Chemigramm

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Ein Chemiegramm (von „Chemie“ und grámma „Buchstabe“, „Schrift“)[1] ist ein Bild, das mittels Entwickler und Fixierer auf Fotopapier hergestellt wird. Die chemischen Eigenschaften von Materialien aus der Fotografie werden genutzt, um mit ihnen bei Tageslicht Bilder zu malen.[2] Eine Weiterentwicklung dieser Maltechnik sind Chemogramme durch den Fotokünstler Josef H. Neumann im Jahre 1974 und Fotobatiken.

"Chimigramme" wurden in den 1950er Jahren von dem belgischen Künstler Pierre Cordier erfunden und so im französischen Sprachraum von ihm benannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Schulze gilt als der erste, der ein chemigramm-artiges Bild hergestellt hat. 1725 gelang ihm eine solche Arbeit mit Hilfe von lichtundurchlässigem Papier und einer Flasche Silbernitrat. Der Franzose Hippolyte Bayard stellte 1839 ein weiteres chemigramm-artiges Bild her, während er Sensibilisierungstests durchführte. In den 1930er und 1940er Jahren stellten Edmund Kesting und der Franzose Maurice Tabard Bilder und Gemälde mit Entwickler und Fixierer auf Fotopapier her. Es war jedoch der belgische Künstler Pierre Cordier (geb. 1933), der für die Entwicklung von Chemigrammen die größte Bedeutung hatte.[3] In seinen jungen Jahren war er 1956 einer der wenigen praktizierenden Künstler, und trug zu der Weiterentwicklung von Chemigrammen bei, indem er die technischen und ästhetischen Möglichkeiten weiter herausarbeitete. 1958 prägte er im Französischen den Begriff chimigramme (chemigram im Englischen und Niederländischen, Chemigramm im Deutschen, chimigramma im Italienischen, und quimigrama im Spanischen und Portugiesischen), der bis heute weitgehend Verwendung findet. Ende der sechziger Jahre experimentierte innerhalb seines fotografischen Schaffens auch der italienische Fotograf Paolo Monti mit Chemikalien auf Fotopapier und veröffentlichte diese im technischen Sinne entstandenen Chimigramme als eine "Serie Fotográfica". Mitte der 70er Jahre entwickelte Josef H. Neumann sogenannte Chemogramme, bei denen zunächst optische Elemente eingearbeitet und anschließend Chemikalien als freie Malerei, in der Tradition von Tachismus, actionpainting oder Informel aufgetragen wurden.[4]

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Seite des Bayard Album, Photosensibilisierungstest, 1839, Sammlung der Société française de photographie.

Beim Chemigramm wird mit Entwickler oder Fixierer direkt auf das Fotopapier gemalt. Da dies bei Tageslicht geschieht, reagiert das Fotopapier sofort mit den jeweiligen Chemikalien. Die Flüssigkeiten können mit Pinseln, Wattestäbchen etc. aufgebracht oder auch mit Strohhalmen verblasen werden. Wird mit Entwickler gemalt, so verfärbt sich das Papier sofort schwarz, danach wird es kurz abgespült, fixiert und schlussgewässert. Beim Auftragen des Fixierers ist lediglich eine kleine Hellerfärbung des Papiers zu sehen. Nach einer Einwirkungszeit von ca. einer Minute wird das Papier in die Entwicklerwanne gelegt. Die unbemalten Flächen schwärzen sich. Danach wird erneut gewässert, dann fixiert und schlussgewässert.

Anders als bei Chemigrammen werden bei Chemogrammen in einem ersten Schritt zunächst Bilder in der Dunkelkammer einbelichtet und diese erst anschließend bei Tageslicht mit Chemikalien bearbeitet.[5]

Für diese Technik sind auch alle Edeldruckverfahren geeignet. Unter diesem Begriff werden die historischen fotografischen Techniken subsumiert. Eine leicht herzustellende Variante sind z. B. Chemigramme auf Basis der Cyanotypie.

Chemigramm mit Cyanotypie-Lösung. Wolfgang Autenrieth, 2019

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. München/Wien 1965.
  2. Gottfried Jäger, Karl Martin Holzhäuser: Generative Fotografie. Theoretische Grundlegung, Kompendium und Beispiele einer fotografischen Bildgestaltung. Otto Maier Verlag, Ravensburg, 1975, S. 142.
  3. Definition. In: Pierre Cordier.
  4. Hannes Schmidt: Bemerkungen zu den Chemogrammen von Josef Neumann. Ausstellung in der Fotografik Studio Galerie von Prof. Pan Walther. in: Photo-Presse. Heft 22, 1976, S. 6.
  5. Gabriele Richter: Joseph H. Neumann. Chemogramme. in: Color Foto. Heft 12, 1976, S. 24.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gottfried Jäger, Karl Martin Holzhäuser: Generative Fotografie. Theoretische Grundlegung, Kompendium und Beispiele einer fotografischen Bildgestaltung. Otto Maier Verlag, Ravensburg, 1975.
  • Wolfgang Autenrieth: Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren. Ein alchemistisches Werkstattbuch für Radierer. Tipps, Tricks, Anleitungen und Rezepte aus fünf Jahrhunderten. Ein alchemistisches Werkstattbuch für Radierer. 232 Seiten, 7. Auflage, Krauchenwies 2020, ISBN 978-3-9821765-0-5 (→ Auszüge und Inhaltsverzeichnis online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]