Chlodio

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Chlodio (auch Chlogio[1]) war der erste namentlich fassbare Merowinger und rex (König) der Salfranken. Er lebte im zweiten Viertel des 5. Jahrhunderts.

Über Chlodio ist nur wenig bekannt, zumal die Quellen nicht immer zuverlässig sind. Seinen Hauptsitz hatte Chlodio im Dispargum castrum, das zwar nach Gregor von Tours im Gebiet der Thüringer (terminum Thoringorum) lag,[1] jedoch bis heute nicht genau lokalisiert wurde (möglicherweise Duisburg (Belgien) östlich von Brüssel[2] oder das deutsche Duisburg[3]). Während bereits die ältere Textforschung auf ein im 17. Jahrhundert beurkundetes Disburg im belgischen Diest (Diestheim) aufmerksam machte,[4] begreift die jüngere Textkritik Chlodios Königssitz jedoch nicht auf thüringischem Territorium, sondern als eine auf das belgische Tongern bezogene Entstellung der civitas Tungrorum in Thoringorum.[5] Basierend auf neuen Erkenntnissen plädierte Milz jüngst wiederum für das deutsche Duisburg.[6]

Nach einer Angabe des Geschichtsschreibers Gregor von Tours war Chlodio verwandt mit Merowech, dem Vater Childerichs von Tournai;[1] nach der Fredegar-Chronik war Chlodio der Vater Merowechs, was aber zweifelhaft ist.

Zwischen 440 und 450 erlitt er gegen die weströmischen Truppen unter dem Heermeister Flavius Aëtius und dem späteren Kaiser Majorian im Gebiet von Arras eine Niederlage beim vicus Helena; der römische Erfolg wird von dem zeitgenössischen Dichter Sidonius Apollinaris in einer Lobrede erwähnt.[7] Dieser Rückschlag änderte jedoch langfristig nichts an der Ausbreitung des fränkischen Machtbereichs. Die Franken wurden von den Römern (erneut) als Foederaten anerkannt. Sie besetzten mit Cambrai und Arras das Land bis zur Somme. Gregor von Tours lobt Chlodio als einen Anführer, der tüchtig und unter seinem Volk sehr vornehm gewesen sei.[1] Eventuell wurde in der Zeit Chlodios auch bereits Tournai erobert, wo später Childerich seinen Herrschaftssitz hatte.[8]

Zur altnordischen Rezeption Chlodios als Sagengestalt Hlǫðr verweist Reinhard Wenskus auf das Hunnenschlachtlied Hlǫðskviða.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Gregor von Tours, Historiae 2,9 (lateinischer Text online bei Wikisource).
  2. Für diese umstrittene Lokalisierung trat zunächst Wenskus ein, vgl. Reinhard WenskusChlodio. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 4, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1981, ISBN 3-11-006513-4, S. 477. Zuletzt favorisierte er die Gemarkung Doesberg im flandrischen Lanaken, das er als maßgebliche Kultstätte der Göttin Hludana (altnord. Hlǫðyn) mit dem Namen und Wirkungsbereich Chlodios (altnord. Hlǫðr) in Verbindung brachte, siehe Reinhard Wenskus: Religion arbâtardi. Materialien zum Synkretismus in der vorchristlichen politischen Theologie der Franken. In: Iconologia Sacra (hrsg. Hagen Keller, Nikolaus Staubach), Bd. 23, 1994, hier S. 182f.
  3. Gegen das deutsche Duisburg argumentiert Erich Zöllner: Geschichte der Franken. München 1970, S. 27 f., Anmerkung 7.
  4. Johann Ferdinand Huschberg: Geschichte der Alemannen und Franken bis zur Gründung der fränkischen Monarchie durch König Chlodwig. Sulzbach 1840, S. 449; Deutsche Biographie unter https://www.deutsche-biographie.de/pnd137339836.html#adbcontent
  5. Ulrich Nonn: Die Franken. Stuttgart 2010, S. 81f.
  6. Joseph Milz: Neue Erkenntnisse zur Geschichte Duisburgs (= Duisburger Forschungen. Bd. 55). Mercator-Verlag, Duisburg 2008, ISBN 978-3-87463-439-7, und derselbe: Geschichte der Stadt Duisburg. Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Alten Reiches. Wohlfarth u. a., Duisburg 2013, ISBN 978-3-87463-522-6.
  7. Gai Sollii Apollinaris Sidonii carmina. In: Christian Lütjohann (Hrsg.): Gai Solii Apollinaris Sidonii Epistulae et carmina (= Monumenta Germaniae Historica. Scriptores. 1: Auctores antiquissimi. Bd. 8). Weidmann, Berlin 1887, S. 173–264, hier S. 193, V, 210–230.
  8. Vgl. Erich Zöllner: Geschichte der Franken. München 1970, S. 28, Anmerkung 2 und S. 42.
  9. Reinhard Wenskus: Der ‘hunnische’ Siegfried. Fragen eines Historikers an den Germanisten. In: Heiko Uecker (Hrsg.) Studien zum Altgermanischen. Festschrift für Heinrich Beck, Berlin/New York 1994 (Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 11), S. 686–721, hier S. 717f.
VorgängerAmtNachfolger
Faramund (angeblich)König der Salfranken
um 425–450
Merowech