Chantal Mouffe

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Chantal Mouffe (2013)

Chantal Mouffe (* 17. Juni 1943 in Charleroi) ist eine belgische Politikwissenschaftlerin und Professorin für Politische Theorie an der University of Westminster in London.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mouffe hat an zahlreichen Universitäten in Europa, Nord- und Lateinamerika gelehrt und geforscht. Sie ist Mitglied des Collège international de philosophie in Paris. Derzeit arbeitet sie an einem nicht-rationalistischen Ansatz in der politischen Theorie und beteiligt sich an Forschungsprojekten über den Aufschwung des Rechtspopulismus in Europa.

Ihr wohl wichtigstes Werk, Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus, veröffentlichte sie 1985 gemeinsam mit ihrem Ehemann Ernesto Laclau (1935–2014).[1] Unter anderem entwickeln die beiden Autoren in diesem Werk die Hegemonietheorie Antonio Gramscis weiter. Die Hegemonie- und Diskurstheorie von Laclau und Mouffe hat sich zu einem zentralen Fluchtpunkt poststrukturalistischer Theoriebildung entwickelt und zahlreiche empirische Arbeiten der Diskursforschung inspiriert und angeleitet. Im Zentrum der Arbeiten von Laclau und Mouffe steht das Interesse, gesellschaftliche Strukturen und Prozesse sowie die damit zusammenhängenden Machtverhältnisse zu hinterfragen und in ihrer Kontingenz offenzulegen, d. h. deutlich zu machen, dass diese immer das Ergebnis politischer Aushandlungsprozesse und damit prinzipiell veränderlich sind.[2]

Der wichtigste Aspekt des Politischen ist für Mouffe der antagonistische Widerspruch, der weder durch Kompromiss aufgelöst noch durch einen Konsens im herrschaftsfreien Diskurs beseitigt werden kann. Politik ist immer durch die Macht eines Kontrahenten über den anderen bestimmt. Der Konfikt zwischen ihnen kann nur durch Institutionen eingehegt werden. Deshalb plädiert Mouffe auch nicht für einen "Exodus aus den Institutionen" sondern für eine "Auseinandersetzung mit den Institutionen".[1]

Ihrem Denken nach ist Mouffe dem Postmarxismus zuzurechnen. Sie kritisiert die postpolitischen Verhältnissen im heutigen Neoliberalismus und spricht sich für einen neuen Linkspopulismus aus, der die Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit wieder mehrheitsfähig machen soll und sich dem Rechtspopulismus entgegenstellt.[3]

Sie ist Mitglied im Kuratorium des Instituts Solidarische Moderne.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hegemony and Socialist Strategy: Towards a Radical Democratic Politics, mit Ernesto Laclau, London: Verso 1985, ISBN 9781781681541.
    • deutsch: Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus, Aus dem Engl. übersetzt und mit einer Einleitung von Michael Hintz und Gerd Vorwallner, Wien: Passagen 1991, ISBN 9783851657494.
  • The Democratic Paradox, London: Verso 2000, ISBN 978-1-85984-279-9.
  • Exodus und Stellungskrieg. Die Zukunft radikaler Politik, Mit einer Einleitung von Oliver Marchart, Wien: Turia + Kant 2005, ISBN 3-85132-422-6.
  • On the Political, London: Routledge 2005, ISBN 978-0415305211.
    • deutsch: Über das Politische. Wider die kosmopolitische Illusion. Aus dem Engl. von Niels Neumeier, Frankfurt: Suhrkamp 2007, ISBN 978-3-518-12483-3.
  • Agonistics: Thinking The World Politically, London: Verso 2013, ISBN 978-1781681039.
    • deutsch: Agonistik – Die Welt politisch denken. Aus dem Engl. von Richard Barth, Berlin: Suhrkamp 2014, ISBN 978-3-518-12677-6.

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gramsci and Marxist Theory, London: Routledge 1979.
  • Dimensions of Radical Democracy: Pluralism, Citizenship, Community, 1992.
  • Deconstruction and Pragmatism, 1996;
    • deutsch: Dekonstruktion und Pragmatismus. Demokratie, Wahrheit und Vernunft., Wien: Passagen 1999.
  • The Challenge of Carl Schmitt, London: Verso 1999.
  • The Return of the Political, London: Verso 1993.

Aufsätze (ausgewählt)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hegemonie und neue politische Subjekte. Eine neue Konzeption von Demokratie, 1988, in: kultuRRevolution nr. 17/18, 37-41.
  • Deliberative Democracy or Agonistic Pluralism. Wien; Dezember 2000 PDF
  • Hegemony, Radical Democracy, and the Political, hrsg. v. James Martin, 2013.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aristotelis Agridopoulos: Die Rückkehr des A(nta)gonismus? Mouffes agonistisches Demokratiemodell und die politischen Umbrüche in Griechenland. In: Agridopoulos, A./Papagiannopoulos, I. (Hg.) Griechenland im europäischen Kontext: Krise und Krisendiskurse. Wiesbaden: Springer VS 2016 S. 275–295.
  • Michael Hintz, Gerd Vorwallner: Marxismus als radikaler Relationismus. Anmerkungen zur politischen Philosophie von E. Laclau und Ch. Mouffe, 1988, in:kultuRRevolution nr. 17/18, S. 58–63.
  • Michael Hintz, Gerd Vorwallner: Der Sozialismus wird demokratisch sein oder gar nicht. In: Chantal Mouffe, Ernesto Laclau: Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus („Hegemony and socialist strategy“). Aus dem Engl. übersetzt und herausgegeben von Michael Hintz und Gerd Vorwallner, mit einem Vorwort zur deutschen Ausgabe, 2. Aufl. Passagen-Verlag Wien 2000, ISBN 3-85165-453-6.
  • Oliver Marchart: Der Auszug aus Ägypten. Eine Einleitung, in Chantal Mouffe: Exodus und Stellungskrieg. Die Zukunft radikaler Demokratie, Wien: Turia+Kant 2005, S. 7–23.
  • Oliver Marchart: Politik ohne Fundament. Das Politische, der Staat und die Unmöglichkeit der Gesellschaft bei Ernesto Laclau und Chantal Mouffe, in Michael Hirsch, Rüdiger Voigt (Hg.): Der Staat in der Post-Demokratie. Politik, Recht und Polizei in der neueren französischen Philosophie, Stuttgart: Franz Steiner-Verlag 2009, S. 133–144.
  • Oliver Marchart, Oliver Flügel-Martinsen: Themenschwerpunkt Chantal Mouffe, in: Zeitschrift für Politische Theorie, 5(2), 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachrufe auf spiegel.de, abgerufen am 16. April 2014
  2. "Die Hegemonie- und Diskurstheorie von Laclau und Mouffe" (PDF-Datei; 149 kB) Georg Glasze, Annika Mattissek; In: Handbuch Diskurs und Raum Theorien und Methoden für die Humangeographie sowie die sozial- und kulturwissenschaftliche Raumforschung
  3. http://www.ipg-journal.de/rubriken/soziale-demokratie/artikel/fuer-einen-linken-populismus-857/