Charles Laughton

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für den Politiker gleichen Namens siehe Charles E. Laughton.
Charles Laughton (1940), Fotografie: Carl van Vechten

Charles Laughton [ˈlɔtn] (* 1. Juli 1899 in Scarborough, England; † 15. Dezember 1962 in Hollywood, Kalifornien) war ein zunächst britischer, ab 1950 amerikanischer Schauspieler sowie Regisseur bei Theater und Film.

Charles Laughton gehörte jahrzehntelang zu den weltweit führenden Charakterdarstellern und wurde unter anderem mit dem Oscar als Bester Hauptdarsteller für Das Privatleben Heinrichs VIII. (1933) ausgezeichnet. Es folgten Hauptrollen in Filmklassikern wie Meuterei auf der Bounty, Der Glöckner von Notre Dame, Zeugin der Anklage und Spartacus. Laughtons einziger Film als Regisseur war Die Nacht des Jägers (1955), welcher damals an den Kinokassen floppte, heute aber bei vielen Filmkritikern als einer der besten Filme aller Zeiten gilt.

Leben[Bearbeiten]

Charles Laughton wurde als Sohn des Hotelier-Ehepaares Eliza (1869–1953) und Robert Laughton (1869–1924) in der englischen Grafschaft Yorkshire geboren. Er hatte einen kurzen Einsatz im Ersten Weltkrieg. Obwohl er zunächst bei seinen Eltern als Hotelier arbeitete, begann er sich schon früh für Schauspielerei zu interessieren und war Mitglied einer Gruppe von Amateurschauspielern. Nach seiner Ausbildung an der Royal Academy of Dramatic Art in London stand er erstmals 1926 professionell auf der Bühne im Londoner Barnes Theatre. Schnell konnte der junge Schauspieler mit seinen Auftritten in den Stücken The Cherry Orchard und The Three Sisters die Kritiker auf sich aufmerksam werden lassen. 1928 spielte er in dem Stück Alibi als erster Schauspieler die Rolle des Detektivs Hercule Poirot von Agatha Christie. Sein Filmdebüt gab er ebenfalls 1928 in Daydreams (nach H. G. Wells), in dem seine spätere Ehefrau Elsa Lanchester ebenfalls mitspielte. Beide sollten bis 1957 in insgesamt elf Filmen miteinander auftreten, zuletzt unter der Regie von Billy Wilder in Zeugin der Anklage, wo Lanchester die überfürsorgliche, nervende Pflegerin von Laughtons Figur spielte.

Seine erste Zusammenarbeit mit dem Regisseur Alexander Korda war Das Privatleben Heinrichs VIII. (1933). Für diese Rolle wurde er 1934 in Abwesenheit mit einem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Es folgten unter anderem Der Tyrann (1934), Meuterei auf der Bounty (1935) und Rembrandt (1936). Diese Filme etablierten den Charakterdarsteller als Filmstar, der schon im frühen Alter eine korpulente Gestalt hatte und häufig Rollen spielte, die deutlich älter als er selbst waren. 1935 erhielt er den New York Film Critics Circle Award für seine Leistungen als britischer Kapitän Bligh im Abenteuerfilm Meuterei auf der Bounty und als Butler Ruggles in der Komödie Ein Butler in Amerika. 1936 wurde er für seine Leistung als Antagonist in Meuterei auf der Bounty für den Oscar als „Bester Hauptdarsteller“ nominiert. Die Rolle des Mr. Micawber in der MGM-Produktion von Charles DickensDavid Copperfield (1935) gab er jedoch nach einigen Drehtagen an den Komiker W. C. Fields ab, weil er sich für nicht komisch genug hielt. Er gründete 1937 mit dem ehemaligen UFA-Chef Erich Pommer seine eigene Filmgesellschaft, die Mayflower Pictures Corporation. Diese hatte jedoch nur kurzzeitig Bestand.

In William Dieterles Film Der Glöckner von Notre Dame (1939) nach Victor Hugo lieferte er die – nach breitem Kritikerkonsens – bislang beste Darstellung des Glöckners. Der Film kam unter der Auflage in die Kinos, dass kein Plakat und Aushangbild die Maske von Laughton zeigen durfte. Es folgten unter anderem der Thriller Unter Verdacht (1944), in dem er als langleidender Ehemann seine Frau ermordet, und Das Gespenst von Canterville (1944), wo er die Titelrolle übernahm. Mit Alfred Hitchcock arbeitete Laughton zweimal zusammen, wenngleich bei Riff-Piraten (1939) und Der Fall Paradin (1947), zwei eher weniger erfolgreichen Werken des Regisseurs. In beiden Hitchcock-Filmen spielte er jeweils einen Richter, wobei der Richter aus Riff-Piraten allerdings mit den Kriminellen gemeinsame Sache macht. Weitere Auftritte hatte Laughton als Nationalsozialist in der Remarque-Verfilmung Triumphbogen (1948), als freundlicher Witwer in Das Herz einer Mutter (1951) sowie eine Wiederholung seiner Paraderolle als König Heinrich VIII. in Die Thronfolgerin (1953).

Trotz seiner Filmerfolge war Laughton immer noch regelmäßig als Theaterschauspieler zu sehen, wobei er meist zwischen dem Londoner West End und dem amerikanischen Broadway pendelte. So arbeitete er 1947 am Broadway gemeinsam mit Bertolt Brecht bei dessen Stück Galileo, das vom Leben des Galileo Galilei handelt. Ende der 1940er-Jahre machte er eine höchst erfolgreiche Lesereise durch Amerika mit dem Produzenten Paul Gregory. In den 1950er-Jahren inszenierte Laughton als Theaterregisseur für Gregory mehrere erfolgreiche Stücke, so auch 1954 die Uraufführung des Dramas The Caine Mutiny Court-Martial, das auf dem gleichnamigen Bestseller Die Caine war ihr Schicksal von Herman Wouk basierte. 1955 drehte Laughton als Regisseur – erneut unter Gregorys Produktion – die Literaturverfilmung Die Nacht des Jägers mit Robert Mitchum als psychopatischem Mörder. Es wurde der einzige Film, bei dem Laughton Regie führte. Seinerzeit ein Misserfolg, wurde der Thriller erst Jahre nach Laughtons Tod von Filmliebhabern und -kritikern wiederentdeckt. Er gilt heute als stilistisch einzigartiges Meisterwerk. Das französische Filmmagazin Cahiers du cinéma listete Die Nacht des Jägers 2008 hinter Orson Welles' Citizen Kane auf dem zweiten Platz der besten Filme aller Zeiten.

1958 wurde er für seine Hauptrolle in Zeugin der Anklage für den Oscar als „Bester Hauptdarsteller“ nominiert. Das Gerichtsdrama zählt unter Kritikern zu den besten Gerichtsdramen der Filmgeschichte. Die schauspielerische Leistung Laughtons als erfahrener, trickreicher Staranwalt mit gesundheitlichen Problemen empfand Regisseur Billy Wilder als so herausragend, dass er sagte, er würde „den Film gerne ein zweites Mal drehen, und dabei sämtliche Rollen ausschließlich mit Laughton besetzen“. Dieser Meinung schlossen sich viele Filmkritiker an, die Laughton als einen brillanten Charakterdarsteller sahen. Noch Jahrzehnte nach seinem Tod zitierte Schauspieler Daniel Day-Lewis Laughton als einen großen Einfluss auf ihn: „Er war vielleicht der großartigste Filmschauspieler seiner Generation. Er hatte etwas Bemerkenswertes an sich. In seiner Großzügigkeit als Schauspieler fütterte er sich geradezu in seine Arbeit. Als Schauspieler kannst du deine Augen nicht von ihm lassen.“[1] Seine letzten Filmrollen spielte Laughton in Spartacus (1960) unter Regie von Stanley Kubrick als Volkstribun Sempronius Gracchus sowie als alter und erfahrener US-Senator im Politikdrama Sturm über Washington (1962) von Otto Preminger.

In den in Deutschland erschienenen Filmen wurde Laughton synchronisiert von O. E. Hasse, Paul Dahlke, Bum Krüger, Alexander Golling, Josef Dahmen, Kurt Seifert, Leonard Steckel und Eduard Wandrey.

Privatleben[Bearbeiten]

Laughton war von 1929 bis zu seinem Tod 1962 mit der britisch-amerikanischen Schauspielerin Elsa Lanchester verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Im Jahr 1950 nahm der Brite Laughton die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Kurz vor seinem Tod stand er noch in Verhandlungen mit Billy Wilder. Der Regisseur plante, ihn für die Rolle des Moustache in seinem neuen Film Das Mädchen Irma la Douce zu besetzen. Laughton wollte die Rolle spielen, aber Wilder musste bei seinem letzten Besuch erkennen, dass sein Freund schon sehr krank war. Wilder schilderte in seinen Erinnerungen eindrücklich, wie Laughton versucht habe, seine Krebserkrankung zu verbergen. Kurz nach Wilders Besuch starb Laughton im Alter von 63 Jahren.

Charles Laughton wurde auf dem Forest-Lawn-Friedhof in Hollywood beigesetzt.

Filmografie[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Academy Awards (Oscars)[Bearbeiten]

Weitere Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Missler: Charles Laughton. Seine Filme – sein Leben. Heyne, München 1990, ISBN 3-453-00119-2.
  • James Todey: Charles Laughton – ein Portrait aus vier Jahrzehnten. Fischer Cinema, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-596-23680-0.
  • Elsa Lanchester: Elsa Lanchester. Herself. St. Martin’s Press, New York 1983, ISBN 0-312-24377-4.
  • Marc Hairapetian: Der Überfluß des Lebens. Zum 100. Geburtstag von Charles Laughton. In: film-dienst. 52. Jahrgang Nr. 14/1999, S. 13–15, ISSN 0720-0781.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit Daniel Day-Lewis (2005)