Chodzież

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Chodzież
Wappen von Chodzież
Chodzież (Polen)
Chodzież
Chodzież
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Chodzież
Fläche: 13,00 km²
Geographische Lage: 52° 59′ N, 16° 55′ OKoordinaten: 52° 59′ 0″ N, 16° 55′ 0″ O
Höhe: 192 m n.p.m
Einwohner: 19.349
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 64-800 bis 64-801
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PCH
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Posen–Piła
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 13,00 km²
Einwohner: 19.349
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 1488 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3001011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jacek Gursz
Adresse: ul. Paderewskiego 2
64-800 Chodzież
Webpräsenz: www.chodziez.pl



Chodzież [ˈxɔdzʲɛʃ] (deutsch bis 1878 Chodziesen und Kodschesen, seit 1878 Colmar, später Kolmar i. Posen) ist eine Kleinstadt in der Woiwodschaft Großpolen in Polen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt etwa 70 km nördlich von Poznań (Posen) in der Chodzieskie-Seenplatte, einer hügeligen, waldreichen Moränenlandschaft. Innerhalb der Stadtgrenzen befinden sich drei Seen, Miejskie (104 ha), Karczewnik (34 ha) und Strzeleckie (18 ha).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolmar i. Posen (Chodziesen) südlich der Stadt Schneidemühl auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Ansicht von Chodzież, 1930er oder 1940er Jahre
Panorama der Stadt Chodziesen

Das Dorf Chodzież wurde 1409 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1434 erhielt es das Stadtrecht, und erste Handwerker, besonders Weber, Färber und Tuchmacher, siedelten sich an. Im Jahr 1458 war die Stadt noch klein: sie hatte dem Heer nur zwei Krieger zu stellen.[2]

Verursacht durch den Schwedisch-Polnischen Krieg, in dem sich die Bürger der Stadt 1656 tapfer gegen die Schweden verteidigt haben sollen,[2] kam es zu einer zweiten, größeren Einwanderungswelle von Handwerkern; Chodzież wurde um die westliche Neustadt erweitert. Im 18. Jahrhundert gehörte die Stadt der Familie Grudziński, die in ihr ein Schloss besaß. Das Schloss verfiel allmählich, nachdem sich die Familie in einigen Kilometern Entfernung auf ihrem Vorwerk ein neues Schloss als ständigen Wohnsitz erbaut hatte.[2]

Bei der Ersten Teilung Polen-Litauens, mit der die Wiedervereinigung von Ostpreußen und Westpreußen einherging, fiel die Stadt 1773 an Preußen. Im 19. Jahrhundert war der von Zacha auf Strelitz Besitzer der Stadt.[2] 1818 wurde Chodziesen Verwaltungssitz des Landkreises Chodziesen. In der Stadt gab es eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche und eine Synagoge.[3] Während der polnischen Erhebung in Posen im Frühjahr 1848 nahmen die Stadtvertreter Chodziesens an der Volksversammlung am 8. April in Schneidemühl teil und solidarisierten sich mit der Stadt Bromberg.[2]

1879 wurde die Eisenbahnlinie Posen–Colmar–Schneidemühl eröffnet, für deren Bau sich besonders der Landrat Axel von Colmar eingesetzt hatte. Bereits 1878 wurde die Stadt Chodziesen ihm zu Ehren in Kolmar in Posen umbenannt.

Im Schloss von Chodziesen, das Anfang des 19. Jahrhunderts von den Grundherren aufgegeben worden war, wurde, nachdem es vorübergehend als Brauerei gedient hatte, eine Steingutfabrik eingerichtet. 1897 kam eine Porzellanfabrik mit zeitweise 2000 Mitarbeitern hinzu, die noch heute existiert. Chodzieżer Porzellan ist in ganz Polen bekannt.

1918, nachdem der deutsche Kaiser abgedankt hatte, wurden in der Provinz Posen polnische Truppenverbände und polnische sowie deutsche Volksräte gebildet. Es kam zum bewaffneten polnischen Aufstand, bei dem am 8. Januar 1919 Kolmar von den Polen erobert wurde. Nach Verhandlungen zogen sich die Truppen noch in derselben Nacht wieder zurück; die Stadt wurde neutral, bis am 3. Februar deutsche Truppen einmarschierten. Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags wurde Kolmar 1920 dem polnischen Staat einverleibt und hieß von da an offiziell wieder Chodzież.

1939 wurde Kolmar von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die Stadt wurde dem Kreis Kolmar i. Posen im Reichsgau Posen zugeordnet. Von 1940 bis 1945 war Kolmar Kreisstadt des Landkreises Kolmar (Wartheland) im Reichsgau Wartheland.[4] Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt Polen die Stadt zurück. Soweit die deutschen Bewohner nicht vor Kriegsende vor der näherrückenden Roten Armee geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit vertrieben.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1788: 1.528, darunter 279 Juden[2]
  • 1806: 2.397[2]
  • 1816: nur 2.029, darunter 724 Juden, 672 Evangelische und 633 Katholiken[2]
  • 1837: 2.925[2]
  • 1861: 2.285[2]
  • 1875: 2.919[5]
  • 1880: 3.146[5]
  • 2014: 19.349

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1992 ist Chodzież Partnerstadt von Nottuln in Nordrhein-Westfalen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chodzież hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Poznań–Piła (weiterer Halt in Milcz), früher begann hier außerdem die Bahnstrecke Gołańcz–Chodzież.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Chodzież, zu der die Stadt Chodzież selbst nicht gehört, umfasst folgende Ortschaften:

Name deutscher Name
(1815–1919)
deutscher Name
(1939–1945)
Cisze Wilsbach Wilsbach
Ciszewo Netzland Netzland
Drzązgowo Kienwald Kienwald
Jacewko Königslug Königslug
Kamionka Kamionke Kamke
Kierzkowice Kerzow Kerzow
Konstantynowo Constantinau Konstantinau
Krystynka Christinchen Christinchen
Milcz Milsch Milsch
Mirowo Mirowo Mirowo
Nietuszkowo Nikolskowo Nicklau
Oleśnica Oberlesnitz Oberlesnitz
Pietronki Pietronke 1939–1943 Pietronke
1943–1945 Petermannke
Podanin Podanin Podanin
Rataje Rattai Rattai
Rudki Rutke Rutke
Słomki Slomke Tiefland
Stróżewice Strosewo Hauland
1906–1919 Hermstal
Hermstal
Stróżewko Vorwerk Straußberg Vorwerk Straußberg
Stróżewo Strosewo
1906–1919 Kirchdorf
1939–1943 Kirchdorf
1943–1945 Freienkirchdorf
Strzelce Strelitz Strelitz
Strzelęcin Neu Strelitz Neu Strelitz
Studzieniec Studzyn
1876–1919 Studsin
Studsin
Trojanki Vorwerk Hammermühle Vorwerk Hammermühle
Trzaskowice Knarrhütte Knarrhütte
Wymysław Wymyslowo Augustenau
Zacharzyn Zachasberg Zachasberg

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 335.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil, welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Kantersche Hofdruckerei, Marienwerder 1789, S. 112, Nr. 6)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chodzież – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 28. November 2014.
  2. a b c d e f g h i j Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 335.
  3. Leopold von Zedlitz-Neukirch: Der preußische Staat in allen seinen Beziehungen. Band 3, Berlin 1837, S. 169.
  4. www.territorial.de Der Landkreis Kolmar (Wartheland)
  5. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/pos_kolmar.html