Chicken Wings

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Chicken Wings auf Salat

Chicken Wings, in den USA Buffalo Wings oder Buffalo Chicken Wings (deutsch: Hühnerflügel, schweizerisch: Pouletflügel) sind ein Geflügelgericht der US-amerikanischen Küche. Im deutschsprachigen Raum zählt es heute zumeist zum Fast Food und wird industriell vorgefertigt.

In der traditionellen Zubereitung werden die Flügel um die nicht benutzte Spitze gekürzt und am Gelenk halbiert, die beiden entstehenden Teile heißen „Drumstick“ oder „Drummette“ (der Ansatzpunkt vom Flügel am restlichen Körper) und „Flat“ (der eigentliche Flügel).[1] In der klassischen Methode werden die Hühnerflügen frittiert und danach in einer leicht scharfen ölbasierten Sauce bestrichen. Serviert werden sie klassisch mit einem Blauschimmelkäse-Dip und Staudensellerie.[2]

Je nach Rezept werden die Wings vor der Zubereitung paniert oder trockengetupft. Typischerweise werden die Flügel in heißem Öl oder Schmalz frittiert. Sie werden einzeln als Fingerfood verzehrt oder gemeinsam mit Beilagen wie Pommes frites und Cole Slaw (Krautsalat) serviert. Chicken Wings werden in verschiedenen Geschmacksrichtungen zubereitet.

Ursprünge und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu vielen Gerichten der Alltagskultur haben die Buffalo Wings einen bekannten Ursprung: die [3] Anchor Bar in Buffalo, New York, wo Teressa Bellisimo sie erstmals am 30. Oktober 1964 servierte.

Bellissimo kochte die Chicken Wings damals noch einige Zeit, bevor sie frittiert wurden. Heute werden die Wings in fast allen Verbreitungsformen roh frittiert..[2] Als Beilagen improvisierte Bellissimo einen Dip aus Blauschimmelkäse – dem normalen Salatdressing der Bar[4] – und Staudensellerie aus dem vorhandenen Antipasti-Angebot der Anchor Bar.[1] Ursprünglich noch als kostenlose Snackbeilage gereicht, wurden die Chicken Wings schnell ein fester Bestandteil der Speisekarte.[4] Das Gericht verbreitete sich innerhalb weniger Wochen durch Buffalo. Als zweiter klassischer Ort der Chicken Wings gilt neben der Anchor Bar auch das in Buffalo ansässige Duffs, das das Gericht ebenfalls sehr früh in die Speisekarte aufnahm. In den 1970ern gewannen die Buffalo Wings an Popularität, blieben in ihrer Verbreitung aber im Wesentlichen auf Upstate New York beschränkt.[2] Trillin schrieb in seinem New-Yorker-Artikel von 1980 noch von der „lokalen Spezialität“ aus einem Hühnerteil, den jemand in Houston oder San Francisco vermutlich wegschmisse."[4]

Als eigentlicher Erfinder der Wings bezeichnet sich auch der Afroamerikaner John Young, der in Buffalo in seinem Restaurant John Young’s Wings ’n Things Hühnerflügel servierte, die von der klassischen Küche der Afroamerikaner inspiriert waren. Young reicht diese mit „Mambo Sauce“. Im Gegensatz zu den klassischen Wings waren hier die Flügel allerdings nicht zerteilt und dafür paniert.[1]

Verbreitung im Staat New York und in Florida[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Buffalo war der nächste Ort, wo die Wings Fuß fassten Florida, wohin sich in den 1980ern zahlreiche Bewohner Buffalos im Rentenalter zurückgezogen hatten und die Vorliebe für Wings mitnahmen. Die erste Gastronomiekette, die die Chicken Wings als Grundbestandteil des Menüs aufnahm, war die 1975 in Südflorida von einem Auswanderer aus Buffalo gegründete Wings N’Curls.Insgesamt eröffnete die Kette bis Anfang der 1990er insgesamt 18 Restaurants in Florida, Indiana und Kalifornien, stellte allerdings in den 1990ern den Betrieb ein.[5] Im Buffalo der späten 1970er war die Phantasie weit verbreitet, reich zu werden, indem man die dort unbekannten Chicken Wings in anderen Teilen der USA einführte.[4] In Florida nahm die dort 1983 gegründete Fast-Food-Kette Hooters das Gericht als Zentrum seiner Speisekarte. Hooters sind auch der erste der wichtigen Anbieter, der die Sauce in drei verschiedenen Schärfegraden auf die Karte setzte. Durch die landesweite Expansion von Hooters, gelangten so auch die Wings in die gesamte USA.[5]

Die erste US-weite Wahrnehmung des Gerichts begann um 1980. Eine breitere überregionale Bekanntheit erlangten sie erstmals 1980 durch einen Artikel von Calvin Trillin im Magazin The New Yorker. 1981 erschien im New York Times Magazine ein ganzseitiger Artikel mit Rezepten über Chicken Wings, der erste auffindbare Presseartikel zum Gericht aus spezialisierten Medien über Essen. In den 1980ern folgte weitere Artikel in Lifestyle-Zeitschriften wie Ebony, Esquire, und Family Circle, wobei Artikel aus den späten 1980ern bereits erwähnen, dass das Gericht ein in kürzester Zeit in den ganzen USA beliebt geworden sind.[5]

US-weite Verbreitung und der Super Bowl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die Buffalo Wings begannen sich in den 1980ern zu verbreiten, konnte die New York Times noch 1991 schreiben, dass die Wings „in hunderten Restaurants im westlichen Bundesstaat New York und in der ganzen Nation“ verbreitet sind.[6] Die Ausbreitung in die Welt mit zehntausenden Verkaufsstellen erfolgt ein den 1990ern. In den 1990ern nahmen die US-weit agierenden Ketten Pizza Hut und Domino’s die Wings in ihre Speisekarten auf. 1992 nahm Domino’s die Wings in den Restaurants im Raum Buffalo auf die Karte, zur American-Football-Saison 1994 führten sie die Buffalo Wings dann landesweit ein.[5] Die Unternehmen warben in US-weit ausgestrahlten Fernsehspots insbesondere im Rahmen großer Sportereignisse für Chicken Wings als idealen Snack zur Fernsehbegleitung[2]. So gab Domino’s 1994 allein 32 Millionen US-Dollar für Werbespots aus, die bekannt machen, dass die Kette die Buffalo Wings jetzt führten. Durch die in der Werbung propagierte enge Verbindung zwischen Sportgroßereignissen und den Chicken Wings als Fingerfood, wodurch sie insbesondere zu diesen Anlässen populär. Pizza Hut folgte 1995 mit Buffalo Wings im Angebot. Bereits im Sommer 1995 gab Domino’s bekannt, dass ein Drittel aller Kunden Buffalo Wings bestellten.[5] Das Produkt war so erfolgreich, dass Yum! Brands, die Mutter von Pizza Hut, 2003 eine eigene Wings-Kette gründete: WingStreet, die bis 2013 insgesamt 1.600 Outlets hatte, vor allem in Pizza Hut Restaurants.[7]

Auch zur Verbreitung des Gerichts trug die Verbreitung von Sports Bars seit den 1990ern bei. Restaurants mit großen Bildschirmen an den Wänden auf denen Sportübertragungen gezeigt werden und mit einem Essensangebot aus typischen Snacks und Fingerfood. Für viele der Bars sind Chicken Wings eines der wichtigsten Bestandteile des Angebots.Nach Angaben der amerikanischen Lobbyorganisation der Hühnerproduzenten, dem National Chicken Council, sind die härtesten beiden Konkurrenten in diesem Setting Ribs und Pizza. Wobei Ribs meistens deutlich teurer sind und Pizza die oft langen Sportübertragungen nicht gut übersteht und sich auch nur schlecht wieder erwärmen lässt.[8] Als typisches Snack Food werden Chicken Wings daher auch gemeinsam von einem Teller in größeren Gruppen und Familien gegessen, so dass sie sich insbesondere für gemeinsame Freizeitgestaltung wie das Anschauen von Sportübertragungen eignen.[9]

Insbesondere sind sie eng mit dem Super Bowl verbunden[1] So steigt beispielsweise jedes Jahr der Preis für Hühnerflügel im Handel deutlich Ende Januar.[10] Seit 2010 veröffentlicht der National Chicken Council jährlich vor dem Super Bowl einen halb-ernst gemeinten breit rezipierten „Wing Report“ in dem es über Marktlage, Nachfrage und Geschichte der Wings informiert. So steht im Wing Report jedes Jahr wie viele Chicken Wings am Super-Bowl-Wochenende verzehrt werden. Die Zahl für 2013 lag bei 1,23 Milliarden.[8]

Bedeutung für Buffalo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buffalo selbst liegt im ländlichen Upstate New York und ist einer der Städte des Rust Belts. Neben einigen Sport Teams in den amerikanischen Major Leagues sind die Buffalo Wings etwas das den Namen Buffalos in den USA bekannt macht und das die Stadt zur Stadtmarketing benutzt. So erklärte die Stadt bereits 1977 den 29. Juli zum „Chicken Wing Day“, der mittlerweile in den ganzen USA begangen wird. Die Anchor Bar selber ist mittlerweile eine der wichtigeren Touristenattraktionen der Stadt, in die Besucher aus der ganzen Welt kommen.[5]

Varianten und Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buffalo Wings mit Dip-Sauce und Staudensellerie
Hot Wings als Teil eines Gedecks

Verbreitung und Popularität der Chicken Wings hängt eng mit der Systemgastronomie und Fast Food zusammen. Verbreitet und bekannt gemacht in den USA wurden sie durch Hooters, Pizza Hut und Domino’s. Die weitere Verbreitung erfolgte insbesondere durch expandieren Fast-Food-Ketten aus den USA. So ist die Kette Buffalo WIld Wings mittlerweile in der ganzen Welt vertreten. Im deutschsprachigen Raum ist hier vor allem Kentucky Fried Chicken von Bedeutung, die in dieser Region von den Wings-servierenden Kette die größte Verbreitung hat. Da Chicken Wings in Europa häufig von der Systemgastronomie und als Fertiggericht angeboten werden existieren zahlreiche Varianten und Marken.

Buffalo Wings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine scharfe Variante des Gerichts sind die Hot Chicken Wings, auch Buffalo Wings genannt. Zur Marinierung verwendet man Tabasco oder andere Chilisaucen; vor dem Frittieren werden sie nicht paniert. Der Name soll vom Ursprungsort Buffalo abgeleitet sein, wo 1964 in der Anchor Bar die Besitzerin Theresa Bellisimo übrig gebliebene Flügel auf diese Weise erstmals zubereitet haben soll.

Hot Wings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hot Wings ist eine Marke des Unternehmens Kentucky Fried Chicken.[11] Der englische Begriff hot steht dabei für die geschmackliche Schärfe der Marinade. Vor dem Frittieren werden sie mit einer grobkörnigen Panade umhüllt, die auch als „Knusperpanade“ bezeichnet wird.[12] Diese Variante wird in den USA auch als „extra crispy“ bezeichnet[13]

Buffalo Sauce[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die klassische Buffalo Sauce ist auf Essig-Basis, angereichter mit Butter und Cayenne-Pfeffer und wird in verschiedenen Schärfegraden angeboten.[7] Während die Buffalo Sauce anfangs zu den Wings gehörte und sich mit diesen verbreitete, werden mittlerweile zahlreiche Gerichte von Chicken Fingers bis hin zu Pizza, In der Geschmacksrichtung „Buffalo“ gibt es zahlreiche Angebote von Snackbretzeln bis hin zu Kartoffelchips.[1]

Bedeutung für den Hühnermarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis in die Nachkriegsjahrzehnte hinein wurden Hühner vor allem ganz gekauft und gegessen. Mit zunehmender Industrialisierung der Nahrungsmittelindustrie gewann insbesondere die schnell, einfach ohne Müll zuzubereitende Hühnerbrust an Bedeutung. Hühner wurden vor allem produziert, um Hühnerbrüste zu verkaufen, so dass die Produzenten einen Überschuss von allen anderen Hühnerteilen wie Keulen und Flügel hatten und diese Teile dementsprechend preiswert zu kaufen waren.[9] 1982 noch beschrieb in New York Times Chicken Wings als „billig und im Überfluß vorhanden.“[14] Mittlerweile sorgte die Popularität der Buffalo Wings dafür, dass der Hühnerflügel – einst vor allem für Brühe und andere Produkte der Resteverwertung genutzt, heute der am Markt teuerste Teil des Hähnchens ist.[1] Da die geschlachteten Hühner aber nicht nur aus Flügeln bestehen, sorgt dies tendenziell dafür, dass die starke Nachfragen nach Chicken Wings ein Überangebot an anderen Teilen des Huhns schafft.[8] So werden beispielsweise die nicht-benötigten Flügelspitzen nach Asien und China exportiert.[8] Besonders in Asien hält sich hartnäckig das Gerücht, das KFC mittlerweile Mutantenhühner mit acht Flügeln züchtet, deshalb nicht mehr „Chicken“ im Namen führen darf. Ein Gerücht, das KFC selbst gezielten Kampagnen chinesischer Wettbewerber zuschreibt und dagegen mittlerweile wiederholt in Asien vor Gericht vorgegangen ist.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chicken Wings – Sammlung von Bildern
 Commons: Buffalo Wings – Sammlung von Bildern

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Calvin Trillin: Third Helpings. Boston: Ticknur and Fields, 1983

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Joseph Stromberg: A Brief History of the Buffalo Chicken Wing. In: Smithsonian. 1. Februar 2013, abgerufen am 18. März 2016.
  2. a b c d Mark H. Zanger: Buffalo Chicken Wings. In: Andrew F. Smith (Hrsg.): The Oxford Companion to American Food and Drink. Oxford University Press, 2007, ISBN 978-0-19-530796-2, S. 74.
  3. Sara Rimer: TERESSA BELLISSIMO, INVENTOR OF SPICY BUFFALO WINGS, DIES. In: The New York Times. 6. November 1985, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 19. März 2016]).
  4. a b c d Calvin Trillin: AN ATTEMPT TO COMPILE A SHORT HISTORY OF THE BUFFALO CHICKEN WING. In: The New Yorker. 25. August 1980, ISSN 0028-792X (newyorker.com [abgerufen am 19. März 2016]).
  5. a b c d e f Peirce Lewis: Buffalo Wings. In: Atlas of Popular Culture in the Northeastern US. 1998, abgerufen am 19. März 2016.
  6. Ap: D. G. Bellissimo, 68; Inspired Buffalo Wings. In: The New York Times. 26. März 1991, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 19. März 2016]).
  7. a b Andrew F. Smith: Food and Drink in American History: A „Full Course“ Encyclopedia. ABC-CLIO,, 2013, ISBN 978-1-61069-233-5, S. 113 (google.de).
  8. a b c d Dan Charles: Why Chicken Wings Dominate Super Bowl Snack Time. In: NPR.org. 29. Januar 2013, abgerufen am 19. März 2016.
  9. a b Alex Abad-Santos: Chickens have wings. Americans will eat 1.3 billion of them this weekend. In: Vox. 7. Februar 2016, abgerufen am 19. März 2016.
  10. Rose Eveleth: Americans Buy So Many Wings, They’re Now the Most Expensive Part of the Chicken. In: Smithsonian. 31. Januar 2013, abgerufen am 18. März 2016.
  11. Deutsches Patent- und Markenamt, Registernummer: 2057406, „Hot Wings“
  12. Produktbeschreibung bei das-ist-drin.de
  13. Stilbeschreibung bei KFC.com
  14. Craig Claiborne With Pierre Franey: Versatile Chicken Wings. In: The New York Times. 8. August 1982, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 19. März 2016]).