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Charles Wilkes

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Charles Wilkes Charles Wilkes Unterschrift
Charles Wilkes als Leiter der United States Exploring Expedition
Admiral-Charles-Wilkes-Gedenktafel im United States National Arboretum

Charles Wilkes (* 3. April 1798 in New York City; † 8. Februar 1877 in Washington, D.C.) war ein US-amerikanischer Konteradmiral und Polarforscher. Er führte die United States Exploring Expedition zur Erforschung der Antarktis. Bekannt wurde er durch die Trent-Affäre, bei der er beinahe den britischen Kriegseintritt in den Amerikanischen Bürgerkrieg ausgelöst hätte.

Leben und Wirken

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Wilkes trat 1818 als in die United States Navy ein und wurde 1826 Leutnant. In den 1820er Jahren war er Mitglied des Columbian Institute for the Promotion of Arts and Sciences.

United States Exploring Expedition

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Wilkes leitete von 1838 bis 1842 die United States Exploring Expedition oder Wilkes Expedition. Diese sollte weite Teile des Pazifischen Ozean und die Antarktis (das „unbekannte Land im Süden“) erforschen. Dabei erkannte Wilkes die Antarktis als selbständigen Kontinent. Das von ihm entdeckte, 2.600.000 Quadratkilometer große Gebiet wurde Wilkesland genannt. 1840 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Wilkes war als Leiter dieser Expedition nicht unumstritten. Zu Beginn der Reise bekleidete er den Rang eines Leutnants, ernannte sich jedoch eigenmächtig selbst zum Kapitän und Kommodore. Nachdem er sich während der Seereise als despotischer Offizier aufgeführt und auf den heute zu Fidschi gehörenden Mamanuca-Inseln ein Massaker unter der einheimischen Bevölkerung angeordnet hatte, wurde er nach seiner Rückkehr vor ein Kriegsgericht gestellt, welches diese Vorfälle untersuchte. Er wurde in den meisten Anklagepunkten freigesprochen, nur seine Bestrafungsmethoden innerhalb der Mannschaft wurden ihm zur Last gelegt. Daher wurde er für einige Zeit zur Küstenwache versetzt. Aber schon bald hatte er mit der Ausarbeitung der Expeditionsberichte zu tun, was ihn von 1844 bis 1861 beschäftigte.

Wilkes wurde 1843 zum Commander und 1855 zum Captain befördert.

Bei Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs wurde ihm das Kommando über die Dampffregatte USS San Jacinto übertragen, mit dem Auftrag, den konföderierten Blockadebrecher CSS Sumter zu suchen.

Am 8. November 1861 überfiel Wilkes mit der San Jacinto in internationalem Gewässer den britischen Postdampfer Trent, der sich auf dem Weg von Havanna nach England befand. Von seinen Spionen hatte er erfahren, dass sich zwei Abgesandte der Südstaaten auf diesem Schiff befanden. Es handelte sich um James Murray Mason und John Slidell, zwei konföderierte Politiker, die für den Fall einer Anerkennung der Konföderierten durch Großbritannien und Frankreich als Botschafter in London und Paris vorgesehen waren. Wilkes ließ die zwei Abgesandte verhaften und mit der USS San Jacinto nach Monroe bringen. Das Postschiff konnte seine Fahrt fortsetzen. Vom Amerikanischen Kongress wurde er zunächst für dieses Vorgehen gelobt. Präsident Abraham Lincoln distanzierte sich jedoch aufgrund der daraus entstandenen politischen Verwirrungen. Der Vorfall hätte beinahe dazu geführt, dass mehrere europäische Mächte, u. a. Großbritannien, auf Seiten der Konföderierten in den amerikanischen Bürgerkrieg eingegriffen hätten (siehe dazu Trent-Affäre).

Nach seiner Beförderung zum Commodore am 16. Juli 1862 wurde er zur Verfolgung von Blockadebrechern Kommandant des Westindien-Geschwaders.

Am 25. Juli 1866 wurde er zum Konteradmiral im Ruhestand befördert.

Als Quelle für Details des Romans Moby-Dick von Herman Melville wird der Bericht der United States Exploring Expedition genannt. Von den 100 Exemplaren der offiziellen Narrative of the United States Exploring Expedition[1] besorgte sich auch Melville ein Exemplar. Literaturwissenschaftlern zufolge sind in seinem Werk immer wieder Einflüsse aus diesem Expeditionsbericht zu entdecken. So soll beispielsweise die Beschreibung Queequegs von der Abbildung eines tätowierten Maorihäuptlings im zweiten Band der Narratives inspiriert sein. Es wird auch vermutet, dass Charles Wilkes als Vorbild für die tragische Figur Kapitän Ahabs diente.[2]

Nach Wilkes sind das Wilkesland und Wilkes-Station in der Antarktis benannt.

  • Nathaniel Philbrick: Sea of Glory: America’s Voyage of Discovery. The U.S. Exploring Expedition, 1838–1842. Viking, New York City, USA 2003, ISBN 0-670-03231-X.
    • deutsch von Enrico Heinemann und Andrea Kann: Dämonen der See. Die dramatische Expedition zur Erschließung des Pazifik und der Antarktis (1838–1842). Blessing, München 2004, ISBN 3-89667-182-0.
Commons: Charles Wilkes – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. United States Exploring Expedition, 1838-1842. In: sil.si.edu. Abgerufen am 9. Februar 2015.
  2. Nach Nathaniel Philbrick: Dämonen der See, Blessing, München 2004, ISBN 978-3-89667-182-0.