Chloé Zhao

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Chloé Zhao beim Festival des amerikanischen Films 2015

Chloé Zhao (chinesisch 赵婷, Pinyin Zhào Tíng; * 31. März 1982 in Peking) ist eine vor allem in den USA tätige chinesische Filmregisseurin, Drehbuchautorin, Filmeditorin und Filmproduzentin. Im Rahmen der Oscarverleihung 2021 wurde sie für die Regie bei ihrem Film Nomadland ausgezeichnet, dem Siegerfilm der Preisverleihung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chloé Zhao wurde in Peking geboren. Ihre Mutter war Krankenschwester, ihr Vater Topmanager bei der Shougang Group, einem der größten Stahlunternehmen Chinas. Als sich ihre Eltern scheiden ließen, kam sie in eine weiterführende Schule.[1] Der Vater heiratete später erneut, sodass die Sitcom-Schauspielerin Song Dandan (宋丹丹) ihre Stiefmutter ist. Danach besuchte sie ein Internat in England, studierte Politikwissenschaft in Massachusetts und Filmproduktion an der New Yorker Tisch School of the Arts.[2][3] Ihr Regiedebüt Songs My Brothers Taught Me wurde 2015 beim Sundance Film Festival und hiernach bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt. Ihren von Kritikern hochgelobten zweiten Film, den modernen Western The Rider, stellte sie im Mai 2017 in Cannes in der Nebenreihe Quinzaine des Réalisateurs vor.

Ihr dritter Spielfilm Nomadland, eine Adaption des 2017 erschienenen Buchs Nomaden der Arbeit: Überleben in den USA im 21. Jahrhundert aus der Feder der amerikanischen Journalistin Jessica Bruder, mit Frances McDormand in der Hauptrolle, gewann bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen den Hauptpreis des Festivals. Darüber hinaus feierte der Film im September 2020 in einer gleichzeitigen Vorführung beim Toronto International Film Festival seine Premiere[4] und gewann dort den People's Choice Award. Am Abend desselben Tages wurde der Film beim Telluride Film Festival vorgestellt und später beim New York Film Festival gezeigt.[5] Aus dem IndieWire Critics Poll 2020 ging Zhao für ihre Regiearbeit als Erstplatzierte hervor.[6] Auch gewannen der Film und Zhao als Regisseurin den Golden Globe Award.[7] Damit ist Zhao die zweite Frau (und die erste Frau ostasiatischer Herkunft) in der langen Geschichte der Golden Globes, die diese renommierte Auszeichnung erhielt. Bei der Oscarverleihung 2021 erzielte Nomadland drei Oscars und drei Nominierungen, wobei Zhao selbst in den Kategorien Beste Regie und Bester Film gewann. Auch hier war sie erst die zweite Frau, welche den Regie-Preis bekam. Außerdem wurde sie für Oscars in den Kategorien Bestes adaptiertes Drehbuch und Bester Schnitt nominiert.

Mehrfach arbeitete sie mit dem Kameramann Joshua James Richards zusammen, mit dem sie auch privat eine Beziehung einging.[8]

Im Jahr 2021 wurde sie in die Wettbewerbsjury der 78. Filmfestspiele von Venedig berufen.[9] Im selben Jahr kam ihr Film Eternals, der Teil des Marvel Cinematic Universe ist, in die Kinos.

Chloé Zhao lebt in Ojai in Kalifornien.[10]

Boykott in China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihrem Heimatland China wird Chloé Zhao inzwischen weitgehend boykottiert. Nach ihrem Gewinn des Golden Globe Award und des Oscars für Nomadland wurde in den staatlich kontrollierten Medien Chinas nicht über Zhao berichtet.[11] Ebenso wurden alle Einträge den Film betreffend im Online-Dienst Weibo gelöscht.[12] Ihre Filme laufen nicht in chinesischen Kinos und sind auf Streamingplattformen nicht abrufbar. Hintergrund ist ein mehrere Jahre altes Interview, in dem sich Chloé Zhao kritisch gegenüber dem politisch-gesellschaftlichen Klima in ihrem Heimatland geäußert hatte.[13]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008: Post (Kurzfilm, Regie und Drehbuch)
  • 2009: The Atlas Mountains (Kurzfilm, Regie und Drehbuch)
  • 2015: Songs My Brothers Taught Me (Regie und Drehbuch)
  • 2017: The Rider (Regie und Drehbuch)
  • 2020: Nomadland (Regie, Drehbuch und Produktion)
  • 2021: Eternals (Regie und Drehbuch)

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boston Society of Film Critics Award

British Academy Film Award

Critics’ Choice Movie Award

Festival des amerikanischen Films

  • 2015: Nominierung für den Grand Special Prize (Songs My Brothers Taught Me)
  • 2017: Auszeichnung mit dem Grand Special Prize (The Rider)

Filmfest Hamburg

  • 2017: Auszeichnung mit dem Art Cinema Award (The Rider)
  • 2017: Nominierung für den Sichtwechsel-Filmpreis (The Rider)[16]

Golden Globe Award

Independent Spirit Award

Internationale Filmfestspiele von Cannes

  • 2015: Nominierung für die Caméra d’Or (Songs My Brothers Taught Me)
  • 2017: Auszeichnung mit dem C.I.C.A.E. Award (The Rider)

Internationale Filmfestspiele von Venedig

London Critics’ Circle Film Award

Los Angeles Film Critics Association Award

New York Film Critics Circle Award

Oscar

  • 2021: Auszeichnung als Bester Film (Nomadland)
  • 2021: Nominierung für das Beste adaptierte Drehbuch (Nomadland)
  • 2021: Auszeichnung für die Beste Regie (Nomadland)
  • 2021: Nominierung für den Besten Schnitt (Nomadland)

Palm Springs International Film Festival

  • 2021: Auszeichnung als Regisseurin des Jahres (Nomadland)[22]

Toronto International Film Festival

  • 2020: Auszeichnung mit dem Grolsch People’s Choice Award (Nomadland)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Chloé Zhao – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franziska Setare Koohestani: Chloé Zhao im Porträt: „Eine Art Tausendsassa“. In: Süddeutsche Zeitung, 1. März 2021.
  2. Western "The Rider" im Kino: Berührend wahrhaftig. In: Süddeutsche Zeitung, 20. Juni 2018.
  3. Nicole Sperling: Director Chloé Zhao Mines the Broken Life of a Modern Cowboy in 'The Rider'. In: Vanity Fair, 20. April 2018.
  4. Erik Anderson: Searchlight Pictures sets Chloé Zhao’s 'Nomadland' for dual Venice, Toronto World Premiere; NYFF Centerpiece and Fall Release. In: awardswatch.com, 27. Juli 2020.
  5. Chloé Zhao’s 'Nomadland' is the Centerpiece Selection of the 58th New York Film Festival. In: filmlinc.org, 27. Juli 2020.
  6. Eric Kohn und Christian Blauvelt: 2020 Critics Poll: The Best Films and Performances According to Over 200 Critics From Around the World. In: indiewire.com, 14. Dezember 2020.
  7. Winners & Nominees 2021. In: goldenglobes.com (abgerufen am 1. März 2021).
  8. Josh Rottenberg: How a cowboy from South Dakota and a filmmaker from Beijing came together on the critically acclaimed indie ‘The Rider’. In: latimes.com, 17. April 2018.
  9. The International Juries of the Biennale Cinema 2021. In: labiennale.org, 21. Juli 2021.
  10. Jake Coyle: With quiet humanity, Chloe Zhao's 'Nomadland' makes noise. In: apnews.com, 17. September 2020.
  11. Steffen Wurzel: Schweigen und Zensur in China. In: tagesschau.de (abgerufen am 28. April 2021).
  12. Peking zensiert Einträge über chinesische Oscar-Gewinnerin Chloé Zhao. In: epochtimes.de (abgerufen am 29. April 2021).
  13. Webarchive: 25 new faces of independent film. In: filmmakermagazine.com (abgerufen am 28. April 2021).
  14. Current Winners – 2020 Awards. In: bostonfilmcritics.org. Abgerufen am 13. Dezember 2020.
  15. Manori Ravindran: BAFTA Unveils Film Nominations in Historic Year After Diversity Review: 'Nomadland', 'Rocks' Lead Nominees. In: Variety, 9. März 2021.
  16. Preise und Abschluss. In: filmfesthamburg.de, 14. Oktober 2017.
  17. Zack Sharf: Spirit Awards 2021 Winners List: 'Nomadland', 'I May Destroy You', Riz Ahmed, Carey Mulligan Win Big. In: indiewire.com, 23. April 2021.
  18. Andreas Wiseman: Female Filmmakers Lead Nominees For London Critics’ Circle Film Awards. In: deadline.com, 12. Januar 2021.
  19. Andreas Wiseman: 'Nomadland' Scoops Film Of The Year At London Critics’ Circle Awards; 'Saint Maud', Chadwick Boseman Also Among Winners. In: deadline.com, 7. Februar 2021.
  20. Ryan Lattanzio: LA Film Critics Announce 2020 Award Winners: Glynn Turman, Youn Yuh-jung, and More. In: indiewire.com, 20. Dezember 2020.
  21. Clayton Davis: New York Film Critics Circle Announces Winners. In: Variety, 18. Dezember 2020.
  22. Joey Nolfi: Chloé Zhao makes history with major pre-Oscars award for Nomadland. Palm Springs International Film Festival names Zhao the first woman to win its Director of the Year prize. In: Entertainment Weekly, 25. Januar 2021.