China Cables

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Als China Cables oder Xinjiang Papers wird ein Leak von geheimen Dokumenten der chinesischen Regierung bezeichnet. Die Dokumente belegen die systematische Verfolgung und Unterdrückung der Uiguren in Umerziehungslagern in Xinjiang, einer autonomen Region in der Volksrepublik China. Sie stammen aus den Jahren 2017 und 2018 und wurden an das Internationale Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) gegeben. Nach der Veröffentlichung im November 2019 erfuhren die China Cables internationale Aufmerksamkeit.[1]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die New York Times veröffentlichte Mitte November 2019 unter der Überschrift Absolutely No Mercy (auf deutsch: Keine Spur von Nachsicht/Gnade) 403 Seiten des Leaks, nachdem diese von rund 75 Journalisten sowie Medienpartnern und Beratern analysiert worden waren.[2]

Die Dokumente und englischsprachige Übersetzungen stehen auf der Webseite des ICIJ zum Download bereit.[3]

Inhalt & Analyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dokumente umfassen 96 Seiten mit bisher nicht veröffentlichten, älteren Ansprachen von Präsident Xi Jinping zum Umgang mit dem angeblichen Minderheitenproblem, ein Gerichtsurteil gegen einen Uiguren und ca. 160 Seiten Handreichungen zum Betrieb dieser speziellen Internierungslager. Eine besondere personelle Verantwortung bei der strategischen Planung liege demnach beim stellvertretenden Parteichef der Region, Zhu Hailun.[4]

Die Dokumente sind von historischer Bedeutung und politischer Brisanz, da sie mit Texten aus der Führungsebene der Kommunistischen Partei Chinas bezeugen, dass Menschen eingesperrt werden und die Lager nicht verlassen dürfen. Die Argumentation der chinesischen Regierung lautete bislang, bei derartigen Lagern handele es sich um „Berufsbildungszentren“, der Aufenthalt dort sei freiwillig. Tatsächlich aber würden die Lagerinsassen dort für mindestens ein Jahr inhaftiert. Zudem legen die Unterlagen nahe, dass China seine Auslandsvertretungen nutzt, um Uiguren im Ausland zu überwachen.[5]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adrian Zenz, ein Sinologe und Mitglied der „Victims of Communism Memorial Foundation“, sprach in einem Interview mit tagesschau.de von einem „kulturellen Genozid“. Es handle sich vom Ausmaß her vermutlich um die größte „systematische Internierung einer ganzen ethno-religiösen Minderheit [...] seit dem Holocaust. Es ist eine beispiellose Kampagne der Assimilierung, der Unterdrückung, und der Umerziehung“. Jedoch gehe es China nicht darum, ethnische Minderheiten zu eliminieren, sondern sie langfristig und „auf eine ganz intensive Art und Weise in den chinesischen Staat zu integrieren. Kulturell, religiös, sprachlich, in jeder Hinsicht.“[6]

Die deutsche Bundesregierung forderte den Zugang internationaler Experten zu den umstrittenen Lagern, sprach sich aber gegen Sanktionen aus. Man sei „besorgt“, müsse aber im Dialog bleiben. Der Guardian zitierte einen Mitarbeiter der chinesischen Botschaft Londons mit der Aussage, die veröffentlichten Dokumente seien „pure Erfindung und fake news“.[7] Nach dieser Meldung der Tagesschau vom 25. November habe ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums gesagt, es handle sich um eine interne Angelegenheit Chinas. Die beste Antwort auf die „verleumderischen Berichte“ sei ein „stabiles und prosperierendes“ Xinjiang.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geheimpapiere zeigen systematische Verfolgung von Uiguren, Die Zeit-Website, 25. November 2019. Abgerufen am 26. November 2019.
  2. Austin Ramzy, Chris Buckley: ‘Absolutely No Mercy’: Leaked Files Expose How China Organized Mass Detentions of Muslims, The New York Times-Website, 16. November 2019. Abgerufen am 26. November.
  3. >Read the China Cables Documents. Download and read the classified documents at the heart of the China Cables. In: International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). 24. November 2019, abgerufen am 26. November 2019.
  4. Sasha Chavkin: China Cables. Xinjiang’s Architect of Mass Detention. Zhu Hailun. In: International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). 24. November 2019, abgerufen am 26. November 2019 (englisch).
  5. Die wichtigsten Fakten zu den China Cables; süddeutsche.de vom 24. November 2019; abgerufen am 25. November 2019
  6. „Es handelt sich um kulturellen Genozid“; tagesschau.de vom 24. November 2019; abgerufen am 25. November 2019
  7. a b „Besorgt, aber weiter im Dialog“; tagesschau.de vom 25. November 2019; abgerufen am 26. November 2019