Chora (Samos)

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Stadtbezirk Chora
Δημοτική Κοινότητα Χώρας (Χώρα)
Chora (Samos) (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat Griechenland
Region Nördliche Ägäis
Regionalbezirk Samos
Gemeinde Samos
Gemeindebezirk Pythagorio
Status Stadtbezirk
Geographische Koordinaten 37° 42′ N, 26° 54′ OKoordinaten: 37° 42′ N, 26° 54′ O
Höhe ü. d. M. 58 m
(Durchschnitt)
Fläche 10,953 km²[1]
Einwohner 1340 (2011[2])
LAU-1-Code-Nr. 56010411
Ortsgliederung 2
Postleitzahl 83103
Telefonvorwahl 22730

Die Kleinstadt Chora (griechisch Χώρα (f. sg.)) liegt im Südosten der griechischen Insel Samos. Zusammen mit der Küstensiedlung Potokaki bildet Chora den Stadtbezirk (Δημοτική Κοινότητα) im Gemeindebezirk Pythagorio. Die ehemalige Inselhauptstadt ist heute nach Einwohnerzahl fünftgrößter Ort der Insel.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chora liegt im Nordosten der Ebene von Chora (Κάμπος Χώρας Kambos Choras) am Talausgang des Kalathi (Καλάθι). Das Ortszentrum liegt nordwestlich der Abzweigung der Landstraße Vathy-Chora (Επαρχιακή Οδός Βαθιού-Χώρας) von der Landstraße Vathy-Karlovasi (Επαρχιακή Οδός Βαθιού-Καρλοωάσου).

Die nächstgelegenen Orte sind Mytilinii 2,5 Kilometer nördlich und Pythagorio etwa 3,5 Kilometer südöstlich. Die Küstensiedlung Potokaki liegt in Flughafennähe etwa 2,3 Kilometer südöstlich. Die Stadt Samos liegt etwa 8 Kilometer nordöstlich.

Das Gebiet des Stadtbezirks Chora grenzt im Süden an die Bucht von Tigani (Όρμος Τηγάνι). Benachbarte Stadtbezirke und Ortsgemeinschaften sind Pythagorio im Südosten, Mytilinii und Mavratzei im Norden, Myli im Westen und Pagondas im Südwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Samos für nahezu ein Jahrhundert wegen wiederholter Piratenüberfälle und Plünderungen unbesiedelt war, führte die Wiederbesiedelung ab 1572 zu bedeutenden Veränderungen. Die meisten der Neugründungen lagen auf alten Siedlungen aus byzantinischer Zeit, keine dieser Siedlungen war an der Küste gelegen. Drei zeitgenössische Überlieferungen vom Ende des 17. Jahrhunderts berichten übereinstimmend von Chora als größtem der 16 bis 20 Dörfer auf Samos. Die Lage landeinwärts des antiken Hafens am Fuß einer Hügelkette war bei der Standortwahl ein Schlüsselelement. Vom Meer aus nicht sichtbar bot der Standort von den nahe gelegen Bergen nordwestlich des Dorfes die Möglichkeit der Kontrolle des Hafens von Tigani und des umliegenden Seegebiets.[3]

In der zweiten Ausgabe des Seefahrerbuchs Kitab-ı Bahriye von Piri Reis aus dem Jahr 1525 lässt die gewählte Darstellung auf die administrative Bedeutung von kale-i Susam cezire-i mezkur gegenüber den anderen Dörfern schließen. Die erstmalige schriftliche Erwähnung 1633 als Sisam in einem osmanischen Kopfsteuer-Register führt 215 Familien auf.[4] Die älteste überlieferte griechische Bezeichnung Megali Chora (Μεγάλη Χώρα ‚Große Stadt‘) von Iosif Georgirinis aus dem Jahr 1677[5] wird auch auf Peter Schenks Karte Insula Samos von 1700 verwendet. Nach Georgirinis hatten der Erzbischof, der Qādī und der Agha ihren Sitz in Megali Chora. Auch die wenigen türkischen Vollzugsbeamten mit ihren Familien lebten im Ort. Im Jahr 1702 berichtete Tournefort, dass Cora seit einem Überfall der Venezianer unter Francesco Morosini aus 600 überwiegend verlassenen Häusern bestand. [6]

Nach der Griechischen Revolution 1828 verlor Chora aufgrund seiner ungünstigen Lage die administrative Bedeutung gegenüber der neuen provisorischen Inselhauptstadt am Golf von Vathy. Während der Regentschaft Alexandros Kallimachis’ wurde Chora ab 1850 nochmals Hauptstadt. Sein Nachfolger Ion Ghikas verlegte 1854 den Regierungssitz und seine Residenz endgültig nach Limin Vatheos. Die Stadt blieb Sitz eines Distrikts mit 9722 Einwohnern, der in sieben Gemeinden untergliedert war.[7]

Nach dem Anschluss von Samos an Griechenland 1913 wurde die Insel 1918 administrativ untergliedert. Chora bildete die gleichnamige Landgemeinde (Κοινότητα Χώρας Kinotita Choras). Die Eingemeindung des Küstenortes Potokaki erfolgte 1961. Durch die Fusion von elf Landgemeinden zur neu gegründeten Stadtgemeinde Pythagorio (Δήμος Πυθαγορείου) im Rahmen der Gemeindereform 1997 verlor Chora endgültig seine administrative Bedeutung.[8] Mit wenigen Ausnahmen war die neue Gemeindegliederung an die des ehemaligen Fürstentums angelehnt. Seit der Verwaltungsreform 2010 hat Chora den Status eines Stadtbezirks (Δημοτική Κοινότητα Dimotiki Kinotita) im Gemeindebezirk Pythagorio der Gemeinde Samos.

Einwohnerentwicklung von Chora[9]
Jahr 1666 1828 1864 1913 1920 1928 1940 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2011[2]
Chora 2600 1300 1398 1990 1895 2079 1962 1678 1271 1093 1100 1316 1448 1218
Potokaki 0062 0019 0018 0033 0049 0122
Gesamt 2600 1300 1398 1990 1895 2079 1962 1678 1333 1112 1118 1349 1497 1340

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Griechisches Statistisches Amt (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Memento des Originals vom 5. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistics.gr
  2. a b Ergebnisse der Volkszählung 2011, Griechisches Statistisches Amt (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Memento vom 27. Juni 2015 im Internet Archive) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  3. Νίκος Μπελαβίλας (Nikos Belavilas): Λιμάνια και οικισμοί στο Αιγαίο της πειρατείας. Μετασχηματισμοί στον χώρο του ναυτικού και οικιστικού δικτύου των νησιών, κατά την περίοδο της πειρατικής ναυτιλίας, 1420–1815. Athen 1993, S. 450.; Diss. Nationale Technische Universität Athen Online S. 192ff (griechisch)
  4. Evangelia Balta: Açıl Susam, açıl. In: Osmanlı Araştırmaları. Nr. 19, 1999, S. 87–164. (englisch)
  5. Iosef Georgirinis: A description of the present state of Samos, Nicaria, Patmos, and Mount Athos. London 1678, S. 112 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Joseph Pitton de Tournefort: LETTRE X. Description des Isles de Samos de Patmos de Fourni & de Skyros. In: Relation d'un voyage du Levant: fait par ordre du Roi contenant. Paris 1717 (Online). S. 104
  7. Emmanouil Kritikidis (Εμμανουήλ Κρητικίδης): Τοπογραφία αρχαία και σημερινή της Σάμου. 1869, S. 60. (griechisch)
  8. Κεντρική Ένωση ∆ήµων και Κοινοτήτων Ελλάδας, Ελληνική Εταιρία Τοπικής Ανάπτυξης και Αυτοδιοίκησης (Hrsg.): Λεξικό ∆ιοικητικών Μεταβολών των ∆ήµων και Κοινοτήτων (1912–2001). 2 (Τόμος Β, λ–ω). Athen 2002, ISBN 960-7509-47-1, S. 577.
  9. Einwohnerzahlen von Chora 1913–2001, Griechisches Statistisches Amt ELSTAT, Digitale Bibliothek (griechisch); Census 2011