Chick lit

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Unter Chick-Lit (wörtlich etwa „Mädels- oder Tussi-Literatur“, sinngemäß „seichte Literatur über oder für junge Frauen“) versteht man eine literaturgeschichtlich neuere Form der belletristische Literatur, die das (Alltags-)Leben von Mädchen oder jungen Frauen thematisiert und vor allem auf die Rezeption durch eine jüngere weibliche Leserschaft ausgerichtet ist.

Die pejorative Bezeichnung stammt aus dem Amerikanischen und setzt sich aus den beiden Wörtern chick und lit zusammen, wobei chick ein informeller, abwertender Begriff für eine junge Frau und lit die Abkürzung für literature, also Literatur ist.

Der Begriff als solcher bezieht sich dabei weniger auf die Rezipientinnen dieser zeitgenössischen Form der Trivialliteratur, sondern stärker auf die Protagonistinnen der Werke, die zumeist als junge alleinstehende Frauen der urbanen, oftmals akademischen Ober- oder Mittelschicht angehören und einen turbulenten Alltag voller Höhen und Tiefen auf der Suche nach dem passenden Partner durchleben.

Als Terminus für ein spezifisches Genre ist der Begriff literaturwissenschaftlich nicht genauer definiert. Als Sammelbegriff in der Literaturkritik umfasst er in einem weiten Sinne sowohl populäre Dramen, Komödien, Vampirromane oder Mysterys, wird in jüngerer Zeit jedoch häufig vor allem in feuilletonistischen Literaturartikeln oder Buchrezensionen zur Bezeichnung von Frauenromanen verwendet, die als humorvolle Unterhaltungsliteratur ohne tieferen Sinn primär auf eine Zielgruppe erfolgreicher, trendbewusster Mittzwanziger- bis Mittdreißigerinnen zielen.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff der Chick-Lit hat sich um das Jahr 2000 im englischen Sprachraum etabliert. Als Meilensteine dieser Literaturgattung gelten Schokolade zum Frühstück der Autorin Helen Fielding und das Buch Sex and the city der Autorin Candace Bushnell, das als Vorlage für die gleichnamige Fernsehserie diente.

In den Romanen dieser Literaturgattung geht es meist um weibliche Hauptpersonen und ihren Freundeskreis im Milieu der konsumorientierten Mittel- und Oberschicht. Das literaturwissenschaftlich bislang nicht präzise eingegrenzte Genre umfasst jedoch ebenso thematisch ähnliche Komödien, Dramen, Mysterys oder Vampirromane.

Als neue populärkulturelle oder postfeministische Form der Unterhaltungsliteratur für die Zielgruppe junger Leserinnen wurde das Phänomen in der Literaturkritik kontrovers diskutiert.

In dem einsetzenden literaturwissenschaftlichen Diskurs über diese junge Gattungsform überwiegt derzeit die Definition von Chick lit als einem Subgenre der romance bzw. als „The New Woman’s Fiction“.[1]

Anfangs wurde eine Abgrenzung von dem, was zuvor unter „Frauenliteratur“ verstanden wurde, sowohl im Bereich der anspruchslosen Trivial- als auch der feministisch ausgerichteten Unterhaltungsliteratur angestrebt. Die Chick lit bezeichnete in dieser Hinsicht als Literaturform eine Art von Mittelweg, in dem Frauen selbstbestimmt und unabhängig auftreten und trotzdem einen passenden „Mann fürs Leben“ finden können.

Terminologisch fungiert der Begriff der Chick lit gegenwärtig allerdings weitgehend als vager Sammelbegriff für Unterhaltungsliteratur von, über und für Frauen. So wurde die Bezeichnung zu Beginn des 21. Jahrhunderts häufig so verwendet, dass unter Chick lit alles subsumiert wurde, was Frauen schreiben und lesen. Dies wurde vor allem durch den Literaturmarkt und Buchhandel suggeriert, der eine Flut pastellfarbener Cover in eigenen „(freche) Frauen“-Regalen anbot.

Obwohl in der seriösen literaturwissenschaftlichen und rezeptionsästhetischen Diskussion die Dichotomie zwischen Gefühl und Verstand, Körper und Geist, Trivial- und anspruchsvoller Literatur mittlerweile durchaus in Frage gestellt wird, ist mit der Bezeichnung als Chick lit dennoch in der heutigen Begriffsverwendung zumeist eine bewusst diskriminierende Assoziation dieser Form von Frauenliteratur als seichter Unterhaltungsliteratur ohne tieferen Sinn verbunden.

Vor allem in den letzten Jahren ist eine abwertende, wenn nicht sogar brandmarkende Verwendung des Terminus festzustellen; als Genre oder Subgenre gilt die Chick lit zunehmend als „verpönt.“ So bezeichnete etwa die renommierte britische Schriftstellerin Doris Lessing, die 2007 den Nobelpreis für Literatur erhielt, dieses Genre als eine Form von Literatur, die man getrost sofort wieder vergessen könne („instantly forgettable“). Auch die bekannte deutsche Schriftstellerin und Moderatorin Amelie Fried hält die Einordnung als Chick lit für das “schlimmste Etikett”, das man einem Buch verpassen könne: „Im Unterton heißt es dabei ‘Schwachsinn für Minderbemittelte’“.[2]

Buchhandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die amerikanische Autorin Meg Wolitzer resümierte 2012 in einem Essay für den Sunday Book Review der New York Times den Status des weiblichen Schreibens: die Bücher der Schriftstellerinnen würden im Buchhandel stets auf dem zweiten Regal (second shelf) für die nicht so wichtigen Neuerscheinungen platziert, die Verlage hätten sie schon mit Bucheinbänden dekoriert, die sie als „Chick lit“ kennzeichnen würden.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annette Peitz: Chick lit: genrekonstituierende Untersuchungen unter anglo-amerikanischem Einfluss. Peter Lang, Bern 2010
  • Antje Althans, Ulrich Blumenbach: Berufskunde: Einmal Chick lit, immer Chick lit? In Übersetzen, 2, 2018, S. 13 (ab Frühjahr 2019 auch online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. dazu Rosalind Gill und Elena Herdieckerhoff: Rewriting the romance: New Femininities in Chick Lit? In: Feminist Media Studies, 6 (4), S. 487–504, Taylor & Francis Group 2006. Ebenso veröffentlicht auf LSE Research Online im Juli 2007 unter [1]. Abgerufen am 16. März 2021.
  2. Vgl. Suzanne Ferriss u. Mallory Young (Hrsg.): Chick Lit. The New Woman’s Fiction. Routledge, New York und London 2006. Siehe auch Sandra Folie: Chick Lit - The New Woman’s Fiction? - Oder das neue Gesicht eines althergebrachten Diskurses. Abstract auf den Seiten der Universität Rostock, online unter [2]. Abgerufen am 15. März 2021. Das Aussage von Doris Lessing wird zitiert in Bainbridge denounces chick-lit as 'froth', veröffentlicht im Guardian vom 23. August 2001. Abgerufen am 17. März 2021. Die Ausführungen von Amelie Fried werden zitiert in Tobias Becker: Happy End. In: Der Spiegel vom 25. Juni 2012. Online zugänglich unter [3]. Abgerufen am 16. März 2021.
  3. Meg Wolitzer: The Second Shelf. On the Rules of Literary Fiction for Men and Women, in: New York Times, 30. März 2012