Chernozem

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Weltweite Verbreitung von Chernozemen
Bodenprofil eines Chernozem

Der Chernozem (von russisch чернозём, tschernosjom [t͡ʃɪrnʌˈzjom]) ist ein Bodentyp der internationalen Bodenklassifikation WRB, der in die Gruppe der Humusakkumulationsböden gehört. Er ist der zonale Boden der semihumiden bis semiariden Langgrassteppen.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chernozeme finden sich vor allem in den Gebieten der Langgrassteppen. Diese liegt in etwa zwischen dem trockeneren Gebiet der Kastanozeme und dem feuchteren der Phaeozeme. Auf der Nordhalbkugel sind dies die Eurasische Steppe (südliche Ukraine, Südrussland und Kasachstan) sowie die nördlichen Great Plains (vor allem Kanada).

Haupteigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensgebend ist die tiefschwarze Farbe, die aus sehr hohen Humusgehalten (oft 12-13 %) resultiert. Der humose Oberboden wird durch Bodenwühler tiefgründig und homogen (bis 1,2 m) eingearbeitet (Bioturbation). Wegen der geringen Niederschläge findet keine Auswaschung statt. Oft finden sich dort, wo das Sickerwasser regelmäßig stoppt, sekundäre Kalkanreicherungen („Lösskindel“). Der Boden hat ein sehr reiches Bodenleben, günstige pH-Werte sowie hohe Nährstoffgehalte.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chernozeme gehören zu den fruchtbarsten Böden der Welt mit gleichzeitig relativ gesicherten Niederschlagsverhältnissen. Auf den Böden der nordamerikanischen Prärien und der Eurasischen Steppe wird vor allem Weizen produziert aber auch Gerste und Mais. Allerdings kann es regelmäßig zu Dürreereignissen kommen. In weiten Gebieten dominiert daher die Weidewirtschaft (Rinder).

Genutzte Standorte sind anfällig für Erosion und Überweidung.

Verwandte Bodentypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Chernozem ist der zonale Boden der Langgrassteppe. Er weist Eigenschaften auf, die zwischen denen des Kastanozems (trockenere und mildere Kurzgrassteppen) und des Phaeozems (feuchterer Übergang zwischen Steppe und Wald) liegen. Die Oberböden des Kastanozems sind weniger humos und deshalb heller (kastanienbraun), etwas geringmächtiger und stark durchsetzt mit Kalkanreicherungen. Beim Phaeozem kam es durch die feuchteren Bedingungen bereits zu einer stärkeren Auswaschung und Entkalkung.

Nach der Deutschen Bodensystematik werden Chernozeme oft als Schwarzerde (Tschernosem) angesprochen, seltener als Kalktschernosem.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • FAO: World Reference Base for Soil Ressources 2006, Deutsche Ausgabe, 2008, Hannover, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.