Charles Léon Ungemach

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Charles Léon Ungemach, 1911

Charles Léon Ungemach (* 19. September 1844 in Straßburg; † 7. Januar 1928 ebenda) war ein elsässischer Industrieller und Landtagsabgeordneter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charles Léon Ungemach, der katholischer Konfession war, besuchte das Collège Saint-Arbogast und das Lycée impériale in Straßburg. Er heiratete Marie Élisabeth Himly (1856-1935). Seine Tochter Suzanne Élisabeth (1880-1974) heiratete den Unternehmer und späteren Lokalpolitiker Maurice Fernand Herrenschmidt. Eine andere Tochter, Jeanne, heiratete 1913 den späteren Präsidenten der evangelischen Kirche Robert Hoepffner. Sein Sohn Henri Léon Ungemach (1879-1936) wurde Ingenieur.

Er war Direktor der Ungemach A.S. elsässischen Konservenfabrik (Société Alsacienne d'Alimentation) in Straßburg. Das Unternehmen, das aus dem väterlichen Lebensmittelgeschäft entstanden war, war ein bedeutender Arbeitgeber in Straßburg. Für seine Arbeiter legte er 1923 als Arbeitersiedlung die Cité Jardin Ungemach in Straßburg an.[1]

Er war seit 1879 Mitglied der Handelskammer Straßburg und dort seit 1911 Vizepräsident. Nachdem er langjähriger Präsident der Warenbörse der Stadt gewesen war, wurde er deren Ehrenpräsident.

Politisch engagierte er sich seit 1904 als Gemeinderat in Straßburg. 1911 wurde er als Vertreter der Handelskammer Straßburg zum Mitglied der ersten Kammer des Landtags gewählt, der er von 1911 bis 1918 angehörte.

Gartenstadt (Cité-jardin) Ungemach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stele in der Cité-jardin Ungemach

Charles Léon Ungemach war ein Pionier in der betrieblichen Sozialpolitik. Für seine Mitarbeiter wurden Betriebsrestaurants, ein Krankenhaus und eine Bibliothek geschaffen und Sommerlager für die Kinder der Mitarbeiter angeboten. Um 1900 führte er eine Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter ein.

Nach dem Ersten Weltkrieg schuf er eine Stiftung, die eine Gartenstadt umsetzen sollte. Auf einer Fläche von 12 Hektar Land wurden Gärten und Arbeiterhäuser angelegt. Eine Stele in der Anlage zitiert einen Satz aus der Schenkungsurkunde vom 7. Januar 1920:

„La Fondation des jardins Ungemach est destinée à de jeunes ménages en bonne santé, désireux d'avoir des enfants et de les élever dans de bonnes conditions d'hygiène et de moralité. Léon Ungemach
deutsch: Die Siftung der Ungemach-Gärten soll dem Ziel dienen, dass hier junge Familien gesund aufwachsen, den Wunsch nach Kindern zu schaffen und das Niveau der hygienischen Bedingungen und der Moral zu heben. Léon Ungemach“

Stele in den Gärten

Die Arbeiterhäuser im Cité-jardin Ungemach wurden vom Architekten Sorg entworfen. 1950 fiel die Anlage gemäß den Statuten der Stiftung an die Stadt Straßburg.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rue Léon Ungemach in Schiltigheim ist nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Regierung und Landtag von Elsaß-Lothringen 1911–1916. Biographisch-statistisches Handbuch. Mülhausen 1911, S. 130
  • Denis Leypold: Eintrag UNGEMACH Charles Léon in: Christian Baechler: Nouveau dictionnaire de biographie alsacienne, Band 37, S. 3953 (franz.)
  • Georges Foessel: Eintrag Herrenschmidt, Maurice Fernand und Christian Wolff: Eintrag Hoepffner, Robert; in: Jean Marie Mayeur (Hrsg.): Dictionnaire du monde religieux dans la France contemporaine: L'Alsace, 1987, ISBN 978-2-7010-1141-7, Seite 200 und 208, online
  • Stéphane Jonas, « Les jardins d'Ungemach à Strasbourg : une cité-jardin d'origine nataliste (1823-1950) » in Paulette Girard et Bruno Fayolle Lussac (Hrsg.), Cités, cités-jardins, une histoire européenne (actes du colloque de Toulouse des 18 et 19 novembre 1993, organisé par le Groupe de recherches Production de la ville et patrimoine des Écoles d'architecture de Toulouse et Bordeaux), Éd. de la Maison des sciences de l'homme d'Aquitaine, Talence, 1996, ISBN 2-85892-215-2, S. 65 ff.
  • Bernard Vogler, Elizabeth Loeb-Darcagne et Christophe Hamm (phot.), « Un Éden urbain », in Strasbourg secret, Les Beaux Jours, Paris, 2008, S. 138

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Susanne Tschirner: DuMont direkt Straßburg, 2011 ISBN 978-3-7701-9604-3, Seite 70, online