Charrúa

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Dieser Artikel beschreibt eine indigene Ethnie aus Uruguay namens Charrúas. Las Charrúas ist zudem ein Ort in der argentinischen Provinz Entre Ríos. Zum uruguayisch-deutschen Musik- und Tanzpädagogen siehe José Posada-Charrúa.
Charrúa-Krieger (Jean-Baptiste Debret)

Die Charrúa gehörten zu den indigenen Völkern Südamerikas, die vor allem in den Grenzen des heutigen Uruguay, sowie zudem im nordöstlichen Argentinien und dem südlichen Brasilien lebten. Sie waren nomadische Jäger und Sammler (Großwild, Vegetabilien, Fischfang), die in Zelten lebten. Schon seit Beginn der Conquista im 16. Jahrhundert machten sie sich die verwilderten Pferde und Rinder der Spanier – Cimarrones – zu Nutze und entwickelten sich zu gefürchteten Reiterkriegern. Lebten sie vorher unter ständigem Druck der Guarani – die an den Küsten Uruguays und den großen Flüssen lebten – so wendete sich dies nun zu ihren Gunsten.[1][2][3] Im 19. Jahrhundert wurde das Volk ausgerottet.

Allgemeine Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird geschätzt, dass die fruchtbaren Gebiete des heutigen Uruguay seit etwa 7000 v. Chr. durch Menschen besiedelt wurden, die nomadisch in kleinen Gruppen lebten. Die Besiedelung war jedoch aufgrund der klimatischen Verhältnisse sehr dünn.

Geschichte der Charrúas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Volk, welches sich als solches später herauskristallisierte, waren die Charrúa. Erste Spuren wurden jedoch nur von einer später fortgeschritteneren Kultur gefunden, die neben der Fischerei bereits (in geringem Maße) Landwirtschaft betrieb und auch Keramik kannte. Da die Schrift bei diesem Volk unbekannt war, ist von den Charrúas heute so gut wie nichts bekannt. Bei der Ankunft der Europäer waren die Charrúas ein kleines, von den Guaraní bedrohtes Volk. Die Charrúas wehrten sich heftig gegen die eindringenden Spanier, sodass der Entdecker und seine Mannschaft im gleichen Jahr von dem einheimischen Indianerstamm getötet wurden.

Vermutlich lernten die Charrúas bereits Ende des 16. Jahrhunderts das Reiten und wurden zu einer gefürchteten südamerikanischen Reiterkultur. Insbesondere die Kombination ihrer „Schleuderkugeln“ – der Bolas – mit der Reiterei erwies sich als ausgesprochen wirkungsvoll bei der Jagd auf die „Cimarrones“ und bei der Verteidigung.[4][5][6]

Spätestens im Laufe des 19. Jahrhunderts verschwanden die Charrúas vollständig, bedingt durch die jahrhundertelange Verfolgung durch die Europäer. 1831 ereignete sich das Massaker von Salsipuedes, bei dem 40 Charrúas getötet und 300 gefangen genommen wurden. Die Spanier haben drei Charrúas auf die Iberische Halbinsel überführt und mumifiziert. Heute können diese Mumien in einem spanischen Museum besichtigt werden.

Am 21. Juli 2002 wurde das Skelett des letzten Häuptlings des Eingeborenenstammes der Charrúas, Vaimacá Pirú, von Paris nach Montevideo rücküberführt. Es war 169 Jahre lang im Pariser Musée de l’Homme ausgestellt. Der Häuptling war 1833 von einem Unternehmer als „Ausstellungsobjekt“ nach Frankreich verschleppt worden – zusammen mit drei seiner Untertanen, darunter eine schwangere Frau, die in Paris eine Tochter zur Welt brachte. Zwei der vier Indios starben in einem „Anthropologischen Garten“, weil sie die Nahrungsaufnahme verweigerten. Die anderen „Attraktionen“ verkaufte der Unternehmer an einen Zirkus.

Charrúas heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heute lebenden Nachfahren der Charrúas sind komplett in den anderen Völkern der Pampas-Indianer und der Euroamerikaner aufgegangen (Mestizen). Neben La celeste (dt.: „Die Himmelblaue“) ist „Charrúas“ ein häufig benutzter Spitzname für die uruguayische Fußballnationalmannschaft.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Waldemar Stöhr: Lexikon der Völker und Kulturen. Bd. 1, Westermann, Braunschweig 1972, ISBN 3-499-16158-3. S. 81.
  2. Paideuma: Mitteilungen zur Kulturkunde, Band 8. 1962. S. 99.
  3. Uruguay – From pre-columbian times to the conquest. In countrystudies.us, U.S. Library of Congress, abgerufen am 26. Januar 2016
  4. Jan Onofrio: Dictionary of Indian Tribes of the Americas, Band 1. American Indian Publishers, Newport Beach (USA) 1993, ISBN 0-937862-28-2, S. 335.
  5. Angelika Kitzmantel: Die Jesuitenmissionare Martin Dobrizhoffer und Florian Paucke und ihre Beiträge zur Ethnographie des Gran Chaco im 18. Jahrhundert. (pdf-Version), Wien 2004. S. 34.
  6. Hartmut Motz: Sprachen und Völker der Erde – Linguistisch-ethnographisches Lexikon. 1. Auflage, Band 1, Projekte-Verlag Cornelius, Halle 2007, ISBN 978-3-86634-368-9, S. 213–214.