Chemikalie

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Dieser Artikel befasst sich mit industriell und im Labor hergestellten chemischen Stoffen. Für den übergeordneten Begriff siehe chemischer Stoff.
Chemikalien

Chemikalien sind industriell oder im Labor hergestellte chemische Stoffe.[1][2] Es kann sich dabei um Reinstoffe oder um Stoffgemische handeln. Ob etwas als Chemikalie bezeichnet wird, hängt jedoch stark vom Kontext ab.

Die deutsche Unterscheidung zwischen Chemikalien und chemischen Stoffen bzw. einen dem deutschen "Chemikalie" entsprechenden Begriff gibt es in den meisten anderen Sprachen nicht (weshalb es auch nur sehr wenige Artikel zum Thema in anderssprachigen Wikipedias gibt). Z.B. sind die englischen Ausdrücke "chemical substances" und "chemicals" Synonyme und bedeuten beide "chemische Stoffe".

Beispiele und Kategorien[Bearbeiten]

Reaktion der Chemikalien Ammoniak und Salzsäure beim Vermischen (Säure-Base-Reaktion zweier Chemikalien)

Der Begriff Chemikalie (Synonym: Reagenz) ist sehr unscharf, keineswegs genau definiert und kann daher je nach Zusammenhang unterschiedliche Bedeutung haben:

  • Stoffe wie z. B. Wasser, Luft, Methan, Kohle, Stärke, Ethanol, Eisen, Silber, Kalk, Backpulver, Kochsalz würden Laien spontan nicht als Chemikalien betrachten, finden aber genau wie „typische“ Chemikalien in Labor und Industrie Verwendung.
  • Harnstoff, Kaliumnitrat und Schwefel würde man eher zu den Chemikalien zählen, auch wenn sie in der Natur vorkommen und nicht in Laboratorien, chemischer Industrie oder Bioreaktoren hergestellt wurden.

Nicht zu den Chemikalien gehören Dinge, die nicht an chemischen Reaktionen beteiligt sind (z. B. Reagenzgläser) oder deren Zusammensetzung sehr komplex ist (z. B. ein Apfel). Physikalische Eigenschaften (z. B. Druck eines Gases) und geometrische Eigenschaften (z. B. Abmessungen eines Festkörpers) von Chemikalien sind in der Regel nicht relevant.

Im engeren Sinne gelten nur Stoffe als Chemikalien, die auch im Chemielabor oder in der chemischen Industrie hergestellt oder eingesetzt werden.

Klassifikation[Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Klassifikationen für Chemikalien. Sie lassen sich zunächst grob in anorganische und organische unterteilen, ferner in Petrochemikalien, Polymere, Fein- und Spezialchemikalien, Pharmazeutika, Agrochemikalien sowie Seifen, Wasch- u. Körperpflegemittel (Detergentien).[3] Daneben gibt es zum Beispiel die Kategorien als Gefahrstoff. Einige dieser Kategorien sind historisch begründet, wie etwa die Unterscheidung organisch oder anorganisch, andere beruhen auf Gesetzen und Verordnungen, wie etwa aufgrund der Gefahrstoffverordnung. Grundsätzlich ist zwischen wissenschaftlichen Klassifikationen und denen nach Chemikalienrecht zu unterscheiden.

Technische und Fein-Chemikalien[Bearbeiten]

Beim Handel mit Chemikalien wird zwischen Feinchemikalien (hoher Reinheitsgrad) und technischen Chemikalien (niedrigerer Reinheitsgrad) unterschieden. Verbreitet ist auch die Bezeichnung Schwerchemikalien für anorganische Grundstoffe, die in großen Mengen hergestellt werden (z. B. Natronlauge und Schwefelsäure).

Die Reinheitsgrade sind meist auf den Verwendungszweck bezogen:

  • Technisch (eventuell größere Verunreinigungen; oft verfärbt: z. B. technische Salzsäure gelblich durch Chloridoeisen(III)-Komplexe), meist zur Verwendung als Lösungs- oder Reinigungsmittel in Gewerbebetrieben
  • Zur Synthese (pro Synthesis)
  • Rein
  • Reinst
  • Reinst, Zur Analyse (z. A.); pro Analysi (p. A.), Garantieschein mit Maximalgehalten an Verunreinigungen im Etikett integriert
  • Spezialbezeichnungen der Hersteller für ultrareine Chemikalien zur Analyse im Ultraspurenbereich, ausführlicher Garantieschein mit Maximalgehalten vieler relevanter Verunreinigungen liegt der Flasche bei.
    • TraceSelect, Selectipur, Supra, Suprapur
    • TraceSelect Ultra, Ultrapur

Anzahl und Eigenschaften von Chemikalien[Bearbeiten]

Zurzeit werden rund 80.000 Chemikalien industriell hergestellt. Insgesamt jedoch sind über 75 Millionen chemische Verbindungen bekannt und beim Chemical Abstracts Service (CAS) registriert (Stand Ende 2013).[4][5] Jedes Jahr werden weltweit über 400.000 neue Substanzen hergestellt (Synthese), untersucht (Analyse), in der Fachliteratur beschrieben und in bestehende Stoffgruppen der Chemie eingeordnet.

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Ein Teil dieser bisher auf der Erde noch nicht vorgekommenen Verbindungen ist für Gesundheits- und Umweltrisiken verantwortlich, wenn sie nicht restlos aus Abfällen, und Abwässern entfernt werden. Das ist gerade in Ländern mit weniger strengen Umweltgesetzen und -richtlinien immer wieder der Fall. Ein Indiz dafür sind steigende Raten von umweltbedingten Erkrankungen, wie Allergien und Unverträglichkeiten bis hin zu Krebs.

Informationen über die Stoffeigenschaften einzelner Chemikalien können den Katalogen der Chemikalien-Hersteller oder den großen Nachschlagewerken wie Beilstein, Gmelin, Hager, CRC Handbook, Kirk-Othmer, Landolt-Börnstein, Merck Index, Nouveau Traités, Rodd, Ullmann und anderen entnommen werden.

Kennzeichnung[Bearbeiten]

Der Chemical Abstracts Service weist jeder Chemikalie eine CAS-Nummer zu, welche eine eindeutige Kennzeichnung darstellt.[2] Um angesichts der Vielzahl chemischer Verbindungen auch die Eigenschaften hinsichtlich ihrer Wirkung auf Umwelt und Gesundheit darzustellen, werden eine Reihe zusätzlicher Angaben verwendet, die teilweise international geregelt sind, zum Beispiel durch IUCLID 5 und die EU-Gefahrstoffkennzeichnung.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.dwds.de/?qu=Chemikalie
  2. a b zitiert nach Eintrag zu Chemikalien. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 25. Juli 2014.
  3. Die europäische Chemieindustrie. 110 edition der Hans-Böckler-Stiftung S. 17.
  4. CAS REGISTRYS surpasses 75 million small molecules.
  5. Registrierung von 70 Mio Stoffen: Pressemitteilung der CAS Dezember, 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Chemikalie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Chemikalien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien