Chemins de fer du Jura

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Chemins de fer du Jura
Logo Chemins de fer du Jura.svg
Basisinformationen
Unternehmenssitz Tavannes, Schweiz
Webpräsenz Französisch und Deutsch
Mitarbeiter 151
Anzahl Fahrzeuge
Lokomotiven 5
Triebwagen 17
Omnibusse 46
Sonstige Fahrzeuge 134
Statistik
Fahrgäste 1,430 Mio. pro Jahr
Fahrleistung 19,8 Mio. km pro Jahr
Betriebseinrichtungen
Sonstige Betriebseinrichtungen 51 Dienstgebäude
Ge 2/2 Nr. 5 der CTN in Tramelan.

Die Chemins de fer du Jura, abgekürzt CJ, deutsch Jurabahnen, sind eine Eisenbahngesellschaft im Jura in der Schweiz. Sie betreiben ein meterspuriges Schienennetz von 74,3 km Länge, eine Normalspurstrecke von 10,9 km und mehrere Autobuslinien. Die CJ entstand 1944 aus der Fusion der CTN, RPB, RSG, und SC.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgängerbahnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zug der SC um 1940 in Saignelégier.

Die älteste Strecke der Chemins de fer du Jura wurde 1884 von der meterspurigen Tavannes–Tramelan-Bahn (TT) eröffnet und führt von Tavannes nach Tramelan. Die Strecke wurde 1913 elektrifiziert.

Ab 1892 verbindet die meterspurige Saignelégier–La Chaux-de-Fonds-Bahn (SC) Saignelégier über Le Noirmont mit La Chaux-de-Fonds, wobei die Bahn zunächst am Stadtrand von La Chaux-de-Fonds endete und erst seit 1893 bis zum jetzigen Bahnhof in der Stadt fährt.

Der Régional Porrentruy–Bonfol (RPB) eröffnete 1901 seine Normalspurstrecke von Porrentruy nach Bonfol. Diese Strecke ist bis heute isoliert von den anderen Strecken der Jurabahnen. 1906 beschlossen die Schweiz und das Deutsche Reich, eine Bahnverbindung von Bonfol über Pfetterhausen nach Dammerkirch im Elsass zu bauen. Der RPB baute das kurze Teilstück bis zur Grenze und nahm es am 1. November 1910 in Betrieb.

1904 wurde der normalspurige Régional Saignelégier–Glovelier (RSG) zwischen Saignelégier und Glovelier eröffnet. 1906 ging der RSG eine Betriebsgemeinschaft mit dem RPB ein.

Als letzte Bahnlinie wurde 1913 die meterspurige Tramelan-Breuleux-Noirmont-Bahn (TBN) von Tramelan über Les Breuleux nach Le Noirmont eröffnet. Diese hat in Tramelan Anschluss an die TT nach Tavannes, sowie in Le Noirmont an die SC nach La Chaux-de-Fonds und Saignelégier. Seit 1913 ist auch die Strecke der TT elektrifiziert, und es wurde durch eine Betriebsgemeinschaft ein übergreifender Eisenbahnverkehr ermöglicht. 1927 fusionierten die TT und TBN schliesslich zur Chemin de fer Tavannes–Noirmont (CTN).

Übersicht über die Entstehung der Chemins de fer du Jura[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

E: Eröffnung;  Ü: Übernahme

Tavannes–Tramelan-Bahn (TT)
E: 16.8.1884   Ü: 1.1.1927
 
Tramelan-Breuleux-Noirmont-Bahn (TBN)
E: 16.12.1913   Ü: 1.1.1927
 
Saignelégier–La Chaux-de-Fonds-Bahn (SC)
E: 7.12.1892   Ü: 1.1.1944
 
Régional Porrentruy–Bonfol (RPB)
E: 14.7.1901   Ü: 1.1.1944
 
Régional Saignelégier–Glovelier (RSG)
E: 21.5.1904   Ü: 1.1.1944
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Chemin de fer Tavannes–Noirmont (CTN)
Ü: 1.1.1944
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Chemins de fer du Jura
(CJ)


Chemins du fer du Jura[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pendelzug aus dem Jahr 1953, der durch die CJ modernisiert wurde.
Güterverkehr bei den CJ. Links Holztransport mit einem geschemelten Normalspurwagen, rechts schmal­spuriger Kehrichttransportwagen.
Drei moderne GTW-Züge ABe 2/6 bereit zur Abfahrt.

Um eine Modernisierung der veralteten Bahnanlagen zu ermöglichen, fusionieren alle vier im damaligen Berner Jura gelegenen Bahnen auf den 1. Januar 1944 zu den Chemins du fer du Jura (CJ).

Der schlechte Zustand der Gleise der Normalspurstrecke der ehemaligen RSG führt 1948 zur vorübergehenden Einstellung des Personenverkehrs. Durch den Bahnersatzverkehr entstand der Autobetrieb der CJ. Die Gleise wurden daraufhin nicht einfach nur erneuert, sondern die gesamte Strecke auf die Meterspurweite umgespurt, sodass sich mit den Strecken der ehemaligen SC und CTN seit 1953 nun ein grosses zusammenhängendes Meterspur-Schienennetz bildete. Seit dem 4. Oktober 1953 wird das Meterspurnetz mit 1500 V Gleichstrom und neuem Rollmaterial betrieben.

Am 17. Mai 1952 wurde der elektrische Betrieb mit 15 kV 16 ⅔ Hz Wechselstrom auf der Normalspurstrecke Porrentruy–Bonfol aufgenommen. Der Fahrzeugpark bestand aus Kleinlokomotiven Ce 2/2 und drei gebrauchten Personenwagen, die von den SBB erstanden wurden. Der Güterverkehr von Bonfol nach Pfetterhouse wurde nun mit einem Dieseltraktor statt mit Dampflokomotiven abgewickelt, der Personenverkehr wurde bereits am 31. Dezember 1946 eingestellt. Am 4. Januar 1970 folgte dann auch das Ende des grenzüberschreitenden Güterverkehrs.

Die CJ führten die Modernisierung konsequent weiter. 1968 wurde für die Strecke Porrentruy–Bonfol ein Triebwagen BDe 4/4 101 und ein Steuerwagen Bt 121 beschafft. Seit 1986 kommen auf dem Schmalspurnetz Pendelzüge mit Triebwagen vom Typ BDe 4/4 II zum Einsatz, die eine Geschwindigkeit von 90 km/h erlauben. 2001 lieferte Stadler Rail vier Niederflur-Gelenktriebwagen ABe 2/6 und 2016 werden fünf Niederflurtriebwagen Be 4/4 erwartet.[1]

Die CJ sind nach wie vor im Gütertransport tätig. Auf dem Schmalspurnetz werden Normalspurwagen auf Rollschemel befördert. Seit 2000 wird Kehricht in die Verbrennungsanlage La Chaux-de-Fonds transportiert. Diese Kehrichttransporte von Tavannes und Glovelier nach La Chaux-de-Fonds machen einen grossen Teil des Güterverkehrs aus. Die Sanierung der Chemiemülldeponie Bonfol brachte vermehrten Güterverkehr auf der Normalspurstrecke.

Seit 1993 verkehren wieder Dampfzüge auf dem Schmalspurnetz der CJ. La Traction bietet in Zusammenarbeit mit den CJ von Mai bis September öffentliche Dampffahrten an.

Heutiges Streckennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chemins de fer du Jura (CJ)
Normalspur:
         
Pfetterhouse
         
Staatsgrenze Frankreich–Schweiz
         
Bonfol
         
Porrentruy
         
         
Schmalspur:
         
Glovelier
         
         
Combe-Tabeillon
         
Saignelégier
         
Tavannes
         
Tramelan
Le Noirmont
         
La Chaux-de-Fonds
         

Ohne Zwischenstationen und ohne Anschlussbahnen.

Bahnlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Schienennetz besteht aus der Hauptstrecke Glovelier–La Chaux-de-Fonds, von der in Le Noirmont die Strecke Le Noirmont–Tavannes abzweigt, sowie der unabhängigen Normalspurstrecke Porrentruy–Bonfol. Bei der Haltestelle Combe-Tabeillon, kurz nach Glovelier, beginnt die Überwindung der rund 500 m Höhendifferenz auf das Jura-Plateau mit einer Spitzkehre, die vom Lokomotivführer eine Weichenstellung von Hand sowie den Wechsel des Führerstandes erfordert.

Buslinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linienbus der CJ in Saignelégier

Der Busbetrieb der CJ umfasst folgende Linien[2]:

  • Fahrplanfeld 22.121: St-Imier–Savagnières–Chasseral
  • Fahrplanfeld 22.123: St-Imier gare–St-Imier hôpital[3]
  • Fahrplanfeld 22.131: Tramelan–St-Imier
  • Fahrplanfeld 22.133: Saignelégier–Tramelan–Glovelier–Bassecourt
  • Fahrplanfeld 22.134: Boécourt–Glovelier–Le Chésal–Saignelégier

Die Garage des Automobilbetriebs befindet sich in Tramelan. Zusätzlich zum Linienverkehr führen die CJ Reisebusfahrten und Lastwagentransporte durch.

Rollmaterial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Normalspur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

→ Abschnitt Rollmaterial im Wikipedia-Artikel Bahnstrecke Porrentruy–Bonfol

Schmalspur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baureihe Hersteller Baujahr Herkunft Stückzahl Ausrangiert Bemerkungen
Serie Nummern total heute
Lokomotiven
Gem 4/4 401 SIG/SAAS/CJ 1952/2010 (Um)02 1 ex De 4/4I 401
402 2010 ex De 4/4I 402; an MIB verkauft
Triebwagen/Triebzüge
De 4/4I 401–402 SIG/SAAS 1952 3 0 2010 Umbau zu Gem 4/4
403 1953 1986 Umbau zu De 4/4II 411
De 4/4II 411 FFA/SIG/BBC 1953/1986 (Um)01 1 ex De 4/4I 403
BDe 4/4I 601–608 SIG/SAAS 1953 8
BDe 4/4II 611–614 FFA/SIG/BBC 1985 4
Be 4/4 615–617 FFA/BBC 1984–1985 FWB (2013) (Üb)004 3 ex FWB Be 4/4 11–13
FWB (2014) 2015 ex FWB Be 4/4 15; nie eingesetzt, abgebrochen
BDe 4/4 621 CJ/SWS/SIG/SAAS 1947/1991 FW (1991) (Üb/Um)01 0 2017 Umbau aus BTI BDe 4/4 5 > FW BDe 4/4 207
ABe 2/6 631–634 STAG 2001 4 4 GTW
ABe 4/4 641–642 SWS/SAAS/BBC 1973 RhB (2000) (Üb)002 2 ex RhB-ChA ABe 4/4 487–488
Be 4/4 651–655 STAG 2016 5 5
Steuerwagen
Bt 701–706 1953 6
ABt 711–714 FFA/BBC 1985 4 5
715 FFA/BBC/CJ 1986/2009 (Um)01 ex B 756
BDt 721–722 FFA/BBC 1986 2 2
Personenwagen
B 751–755 FFA 1986 6 5
756 2009 Umbau zu ABt 715
Üb = Übernahme aus fremden Bestand (Gebrauchtfahrzeug); Um = Umbau aus eigenem Bestand

Für die zahlreichen Kehrichttansportzüge setzen die CJ stark auf ehemalige Personentriebwagen, die genaugenommen wie Gepäcktriebwagen genutzt werden, allerdings ohne Änderung der Bauartbezeichnung. Als der Gepäcktriebwagen 403 in den Gepäcktriebwagen 411 umgebaut wurde, blieben 1986 unzählige ersetzte Bauteile zurück, darunter die Drehgestelle und die gesamte Elektrik. Im Wesentlichen stand nur der fehlende Wagenkasten einer Weiterverwendung im Weg; diese fand man in Form des in zwei Exemplaren für die Biel-Täuffelen-Ins-Bahn (BTI) gebauten BDe 4/4 von 1947. Die BTI hatte Triebwagen 5 im Jahre 1977 and die Frauenfeld-Wil-Bahn (FW) verkauft, wo er als Triebwagen 7 (später 207) zum Einsatz kam. Nachdem die FW auch keinen Bedarf für das Fahrzeug mehr hatte, holte ihn die BTI als Ersatzteilspender zurück, hatte für den Wagenkasten an sich allerdings keine Verwendung und überliess ihn den CJ. Diese baute in der eigenen Werkstätte aus den vorhandenen Teilen schliesslich 1991 «ihren» Triebwagen 621 zusammen.

Nachdem die Rhätische Bahn (RhB) nach der Spannungsumstellung der ehemaligen Chur-Arosa-Bahn (ChA) im Jahre 1997 keine Verwendung für die bisherigen Gleichstromtriebwagen mehr hatte, konnten die CJ 1999 zwei ABe 4/4 erwerben, und nach diversen Anpassungen und kleineren Umbauten im Jahre 2000 Triebwagen 641, und im Jahre 2001 Triebwagen 642 in Betrieb nehmen.

Nachdem die Frauenfeld-Wil-Bahn, inzwischen als FWB abgekürzt, 2013 den Rollmaterialpark mit fünf neuen Triebwagen modernisiert hatte, wurden im selben Jahr die fünf Be 4/4 abgestellt und verkauft. Die CJ sicherten sich die drei Triebwagen 11 bis 13, die noch bis Ende 2013 in der CJ-Werkstätte eintrafen, und als Triebwagen 615 bis 617 für den CJ-Betrieb hergerichtet wurden. Im ersten Quartal 2014 wurde schliesslich noch Triebwagen 15 übernommen, der allerdings nie zum Einsatz kam und im ersten Halbjahr 2015 verschrottet wurde.

Historischer Fahrzeugpark

  • Belle Epoque-Zug, bestehend aus dem Motorwagen BCe 2/4 70 und dem Personenwagen C 7, beide aus dem Jahre 1913
  • Locomotive historique-Zug, bestehend aus der Lokomotive Ge 2/2 4 aus dem Jahre 1913 und dem Personenwagen B 763 aus dem Jahre 1930
  • Train des Horlogers-Zug, bestehend aus dem Triebwagen CFe 4/4 601 und dem Steuerwagen Ct4 702, beide aus dem Jahre 1953, im Besitz von La Traction

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte, Betrieb und Streckenführung der von den CJ betriebenen Linien sind in den folgenden Wikipedia-Artikel ausführlich beschrieben:

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Willen: Lokomotiven der Schweiz, Normalspur Triebfahrzeuge. Orell Füssli Verlag, Zürich 1972.
  • Peter Willen: Lokomotiven der Schweiz, Schmalspur Triebfahrzeuge. Orell Füssli Verlag, Zürich 1972.
  • Chemins de fer du Jura. Geschichte. Abgerufen am 30. November 2015.
  • Theo Stolz: CJ Chemins de fer du Jura. Abgerufen am 30. November 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chemins de fer du Jura – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Du nouveau matériel pour les CJ. BNJ FM, 8. September 2014, abgerufen am 30. November 2015 (französisch).
  2. Stand Fahrplanjahr 2016
  3. St-Imier Bahnhof–St-Imier Spital