Chikungunya-Virus

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Chikungunya-Virus
Emd-5577.jpg

Cryo-Elektronenmikroskopische Rekonstruktion eines Virus-like particle des Chikungunya-Virus

Systematik
Klassifikation: Viren
Ordnung: nicht klassifiziert
Familie: Togaviridae
Gattung: Alphavirus
Art: Chikungunya-Virus
Taxonomische Merkmale
Genom: (+)ssRNA linear
Symmetrie: ikosaedrisch
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Chikungunya virus (engl.)
Taxon-Kurzbezeichnung
CHIKV
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Das Chikungunya-Virus (CHIKV) ist ein behülltes Einzel(+)-Strang-RNA-Virus [ss(+)RNA] und gehört zur Gattung Alphavirus aus der Familie der Togaviridae. Außerdem gehört das Virus zur Gruppe der Arboviren, wird also durch den Stich von Gliederfüßern übertragen. Die Entdeckung des Erregers gelang im Jahr 1953. Beim Menschen verursacht das Virus das Chikungunya-Fieber.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Virion hat einen Durchmesser von etwa 60 nm und gehört damit zu den kleineren Viren.

In den vergangenen fünf Jahren wurde das Genom mehrerer Varianten des Chikungunya-Virus vollständig sequenziert und vergleichend analysiert. Es hat eine Länge von etwa 11.700 Basen (1,2×104) und enthält zwei Gene: das Gen eines aus 2.474 Aminosäuren bestehenden Nichtstruktur-Polyproteins und das Gen eines aus 1.248 Aminosäuren bestehenden Struktur-Polyproteins. Beide Proteine sind Vorläufer und werden nach ihrer Synthese in mehrere Einzelproteine gespalten. Aus dem Nichtstruktur-Polyprotein entstehen die Einzelproteine nsP1 bis nsP4, aus dem Struktur-Polyprotein die Einzelproteine C (Strukturprotein des Viruscapsids), E1 bis E3 (Struktur-Glykoproteine der Virushülle) und 6K. Das Protein nsP4 übernimmt vermutlich die Funktion einer RNA-Polymerase und dient somit der Vermehrung des Virusgenoms.[1]

Das Virus und seine Varianten sind empfindlich gegenüber Hitze (über 58 °C), Austrocknung, Seife und Desinfektionsmitteln.[2]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Verbreitung (2018)

Entsprechend der unterschiedlichen geographischen Verbreitung des Virus wird es heute in fünf verschiedene Varianten eingeteilt, die sich genetisch unterscheiden: eine westafrikanische, eine zentralafrikanische, eine ost- und südafrikanische, eine des Indischen Ozeans sowie eine asiatische.[3]

Ein Stamm ist 2008 erstmals in Südeuropa aufgetreten. Es wird darüber spekuliert, dass das Virus auch bald in Nordamerika grassieren könne.[4]

Ein gehäuftes Vorkommen des Chikungunyafiebers wurde 2014 insbesondere aus folgenden Ländern bzw. Gebieten berichtet: aus Senegal, Gambia, Guinea, Tansania, aus dem Süden und Südosten Asiens (Philippinen, Malaysia, Thailand, Kambodscha, Myanmar, Sri Lanka, Indien, Indonesien, Saudi-Arabien) sowie seit Ende 2013 auch aus einigen karibischen Inseln und aus Südamerika.[5]

Übertragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weibliche Stechmücke der Art Aedes albopictus, ein wichtiger Überträger des Chikungunya-Fiebers

Das Chikungunya-Virus kann theoretisch durch den Stich verschiedener Stechmücken der Gattungen Malariamücken (Anopheles), Aedes, Culex und Mansonia übertragen werden. Bislang sind als eindeutige Überträger (Vektoren) die Gelbfiebermücke Aedes aegypti (seit 2004 auch Stegomyia aegypti) und die ursprünglich aus Ostasien stammende Asiatische Tigermücke Aedes albopictus (seit 2004 auch Stegomyia albopicta) nachgewiesen.[6][7][8] Durch eine Punktmutation in einer Aminosäure ist ein neuer Stamm entstanden (CHIKV 06.21), der höhere Pathogenität und damit eine fast doppelt so hohe Viruslast in der Tigermücke zur Folge hat wie nicht mutierte Stämme. Dies ist auf bessere Überlebenschancen des Virus im Verdauungssystem der Mücke zurückzuführen.[9] Auch diese nur zwei bis zehn Millimeter große, schwarz-weiß gestreifte und sehr aggressive Mücke, die am Tage sticht und dies teilweise sogar durch die Kleidung hindurch, hat sich weltweit ausgebreitet und überträgt neben dem Chikungunya-Fieber auch noch das Dengue-Fieber, Gelbfieber, West-Nil-Fieber und weitere Krankheiten. Diese Mückenart kommt mittlerweile (überwiegend in den heißen Sommermonaten) auch in Südeuropa vor, doch sind hier bislang noch keine mit dem Chikungunya-Virus infizierten Exemplare festgestellt worden.

Infektionsfolgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das klinische Krankheitsbild des von diesem Virus ausgelösten Chikungunya-Fiebers und die möglichen Übertragungszyklen (Mensch-Mensch = urbaner Zyklus bzw. Tier-Mensch = sylvatischer Zyklus) ähneln teilweise dem Dengue-Fieber bzw. Gelbfieber. Das Chikungunya-Virus ist eng mit dem das O’nyong-nyong-Fieber verursachenden O'nyong-nyong-Virus verwandt.[10] Als Reservoirwirte sind bislang Affen und Nagetiere festgestellt worden.[11]

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 sorgte eine Meldung über das amerikanische Biowaffenlabor in Fort Detrick für Unruhe. Im Jahre 1981 seien zwei Liter mit Chikungunya-Virus entwendet worden – genug, um damit die Weltbevölkerung mehrfach umzubringen. Die Tatsache gelangte durch Indiskretion eines ehemaligen Mitarbeiters an die Öffentlichkeit.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Isabelle Schuffenecker et al.: Genome Microevolution of Chikungunya Viruses Causing the Indian Ocean Outbreak. In: PLoS Medicine. Bd. 3, Nr. 7, 2006, S. 1058–1070, DOI:10.1371/journal.pmed.0030263, ISSN 1549-1277.
  2. Public Health Agency of Canada: Pathogen Safety Data Sheet – Chikungunya virus (engl.)
  3. Philippe Parola et al.: Novel Chikungunya Virus Variant in Travelers Returning from Indian Ocean Islands. In: Emerging Infectious Diseases. Bd. 12, Nr. 10, 2006, S. 1493–1499, ISSN 1080-6040 (PDF; 363 kB).
  4. Karge, Desiree: „Bloss nicht stechen lassen“, Bild der Wissenschaften, 11/2008, S. 110
  5. Robert-Koch-Institut (Hrsg.): Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2014, S. 214, Datenstand: 1. März 2015, Volltext (PDF)
  6. Prasanna N. Yergolkar et al.: Chikungunya Outbreaks Caused by African Genotype, India. In: Emerging Infectious Diseases. Bd. 12, Nr. 10, 2006, S. 1580–1583, ISSN 1080-6040 (PDF; 178 kB)
  7. Patrick Hochedez et al.: Chikungunya Infection in Travelers. In: Emerging Infectious Diseases. Bd. 12, Nr. 10, 2006, S. 1565–1567, ISSN 1080-6040 (PDF; 128 kB)
  8. http://www.virologyj.com/content/5/1/33 Eric Leroy et al.: Chikungunya virus adapts to tiger mosquito via evolutionary convergence: a sign of things to come? Virology Journal 2008, 5:33, doi:10.1186/1743-422X-5-33.
  9. Vazeille M, Moutailler S, Coudrier D, Rousseaux C, Khun H et al. (2007) Two Chikungunya Isolates from the Outbreak of La Reunion (Indian Ocean) Exhibit Different Patterns of Infection in the Mosquito, Aedes albopictus. PLoS ONE 2(11): e1168 doi:10.1371/journal.pone.0001168 [1]
  10. Dana L. Vanlandingham et al.: Differential infectivities of o'nyong-nyong and chikungunya virus isolates in Anopheles gambiae and Aedes aegypti mosquitoes. In: Am J Trop Med Hyg. Bd. 72, Nr. 5, 2005, S. 616–621, ISSN 0002-9637 ( PDF; 188 kB (Memento des Originals vom 22. Juni 2006 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ajtmh.org)
  11. Robert-Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin Nr. 10, 10. März 2006 (PDF; 117 kB)
  12. Gefährliche Viren sind weg. In: Frankfurter Rundschau, 25. September 1986