Charles Chaplin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Charles Chaplin (Begriffsklärung) aufgeführt.
Charles Chaplin in der Rolle des Tramps (1915)

Sir Charles Spencer Chaplin jr., KBE, bekannt als Charlie Chaplin (* 16. April 1889 vermutlich in London;[1]25. Dezember 1977 in Vevey, Schweiz), war ein britischer Komiker, Schauspieler, Schnittmeister, Regisseur, Komponist, Drehbuchautor und Filmproduzent. Er schrieb auch eine Romanvorlage mit dem Titel "Footlights".

Chaplin zählt zu den einflussreichsten Komikern des 20. Jahrhunderts. Seine bekannteste Rolle ist der „Vagabund“ (im Original „The Tramp“, auch „Charlot“), ein verarmter Landstreicher mit den Manieren und der Würde eines Gentleman. Diese Figur mit Zweifingerschnurrbart (auch „Chaplinbart“ genannt), übergroßer Hose und Schuhen, enger Jacke, Bambusstock in der Hand und Melone auf dem Kopf wurde zu einer Filmikone. Das American Film Institute wählte Chaplin auf Platz 10 der größten amerikanischen Filmlegenden.[2]

Künstlerisch begann er seine Karriere schon als Kind bei Auftritten in der Music Hall. Als Komiker in den frühen Stummfilmkomödien Hollywoods feierte er bald große Erfolge. Als beliebtester Stummfilmkomiker seiner Zeit erarbeitete er sich künstlerische und finanzielle Unabhängigkeit. 1919 gründete er zusammen mit Mary Pickford, Douglas Fairbanks und David Wark Griffith die Filmgesellschaft United Artists. Der Nähe zum Kommunismus verdächtigt, wurde ihm nach einem Auslandsaufenthalt 1952 während der McCarthy-Ära die Rückkehr in die USA verweigert. Er setzte in Europa seine Arbeit als Schauspieler und Regisseur fort. 1972 nahm er seinen zweiten Ehrenoscar entgegen: Den ersten hatte er 1929 für sein Wirken in dem Film Der Zirkus erhalten, den zweiten erhielt er für sein Lebenswerk. 1973 erhielt er den ersten "echten" Oscar für die beste Filmmusik zu Rampenlicht (Limelight). 1977 starb er mit 88 Jahren in seinem Schweizer Wohnort.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Chaplin als junger Mann, zwischen 1900 und 1920

Charles Chaplin wurde vermutlich in London als Sohn von Charles Chaplin sr. (1863–1901) und Hannah Harriet Chaplin (1865–1928) geboren. Beide waren Künstler an den britischen Music Halls. Kurz nach Charles’ Geburt trennten sich seine Eltern. Charles und sein vier Jahre älterer Halbbruder Sydney (1885–1965) wuchsen bei der Mutter auf, die aufgrund psychischer Probleme jedoch ab 1896 ihrem Beruf nicht mehr nachgehen konnte. Da sich Charles Chaplin sr. regelmäßig den Unterhaltszahlungen entzog, lebte die Familie in großer Armut und musste immer wieder in den Armenhäusern Londons Zuflucht finden.

Charles Chaplin bekam 1894 erstmals die Chance, mit einer Gesangsdarbietung selbst vor Publikum aufzutreten. Als Neunjähriger wurde er auf Empfehlung seines Vaters für die Music-Hall-Gruppe The Eight Lancashire Lads engagiert. Chaplin erhielt während den Tourneen der Lancashire Lads Kost und Logis sowie eine einfache Schulbildung.

Als sein Vater 1901 an den Folgen seiner Alkoholsucht starb, blieben Chaplin nur seine Mutter und sein Halbbruder als Bezugspersonen. Er wurde Halbwaise und in fast allen Biographien ist deshalb von „Dickens'scher Jugend“ die Rede. Doch im Gegensatz zu den Kinderschicksalen, die Charles Dickens im 19. Jahrhundert beschrieb, fand Charlie Chaplin seinen Weg, der ihn sogar nach Amerika und in die Filmstudios führte.[3] Sydney sorgte nun für den Unterhalt von Bruder und Mutter, die mehrfach in Irrenanstalten eingeliefert und 1905 für geisteskrank erklärt wurde. Charles war fast ganz auf sich allein angewiesen, wurde mit seinem Halbbruder als Sechsjähriger erstmals in ein Waisenhaus gesteckt, trieb sich später auf den Straßen herum und lernte das unterste soziale Milieu kennen, das er genau beobachtete. Er verdingte sich als Laufbursche, Zeitungsverkäufer, Drucker, Spielzeugmacher und Glasbläser, um seinen Lebensunterhalt zu fristen. Chaplin verließ die Lancashire Lads und fand Engagements an den Londoner Bühnen.[4][5]

Im Sommer 1903 spielte Chaplin in dem wenig erfolgreichen Theaterstück Jim, A Romance of Cockayne seine erste größere Rolle. Es folgte die Rolle des Laufburschen Billy in der von William Gillette verfassten Bühnenversion von Sherlock Holmes. Diese Inszenierung wurde ein großer Erfolg. Chaplin ging bis 1906 insgesamt vier Mal mit diesem Theaterstück auf Tournee. Auch Sydney Chaplin wirkte in dem Ensemble mit, verließ die Theatertruppe aber wieder, als er bei Fred Karno unter Vertrag genommen wurde. Charles folgte seinem Bruder und unterschrieb 1908 einen Zweijahresvertrag bei Karno.

Aufstieg zum Bühnenstar[Bearbeiten]

Chaplin Anfang der 1910er Jahre

Bei Fred Karno, der mit seinen Theatertruppen die Tradition der komischen Pantomimenspiele fortführte, stieg Chaplin schnell zu einem der Hauptdarsteller auf. Sein erster Erfolg bei Karno war die Rolle des Trunkenbolds Swell in dem Stück Mumming Birds. 1910 übernahm Chaplin die Hauptrolle in der Neuproduktion Jimmy the Fearless, die ihm erstmals positive Kritiken in den Zeitungen einbrachte. So bezeichnete ihn die Yorkshire Evening Star als einen „aufstrebenden Schauspieler“, dessen Auftritt ihn als einen geborenen Komiker auswies.[6]

Karno bot Chaplin daraufhin an, mit einem Ensemble auf eine Tournee durch Nordamerika zu gehen. Vom Juni 1910 bis Juni 1912 spielte Karnos Truppe in den Vereinigten Staaten und Kanada. Vor allem Chaplins Eskapaden in A Night in an English Music Hall, einer Wiederaufführung von Mumming Birds, begeisterten das Publikum und die Presse. Nach nur fünf Monaten in England schickte Karno sein Ensemble mit Chaplin für eine zweite Tournee nach Amerika.

Diese Tournee verlief allerdings nicht so erfolgreich wie die erste, weshalb Chaplin dankbar auf das Interesse der amerikanischen Filmindustrie reagierte. Im Mai 1913 nahmen Adam Kessel und Charles O. Baumann, die Inhaber der New York Motion Picture Company erstmals Kontakt zu Chaplin auf. Am 25. September 1913 unterschrieb Chaplin schließlich einen Vertrag, mit dem er sich für ein Jahr als Filmschauspieler bei Mack Sennetts Keystone Studios, dem Komödienspezialisten der New York Motion Picture Company verpflichtete. Chaplin wurde ein Gehalt von 150 Dollar in der Woche zugesagt. Er verließ daraufhin am 28. November 1913 die Karno-Truppe.

Keystone Filmstudios[Bearbeiten]

Die Rolle des Tramp in Mabel’s Busy Day (1914)

Anfang Januar 1914 trat Chaplin seine neue Stelle in den Keystone Pictures Studios an. In den ersten Wochen hatte er große Probleme, mit den chaotischen Arbeitsbedingungen bei Keystone zurechtzukommen. Chaplin war von seiner Zeit bei Karno monatelanges Proben an den Sketchen gewohnt, bis jede Geste und jede Pointe perfekt saß. Mack Sennett arbeitete dagegen meist ohne Drehbuch, seine Produktionen wurden schnell abgedreht. Sennetts Star war Ford Sterling, dessen wilde Grimassen in einem krassen Gegensatz zu Chaplins eher subtiler Komik standen.

Erst Ende des Monats wurde Chaplin in einem Film eingesetzt. Der Einakter Making a Living entstand unter der Regie von Henry Lehrman, der auch den Helden der Geschichte spielte. Chaplin war der Bösewicht, dessen Auftreten an den Charakter aus dem Karno-Stück A Night in an English Music Hall erinnerte.

Unzufrieden mit dieser Rolle, entwickelte Chaplin für die folgenden Filme eine neue Figur. Der Legende nach lieh er sich ein altes Paar Schuhe von Ford Sterling und eine übergroße Hose von Roscoe „Fatty“ Arbuckle, eine Melone von Arbuckles Schwiegervater, eine zu kleine Jacke von Charles Avery und den falschen Bart von Mack Swain. Ähnliche Kostümierungen fanden sich bereits bei den Komikern der englischen Music Halls.[7] Der „Tramp“ trat erstmals Anfang Februar 1914 in den Filmen Kid Auto Races at Venice und Mabel’s Strange Predicament auf.

Nachdem Chaplin weder mit Henry Lehrman noch mit George Nichols zurechtkam, versuchte Sennett, Chaplin in den von Mabel Normand inszenierten Filmen einzusetzen. Als es bei den Dreharbeiten von Mabel at the Wheel zu einem Eklat zwischen ihm und Normand kam, glaubte Chaplin bereits, dass seine Tage bei Keystone gezählt waren.[8] Doch die große Nachfrage nach Filmen mit Chaplin zwang Sennett, ihm weiterhin freie Hand zu gewähren. Chaplin sollte probeweise bei einem Film Regie führen. Dieses Regiedebüt, Caught in the Rain, wurde am 4. Mai 1914 veröffentlicht und wurde zu einem der bislang erfolgreichsten Filme von Keystone. In den letzten sechs Monaten seines Vertrages mit Keystone führte Chaplin mit Ausnahme von Tillies gestörte Romanze, Sennetts erstem abendfüllenden Spielfilm, bei allen seinen Auftritten selbst Regie.

Im Juni 1914 liefen die ersten Keystone-Filme mit Chaplin in Großbritannien an. Chaplin wurde von der heimischen Presse als „der geborene Leinwandkomiker“ gefeiert.[9] Angesichts seines rasant gestiegenen Marktwertes forderte Chaplin von Sennett 1000 Dollar pro Woche bei einer Fortsetzung des Vertrages. Es kam allerdings zu keiner Einigung, sodass Chaplins Engagement bei Keystone Ende des Jahres 1914 nach 35 Filmen beendet wurde.

Essanay Filmgesellschaft[Bearbeiten]

Im November 1914 unterzeichnete Charles Chaplin einen Vertrag bei dem von den Filmpionieren George K. Spoor und Gilbert M. Anderson geführten Filmunternehmen Essanay, der Chaplin neben einer wöchentlichen Gage von 1250 Dollar eine einmalige Zahlung über 10.000 Dollar garantierte.

Chaplin drehte im Januar 1915 seinen ersten Film, His New Job, in den veralteten Essanay-Studios in Chicago, zog danach aber zurück nach Kalifornien. Dort stellte er eine eigene Stammbesetzung zusammen, zu denen Leo White, Billy Armstrong, der spätere Regisseur Lloyd Bacon und der später auch als Solokünstler bekannte Ben Turpin zählten. Auf der Suche nach einer weiblichen Hauptdarstellerin entdeckte Chaplin die 19-jährige Edna Purviance, die schließlich in 35 seiner Filme mitspielte und mit der er bis 1917 auch privat eine Beziehung hatte. Chaplin legte sich zunehmend auf die Rolle des Vagabunden fest, der in seinem sechsten Essanay-Film The Tramp sogar zum Titelhelden wurde. Überwog in den frühen Filmen Chaplins der Slapstick, zeigten sich in Entführung (A Jitney Elopment) und The Tramp romantische Elemente, die in The Bank sogar in einem traurigen Schluss mündeten.

Entstanden die ersten sieben Filme für Essanay in nur vier Monaten, versuchte Chaplin in den folgenden Monaten seine Unabhängigkeit als Filmschaffender durchzusetzen, indem er sich von den üblichen Fließbandmethoden verabschiedete und sich deutlich mehr Zeit für die nächsten Filmprojekte nahm. Seine letzten beiden von insgesamt 14 Filmen für Essanay wurden erst im Frühjahr 1916 veröffentlicht, als Chaplin bereits bei Mutual Films unter Vertrag stand.

Chaplins Popularität erreichte 1915 ihren ersten Höhepunkt. Chaplin wurde (ohne dass er an den Einkünften beteiligt wurde) zum Mittelpunkt einer umfassenden Vermarktung, die Chaplin-Puppen, Zeitungscomics und Lieder über den kleinen Tramp beinhaltete. Das Motion Picture Magazine diagnostizierte für die gesamten Vereinigten Staaten einen schweren Fall von „Chaplinitis“.[10] In Frankreich wurde der Tramp als Charlot verehrt. Um auch nach Chaplins Weggang von der „Chaplinitis“ zu profitieren, ließ Essanay Chaplins Burlesque on Carmen mit zuvor nicht verwendetem Filmmaterial auf die doppelte Laufzeit verlängern. Chaplin klagte erfolglos gegen die Veröffentlichung dieses Films.

„Der Spazierstock steht für die Würde des Menschen“, sagte Chaplin einmal zu seiner Idee des Tramps, „der Schnurrbart für die Eitelkeit, und die ausgelatschten Schuhe für die Sorgen.“[11]

Mutual Filmgesellschaft[Bearbeiten]

Chaplin als Tramp, um 1917

Der neue Vertrag mit Mutual Films, der ihm ein wöchentliches Gehalt von 10.000 Dollar zuzüglich eines Bonus von 150.000 Dollar bei Vertragsabschluss garantierte, machte Chaplin zu einem der bestbezahlten Schauspieler. Seine Popularität blieb ungebrochen; als er Ende Februar 1916 zur Vertragsunterzeichnung mit dem Zug nach New York fuhr, warteten riesige Menschenmengen auf die Ankunft des Stars.

Für Chaplin wurde in Los Angeles ein neues Studio eingerichtet. Edna Purviance, Leo White und Lloyd Bacon folgten Chaplin von Essanay zu Mutual. Roland Totheroh, der bereits bei einigen Essanay-Filmen die Kamera bedient hatte, wurde von Chaplin angeheuert. Er blieb bis 1952 Chaplins Chefkameramann. Das Ensemble vervollständigten Albert Austin und der hünenhafte Eric Campbell, der in den meisten Mutual-Filmen den Bösewicht spielte. Im Laufe des Jahres wurde die Crew durch Henry Bergman ergänzt, der Chaplin, als vielseitig einsetzbarer Nebendarsteller und Assistent, bis zu seinem Tod im Jahr 1946 begleiten sollte.

Chaplins Vertrag mit Mutual sah vor, dass innerhalb von zwölf Monaten zwölf Filme produziert wurden. Tatsächlich wurden die ersten acht Filme bis zum Ende des Jahres 1916 fertiggestellt, für die letzten vier benötigte Chaplin dann aber zehn Monate. Einige der Mutual-Filme werden heute zu Chaplins besten Filmen gezählt.[12] Während Chaplin mit der Rollschuhbahn in The Rink und einer Rolltreppe in The Floorwalker erneut das komische Potential ungewöhnlicher Schauplätze aufzeigte, gilt The Pawnshop als ein Musterbeispiel für Chaplins „Komik der Transposition“,[13] in der Gegenstände eine völlig neue Funktion einnehmen. Seine bekanntesten Filme aus der Zeit bei Mutual sind die 1917 fertiggestellten Zweiakter Easy Street, eine Parodie auf die viktorianischen Besserungs-Melodramen, und die Tragikomödie Der Einwanderer. Chaplin bezeichnete im Rückblick diese Zeit als die glücklichste in seiner gesamten Karriere.[14]

Für Aufsehen sorgte Ende des Jahres 1916 die nichtautorisierte Biografie Charlie Chaplin’s Own Story, deren Erscheinen nur mit Hilfe der Gerichte verhindert werden konnte. Es setzte allerdings infolge der Auseinandersetzung in den britischen Zeitungen eine Kampagne gegen Chaplin ein, da ihm eine Klausel im Vertrag mit Mutual Films die freiwillige Meldung als Soldat im Ersten Weltkrieg untersagte. Chaplin sah sich genötigt, im August 1917 seine patriotische Gesinnung in einer Presseerklärung zu bekunden.

Gleichzeitig musste sich Chaplin gegen zahlreiche Nachahmer und Imitatoren wehren. So verklagte er im November 1917 mehrere Filmstudios, die mit Chaplin-Imitatoren zahlreiche Filme produziert hatten. Der bekannteste Imitator war Billy West, der in rund 50 Filmen auftrat. Auch Chaplins ehemaliger Kollege bei Karno, Stan Jefferson, der spätere Stan Laurel, trat auf der Bühne als Tramp auf.

First National Filmverleih und -produktion[Bearbeiten]

Filmausschnitt aus The Bond, 1918
Jackie Coogan neben Chaplin im Film The Kid

Nach Ablauf des Vertrags mit Mutual suchte Charles Chaplin einen neuen Partner, der ihm nicht nur die finanzielle, sondern auch die zeitliche Unabhängigkeit zur Vollendung seiner Filme ermöglichte. Sydney Chaplin, der seit dem Herbst 1915 die Geschäfte seines Halbbruders führte, fand diesen Partner in der First National, die mit der Verpflichtung Chaplins gegen die marktbeherrschende Position von Paramount Pictures antreten wollte. Es wurde ein Vertrag über acht Filme abgeschlossen, für die First National vorab mehr als eine Million Dollar zahlte. Chaplin wurde sein eigener Produzent, behielt die Rechte an seinen Filmen und ließ in Hollywood ein Studio nach seinen eigenen Vorstellungen errichten.

Am 15. Januar 1918 begannen die Dreharbeiten zu A Dog’s Life (Ein Hundeleben), die erst nach zwei Monaten beendet wurden. Direkt nach Abschluss ging der Filmschaffende gemeinsam mit Douglas Fairbanks und Mary Pickford auf eine Tournee durch die Vereinigten Staaten, um für den Kauf von Kriegsanleihen zu werben. Chaplins nächster Film sollte dann auch den Ersten Weltkrieg zum Thema haben: The Bond (Die Anleihe). Nach einigen Mühen, einen passenden Handlungsstrang zu finden (er arbeitete noch immer ohne Drehbuch), entstand dann auch Shoulder Arms (Gewehr über), der zu einem der größten finanziellen Erfolge in seiner Karriere wurde.

Privat hatte Chaplin weniger Glück. Anfang des Jahres hatte er die gerade 16 Jahre alte Schauspielerin Mildred Harris kennengelernt, mit der er eine skandalumwitterte Beziehung einging. Chaplin und Harris heirateten am 23. September 1918. Der unglückliche Verlauf der Ehe lähmte Chaplins Schaffenskraft, die Dreharbeiten für die nächsten beiden Filme Auf der Sonnenseite (Sunnyside) und Charlie’s Picknick verzögerten sich und wurden mehrmals unterbrochen. Sunnyside wurde schließlich im April 1919 fertiggestellt, Charlie’s Picknick blieb zunächst unvollendet. Am 7. Juli kam Chaplins Sohn Norman Spencer zur Welt, der aber drei Tage nach der Geburt starb.

Chaplins Schaffenskrise endete, als er in einem Theater den Vierjährigen Jackie Coogan entdeckte. Chaplin entwickelte ein neues Filmprojekt, in dem Coogan an seiner Seite spielen sollte. Chaplin erkannte, dass dieser Film deutlich länger als seine bisherigen werden sollte. Um den Wunsch von First National nach der baldigen Veröffentlichung eines neuen Chaplin-Films zu erfüllen, griff er während einer Produktionspause auf das Material von Charlie’s Picknick zurück, drehte einige neue Szenen und veröffentlichte schließlich im Dezember 1919 unter dem Titel Vergnügte Stunden (A Day’s Pleasure) einen Zweiakter, der in der Tradition seiner Filme bei Essanay und Mutual stand.

Voller Eifer setzte Chaplin die Arbeiten an dem Film mit Jackie Coogan, der nun seinen endgültigen Titel The Kid erhalten hatte, fort. Der ganz in die Arbeit versunkene Chaplin wurde von der Scheidungsanklage seiner Ehefrau überrascht. Da Mildred eine Abfindung über 100.000 Dollar ablehnte, drohte die Pfändung des nach einem Jahr endlich fertiggedrehten Films. Im August 1920 wurden daraufhin die gesamten Negative von The Kid heimlich nach Salt Lake City geschafft, wo Chaplin einen ersten Rohschnitt anfertigte. Kurz darauf begann der Scheidungsprozess, der am 19. November 1920 in einer gütlichen Einigung endete. Der Premiere von The Kid am 6. Januar 1921 stand nun nichts mehr im Wege. Chaplins erster Langfilm wurde zu einem Riesenerfolg, der in den nächsten drei Jahren in rund 50 Ländern vertrieben wurde.[15]

Da sich First National bei der Vergütung von The Kid wenig kooperativ gezeigt hatte, wollte Chaplin seine vertraglichen Verpflichtungen so schnell wie möglich erfüllen, zumal er inzwischen als Mitbegründer von United Artists einen eigenen Filmvertrieb besaß. Innerhalb von fünf Monaten entstand der Zweiakter Die feinen Leute (The Idle Class). Die Dreharbeiten zum nächsten Film, Pay Day, unterbrach Chaplin schon nach wenigen Tagen, um im September 1921 zu einer Europareise zu starten, die ihn erstmals seit neun Jahren wieder in seine Heimat führte. Chaplin wurde von der Begeisterung für seine Person überwältigt. Er hielt seine Erfahrungen in dem Buch My Trip Abroad fest.

Im November 1921 setzte er seine Arbeit an Pay Day fort, der sein letzter Zweiakter werden sollte. Pay Day wurde am 2. April 1922 uraufgeführt. Chaplins letzter Film für First National, der Vierakter The Pilgrim, wurde in nur 42 Drehtagen fertiggestellt. Erneute Streitigkeiten mit First National über die Vermarktung verzögerten aber die Premiere bis zum Februar 1923.

Erste Arbeiten mit United Artists[Bearbeiten]

Fotomontage: Chaplin unterzeichnet den Gründungsvertrag von United Artists
Chaplin und Churchill, Hollywood 1929
Chaplin und Gandhi, London 1931

Nachdem sein Vertrag bei der First National ausgelaufen war, konnte Chaplin endlich seinen ersten Beitrag für United Artists vorbereiten. Bereits im Januar 1919 beschlossen Chaplin, die Schauspieler Douglas Fairbanks und Mary Pickford sowie der Regisseur D. W. Griffith, einen unabhängigen Filmverleih zu gründen, um so einem drohenden Monopol der etablierten Studios entgegenzutreten. Am 5. Februar 1919 wurden die Verträge für die Gründung von United Artists unterzeichnet. Chaplin war nicht nur Gründungsmitglied, sondern auch einer der vier Teilhaber der noch nicht an der Börse notierten Firma.

Mit seinem ersten Projekt für United Artists erfüllte sich Chaplin den lang gehegten Wunsch, einen ernsten dramatischen Film zu drehen. Der Film sollte außerdem Edna Purviance in ihrer ersten eigenständigen Hauptrolle eine neue Karriere in reiferen Frauenrollen eröffnen, da Chaplin sie nicht mehr als eine ideale Komödienpartnerin betrachtete. Seine Bekanntschaft mit Peggy Hopkins Joyce, die durch ihre zahlreichen Ehen und Liebesaffären berühmt wurde, inspirierte Chaplin zu der in Paris angesiedelten Geschichte des Liebesdramas Die Nächte einer schönen Frau (A Woman of Paris), die er von November 1922 bis Juni 1923 mit Edna Purviance und Adolphe Menjou in den Hauptrollen drehte. Chaplin selbst stellte sich nur einem wenige Sekunden dauernden Cameo-Auftritt dar, verkleidet als Gepäckträger.

Während der Dreharbeiten von Die Nächte einer schönen Frau stand Chaplins Beziehung zu Pola Negri im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Er hatte die Schauspielerin während seiner Europareise in Berlin kennengelernt und traf sie im Oktober 1922 wieder, als sie sich auf ihr Hollywood-Debüt vorbereitete. Im Januar 1923 gaben beide ihre Verlobung bekannt, die Beziehung zerbrach jedoch bereits wenige Monate später.

Die Premiere von Die Nächte einer schönen Frau am 1. Oktober 1923 wurde von den Kritikern gefeiert; das von Chaplin mühsam erarbeitete zurückhaltende Spiel der Protagonisten wurde als „Abkehr der bisherigen Leinwandgewohnheiten“ verklärt und dadurch zum Vorbild zahlreicher Regisseure der späten 1920er Jahre.[16] Das Publikum konnte sich aber mit dem für Chaplin untypischen Melodram nicht anfreunden. Die Nächte einer schönen Frau wurde zu seinem ersten Flop.

Um einen größeren gesellschaftlichen Skandal abzuwenden, heiratete er 1924 die 16-jährige Lita Grey, die für seine nächste Produktion Goldrausch (The Gold Rush) als seine Filmpartnerin vorgesehen war. Lita war zu diesem Zeitpunkt von Chaplin schwanger. Sie wurde noch Mutter eines weiteren Sohnes Chaplins (Sydney Earle), bevor die Ehe 1927 in einem aufsehenerregenden Prozess geschieden wurde.

1936: Moderne Zeiten[Bearbeiten]

Chaplin während eines Deutschlandbesuchs vor dem Reichstagsgebäude in Berlin, März 1931

Obwohl bereits der Tonfilm etabliert war, brachte Chaplin mit Lichter der Großstadt (1931) und Moderne Zeiten (1936) zwei weitere Stummfilme in die Kinos. Die musikalische Tonspur komponierte er in beiden Fällen selbst. Außerdem arbeitete er mit Toneffekten, auch um die beliebten Tonfilme zu parodieren, denen Chaplin skeptisch gegenüberstand. Der Erfolg an den Kinokassen bestätigte Chaplins herausragende Stellung als Filmkomiker. Da Chaplin in Moderne Zeiten die Auswüchse der Industrialisierung und des Kapitalismus kritisiert, wurde ihm in den USA von konservativen Kreisen eine antikapitalistische und kommunistische Einstellung vorgeworfen. Privat war er nun mit seiner Filmpartnerin Paulette Goddard liiert, die er 1936 heimlich heiratete.

1940: Der große Diktator[Bearbeiten]

Am 15. Oktober 1940 war die Premiere von Chaplins erstem Tonfilm Der große Diktator (The Great Dictator). Chaplins satirische Parodie auf den Faschismus richtete sich symbolisch auch gegen die US-Staatsmacht und den Militarismus allgemein. Diesen Anti-Hitler-Film wollte die US-amerikanische Zensurbehörde zuerst nicht genehmigen. Die Konservativen Amerikas unterschätzten anfangs Hitlers Machtwahn und hielten ihn für einen großartigen Politiker, da er quasi ein Verbündeter in Europa gegen den Bolschewismus Stalins war. Chaplins Film passte ihnen also gar nicht ins Konzept. Präsident Roosevelt selbst wollte den Film; für Chaplin wäre ein akut drohendes Verbot des Streifens letztlich zu riskant gewesen. Der Film war für Chaplin wirtschaftlich besonders erfolgreich.[17]

Chaplin hat die Angriffe von Nationalsozialisten, die ihn fälschlicherweise als Juden titulierten,[18] aus Solidarität mit den Verfolgten erst viel später richtiggestellt.[19] Sein Freund Ivor Montagu meinte, dass diese Behauptung der Grund war, warum Chaplin Der große Diktator produzierte; denn er hatte ihn zuvor auf eine Nazischrift mit dem Satz: „Dieses kleine jüdische Stehaufmännchen ist so ekelhaft, wie es langweilig ist“, aufmerksam gemacht.[20] Für Hannah Arendt, die Chaplin ebenfalls für einen Juden hielt, war er ein Beispiel einer verborgenen Paria-Tradition im Judentum, die wieder zu beleben sei.

1942 wurde die Ehe mit Paulette Goddard geschieden. Kurz danach lernte Chaplin Oona O’Neill, die Tochter des Dramatikers Eugene O’Neill, kennen und lieben. Mit ihr fand Chaplin sein Eheglück. Die beiden heirateten am 16. Juni 1943; Oona war damals 18 Jahre alt. 1944 wurde als ältestes der acht gemeinsamen Kinder die Tochter Geraldine geboren, 1946 folgte Michael Chaplin.

1947–1952: Politische Probleme und die Ausweisung aus den USA[Bearbeiten]

Im Oktober 1947 musste Chaplin wiederholt vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe (House Un-American Activities Committee) aussagen, und der FBI-Chef J. Edgar Hoover, ein erbitterter Gegner Chaplins, versuchte, diesem die Aufenthaltsgenehmigung zu entziehen. Im Dezember 1947 veröffentlichte der Filmstar in der englischen Sonntagszeitung Reynold's News den Artikel „Ich erkläre Hollywood und seinen Bewohnern den Krieg!“.[21]

Obwohl Chaplin seine größten Erfolge in den USA errang, behielt er seine britische Staatsangehörigkeit. Er selbst sah sich als Weltbürger. Charles Chaplin war liberal, kritisch und Pazifist und passte damit nicht in das gängige Bild, das die Regierung von einem Filmstar erwartete. Auch an seinem Lebenswandel nahm man Anstoß.

Chaplin war in der Bevölkerung überaus beliebt und parodierte hintergründig auch die amerikanische Gesellschaft und wurde dadurch dem Staatsapparat verdächtig. Ihm wurde mangelnde Verfassungstreue vorgeworfen. In den 1930er/1940er Jahren konnte man sich in den USA bereits mit der spöttischen Hinterfragung der herrschenden Gesellschaftsordnung als marxistisch oder kommunistisch verdächtig machen. 1949 und 1951 bekamen die Chaplins zwei weitere Kinder: Josephine Chaplin und Victoria Chaplin.

Am 17. September 1952 verließ Chaplin die Vereinigten Staaten für einen Kurzbesuch in England. Anlass war die Weltpremiere seines dort spielenden Films Rampenlicht. Es war die Zeit zu Beginn der McCarthy-Ära, und da das FBI unter Hoover ihn „unamerikanischer Umtriebe“ verdächtigte, erreichte der FBI-Chef beim Immigration and Naturalization Service einen Tag später, am 18. September, den Widerruf von Chaplins Wiedereinreisegenehmigung in die Vereinigten Staaten.[22] Dieser beschloss daraufhin, in Europa zu bleiben. Er zog im Dezember 1952 in die Schweiz und ließ sich im Anwesen Manoir de Ban oberhalb Corsier-sur-Vevey am Genfersee nieder. In dem Haus hat sein Sohn Eugene ein Museum Chaplin's World eingerichtet.

Immerhin wurde sein bisher vermuteter Geburtsort London, mit der späteren Freigabe der britischen Geheimdienstakte, als unbewiesen entlarvt. Der Abwehrchef des MI5 schrieb im Abschlussbericht an die Amerikaner: "Es ist merkwürdig, dass wir keinen Eintrag über Chaplins Geburt finden können, jedoch kann ich mir nur schwer vorstellen, dass dies für unsere Sicherheit signifikant ist."[23]

Erst im Jahr 1996, detaillierter 2003, wurde bekannt, dass George Orwell einer Bekannten zuliebe dem Information Research Department (IRD), einer 1948 gegründeten Sonderabteilung des Britischen Außenministeriums zur Bekämpfung kommunistischer Infiltration, 1949 eine Liste mit den Namen von 38 Schriftstellern und Künstlern übergeben hat, in die er denen prokommunistischer Tendenzen bezichtigte. Hauptsächlich enthielt diese Liste die Namen von Journalisten, jedoch stand unter anderem auch Chaplin darauf.[24]

Philipp Bühler[25] bescheinigt 2005 Chaplins Film Moderne Zeiten, der „das ganze 20. Jahrhundert in einem Bild zusammenzufassen scheint“, „unverkennbar marxistische Vorzeichen“. Allerdings sei, so Bühler, Chaplin keinesfalls Kommunist gewesen. „Eher schon wollte Chaplin wissen, wie es in diesen Zeiten möglich ist, kein Kommunist zu werden.“ Bereits im Dezember 1935 meinte der Motion Picture Herald: „Er [Chaplin] ist sicher auch ein Philosoph, ein nicht allzu optimistischer, aber er ist zuallererst ein Showman – wie sein großes bürgerliches Vermögen beweist.“

Seine Hand- und Fußabdrücke von 1928 vor dem TCL Chinese Theatre wurden entfernt. Die Betonplatte mit seinen Abdrücken ist bis heute verschollen.[26]

1953–1957: Ein König in New York[Bearbeiten]

Sein Schweizer Domizil (1953–1977), nahe Corsier-sur-Vevey

1953 und 1957 wurden seine Kinder Eugene Chaplin und Jane Chaplin geboren.

1957 verarbeitete Chaplin in der Satire Ein König in New York (A King in New York) die bitteren Erfahrungen, die er im Umgang mit den USA gemacht hatte. In diesem Film prangerte er zugleich auch den frühen Obskurantismus in den USA an. Chaplin dazu: „America is so terribly grim in spite of all that material prosperity.“[27]

In den USA wurde der Film erst 1973 gezeigt.[28]

1959–1977: Die Gräfin von Hongkong und Chaplins letzte Jahre[Bearbeiten]

Chaplin mit Ehefrau Oona, 1965 Flughafen Schiphol (Amsterdam)

1959 und 1962 wurden Annette-Emilie Chaplin und Christopher Chaplin geboren.

1967 drehte Chaplin den Film Die Gräfin von Hongkong (A Countess from Hong Kong), in dem er selbst in einer kleinen Nebenrolle als Schiffssteward zu sehen war. Nach Beendigung des Films traten bei ihm immer häufiger körperliche Beschwerden auf; sein früherer robuster Gesundheitszustand wich in den letzten Jahren einer zunehmenden Gebrechlichkeit.

1972 kehrte er noch einmal kurzfristig in die USA, anlässlich der Verleihung eines Ehrenoscars, zurück.[29]

Seine Tochter Geraldine erinnerte sich später: „Sie gaben ihm nur ein Visum für zehn Tage – wir konnten es einfach nicht fassen. Aber wir lagen falsch: Es hat ihm neuen Lebensmut gegeben. Er hat sogar ganz fröhlich erzählt: Die Amerikaner haben immer noch Angst vor mir.“[30]

Am 25. Dezember 1977 verstarb Chaplin im Schlaf im Alter von 88 Jahren in Vevey in der Schweiz.

Das Grab von Charles Chaplin und seiner Frau

Nach dem Tod[Bearbeiten]

Kurz nach Chaplins Tod, in der Nacht vom 1. auf den 2. März 1978, wurde seine Leiche vom Friedhof in Corsier-sur-Vevey (Schweiz) gestohlen. Die Täter wollten von den Hinterbliebenen 600.000 Schweizer Franken erpressen. Der Plan scheiterte, sie wurden gefasst, und Chaplins sterbliche Überreste wurden erneut beerdigt. „Es war surreal, hatte aber auch komische Seiten“, berichtete seine Tochter Geraldine. „Zur Geldübergabe sind wir mit dem Rolls Royce meiner Mutter gefahren. Im Fußraum war ein Polizist versteckt, so ein 007-Typ mit Waffe. Er neigte zur Reisekrankheit und hat sich mitten im Einsatz übergeben.“ „Ein Postbeamter hatte den Funkverkehr mitgehört. Er war in der Mittagspause und dachte: Action! Mit dem Postlaster hat er sich an uns drangehängt. Um uns herum waren überall Zivilpolizisten, die den Briefträger sofort aus dem Auto geholt haben. Besorgte Schweizer Bürger haben das dann für einen Postraub gehalten, die Nummern der Zivilstreife notiert und die örtliche Polizei auf ihre eigenen Kollegen gescheucht. Es war wie ein letzter Chaplin-Film.“[31] Seine Frau ließ danach eine 2 m dicke Betonschicht anbringen. Nach dem Tod seiner Witwe Oona hat man das Grab 1991 zubetoniert. Basierend darauf entstand 2008 das Theaterstück Kidnappin' Chaplin von Martin Kolozs, das am 15. Juni desselben Jahres im Rahmen des 4. Tiroler Dramatikerfestivals in Österreich uraufgeführt wurde.

Eine Skulptur Chaplins, geschaffen von dem englischen Bildhauer John Doubleday, steht an der Seepromenade in Vevey, Genfersee.

Ein Spazierstock des Weltstars wurde bei einer Auktion von Filmrequisiten in London 2004 für 47.800 Pfund versteigert. Ein Schnurrbart zum Film Der große Diktator erzielte knapp 12.000 Pfund, ein weiterer rund 18.000 Pfund.[32]

Nach 66 Jahren Vergessenheit, in einem Filmarchiv in Bologna, tauchte eine Romanvorlage mit dem Titel "Footlights" von Chaplin auf.[33]

Der Stummfilmstar, der den Beginn der Tonfilmära lange ignorierte, war auch ein großer Filmkomponist. Heute hört man seine kurzen Stücke auch oft in Klassik-Konzerten.[34]

Einordnung[Bearbeiten]

Chaplin zählt mit Buster Keaton und Harold Lloyd zu den bekanntesten Komikern der Stummfilmzeit. Anders als Keaton, der betont trocken und unsentimental, in einigen Fällen zynisch spielt, inszenierte Chaplin gerne romantische Liebesgeschichten, bei denen die Frauen bewusst als idealisierte Sehnsuchtsobjekte in Szene gesetzt sind. Bei Keatons Filmen sind die Frauen dem männlichen Helden ebenbürtig. Anders als Chaplin setzt Keaton Pathos nur zur Parodie ein. Chaplin gehörte zu den Gründervätern der Traumfabrik und auch der Filmkomödie im Allgemeinen, aber er war sicher kein Hollywoodstar was ihm oft angedichtet wird. Denn Hollywood gab es noch gar nicht, während er schon ein Star war. Auch ist es nicht zutreffend, dass in seinen Filmen immer das „Gute im Menschen“ propagiert wurde. In seinem ganz Frühen gab es durchaus Brutalität und einen Charlie, der nicht der Nette war. In einem Film hat er einem Kind ganz unbedarft eine Schusswaffe gegeben. Er setzte Meilensteine in der Filmgeschichte, allein „The Kid“: Das war eine zuvor noch nicht da gewesene Verknüpfung von Filmkomödie und Sozialdrama.[35]

Romancier[Bearbeiten]

Nach 66 Jahren Dornröschenschlaf in einem Filmarchiv der Cineteca di Bologna, tauchte eine Romanvorlage mit dem Titel Footlights von ihm auf. Die Story um eine Tänzerin und einen Clown bildete später auch eine Grundlage für das Drehbuch von Limelight. Die Kinemathek erlangte schon im Vorfeld Berühmtheit durch das Chaplin-Projekt. Der Cineteca wurde die Aufgabe übertragen, das gesamte filmische Œuvre von Chaplin wiederherzustellen.

Der in eine arme Familie Geborene, war bereits als Jugendlicher mit Gesangsdarbietungen im Londoner Viertel Soho (London) aufgetreten, bevor er als Schauspieler auf Bühnen mit noch nicht elektrischer Bühnenbeleuchtung stand. Mit Beginn des zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden die Petroleum- und Gaslampen des Rampenlichts vielerorts durch Drummondsches Licht ergänzt oder ersetzt (englische Bezeichnung Limelight, häufig mit „Rampenlicht“ übersetzt). Chaplin nannte seinen Roman im Entwurf "Footlight", für althergebrachte, gleißend helle „Kalklichter“ - Fußlichter die unten und an einer Bühne zur Beleuchtung stehen.

Nach Angaben des Filmhistorikers David Robinson ließ sich der Filmschaffende für den Handlungsstrang durch eine "kurze, aber entscheidende Begegnung mit dem russischen Choreografen Vaslav Nijinsky im Jahr 1916" inspirieren. Laut der Kinemathek von Bologna erinnert der Schreibstil des Skripts an den Romanschreiber Charles Dickens, vor allem aufgrund der ausgefeilten Herausarbeitung der Roman-Charaktere. Die Kinemathek zählt zu den führenden Institutionen für Film-Rekonstruktionen weltweit. Ihr übergab die Familie des Verstorbenen seinen Nachlass. Darin fanden sich mehrere getippte Manuskriptversionen.[36] Das nun in Druck gegannene Werk ist mit Dokumenten und Fotos aus dem Nachlass des Künstlers illustriert.[37]

Preise, Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Deutschland: Briefmarke des Wohlfahrtsmarkensatzes 2001, „Internationale Filmschauspieler“
Stern auf dem Hollywood Walk of Fame
Filme in den Top 250 der IMDb[38]
Platz Film
34 Lichter der Großstadt
40 Moderne Zeiten
54 Der große Diktator
105 Der Vagabund und das Kind
131 Goldrausch
  • Chaplin war korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste der DDR.
  • Er wird, ohne Nennung einer Loge, häufig als Mitglied des Bundes der Freimaurer genannt,[41] allerdings ist dies stark umstritten.[42][43]
  • Er war in Los Angeles Mitglied der Loge 134 des Loyal Order of Moose.[44]

Filmografie[Bearbeiten]

Keystone[Bearbeiten]

  • 1914: Making a Living
  • 1914: Seifenkistenrennen in Venice (Kid Auto Races at Venice, Cal.)
  • 1914: Mabel’s Strange Predicament
  • 1914: A Thief Catcher
  • 1914: Between Showers
  • 1914: A Film Johnnie
  • 1914: Tango Tangles
  • 1914: His Favorite Pastime
  • 1914: Cruel, Cruel Love
  • 1914: The Star Boarder
  • 1914: Mabel at the Wheel
  • 1914: Twenty Minutes of Love
  • 1914: Caught in a Cabaret
  • 1914: Caught in the Rain
  • 1914: A Busy Day
  • 1914: The Fatal Mallet
  • 1914: Ihr Freund, der Bandit (Her Friend the Bandit)
  • 1914: The Knockout
  • 1914: Mabel’s Busy Day
  • 1914: Mabel’s Married Life
  • 1914: Laughing Gas
  • 1914: The Property Man
  • 1914: The Face on the Bar Room Floor
  • 1914: Recreation
  • 1914: Die Maskerade (The Masquerader)
  • 1914: His New Profession
  • 1914: The Rounders
  • 1914: The New Janitor
  • 1914: Those Love Pangs
  • 1914: Teig und Dynamit (Dough and Dynamite)
  • 1914: Gentlemen of Nerve
  • 1914: His Musical Career
  • 1914: His Trysting Place
  • 1914: Tillies gestörte Romanze (Tillie’s Punctured Romance)
  • 1914: Getting Acquainted
  • 1914: His Prehistoric Past

Essanay[Bearbeiten]

  • 1915: Charlie gegen alle (His New Job)
  • 1915: Eine verbummelte Nacht (A Night Out)
  • 1915: Der Champion (The Champion)
  • 1915: Im Park (In the Park)
  • 1915: Entführung (A Jitney Elopement)
  • 1915: Der Tramp (The Tramp)
  • 1915: An der See (By the Sea)
  • 1915: His Regeneration (Cameo-Auftritt)
  • 1915: Arbeit (Work)
  • 1915: Eine Frau (A Woman)
  • 1915: Die Bank (The Bank)
  • 1915: Gekidnappt (Shanghaied)
  • 1915: Eine Nacht im Variété (A Night in the Show)
  • 1916: Polizei (Police)
  • 1916: Burlesque on Carmen
  • 1918: Triple Trouble (zusammengeschnitten aus unfertigen Chaplin-Filmen)

Mutual[Bearbeiten]

First National[Bearbeiten]

United Artists[Bearbeiten]

Englische Produktionen[Bearbeiten]

  • 1957: Ein König in New York (A King in New York)
  • 1959: The Chaplin Revue (Zusammenschnitt aus Ein Hundeleben, Gewehr über! und Charlie Chaplin – Gehetzte Unschuld / Der Pilger)
  • 1967: Die Gräfin von Hongkong (A Countess from Hong Kong), Cameo-Auftritt

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • My Autobiography. Simon & Schuster, 1964.
    • Die Geschichte meines Lebens. S. Fischer, Frankfurt 1964; um einen Bildteil erweiterte Ausgabe: Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1998, ISBN 3-596-14061-7.
  • Die Wurzeln meiner Komik. In: Allgemeine unabhängige jüdische Wochenzeitung. Marx, Düsseldorf 3. März 1967. ISSN 0002-5941

Literatur[Bearbeiten]

  • John Bengtson: Silent Traces. Discovering Early Hollywood Through the Films of Charlie Chaplin. Santa Monica Press, Santa Monica, CA 2006, ISBN 1-59580-014-X (englisch).
  • Michael Comte (Hrsg.): Charlie Chaplin. Das Fotoalbum. Text Sam Stourdze. Steidl, Göttingen 2002, ISBN 3-88243-855-X.
  • Joe Hembus: Charlie Chaplin. Seine Filme, sein Leben. Heyne, München 1989, ISBN 3-453-86033-0.
  • Dorothee Kimmich (Hrsg.): Charlie Chaplin. Eine Ikone der Moderne. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-518-39952-7.
  • Simon Louvish: Chaplin: The Tramp’s Odyssey. Faber and Faber, London 2009, ISBN 978-0-571-23768-5.
  • Robert Payne: Der große Charlie. Eine Biographie des Clowns. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-518-38123-7.
  • David Robinson: Chaplin. Sein Leben, seine Kunst. Diogenes, Zürich 1993, ISBN 3-257-22571-7.
  • Johannes Schmitt: Charlie Chaplin. Eine dramaturgische Studie. Lit, Münster 2006, ISBN 3-8258-9317-0.
  • Karl Schnog: Charlie Chaplin – Filmgenie und Menschenfreund. Henschel, Berlin (Ost) 1960.
  • Christine Schramm: Die Komik der Chaplin-Filme AVM, Akademische Verlagsgemeinschaft, München 2012, ISBN 978-3-86924-247-7.
  • Sam Stourdze (Hrsg.): Chaplin in Pictures. NBC Editions, Paris, 2005, ISBN 2-913986-03-X.
  • Liliane Weissberg: Hannah Arendt, Charlie Chaplin und die verborgene jüdische Tradition. Grazer Universitätsverlag / Leykam, Graz 2009, ISBN 978-3-7011-0165-8 (= Vorlesungen des Centrums für Jüdische Studien, Band 1).
  • Stephen Weissman: Chaplin. A Life. Arcade Publishing, New York 2008, 978-1-61145-040-8 (englisch).
  • Charles Chaplin, David Robinson: Footlights with the world of limelight. (Pappbilderbuch), Cineteca di Bologna, 2014, ISBN 978-88-95862-82-8.

Filme über Charles Chaplin[Bearbeiten]

Theaterstücke[Bearbeiten]

Feature und Hörspiel[Bearbeiten]

  • Der Mann im Mond. Ein Radioballett mit Charlie Chaplin. Feature von Evelyn Dörr. Regie: Claudia Leist. WDR 2002.
  • Charlies Himmelfahrt. Kriminalhörspiel von Sabine Bohnen und Bernd Breitbach. Regie: Wolfgang Rindfleisch. Deutschlandradio Kultur 2005 (das Stück greift die Geschichte um die Grabschändung auf).

Dichtung[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Charlie Chaplin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias Gretschel: Die Geheimdienstakte Charlie Chaplin, Hamburger Abendblatt, 18. Februar 2012, abgerufen am 18. Februar 2012. Vergleiche auch KV 2/3700 im britischen Nationalarchiv
  2. American Film Institute's list of the 50 Greatest American Screen Legends (Version vom 16. Juli 2011 im Internet Archive)
  3. Charlie Chaplin. Der erste Weltstar des Films. Frankfurter Rundschau 2013
  4. G. Prause: Genies in der Schule. Legende und Wahrheit. Lit Verlag, Berlin 2007.
  5. Charles Chaplin. Universal-Lexikon 2012
  6. zitiert in: David Robinson: Chaplin. Sein Leben, seine Kunst. S. 114.
  7. David Robinson: Chaplin. Sein Leben, seine Kunst. S. 145.
  8. Charles Chaplin: Die Geschichte meines Lebens. S. 151.
  9. The Cinema, 1914. Zitiert in: Ted Okuda, David Maska: Charlie Chaplin at Keystone & Essanay: Dawn of the Tramp. iUniverse, Lincoln 2005, ISBN 0-595-36598-1, S. 21.
  10. Charles J. McGuirk: Chaplinitis. Motion Picture Magazine 9, Nr. 6 (Juli/August 1915), S. 87.
  11. fnp.de
  12. zum Beispiel in Kyp Harness: The Art of Charlie Chaplin: A Film-by-Film Analysis. McFarland, Jefferson 2008, ISBN 978-0-7864-3193-9, S. 58; Jeffrey Vance: Chaplin: Genius of the Cinema. Abrams, New York 2003, ISBN 0-8109-4532-0, S. 56.
  13. David Robinson: Chaplin. Sein Leben, seine Kunst. S. 214f.
  14. Charles Chaplin: My Autobiography. Simon & Schuster, 1964, S. 188.
  15. David Robinson: Chaplin. Sein Leben, seine Kunst. S. 315.
  16. Jack Spears: Hollywood: The Golden Era. Barnes, South Brunswick 1971, ISBN 0-498-07552-4, S. 235.
  17. Annette Langer: Interview mit Der Spiegel-TV-Autor Michael Kloft, Spiegel-Online
  18. Zuerst in Der Angriff, Goebbels' Zeitung, im März 1931 anläßlich von Chaplins Berlin-Besuch ab 9. März, u. a. bei Albert Einstein, wörtlich: jüdischer Filmaugust, online, Begleitmaterial, Wien 2010, S. 14; und in dem 1940 gedrehten antisemitischen Propagandafilm Der ewige Jude
  19. Chaplin dazu, Jahrzehnte später: "Ich habe nie versucht, es zu dementieren, aber ich bin es nicht. Alle großen Genies hatten jüdisches Blut in den Adern. Nein, ich bin kein Jude, aber ich habe bestimmt einen Tropfen davon in meinem Blut. Ich hoffe es wenigstens." Begleitmaterial Wien 2010, aaO S. 14.
  20. zit, nach Martin Krauss: Die Liebe zum Zelluloid. In Zs. Dschungel, Beilage zu jungle world, 32, 12. August 2010, S. 17.
  21. Chaplin kontra Hollywood. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 11. Dezember 1947, S. 4.
  22. Deutsches Filminstitut: Charles Spencer Chaplin – eine Chronologie
  23. abendblatt.de
  24. Timothy Garton Ash: Orwell's List. In: The New York Review of Books. Volume 50, Number 14, 25. September 2003.
  25. Philipp Bühler: Moderne Zeiten – Mann gegen Maschine. Der Fluter (Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung). 1. Dezember 2005.
  26. infranken.de
  27. www.eskimo.com/~recall/bleed/0919.htm
  28. wz-newsline.de
  29. schaepp.de – Bio- und Filmographie von Charlie Chaplin (Version vom 13. Februar 2008 im Internet Archive)
  30. tagesschau.de
  31. noz.de
  32. zisch.ch – Spazierstock von Charlie Chaplin für 106 000 Franken versteigert (Version vom 8. Januar 2006 im Internet Archive)
  33. dw.de
  34. mittelbayerische.de
  35. ruhrnachrichten.de
  36. spiegel.de
  37. derstandard.at
  38. Die Top 250 der IMDb (Stand: 15. April 2014)
  39. infranken.de
  40. programm.ard.de
  41. Lexikon: Freimaurer. spiegel.de, archiviert vom Original am 2. Februar 2011, abgerufen am 28. Juli 2012.
  42. Famous Non-Freemasons. Edward L. King, abgerufen am 5. August 2012.
  43. Keine Freimaurer sind. Dr. phil. Roland Müller, abgerufen am 5. August 2012.
  44. Famous Moose Members. Moose International, abgerufen am 10. Oktober 2012.
  45. Drehbühne berlin