ChatGPT

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ChatGPT (Generative Pre-trained Transformer)[1] ist der Prototyp eines Chatbots, also eines textbasierten Dialogsystems als Benutzerschnittstelle, der auf maschinellem Lernen beruht. Den Chatbot entwickelte das US-amerikanische Unternehmen OpenAI, das ihn im November 2022 veröffentlichte.

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Chatbot wurde mithilfe zweier Arten des sogenannten bestärkenden Lernens trainiert: RLHF (Reinforcement Learning from Human Feedback[2][3]) und PPO (Proximal Policy Optimization[4][5]). Er nutzt zur Textein- und -ausgabe das Sprachmodell GPT-3.5 (GPT steht für Generative Pre-trained Transformer), eine verbesserte Version von GPT-3, die ebenfalls von OpenAI stammt. GPT basiert auf Transformern, ein von Google Brain vorgestelltes Maschinenlernmodell.

Aufgrund ihrer Erfahrungen bei der Entwicklung von GPT und Codex wurde ChatGPT mit Schutzmechanismen versehen, mit denen falsche oder schädliche Antworten vermieden werden sollen. Dennoch wird auf der Website darauf hingewiesen, dass es sich bei der aktuellen Version um eine öffentlich zugängliche Forschungsvorschau handelt und der Chatbot gelegentlich inkorrekte Informationen generieren kann.[6]

Die Trainingsdaten von ChatGPT bestehen aus einer großen Menge von Text, der von Menschen erstellt wurde und verwendet wird, um das Modell zu trainieren. Dieser Text kann aus verschiedenen Quellen stammen, beispielsweise aus Online-Foren, sozialen Medien, Zeitungsartikeln, Büchern und gesprochener Sprache.

Durch das Training des Modells mit diesen Daten lernt es, menschliche Antworten möglichst genau nachzuahmen.[7]

Im anfänglichen Training des Chatbots bevorzugten Tester längere Antworten, unabhängig von tatsächlichem Verständnis oder Inhalt, was zu langen Antworten des Chatbots geführt hat.[8]

Anwendungsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Screenshot eines Dialogs mit ChatGPT

Als sprachbasierte Anwendung bietet ChatGPT die Möglichkeit zu dialogischem Austausch. Dabei schwankt die Qualität der Antworten: Laut dem Experten für KI Gary Marcus kann es sich „in einem Moment brillant und im nächsten atemberaubend dumm“ äußern.[9] ChatGPT kann unter anderem Texte schreiben, die Business-Pläne oder Hausaufgaben für die Schule imitieren sollen.[10]

ChatGPT kann Programmcode in verschiedenen Programmiersprachen analysieren und schreiben. Somit könnte es auch für das Debuggen von Code genutzt werden, den es verbessern und kommentieren kann.[11]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem ChatGPT am 30. November 2022 für die Öffentlichkeit frei zugänglich geworden war, meldeten sich innerhalb von fünf Tagen eine Million Nutzer an; verglichen damit hatte Instagram erst nach zweieinhalb Monaten und Spotify erst nach fünf Monaten eine Million Nutzer.[12]

Mit Updates vom 15. Dezember 2022 und 9. Januar 2023 sollen laut Herstellerangaben die Themenbereiche erweitert und die Faktizität bzw. Sachlichkeit (factuality) verbessert worden sein.[13]

Am 10. Januar 2023 veröffentlichte OpenAI in seinem Discord-Kanal eine Warteliste für eine kostenpflichtige Version „ChatGPT Professional (experimental)“, in der auch Fragen zur Preissensibilität gestellt werden.[14][15]

Im Vergleich zum Vorgänger InstructGPT versucht ChatGPT, schädliche und irreführende Antworten zu vermeiden. Während InstructGPT noch die Vorgabe in der Anfrage „Erzähle mir davon, wie Christoph Kolumbus 2015 in die USA kam“ als wahr wertet, nutzt ChatGPT Wissen über Kolumbusʼ Reisen und das bis zum Jahre 2021 erlernte Verständnis, um eine Antwort zu liefern, die annimmt, was geschähe, wenn Kolumbus 2015 in den USA landen würde.[8]

Kritik und Probleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete Anfang Dezember 2022 ChatGPTs Veröffentlichung als „bedenklich“, da viele Internetnutzer dessen Antworten nicht hinterfragten und wegen fehlender Quellenangaben auch nicht in der Lage seien, sie auf Korrektheit zu prüfen.[16]

Der Kolumnist Sascha Lobo hält mit Stand Anfang Dezember 2022 ChatGPT für einen Durchbruch und befürchtet, dass es eine Flut an schwer erkennbarem „KI-Quatsch“ im Internet auslösen werde. Lobos Demonstrationsbeispiel beruht wegen einer aktuell noch bestehenden Längenbegrenzung der Antwort auf einer dreiteiligen Anfrage. Sie sei auf Englisch gestellt worden, weil ChatGPT englischsprachig bislang besser funktioniere, und die Antwort sei – ebenfalls durch eine KI-Software – ins Deutsche übertragen worden. Zum Ergebnis merkt Lobo an: „Wer den obigen Text liest, dürfte die Wucht dieser nun in der Breite verfügbaren Anwendung rasch erkennen.“ Unter den bekannt gewordenen Antwortirrtümern der Software aufgrund des Standes ihrer Programmierung finden sich Behauptungen, dass Donald Trump keine weitere Amtszeit als US-Präsident anzutreten berechtigt sei, weil er bereits zwei Amtszeiten hinter sich habe, und dass der Elefant das größte eierlegende Säugetier sei.[17]

Mitte Dezember 2022 wurde darauf hingewiesen, dass Quellennachweise von ChatGPT teils erfunden werden. Diese so genannten „Datenhalluzinationen“ seien gefährlich, da sie den Internetdiskurs erheblich beeinflussen könnten.[18]

Zur Jahreswende 2022/23 waren zivil- und strafrechtliche Haftungsfragen sowie urheberrechtliche Probleme beim Einsatz von ChatGPT und ähnlichen Systemen Gegenstand einer Diskussion unter dem Aspekt, dass der von der Software generierte Text nicht vor der Veröffentlichung von Menschen auf Richtigkeit und Rechtmäßigkeit geprüft worden ist.[19]

Die Trainingsdaten können auch einem Bias unterliegen (siehe z. B. Gender-Data-Gap); es können also Eingaben mit vagen Beschreibungen von Menschen wie etwa „CEO“ Antworten hervorrufen, die annehmen, dass diese Person weiß und männlich sei.[20]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Dezember 2022 verhängte die Frage-Antwort-Plattform Stack Overflow ein Verbot des Beantwortens von Fragen mithilfe von ChatGPT aufgrund der zweifelhaften Genauigkeit der Antworten.[21]

Zum Jahresende 2022 wird von ersten mit der Erprobung des Chatbots befassten Lehrkräften an Schulen und Hochschulen das bisherige Überprüfungssystem von Lernleistungen mittels Hausaufgaben und Referaten in Frage gestellt: So berichtet die Informatikerin Katharina Zweig von der Erfahrung, dass ChatGPT „deutlich besser schreibt als die Mehrzahl meiner Studierenden in den letzten Jahren.“ Dieses Problem müsse deutlich angesprochen werden. Die Expertin für die KI-Disziplin des „Natural Language Processing“ an der Fachhochschule Kiel Doris Weßels hält herkömmliche Hausarbeiten nunmehr für obsolet: „Wenn es nur darum geht, Wissen zu reproduzieren und nett neu zu verpacken, ergeben Hausarbeiten keinen Sinn mehr.“ ChatGPT mache das Abfassen solcher Arbeiten fast „zu einer unerträglichen Leichtigkeit“.[22]

Robert Lepenies, Präsident der Karlshochschule International University, urteilt aufgrund von Tests an seiner Hochschule, die vom ChatGPT erzeugten Texte seien „qualitativ in den Sozialwissenschaften nicht unterscheidbar von der Arbeit der Studierenden.“ Der Buchwissenschaftler Gerhard Lauer erwartet in naher Zukunft, dass Bücher mit solchen Programmen verfasst werden, speziell bei Sparten, die Mustern folgen: Fachbücher wie auch Krimis und Liebesromane. Geldgeber hinter der Firma OpenAI wie Elon Musk und Microsoft, heißt es in der Zeit, ließen erahnen, welche Richtung die Entwicklung noch nehmen könnte. Da bereits die noch leistungsfähigere Software GPT-4 entstehe, sei dringend eine gesellschaftliche Debatte darüber angebracht, „wie wir mit diesen technischen Möglichkeiten umgehen wollen“. Sonst entschieden Interessen einiger großer Konzerne, „welche Kultur wir bekommen und welche nicht.“[12] Doris Weßels erwartet von ChatGPT 4 unter anderem die Produktion von Videos, reduzierte Fehleranfälligkeit und die Integration in Microsoft-Produkte wie Word. „Spätestens dann kann niemand mehr von einer Spielerei sprechen.“[23]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maximilian Volland: Large-Language-Modelle und mögliche Anwendungsbereiche im Recht, LRZ 2023, Rn. 1–61 (abgerufen: am 21. Januar 2023).
  • Imre Grimm: Die Schreibmaschine. In: Kieler Nachrichten. 19. Januar 2023, S. 2 f.
  • Jakob von Lindern: KI und Arbeit: 100 verschiedene Überschriften? Kommen sofort! In: Zeit Online. 10. Januar 2023 (zeit.de [abgerufen am 10. Januar 2023]).
  • Alexander Pretschner, Eric Hilgendorf, Ute Schmid, Hannah Schmid-Petri: Die mächtigen neuen Assistenzsysteme. Was aus der Künstlichen Intelligenz ChatGPT folgt, über die gerade alle sprechen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 9. Januar 2023, S. 18. Online auf faz.net (hinter Bezahlschranke)
  • Jan Hase: Ethos des literarischen Schreibens. Eine Literaturtheorie im digitalen Zeitalter. Transcript, Bielefeld 2023, ISBN 978-3-8376-6395-2 (über die ethische Dimension computergenerierter Literatur).
  • Susanne Bach, Doris Weßels: Das Ende der Hausarbeit. Sprachprogramme wie ChatGPT revolutionieren das Prüfungswesen an den Hochschulen. Lassen sich Täuschungen überhaupt noch aufdecken? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. Dezember 2022, S. N4. Online auf faz.net (hinter Bezahlschranke)
  • Jo Bager: Facettenreicher Gesprächspartner: Die Text-KI ChatGPT schreibt Fachtexte, Prosa, Gedichte und Programmcode. In: c't. Band 2023, Nr. 1, 16. Dezember 2022, ISSN 0724-8679, S. 46–47 (heise.de [abgerufen am 29. Dezember 2022]).
  • Prof. Dr. Rolf Schwartmann, TU Köln: Wenn Maschinen die Macht übernehmen. Der Textroboter hat das Potential, die Welt zu verändern. Das Problem reicht bis in die Wurzeln der Demokratie. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Januar 2023, S. 6. Online auf faz.net (hinter Bezahlschranke)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kevin Roose: The Brilliance and Weirdness of ChatGPT. (HTML) In: New York Times. 5. Dezember 2022, abgerufen am 26. Dezember 2022 (amerikanisches Englisch): „Like those tools, ChatGPT — which stands for “generative pre-trained transformer” — landed with a splash.“
  2. Learning from Human Preferences. In: openai.com. OpenAI, 13. Juni 2017, abgerufen am 11. Dezember 2022 (englisch).
  3. Paul Christiano, Jan Leike, Tom B. Brown, Miljan Martic, Shane Legg, Dario Amodei: Deep reinforcement learning from human preferences. 13. Juli 2017, doi:10.48550/arxiv.1706.03741.
  4. Proximal Policy Optimization. OpenAI, 20. Juli 2017, abgerufen am 9. Dezember 2022 (englisch).
  5. John Schulman, Filip Wolski, Prafulla Dhariwal, Alec Radford, Oleg Klimov: Proximal Policy Optimization Algorithms. 28. August 2017, doi:10.48550/arxiv.1707.06347.
  6. Cade Metz: The New Chatbots Could Change the World. Can You Trust Them? In: The New York Times. 10. Dezember 2022, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 31. Dezember 2022]).
  7. ChatGPT: The Ultimate Tool for Natural Language Processing and Text Generation. Abgerufen am 16. Dezember 2022 (englisch).
  8. a b OpenAI: ChatGPT: Optimizing Language Models for Dialogue. 30. November 2022, abgerufen am 5. Dezember 2022 (englisch).
  9. Eike Kühl: ChatGPT: Gut erfunden ist halb geglaubt. In: zeit.de. 6. Dezember 2022, abgerufen am 10. Dezember 2022.
  10. Patrick Beuth: ChatGPT: Wie gut ist der weltbeste Chatbot wirklich? In: Der Spiegel. Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG, 7. Dezember 2022, abgerufen am 23. Dezember 2022.
  11. ChatGPT is a new AI chatbot that can find mistakes in your code or write a story for you. In: Business Insider. Abgerufen am 9. Dezember 2022.
  12. a b Ulrich Schnabel: „Das kann sie auch!“ Von einer künstlichen Intelligenz erzeugte Texte sind von menschlichen kaum noch zu unterscheiden. Wer es ausprobiert, bekommt eine Ahnung davon, mit welcher Wucht sich die Wissensgesellschaft verändern wird. In: Die Zeit, 15. Dezember 2022. S. 35 (unter Mitarbeit von Martin Spiewak). Online auf zeit.de (hinter Bezahlschranke).
  13. ChatGPT — Release Notes. 9. Januar 2023, abgerufen am 13. Januar 2023 (englisch).
  14. OpenAI, Discord announcemnets. 10. Januar 2023, abgerufen am 14. Januar 2023 (englisch).
  15. ChatGPT auf dem Weg zur Monetarisierung? OpenAI prüft Optionen. 11. Januar 2023, abgerufen am 14. Januar 2023.
  16. Michael Moorstedt: Künstliche Intelligenz Chat GPT beantwortet Fragen verblüffend klug. In: sueddeutsche.de. 4. Dezember 2022, abgerufen am 10. Dezember 2022.
  17. Sascha Lobo: Das Ende der irrelevanten künstlichen Intelligenz. In: Der Spiegel (online). 7. Dezember 2022, abgerufen am 10. Dezember 2022.
  18. Daniel Schurter: Datenwissenschaftlerin aus Zürich warnt vor ChatGPT und den bösen Folgen. In: Watson. 13. Dezember 2022, abgerufen am 20. Dezember 2022.
  19. Alexander Pretschner, Eric Hilgendorf, Ute Schmid, Hannah Schmid-Petri: Die mächtigen neuen Assistenzsysteme. Was aus der Künstlichen Intelligenz ChatGPT folgt, über die gerade alle sprechen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 9. Januar 2023, S. 18.
  20. Samantha Murphy Kelly: This AI chatbot is dominating social media with its frighteningly good essays. In: CNN. 5. Dezember 2022, abgerufen am 5. Dezember 2022 (englisch).
  21. Jakob Jung: Stack Overflow verbannt OpenAI ChatGPT. In: ZDnet.de. 7. Dezember 2022, abgerufen am 10. Dezember 2022.
  22. Christian Füller: Textgenerator krempelt das Lernen um. Ein smarter Chatbot spaltet die Bildungswelt. In: Der Tagesspiegel. 21. Dezember 2022, abgerufen am 18. Januar 2023.
  23. Muss man künstliche Intelligenz in der Schule verbieten? „Das ist definitiv der falsche Weg.“ Doris Weßels im Interview mit Martin Spiewak. In: Die Zeit, 19. Januar 2023, S. 28. Online auf zeit.de (hinter Bezahlschranke).