Chemin de Fer de La Mure

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Zug bei La Mure, 2009

Der Chemin de Fer de La Mure ist eine elektrisch betriebene, in Meterspur ausgeführte Eisenbahnstrecke südlich von Grenoble zwischen Saint-Georges-de-Commiers und La Mure, die dem Abtransport von Anthrazit-Kohle aus den Bergwerken von La Mure diente, vor allem zur Versorgung von Grenoble. Seit 1997 wurde die Linie als Museumsbahn betrieben.

Streckenbeschreibung[Bearbeiten]

Die Strecke überwindet auf 30 Kilometern einen Höhenunterschied von 550 Metern und führt dabei über sechs große Viadukte und durch 18 Tunnel mit einer Gesamtlänge von mehr als 4 km. Die maximale Steigung beträgt 28,5 ‰. Der Ausgangsbahnhof in Saint-Georges-de-Commiers liegt neben der 316 m hoch gelegenen gleichnamigen Station an der Bahnstrecke Lyon–Grenoble–Marseille. Die Strecke verlässt ihn nach Nordosten und biegt sofort in einem Tunnel nach Südwesten ab, um das Plateau von Monteynard zu umfahren. Mehrere Kurven dienen dazu, Höhe zu gewinnen. Südlich von Notre-Dame-d'Aveillans führt die Strecke am Hang über dem Ostufer des langgestreckten gleichnamigen Stausees entlang, danach etwa 150 Meter über dem Spiegel des Stausees von Monteynard-Avignonet. Sie biegt dann nach Osten ab und erreicht nach weiteren Kurven und Tunnels La Motte-d'Aveillans in 875 m Höhe, von wo die nicht elektrifizierte Strecke nach Notre-Dame-de-Vaulx abzweigte (in Betrieb 1888 bis 1936). Nach einem langen Tunnel unter La Festinière (925 m Höhe) führt die Strecke in südlicher Richtung bergab nach La Mure (882 m).

Bau und Elektrifizierung[Bearbeiten]

Die Strecke wurde nach sechsjähriger Bauzeit 1888 zusammen mit einem Abzweig von La Motte-d'Aveillans nach Notre-Dame-de-Vaulx eingeweiht. Die schwierigen Geländeverhältnisse ließen den Bau einer Normalspurstrecke nicht zu, so dass die Meterspur angewendet wurde. Unterhalb von La Côte de Crozet wurde der Baugrund am steilen Berghang sogar durch Artilleriebeschuss von der gegenüberliegenden Talseite vorbereitet.[1] Zunächst wurde die Strecke mit von der Firma Fives-Lille gebauten Dampflokomotiven betrieben.

Lokomotive Typ 031 von Cie. Fives-Lille, L'Obiou, 1905
Elektrolokomotive Le Drac 1903

Zur Elektrifizierung ab 1906 wurde ursprünglich ein von dem Schweizer Ingenieur René Thury entwickeltes Dreileiter-Gleichstromsystem mit einer positiven 1200-Volt-Phase, einer negativen 1200 Volt-Phase und einem „Nullleiter“ zwischen den beiden Spannungen verwendet, das nach erfolgreichen Versuchen auf einer Teilstrecke 1912 auf die gesamte Strecke zwischen Saint-Georges-de-Commiers und La Mure ausgedehnt wurde. Die Versorgung erfolgte über eine zweipolige Oberleitung mit zwei Stromabnehmerpaaren und den Fahrschienen als „Nullleiter“. Damit konnten hohe Leistungen übertragen, zugleich jedoch die Spannung der Fahrmotoren in tragbaren Grenzen gehalten werden. Die erste elektrische Lokomotive (E1 „Le Drac“, nach dem neben der Strecke liegenden Fluss) war 50 Tonnen schwer, hatte vier Achsen mit Einzelachsantrieb, deren vier Motoren zusammen 500 PS (ca. 367 kW) leisteten. Sie konnte auf der Bergfahrt 20 leere Waggons (das heißt 100 Tonnen) und bei Talfahrt 300 Tonnen mit einer Geschwindigkeit von 22,5 km/h ziehen. Vier ähnliche Maschinen wurden zwischen 1905 und 1909 geliefert und versahen bis 1933 ihren Dienst.

1926 wurde die Strecke von La Mure über Siévoz nach Valbonnais verlängert, was den Bau eines weiteren Viadukts erforderte, 1932 von Siévoz nach Corps. Zu einer Verbindung nach Gap über die 1912 begonnene, aber nie fertiggestellte Strecke durch den Champsaur[2] kam es nicht mehr, ebensowenig zu einer Verlängerung des Abzweigs nach Notre-Dame-de-Vaulx bis Laffrey.

1951 wurde die Bahn auf monopolare Stromversorgung mit 2400 Volt umgestellt.

Betrieb[Bearbeiten]

Die Strecke diente vor allem dem Transport von Anthrazit. 1935 verkehrten täglich drei Personenzugpaare zwischen Saint-Georges-de-Commiers und Corps und eins zwischen Saint-Georges und La Mure. Nach und von Valbonnais mußte in Siévoz umgestiegen werden. Bis zur Einstellung des Betriebs auf dem Abzweig nach Notre-Dame-de-Vaulx im Jahr 1936 gab es auch dort Personenverkehr. Infolge der Konkurrenz des Straßenverkehrs wurde der Personenverkehr 1950 ganz eingestellt. 1952 endete der Gesamtverkehr zwischen La Mure und Corps.

Die zunehmende Verwendung von Erdölprodukten als Brenn- und Treibstoffe führte zu einem Rückgang der Nachfrage nach Anthrazit. Daher wurde 1988 der Kohletransport eingestellt. 1997 wurde die Strecke als Museumsbahn für touristische Zwecke wieder in Betrieb genommen und in La Mure eine kurze Verlängerung entlang des Flusses Jonche für gelegentliche Sonderfahrten gebaut. Von April bis Oktober verkehrten bis zu vier Zugpaare am Tag mit Begegnungen in La Motte-d'Aveillans. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 30 km/h, die Fahrzeit etwa 1 h 40 min. 2008 wurde die Fahrleitung erneuert.

Unterbrechung und Zukunft[Bearbeiten]

Auswirkungen des Felssturzes vom 26. Oktober 2010

Am 26. Oktober 2010 wurde die Line durch einen Felssturz bei Streckenkilometer 13.460 auf einem kurzen Abschnitt zwischen zwei Tunneln verschüttet und ist seither außer Betrieb[3]. Das Weiterbestehen der Strecke und insbesondere die Finanzierung der Reparaturen war lange unsicher, im November 2013 wurden Teile der Oberleitung gestohlen.[4] Jedoch wurde im März 2015 von den regionalen Behörden angekündigt, dass der Betrieb 2016 zunächst auf den zwei durch den Felssturz getrennten Teilstrecken wieder aufgenommen werden soll, und zwar mit Fahrraddraisinen auf dem unteren und mit Zügen auf dem oberen Abschnitt.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  •  R. Arsenne: Le Chemin de Fer de La Mure. SOFITEC, Paris, 1981.
  •  Comité d'Expansion de la Matheysine: Le Pays de la Mure. In: Guide Rhonalpin de Patrimoine Meconnu. 10, Patrimoine Rhonalpin, 1988.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chemin de Fer de La Mure – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Construction et trajet. Rail Modélisme Sud Isère. Abgerufen am 28. Juli 2015.
  2. Gisel Chautant: Le chemin de fer du Champsaur, ou les péripéties d'un projet inabouti. Editions du Buëch, 2011.
  3. Le train de La Mure ne circule plus. Dauphiné Libéré. 27. Oktober 2010. Abgerufen am 29. Juli 2015.
  4. Des voleurs de cuivre opèrent une razzia sur les caténaires du petit train de La Mure, Dauphiné Libéré. 13. November 2013. Abgerufen am 28. Juli 2015. 
  5. SOS Chemin de Fer de La Mure. Forum Train. Abgerufen am 29. Juli 2015.