Charakter (Titel)

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Charakter war die Bezeichnung von unbesoldeten Ehrentiteln. In Preußen und im Deutschen Kaiserreich konnten Freiberufler und Beamte mit „Charaktern“ geehrt – charakterisiert – werden. Noch in der Wehrmacht wurden Oberste und Generale zum Teil mit dem nächsthöheren Rang in den Ruhestand verabschiedet.[1]

Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wo eine Beförderung nicht mehr in Frage kam, belohnte der Monarch seinen Diener mit dem Titel (charakterisierter) Geheimrat. Auch ergoss sich laufend ein Ordenssegen auf die ältere Beamtenschaft als sichtbares Zeichen der Belohnung für treu geleistete Dienste. Daneben erhielten ergraute Anwälte und Ärzte den Charakter Justizrat bzw. Sanitätsrat. Der Charakter Professor stand im Allgemeinen jedem Oberlehrer zu, wenn er eine Reihe von Dienstjahren aufweisen konnte, während der Mediziner nur in besonderen Fällen Professor wurde, ohne Vorlesungen zu halten.“

Siegfried Schindelmeiser: Die Albertina und ihre Studenten 1544 bis WS 1850/51 und Die Geschichte des Corps Baltia II zu Königsberg i. Pr.[2]

Der „Deutsche Kaiser“ wurde von Wilhelm I. noch als Charaktermajor angesehen, weil er wie der gewählte Präsident einer Republik primus inter pares und nicht der Angehörige eines höheren Standes sein sollte.[2]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sanitätsrat – niedergelassene Ärzte
  • Geh. Sanitätsrat – Kliniker[3]
  • Kanzleirat – mittlere Beamte, z. B. Sekretäre
  • Professoren – Oberlehrer, Gymnasiallehrer[4]
  • Geh. Regierungsrat – Verwaltungsbeamte
  • Geheimrat mit dem Rang der Räte 3. Klasse
  • Wirkl. Geh. Oberregierungsrat mit dem Rang der Räte 1. Klasse[5]
  • Geh. Kriegsrat[6]
  • Geh. Baurat – bedienstete Ingenieure und Architekten[7]
  • Hauptmann der Landwehr – häufige Ehrung akademischer Kriegsteilnehmer (1870/71)

Abschaffung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Weimarer Republik gab es weder Geheimräte noch Justiz- oder Sanitätsräte in den freien Berufen. In der Unterrichtsverwaltung wurden aus Oberlehrern Studienräte. Auch der Charakter Professor wurde nicht mehr in der alten Weise verliehen.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Charakter. Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart. 1793, zeno.org
  2. a b c Siegfried Schindelmeiser: Die Albertina und ihre Studenten 1544 bis WS 1850/51 und Die Geschichte des Corps Baltia II zu Königsberg i. Pr. (1970–1985). Erstmals vollständige, bebilderte und kommentierte Neuausgabe in zwei Bänden mit einem Anhang, zwei Registern und einem Vorwort von Franz-Friedrich Prinz von Preussen, herausgegeben von Rüdiger Döhler und Georg von Klitzing, München 2010, ISBN 978-3-00-028704-6
  3. z. B. Eugen Hahn
  4. z. B. Ottomar Cludius, John Koch, Albert Zweck
  5. z. B. Karl von Gamp-Massaunen
  6. z. B. Johann Georg Scheffner
  7. z. B. Friedrich Krause