Chianti (Wein)

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Chianti Riserva (DOCG)
Chianti in einer traditionellen Bast-Flasche (fiasco)
Wappen der Chianti Liga mit dem Schwarzen Hahn

Chianti [ˈki̯anti] ist ein Rotwein aus der Toskana, der im Wesentlichen aus der Sangiovese-Traube besteht. Er wird in einem Gebiet erzeugt, dass einen Großteil der mittleren Toskana umfasst. Chianti war früher das Synonym für italienischen Wein schlechthin und wurde traditionell in strohumflochtenen Flaschen (fiasco) verkauft. 1967 wurde er als DOC und 1984 als DOCG klassifiziert.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon in etruskischer Zeit wurde in der Toskana Wein angebaut. Seit dem Mittelalter ist der Anbau und Handel wegen der damaligen wirtschaftlichen Bedeutung der Toskana gut dokumentiert. Als Name eines Weines wird der Chianti erstmals 1398 in einer Korrespondenz des Kaufmanns Francesco Datini erwähnt, allerdings als Weißwein.[1]

Die Bezeichnung Chianti wurde wahrscheinlich aus einem etruskischen Familiennamen abgeleitet und bezeichnete ursprünglich die Hügellandschaft zwischen Baliaccia und Monte Luco. Der Name wurde später auf die Ortschaften Castellina, Radda und Gaiole erweitert, und bildete den territorialen Kern der mittelalterlichen Chianti Liga (ital. Lega del Chianti). Diese war ein politisches und militärisches Bündnis unter der Herrschaft des Stadtstaates Florenz zur Verwaltung und Verteidigung des Chianti Gebietes.[1] Diese Zone bildet heute den südlichen Teil des des Chianti Classico Gebietes. Der Schwarze Hahn als Wappentier der Chianti Liga ist später zum Wahrzeichen des Chianti Classico geworden.[1] Im Jahr 1716 entstand durch einen Erlass des Großherzogs der Toskana, Cosimo III. de' Medici eines der ersten Weingesetze. In diesem definierte er eine geschützte Herkunftsbezeichnung für den Chianti und bestimmte Regeln für die Vermarktung und Produktion. Dieser Schritt kann als ein Vorläufer der heutigen DOC und DOCG Produktionsbestimmungen betrachtet werden.[2]

Ausweitung des Produktionsgebietes[Bearbeiten]

Mit der wachsenden Popularität des Chianti und wichtigen politischen Entscheidungen ging die Ausweitung seines Produktionsgebietes einher. Anfang der 1930er Jahre wurde die Dalmasso Kommission von Rom in die Toskana entsandt um das Produktionsgebiet des Chianti neu festzulegen. Der Abschlussbericht der Kommission war die Grundlage der 1932 beschlossenen signifikanten Erweiterung des Produktionsgebietes.[3] Das historische Chianti Gebiet, das nun Chianti Classico hieß, wurde um sechs Zonen erweitert. Das Anbaugebiet bestand ab 1932 aus den Zonen: Classico, Montalbano, Rufina, Colli Fiorentini, Colli Senesi, Colli Aretini und Colline Pisane. Als letzte Unterzone wurde 1997 Montespertoli anerkannt.[4]Von der ursprünglichen Kernzone hatte sich das Anbaugebiet nach Norden über die Florentiner Berge, nach Osten bis Arezzo, nach Süden weit über Siena hinaus und nach Westen bis nach Pisa an die thyrrhenische Küste ausgebreitet.[5] Im Chianti Anbaugebiet wurden im Jahr 2014 auf ca. 21.000 Hektar 1 Mio. Hektoliter DOCG Wein erzeugt.[6]

Weiterhin definierte die Dalmasso Kommission Chianti als einen Gattungswein ohne hierarchische Unterschiede, als guten aber nicht erstklassigen Tischwein für ein breites Publikum. Diese Betrachtungsweise, die noch in den späteren DOC und DOCG Bestimmungen ihren Niederschlag fand, sollte einen Teil des Prestiges der historischen Kernzone zu einem breiteren Wohl aller Erzeuger auf das ausgeweitete Anbaugebiet übertragen.

So ging mit der Zeit die Identität des Chianti verloren. Nicht zuletzt war er einstmals an ein konkretes Bild einer Herkunftsregion – die sanfte Hügellandschaft zwischen Florenz und Siena - gebunden und steht nun für einen Rotweintyp aus einem riesigen, nicht homogenen Gebiet.[1] Anbaugebiete in den hohen Lagen des Chianti Rufina und heiße Gebieten knapp oberhalb des Meeresspiegels wie sie in der Maremma vorkommen, bieten den Trauben sehr unterschiedliche Bedingungen und bedingen somit große Qualitäts- und Stilschwankungen.

Bettino Ricasoli[Bearbeiten]

Territorial war das Chianti Produktionsgebiet durch den Erlass von Cosimo III. de' Medici erstmals gesetzlich bestimmt worden. Eine Festlegung der zu verwendenden Rebsorten sollte erst im 19. Jahrhundert durch den Staatsmann und toskanischen Großgrundbesitzer Baron Bettino Ricasoli erfolgen. Dieser hat nach jahrzehntelanger Forschungsarbeit das sogenannte „Chianti-Rezept“ entwickelt: 70 Prozent Sangiovese, 20 Prozent Canaiolo, 10 Prozent Malvasia (weiß). Dies war das Ergebnis einer über 25 jährigen Arbeit in Weinberg und Keller. Aus heutiger Sicht fällt auf, dass nur toskanische Sorten verwendet wurden. Internationale Rebsorten waren zu dieser Zeit aber sehr wohl bekannt und wurden im Weinbau der Toskana durchaus in Betracht gezogen. Im Jahr 1851 führte eine Bildungsreise Ricasoli in die führenden Weinbauregionen Frankreichs Bordeaux, Beaujolais, Burgund und das Languedoc. Daraufhin ließ er auf seinem Weingut Castello di Brolio versuchsweise Weinberge mit fremden Rebsorten z.B. Grenache, Cabernet Sauvignon, Pinot Noir, Carignano bestocken.[7] Dass er bei seinem Rezept nach über 25 Jahren Versuchen an einheimischen Rebsorten festhielt, war also Ausdruck seiner Überzeugung, dass diese die besten Resultate lieferten. In einem Brief beschrieb er die Charakteristik der Rebsorten: „Der Wein erhält vom Sangioveto die Grundlage seines Dufts (worauf ich besonders ziele) und eine gewisse Ausdrucksstärke, vom Canaiolo die Lieblichkeit, welche die Rohheit des ersteren mildert, ohne ihm den Duft zu nehmen, obwohl er selbst welchen besitzt; die Malvasia, auf die man bei Lagerweinen auch verzichten kann, verdünnt den Wein aus den ersten beiden Sorten, steigert seinen Geschmack und macht ihn leichter, sodass er für die tägliche Tafel besser geeignet ist.“[8] Die Verwendung der immer wieder umstrittenen Weißweinsorten war also schon für Ricasoli nur für Alltagsweine zu empfehlen und für qualitativ hochwertigere Weine nicht unbedingt notwendig.

Ausgangspunkt seiner Arbeit war Anfang des 19. Jahrhunderts die Notwendigkeit für die Überschussware Wein Absatzmärkte außerhalb der Toskana zu erschließen. Durch eine Qualitätssteigerung sollte die Marke Chianti international vermarktbar werden. Weiterhin war es notwendig die Haltbarkeit der Weine und damit auch ihre Transportfähigkeit zu verbessern.

Supertoskaner[Bearbeiten]

Obwohl die Supertoskaner genannten Weine offiziell keine Chianti sind, hat ihr Erscheinen die Entwicklung und die internationale Aufmerksamkeit, die dem Chianti zuteil wurde, stark beeinflusst. 1971 revolutionierte das Weingut Marchesi Antinori mit dem Tignanello den toskanischen Weinbau. Der damalige Inhaber Piero Antinori war überzeugt, einen großen Rotwein außerhalb der damaligen DOC Regularien produzieren zu können. Er verzichtete auf den damals obligaten Anteil weißer Trauben, verwendete die französischen Rebsorten Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, ließ seinen Wein in Barriques reifen und folgte damit einem durch das Bordeaux geprägten Leitbild. Da dieser Wein den DOC Produktionsregeln nicht entsprach, wurde er als einfacher Tafelwein, heute IGT, vermarktet. Durch den großen kommerziellen Erfolg und das große publizistische Aufsehen bedingt, entstanden in der Folge viele Weine, die einen „internationalen“ Weintypus in der Weinwelt des Chianti etablierten. Seither wird im Chianti eine Vielzahl an Weinstilen erzeugt, mit der Folge, dass an der Spitze der Preis- und Qualitätshierarchie vieler Weingüter kein DOCG Wein, sondern ein IGT Wein steht.

Produktionsvorschriften für den Chianti Classico[Bearbeiten]

Wenn die Trauben für den produzierten der Wein in dem Gebiet zwischen Florenz und Siena angebaut wurden, darf dieser sich Chianti Classico oder Chianti Classico Riserva nennen. Er ist erkennbar an dem Warenzeichen „Gallo Nero“, dem Schwarzen Hahn, der sich auf dem Flaschenhals und der Banderole befindet.[9]

  • Minimum-Anteil an Sangiovese-Trauben: 80 % (Sangiovese ist die typische, rote Traubensorte der Gegend)
    • für Chianti Classico: mind. 12 %
    • für Riserva: mind. 12,5 %
  • Verkauf:
    • Chianti Classico: frühestens am 1. Oktober ein Jahr nach der Ernte
    • Riserva: frühestens 24 Monate, davon mindestens drei Monate in der Flasche
  • Zucker: max. 4 Gramm reduzierende Zucker pro Liter

Beschreibung[Bearbeiten]

  • Farbe:
    • Chianti Classico: rubinrot, mehr oder weniger intensiv
    • für Riserva: intensiv rubinrot, bei Alterung Tendenz zu granatrot
  • Geruch:
    • Chianti Classico: intensiv, blumig, charakteristisch
    • für Riserva: intensiv, fruchtig, anhaltend
  • Geschmack:
    • Chianti Classico: trocken, frisch, fruchtig, leicht tanninhaltig, was sich im Laufe der Zeit verstärkt
    • für Riserva: trocken, ausgewogenes Tannin

Zonen[Bearbeiten]

Die unterschiedlichen Unterzonen innerhalb der Region Toskana

Chianti ist nicht nur der Name des Weins, sondern auch der des Gebietes, in dem er hergestellt wird. Innerhalb des DOCG-Gebietes gibt es acht Unterzonen, die aber nicht das gesamte Chianti Gebiet abdecken. Weine, die nicht in einer dieser Unterzonen hergestellt sind, oder die dort gültigen strengeren Produktionsregeln nicht erfüllen, tragen nur das Prädikat Chianti DOCG.

Die Unterzonen sind auf dem Etikett angegeben::

  • Classico DOCG: diese Zone umfasst das Ursprungsgebiet des Chianti bis 1932 und einige Rebhänge nördlich und südlich davon. Hier sind meist die langlebigsten und feinsten Exemplare zu finden. Allerdings liegen diese Weine auch preislich in einer anderen Klasse. Das Konsortium „Chianti Classico“, mit Sitz in Tavarnelle Val di Pesa, hat die Schutzmarke „Gallo Nero“ (schwarzer Hahn) ins Leben gerufen. Ein „Gallo Nero“ auf dem Flaschenhals bürgt für die Qualität dieses Weins.
  • Colli Fiorentini DOCG (Hügel um Florenz): meist jung zu trinkende Weine, allerdings entdecken mehr und mehr Winzer auch die langlebigeren Weine.
  • Colli Senesi DOCG (Hügel um Siena): südlichste Chianti-Zone, hier wird sehr viel von Brunello- und Vino Nobile di Montepulciano-Winzern als Chianti deklarierter Wein hergestellt und verkauft, der die Bestimmungen der anderen südtoskanischen Hochgewächse nicht erfüllt.
  • Rúfina DOCG: Dieser meist etwas körperreichere Wein ist aus einer kleinen Zone (ca. 600 ha) östlich von Florenz um Pontassieve und ist meist etwas langlebiger und nicht so streng wie der Classico.
  • Colli Aretini DOCG (um Arezzo)
  • Colline Pisane DOCG (Hügel um Pisa)
  • Montalbano DOCG (um Carmignano)
  • Montespertoli DOCG
Vergleich der Produktionsbestimmungen des Chianti DOCG und der Unterzonen (Superiore in Klammern)[10]
DOCG Classico Colli Aretini Colli Fiorentini Colli Senesi Colline Pisane Montalbano Montespertoli Rùfina
Hektarhöchstertrag (t/ha) 9,0 7,5 8,0 8,0 8,0 8,0 8,0 8,0 8,0
Höchstertrag Hektoliter (hl/ha) 63 (52,5) 52,5 56 (52,5) 56 (52,5) 56 (52,5) 56 (52,5) 56 (52,5) 56 (52,5) 56 (52,5)
Mindestalkoholgehalt (%) 11,5(12) 12 (12,5) 11,5 (12,5) 12,0 (12,5) 12 (13) 11,0 11,0 11,0 11,0
Mindestextrakt (g/l) 20 (22) 23 21 (22) 21 (22) 21 (23) 21 21 21 21
Mindestanteil Sangiovese (%) 70 80 70 70 75 70 70 70 70
Weißweintrauben erlaubt (bis %) 10 nein 10 10 10 10 10 10 10
Mindestlagerung (Monate ab 1. Januar nach der Ernte) 2 9 (24) 2 8 2 2 2 5 8

Literatur[Bearbeiten]

  •  Burton Anderson: Italiens Weine 2004/05. Hallwag, Gräfe und Unzer, München 2004, ISBN 3-7742-6365-5.
  •  Jacques Orhon: Le nouveau guide des vins d’Italie. Les editions de l’homme, Montreal 2007, ISBN 978-2-7619-2437-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Jancis Robinson : Das Oxford Weinlexikon. Hallwag, Gräfe und Unzer, München 2003, ISBN 3-7742-0914-6
  2. Zeitschrift Merum 5/08, ISSN 1660–8062
  3. http://www.consorziochianticollisenesi.it/storia.php
  4. http://www.consorziovinochianti.it/de/chianti
  5. Burton Anderson : Atlas der Italienischen Weine . Hallwag, Gräfe und Unzer, München 1990, ISBN 3-444-10372-7
  6. Weinbau in Zahlen 2014, (PDF, italienisch), auf federdoc.com
  7. Zeitschrift Merum 6/08, ISSN 1660–8062
  8. Briefzitat in den Produktionsbestimmungen, S.42
  9. Disciplinare/Regulations – Seite des Consorzios (ital./engl.), abgerufen am 5. Mai 2015
  10. Produktionsbestimmungen