Chieming

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Chieming
Chieming
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Chieming hervorgehoben

Koordinaten: 47° 54′ N, 12° 32′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Traunstein
Höhe: 537 m ü. NHN
Fläche: 37,74 km2
Einwohner: 4936 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 131 Einwohner je km2
Postleitzahl: 83339
Vorwahl: 08664
Kfz-Kennzeichen: TS, LF
Gemeindeschlüssel: 09 1 89 114
Gemeindegliederung: 38 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 20
83339 Chieming
Website: www.gemeinde-chieming.de
Bürgermeister: Stefan Reichelt (CSU)
Lage der Gemeinde Chieming im Landkreis Traunstein
ChiemseeLandkreis Berchtesgadener LandLandkreis RosenheimLandkreis AltöttingLandkreis Mühldorf am InnWaginger SeeWonnebergWaging am SeeVachendorfUnterwössenÜbersee (Chiemgau)TrostbergTraunsteinTraunreutTittmoningTaching am SeeTachertingSurbergStaudach-EgerndachSiegsdorfSeeon-SeebruckSchnaitseeSchlechingRuhpoldingReit im WinklPittenhartPetting (Gemeinde)PallingObingNußdorf (Chiemgau)MarquartsteinKirchanschöringKienberg (Oberbayern)InzellGrassauGrabenstättFridolfingEngelsbergChiemingBergen (Chiemgau)Altenmarkt an der AlzÖsterreichÖsterreichÖsterreichKarte
Über dieses Bild
Chieming von Osten

Chieming ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Traunstein. Sie liegt am Ostufer des Chiemsees an der Chieminger Bucht und ist ein Ferien- und Erholungsort.

Namensgeber für Chieming wie auch den Chiemsee und den gesamten Chiemgau[2][3] ist der Legende nach ein Gaugraf „Chiemo“, dessen Existenz allerdings nie belegt werden konnte.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chieming liegt in der Planungsregion Südostoberbayern im Chiemgau. Im Süden des Ortes und in der Gemarkung Chieming liegt der Pfeffersee, auch Pfaffersee genannt.

Geologie / Meteoriten-Einschlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Neutralität dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten. Eine Begründung steht auf der Diskussionsseite im Abschnitt „Ein äußerst fragwürdiger Beitrag!“. Weitere Informationen erhältst du hier.

Der Begriff „Chiemgau-Impakt“ oder „Chiemgau-Einschlag“ bezeichnet einen mittlerweile vielfach belegten Meteoriteneinschlag als ein außergewöhnliches Ereignis in vorgeschichtlicher Zeit (Bronzezeit) um die Ortschaft Eglsee, zwischen Chieming und Nußdorf.[4][5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die günstige Lage am See mit Ackerflächen, Wälder und Auen unweit von Salzvorkommen lieferte Nahrungsgrundlagen, die eine erste Besiedlung Chiemings schon in der Steinzeit ermöglichte, die allerdings dünn blieb[6], bis zum Bau der römischen West-Ost-Verkehrsachse und Militärstraße Via Julia von Augsburg (Augusta Vindelicorum) nach Salzburg (Juvavum). Mit dieser Straße verdichtet sich die Besiedlung mit Gutshöfe (Villae rusticae), zur Versorgung der Legion. Die älteste Gräber, die bisher gefunden wurden, stammen aus der zweiten Hälfte des 6. Jh. datiert, zur Zeit der bajuwarischen Landnahme[7].

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein erster gesicherter urkundlicher Nachweis erfolgte 790 in der Notitia Arnonis. Seit spätestens 1211 war Chieming Pfarrsitz.

Schreibweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Kieming“ auf Philipp Apians Bairischen Landtafeln von 1568

Die Schreibweise Kieming wurde 1568 von Philipp Apian in den Bairischen Landtafeln verwendet und findet sich auch noch im 19. Jahrhundert im Blatt No. 768 Frauenchiemsee und Umgebung aus dem Jahr 1847 der Bayerischen Uraufnahme sowie in der Literatur.[8][9]

Entstehung von Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staatsrechtlich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Auflösung des Kurfürstentum Bayern entstand ein unabhängiger Staat, 1806 zum Königreich erhoben. Im Zuge der staatlichen Neuordnung in Bayern wurde Chieming politische Gemeinde mit den dazugehörigen Ortschaften Aufham, Außerlohen, Eglsee, Kleeham, Laimgrub, Pfaffing, Manholding, Schützing, Stöttham und Weidach. Egerer und Neubauer folgten um 1850.

Kirchenrechtlich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die offene Hofmark Chieming war bis 1803 im Besitz des Klosters Baumburg.

Wirtschaftlich und Soziologisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beginnend etwa 1870 wurde Chieming zu einem immer beliebteren Bade- und Erholungsort.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Gebietsreform in Bayern kamen die damaligen Gemeinden Hart und Ising (amtliche Umbenennung am 30. Oktober 1965, vorher Tabing) am 1. Januar 1972 hinzu.[10] Am 1. Januar 1982 gab die Gemeinde Grabenstätt ein Gebiet mit mehr als 50 Einwohnern an die Gemeinde Chieming ab.[11] Hierbei handelte es sich um Teile der ehemaligen Gemeinde Oberhochstätt mit deren Hauptort.

Ausgliederungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurde ein Gebiet mit etwa 60 Einwohnern (Ortsteil Graben) an die Nachbargemeinde Seebruck abgetreten.[12]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 38 Ortsteile sind[13]:

Kataster

Es gibt die Gemarkungen Chieming, Hart, Ising und Oberhochstätt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3.793 auf 4.936 um 1.143 Einwohner bzw. um 30,1 %.

  • 1961: 3045 Einwohner
  • 1970: 3344 Einwohner
  • 1987: 3685 Einwohner
  • 1991: 4085 Einwohner
  • 1995: 4189 Einwohner
  • 2000: 4308 Einwohner
  • 2005: 4475 Einwohner
  • 2010: 4538 Einwohner
  • 2015: 4827 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chieming vom Pfeffersee aus gesehen

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stefan Reichelt (CSU) ist seit 1. Mai 2020 Bürgermeister; er wurde am 29. März 2020 in der Stichwahl mit 54,43 % der Stimmen gewählt. Seine Vorgänger waren

  • Benno Graf (Unabhängige Wähler) von Mai 2002 bis April 2020
  • Maximilian Brunner (CSU) bis April 2002

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Gemeinderatswahl vom 15. März 2020 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Über blauem Wellenschildfuß in Silber schräg gekreuzt ein schwarzer Schlüssel und ein gestürztes rotes Schwert.[14]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drei Römische Weihesteine in der Pfarrkirche
  • Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist ein kreuzgewölbter Saalbau mit halbrunder Apsis. Sie wurde 1882/83 und 1891 nach Plänen des Münchner Architekten Johann Marggraff im neuromanischen Stil errichtet. Treibende Kraft beim Neubau war der Pfarrer Conrad Korntheur.[15] Beim Abbruch der alten Kirche kamen drei Römische Weihesteine zum Vorschein, die sich heute im Turmgeschoss befinden. Die stilgleiche Innenausstattung und Ausmalung wurde vom Architekten Joseph Elsner entworfen und aus seinen Münchner Werkstätten geliefert. Das Altargemälde schuf um 1885 Max Fürst aus Reichenhall. Das Gemälde der Heiligen Sebastian und Georg an der Langhaussüdwand stammt von einem ehemaligen Seitenaltar und ist 1663 von Ruprecht Schweindl aus Altenmarkt signiert.
  • Der Bauernhof Beim Karl aus dem Jahr 1875 im Gemeindeteil Thauernhausen ist ein dreigeschossiger Einfirsthof mit großem Schüttboden für das Getreide im obersten Geschoss.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Chieming

Bodendenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste der Bodendenkmäler in Chieming

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 gab es in der Gemeinde 1625 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 1762 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Auspendler um 137 Personen größer als die der Einpendler. 68 Einwohner waren arbeitslos. 2016 gab es 63 landwirtschaftliche Betriebe.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chieming ist über die Staatsstraße St 2096 und verschiedene andere Verbindungsstraßen mit der dicht am Ort vorbeiführenden Staatsstraße St 2095 RosenheimTraunstein sowie in südlicher Richtung mit der A 8 München-Salzburg verbunden. Chieming hat einen Anleger der Chiemsee-Schifffahrt, der jedoch außerhalb der Saison nicht angesteuert wird.

Nächstgelegene Bahnhöfe sind Matzing an der Traun-Alz-Bahn (Bahnstrecke Traunstein-Garching) sowie Traunstein und Übersee an der Bahnstrecke Rosenheim–Salzburg.

Chieming hat Anschluss zu den Buslinien der RVO:

  • 9520 Traunstein – Grabenstätt – Chieming – Seebruck – Prien am Chiemsee
  • 9522 Traunstein – Nußdorf – Truchtlaching – Obing – Schnaitsee
  • 9513 Chieming – Sondermoning – Traunreut
  • N5 Nachtexpress: Traunstein – Chieming – Seebruck – Seeon – Obing.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2020):

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klimatabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chieming
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
109
 
2
-6
 
 
98
 
4
-4
 
 
111
 
9
-1
 
 
140
 
13
3
 
 
175
 
18
7
 
 
189
 
21
11
 
 
216
 
23
12
 
 
184
 
22
12
 
 
120
 
19
9
 
 
102
 
14
4
 
 
120
 
8
0
 
 
126
 
3
-4
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Chieming
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2 4 9 13 18 21 23 22 19 14 8 3 Ø 13
Min. Temperatur (°C) −6 −4 −1 3 7 11 12 12 9 4 0 −4 Ø 3,6
Niederschlag (mm) 109 98 111 140 175 189 216 184 120 102 120 126 Σ 1.690
Regentage (d) 16 15 15 16 17 19 18 18 14 13 14 15 Σ 190
Luftfeuchtigkeit (%) 80 78 73 71 72 72 72 74 77 80 82 84 Ø 76,2
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
2
−6
4
−4
9
−1
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3
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7
21
11
23
12
22
12
19
9
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4
8
0
3
−4
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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d
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c
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l
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109
98
111
140
175
189
216
184
120
102
120
126
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, Darmstadt 1990
  • Irmtraut HEITMEIER, Ortsnameninterpretation und Siedlungsgeschichte. Ein methodischer Versuch am Beispiel des südöstlichen Chiemgaus, in ZBLG 53 (1990), S. 551–658

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Chieming – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Karl Puchner, Romanisch-Germanische Mischnamen in Altbayern. (Aus dem Namensgut Mitteleuropas, FS f. E. Kranzmayer, Kärnter Museumsschriften 53) Klagenfurt 1972, 61–67;  Karl Puchner ordnet den Namen der deutschen bzw. mhd. Wurzel  Ki / Kime „Sprößling“ zu
  3. Helmut Rosenfeld, Chiemsee und Chieming (BONF 18) 1981, 23–26; Helmut Rosenfeld ordnet den Namen der keltischen Kulturkreis, bzw. dem keltischen Vornamen „Chiemo“ „Sippe“ zu.
  4. Metallic Artifact Remnants in a Shock-Metamorphosed Impact Breccia: an Extended View of the Archeological Excavation at Stöttham (Chiemgau, SE-Germany) Barbara Rappenglück, Michael Hiltl, Kord Ernstson, Institute for Interdisciplinary Studies, D-82205 Gilching, Germany https://www.hou.usra.edu/meetings/lpsc2019/eposter/1334.pdf
  5. Siehe auch http://www.chiemgau-impakt.de
  6. Siehe https://www.chieming.de/chiemings-historie-1
  7. siehe hierzu Irmtraut HEITMEIER, Ortsnameninterpretation und Siedlungsgeschichte. Ein methodischer Versuch am Beispiel des südöstlichen Chiemgaus, in ZBLG 53 (1990), S.551-658, Seite 575
  8. Urpositionsblatt No. 768 der Landvermessung in Bayern
  9. Bayerische Annalen, Jhrg. I, 1833, S. 224
  10. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 581.
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 814.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 592.
  13. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111108/173824&attr=OBJ&val=551
  14. Mehr Informationen unter http://www.hdbg.eu/gemeinden/index.php/detail?rschl=9189114
  15. Sepp Linner in Chiemgau-Blätter, Beilage zum Traunsteiner Tagblatt Nr. 12, 26. März 2011, S. 1–3