.
  2. a b c d Uwe Aulich: Der Mix macht’s. Die Hackeschen Höfe werden 100 Jahre alt. In: Berliner Zeitung, 22. September 2006.
  3. Rainer L. Hein: Am Anfang waren graue Mauern. In: Die Welt, 23. September 2006.
  4. a b Das Chamäleon Varieté ist pleite und macht zu. In: Berliner Morgenpost, 26. Juni 2004
  5. www.welt.de: Häutung des Chamäleons, vom 25, Februar 2007, abgerufen am 12. Juli 2014
  6. Wiederbelebter Glaskasten. Varieté „Chamäleon“ bezieht neue Spielstätte in Berlin. baunetz.de, 3. Februar 2000 (aufgerufen am 12. Oktober 2009).
  7. Berlin: Chamäleon-Varieté gerettet – Ein Jahr Vorausplanung. ddp-Pressemitteilung in der nmz vom 15. August 2003 (aufgerufen am 12. Oktober 2009).
  8. Der Zauberwürfel wird nebenbei erledigt. In: berliner-zeitung.de, 9. August 2013, abgerufen am 12. Juli 2014

Koordinaten: 52° 31′ 26″ N, 13° 24′ 9″ O