Charles Schumann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schumann’s Logo

Charles Schumann, eigentlich Karl Georg Schuhmann, (* 15. September 1941 in Kirchenthumbach, Oberpfalz) ist Barkeeper und Betreiber einer der bekanntesten Bars Deutschlands, des Münchener Schumann’s. Bekannt wurde er zudem durch mehrere Barbücher, seine Tätigkeit als Model für das Modelabel Baldessarini[1] und zahlreiche weitere Werbe-Engagements, unter anderem für Bürostühle (Wagner),[2] Parfüm (Boss)[3] und Campari.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charles Schumann beim Boxtraining, München (1994)

Schumann stammt aus einer streng katholischen Familie, der Vater war Landwirt. Er besuchte ein bischöfliches Gymnasium in Regensburg, das Priesterseminar nennt er rückblickend „eine böse, dunkle Zeit“,[4] brach mit 17 ab und blieb, um Geld zu verdienen, danach sechs Jahre lang beim Bundesgrenzschutz. Nach einer Ausbildung zum Konsulatssekretär beim Auswärtigen Amt in Bonn besuchte er eine Hotelfachschule in der Schweiz, jobbte unter anderem in einer Hühnerbraterei an der Adria, in einer Diskothek in München und tagsüber als Koch. 1971 ging er nach Südfrankreich, wo er bis 1973 in verschiedenen Diskotheken und Nachtlokalen arbeitete. Dort bekam er den Spitznamen „Charles“. Unter anderem war Schumann Personalchef einer Zweigstelle der Münchener Diskothek Tiffany's in Montpellier und leitete schließlich einen Stripteaseclub an der spanischen Grenze. Im Sommer 1973 ging er zurück nach München, holte das Abitur nach und schrieb sich an der Universität für Politik und Publizistik ein. In München arbeitete er zunächst als angestellter Barkeeper in der 1974 eröffneten Harry's New York Bar[5] und eröffnete schließlich 1982 in der Maximilianstraße 36 „Schumann’s American Bar“.[6] Vorher hieß das Lokal Die Kanne.

Rückbuffet („Backbar“) im Schumann’s am Odeonsplatz

Das Schumann’s erlangte schnell große Popularität und entwickelte sich nicht nur zur Stammbar für Autoren, Journalisten und Künstler, sondern auch zum Treffpunkt der Münchener Schickeria. Unterstützt wurde die Popularität durch den logoartigen Schriftzug „Schumann’s“ und mehrere Bücher, die Schumann in den folgenden Jahren veröffentlichte. Er schrieb sie nur teilweise selbst; viele Beiträge sind Kurzgeschichten und Episoden anderer Autoren, die zum Thema „Bar“ passen. 1991 erschien American Bar. Das von Günter Mattei illustrierte Barbuch erlebte 20 Auflagen, wurde in mehrere Sprachen übersetzt und nach Angaben des Verlags 300.000 mal verkauft, bis Ende 2011 mit Schumann's Bar eine überarbeitete Neuausgabe erschien. 2001 eröffnete Schumann eine Tagesbar an der Maffeistraße.

2003 zog das Schumann’s in die heutigen, größeren Räume am Odeonsplatz 6 + 7; dort entwickelte sich die Bar zunehmend zur Restaurant-Bar. In Zusammenarbeit mit Villeroy & Boch und Zwiesel Kristallglas (2010) entwickelte Schumann zwei Serien von Bargläsern, die auch in seiner eigenen Bar verwendet wurden. 2013 eröffnete Schumann über dem Schumann’s eine weitere Bar, das Fleur du Mal.[7]

Cocktails von Charles Schumann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Cocktails gehen auf Charles Schumann zurück oder sind in seiner Bar entstanden. Zu den bekanntesten gehören die Colada-Varianten Swimmingpool und Flying Kangaroo, der an den Klassiker French 75 angelehnte Champagner-Drink French 68 sowie die Rum-Cocktails Leichtmatrose, Schwermatrose und Tiefseetaucher. Schumann selbst bezeichnete sich in einem Interview eher als Pur-Trinker und bevorzugt, wenn überhaupt, einfache klassische Drinks aus wenigen Komponenten.[1] Er bediente noch 2014 regelmäßig in seiner Bar.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (Hrsg.): Schumann's Barbuch: Drinks & Stories. Heyne, München 1984 (2. Auflage), ISBN 3-453-36004-4.
  • American Bar: the artistry of mixing drinks (Text deutsch). 1. Auflage. Collection Rolf Heyne, München 1991, ISBN 3-453-04368-5.
  • Für alle Fälle: Brecht. Bd. 2.: Rausch, ausgewählt von Charles Schumann. 1. Auflage. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-518-46067-2 (Auswahl aus Bertolt Brecht).
  • Nachfolger von American Bar: Schumann's Bar. Collection Rolf Heyne, München 2011, ISBN 978-3-89910-416-5

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Mattei (Hrsg.): Schumann's Maximilianstraße 36. Stories, Drinks, Recipes. Collection Rolf Heyne, München 2003, ISBN 3-89910-211-8. Sammelband rund um die Schumann's Bar und ihren Betreiber mit Aufsätzen, Interviews und Anekdoten von zahlreichen Gastautoren.
  • Charles Schumann, Hommage an einen Chef. Ein literarisches Gästebuch, Schirmer/Mosel, München 2011, ISBN 978-3-8296-0566-3.
  • Moritz von Uslar: Der alte Mann und die Bar am Meer. In: ZEITmagazin Nr. 38 vom 15. September 2011, S. 20–27. Online auf www.zeit.de, abgerufen am 28. September 2011. Hommage an Charles Schumann anlässlich seines 70. Geburtstages.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Star Keeper, GQ-Magazin (online) vom 20. November 2007 (16. Februar 2009)
  2. Geschüttelt und gerührt (Memento vom 21. Februar 2009 im Internet Archive) Pressemeldung der Topstar GmbH vom 24. Oktober 2008 im Internet Archive, vgl. Charles Schumann erhält attraktive Unterstützung im neuen TV-Spot von Wagner (Memento vom 2. Dezember 2013 im Internet Archive).
  3. Caroline Hamann: Finden Sie sich schön, Herr Schumann? Welt am Sonntag, 14. Januar 2001, abgerufen am 15. September 2011.
  4. Moritz von Uslar, S. 23.
  5. Seit 1993 fortgeführt als Pusser's Bar, siehe Bartradition (Website der Pusser's Bar), abgerufen am 9. Februar 2012.
  6. Wie wird man eigentlich Barbesitzer, Charles Schumann?. In: FAZ Hochschulanzeiger. 2005.
  7. Philipp Crone: Schumann schlägt zurück. In: sueddeutsche.de. 18. Oktober 2013, abgerufen am 22. Mai 2017.