Charlotte Selver

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Charlotte Selver, geb. Wittgenstein (* 4. April 1901 in Ruhrort (Duisburg); † 22. August 2003 in Muir Beach in Kalifornien) war eine deutsche Pädagogin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1920er Jahren begegnete Charlotte Selver in Berlin Elsa Gindler, die in ihren Kursen zusammen mit ihren Studenten erforschte, wie die natürlichen Anlagen des Menschen auch im Erwachsenenalter entfaltet werden können. Bis zu ihrer erzwungenen Emigration nach New York 1938 studierte sie mit Elsa Gindler und dem Musikpädagogen Heinrich Jacoby und baute den Kontakt in den 1950ern wieder auf.

1971 wurde die «Sensory Awareness Foundation» ins Leben gerufen, eine Stiftung, deren Ziel die Erhaltung und Dokumentation von Charlotte Selvers Lebenswerk ist. 1995 verlieh ihr das California Institute of Integral Studies in San Francisco den Ehrendoktortitel.

Charlotte Selver ist am 22. August 2003 im Alter von 102 Jahren in ihrem Heim in Muir Beach in Kalifornien im Kreis ihrer engsten Freunde und Schüler gestorben.

Sensory Awareness[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sensory Awareness geht zurück auf die Arbeit der Gymnastik- und Bewegungslehrerin Elsa Gindler (1885–1961) und des Schweizer Musikpädagogen Heinrich Jacoby (1889–1964). Diese gaben ihrer ‚Arbeit‘ nie einen formellen Namen. Die grundlegende Zielsetzung des Jacoby/Gindler’schen Ansatzes ist die Entfaltung des Menschen durch bewusstes Spüren (ganzheitliche Entfaltung als Entwicklung und Wachstum zu sinngebendem Sein). Charlotte Selver war in Berlin Gindlers Schülerin, bevor sie 1938 in die USA emigrierte und dort diese Arbeit unter dem Namen Sensory Awareness einführte.

Einflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angelpunkt der Arbeit von Charlotte Selver ist das «Erfahren durch die Sinne». Selver war davon überzeugt, dass das Wohlbefinden des Individuums, der Gesellschaft als Ganzes sowie auch die Sorge um unsere Umwelt davon abhängen, inwieweit wir zu einem neuen Vertrauen in organische Prozesse finden.

In den frühen 50er Jahren unterrichtete sie Studenten an der New School for Social Research. Im Jahre 1957 war sie Referentin der Konferenz Zen Buddhismus und Psychoanalyse gemeinsam mit Erich Fromm, Richard DeMartino und Daisetzu Suzukiin Mexiko. Gemeinsam mit Alan Watts gab sie Workshops zu Zen und Sensory Awareness.

Mit ihrer Arbeit „Sensory Awareness“ übte Charlotte Selver einen entscheidenden Einfluss auf das „Human Potential Movement“, das auch vom Esalen-Institut ausging, wo sie ab 1963 lehrte. Damit übte sie auch Einfluss auf die Humanistische Psychologie und die darauf basierenden Therapien aus.

Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten gehörten zu ihren Schülern, wie beispielsweise Erich Fromm, Alan Watts und Daisetz Teitaro Suzuki, Karl Rogers, Ida Rolf und Moshé Feldenkrais und Fritz Perls.[1] Auch Wilhelm Reich erforschte diese Arbeit am ganzen Menschen in seinen prägenden Jahren.[2] Seit 1966 war auch Carter Seymour ihr Schüler. Er blieb ihr Schüler bis zu ihrem Tod im Jahre 2003.[3]

Charlotte Selvers beeinflusste Menschen verschiedener Berufsgruppen. Obwohl sie selbst keine Psychologin war, beeinflusste ihre Arbeit die Psychotherapie stark. Ärzte, Psychologen und Psychiater (u.a. Goerge Downing) lernten ihre Arbeit kennen und gaben das Wissen an die eigenen Klienten weiter.[4]

Aspekte ihrer Arbeit, insbesondere seinen Körper bewusst zu spüren und Körperempfindungen nachzugehen (Sensory Awareness), flossen in viele der heute existierenden Methoden der Körperarbeit, Körpertherapie, Körperpsychotherapie und Psychotherapie ein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charles Brooks: Erleben durch die Sinne. DTV, München 1991, ISBN 3-423-15085-8.
  • William C. Littlewood, Mary Alice Roche: Waking Up. The Work of Charlotte Selver. Autor House, Bloomington 2004, ISBN 1418493759
  • Charlotte Selver: Every moment is a moment In: Deutsches Yoga-Forum, 3/2005
  • Sensory Awareness - zur Arbeitsweise von Charlotte Selver In: Feldenkrais Forum, 4/2005

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Charlotte Selver auf sensory-awareness.eu, abgerufen am 10. Juli 2017
  2. Wilhelm Reich auf judythweaver.com, abgerufen am 20. Juli 2017
  3. Carter Seymour auf centerforpersonalgrowth.typepad.com, abgerufen am 20. Juli 2017 (englisch)
  4. Über die Arbeit Goerge Downing auf www.vit-downing.com, abgerufen am 20. Juli 2017 (englisch)